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Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

Juni 2005
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

350 Jahre amerikanisches Judentum
U.S. Einwanderungsboom nach Israel
Ansteigen antisemitischer Vorfälle
Ist die Columbia University judenfeindlich?
AIPAC Spionageaffaire: Viel Wind um nichts?
Schlammschlacht beim World Jewish Congress
U.S. Plünderungsgut aus dem Zweiten Weltkrieg
Das Schweigen der New York Times

 

"Wir, die Katastrophen überlebt haben, können auch die Freiheit überleben", prophezeite 1945 der amerikanisch-jüdische Intellektuelle Elliot Cohen angesichts der Herausforderung, das amerikanische Judentum dem Geiste des amerikanischen Pluralismus anzupassen. Seither ist die trennende Formulierung "Juden versus Amerikaner" genauso unvorstellbar geworden wie eine ethnische und religiöse Einkapselung oder gar der Gedanke, dass die amerikanischen Juden die Diaspora als etwas Temporäres, als ein ungewolltes Exil, als eine soziale Ausgrenzung und nicht als ein zutiefst gewünschtes Heimatland empfinden sollten.

In diesem Jahr, 350 Jahre nachdem sich die ersten Juden in der niederländischen Kolonie New Amsterdam, später New York genannt, ansiedelten, finden in jedem US Staat Feierlichkeiten, Ausstellungen und Vorlesungen statt, und die jüdischen Zeitungen und Organisationen nehmen den Jahrestag zum Anlass, zu reflektieren, ob das amerikanische Judentum in 350 Jahren überhaupt noch existieren werde. Kritische Selbsteinschätzungen wechseln sich so mit Freudentaumel ab, und man ist stolz, es in so kurzer Zeit, so weit gebracht zu haben.

Dabei streitet niemand ab, dass die amerikanischen Juden wesentlich zur Pluralisierung der amerikanischen Gemeinschaft beigetragen haben. Sie mussten ihre Identität und ihr Selbstverständnis immer wieder neu definieren. Israel wurde dabei immer weniger als Identitätshilfe angesehen, sondern als "eine Imaginierung der antiken Herkunft [benutzt], mit Hilfe derer [die Juden] sich einer respektbietenden Altzivilisation rühmen können", so die Neue Zürcher Zeitung; ganz im Gegensatz zu den christlichen Amerikanern, die auf eine viel kürzere Geschichte blicken.

Es ist ganz so, "als habe Ellis Island [der Einwanderungshafen in New York] den Berg Sinai als Epizentrum der jüdischen Identität abgelöst, und je mehr die amerikanischen Juden sich von der Einwandergeneration entfernten, desto mehr verblasste ihr Judentum", meint der Journalist und Autor Jonathan Rosen in einem Kommentar in der New York Times. "Paradoxerweise ist der Selbstbestimmungsdrang der amerikanischen Juden und der Nichtjuden ein und derselbe: Amerikanische Juden sind wie jeder andere Amerikaner, aber sie sind auch anders — sie kamen als Einwanderer an, aber ihre jahrtausendlange Geschichte ging ihnen voraus. Der Exodus aus Ägypten und die Idee eines Gelobten Landes sind zwar Teil der jüdischen Geschichte, wurden aber auch von den frühen amerikanischen Protestanten, den Pilgern, für sich beansprucht und ausgelegt".

Auch dass jüdische amerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg in Europa kämpften und den Kontinent vom Nazismus befreiten, stärkte das Selbstbewusstsein der amerikanischen Juden immens, was auch auf spätere Generationen einen grossen Einfluss hatte. Diese jüdischen GIs waren die ersten Juden ihrer Generation, die gesellschaftlich und wirtschaftlich aufsteigen konnten, die Colleges und Universitäten besuchten und die typisch jüdischen Ballungsstädte gen Westen verliessen. Die Zugehörigkeit zum Judentum wurde zu einer privaten und freiwilligen Angelegenheit. Man war vorerst Amerikaner.

Die amerikanischen Juden personifizieren also den ur-amerikanischen Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Doch viele Juden befürchten, dass sie deshalb auch Opfer ihres eigenen Erfolges, ihrer reibungslosen Integration, werden könnten: Ihre Säkularisierung nimmt zu, ihre Anbindung an das religiöse Judentum, an die alten Traditionen, nimmt ab. Die amerikanischen Juden werden zunehmend zu "Kulturjuden", zu hebräischen Analphabeten.

Es gibt in den USA 4 Millionen "halachischer Juden", also jene, die dem orthodoxen Judentum nach jüdisch sind. Insgesamt sehen sich jedoch 6 Millionen Amerikaner als Juden an. Die Hälfte bezeichnet sich als reformorientiert, und die Rate der interreligiösen und interkulturellen Ehen liegt bei 51 Prozent. Die Vielfalt der jüdischen Lebensformen nimmt zu — und sie werden nicht als weniger authentisch eingestuft als die alten Traditionen.

Was hält diese aufgesplitterte Gemeinde zusammen? Es ist, so der amerikanische Historiker Peter Novick, der Holocaust, über den sich die amerikanischen Juden definieren, denn "er ist der kleinste gemeinsame Nenner. Der Holocaust ist die Tatsache, die alle Juden gemeinsam haben. Wenn man definieren will, was Juden von Nichtjuden unterscheidet, kann man nicht auf religiöse Überzeugungen zurückgreifen, weil solche der Mehrheit der amerikanischen Juden ohnehin fehlen. Was alle amerikanische Juden jedoch gemeinsam haben, ist das Bewusstsein, dass sie — wenn ihre Eltern und Grosseltern nicht rechtzeitig ausgewandert wären — gar nicht leben würden. Ein Rabbiner hat mir einmal gesagt, man habe sich auf den Holocaust geeinigt [als Zentrum der jüdischen Identität], 'weil Gott und Israel zu kontrovers seien'".

Wie sieht das amerikanische Judentum aus im Jahre 2005? War es bis vor kurzem noch streng in reform, konservativ, rekonstruktiv und orthodox aufgeteilt, vermischen die Grenzen immer mehr zu einer "Transdenomination". Die verschiedenen Strömungen — zwar immer noch verzankt — sind jetzt einander toleranter eingestellt. Es herrscht eine Atmosphäre des "leben und leben lassen". Neue, alternative Gemeinden entstehen, und selbst innerhalb des orthodoxen Judentums wird der Ruf nach Reformierung, insbesondere wenn es um die Rolle der Frau geht, laut. Reformjuden wiederum streben jetzt verstärkt traditionelle Werte an.

Das amerikanische Judentum teilt sich immer mehr in orthodox und unorthodox auf. Und dann gibt es auch die vielen alternativen Strömungen, wie die Buddhismus-orientierten Juden, zum Beispiel, die sogenannten "Jew-Bus", und Juden, die ein individualisiertes Judentum anstreben. Aber dieser Trend ist in ganz Amerika anzufinden: Es gibt rund 296 Millionen verschiedene Religionen in den USA — jeder Amerikaner praktiziert seine eigene.

Eine neue Studie des American Jewish Committee mit dem Titel: Im Westen Nichts Neues? Jüdische Einheit, Denomination und Postdenomination in den USA, spricht von einem "Waffenstillstand" der verschiedenen Strömungen im Judentum; doch der sei trügerisch: Unter dem Mantel der Solidarität, der Zusammenarbeit und des Konsensus, brodele es. "Amerikanische Juden glauben an die Zauberformel Pluralismus; das ist eine gute Idee, geht aber doch nur einer ehrlichen Konfrontation und einer positiven Hervorhebung der Unterschiede aus dem Wege".

Die meisten amerikanischen Juden gehören keiner Synagoge an. Ihre Kinder — 2 Millionen Jugendliche unter 18 Jahren leben in den USA — wachsen als Kulturjuden, ohne rigorose religiöse Einschränkungen und Pflichten auf. Nennen wir sie Marc Green (seine Grossmutter hiess Sara Grünbaum) und Rochelle Simon (ihre Grossmutter hiess Terze Szymanowicz). Beide haben eine Bar/Bat Mitzvah gehabt (seitdem besuchen sie die Synagoge nur noch selten); Marc ist beschnitten; Rochelle isst gerne Schinken und Steak mit Sahnesosse und Marc liebt Bagel mit Lachs (gelegentlich auch an Pessach); sie können ein paar hebräische Buchstaben erkennen und "Hava Nargila" leidlich singen, das sie im jüdischen Ferienlager gelernt haben (wo beide jedes Jahr ihre Sommerferien verbringen); Marc und Rochelle waren noch nie in Israel und wollen auch gar nicht hin; sie gehen am Yom Kippur in die Synagoge und fasten vielleicht manchmal auch ein bisschen; zu Chanukkah erhalten sie Geschenke — Weinachten feiern sie natürlich nicht. Aber sie haben einen 'Chanukkahbaum' mit elektrischen Kerzen, an den sie Plastikdreidel und glitzernde blaue Davidsterne aus Folie hängen, und sie essen Lebkuchen (in Form von kleinen Menorahs), dekoriert mit blau-weissen Zuckerstreuseln.

Beide fühlen sich als Juden, sind stolz, Juden zu sein.

Auf der anderen Seite gibt es junge orthodoxe Juden, so wie der beliebte Reggaesänger Matisyahu, die sagen "Shul ist Cool", und sie haben ihren eigenen "hipster brand" des orthodoxen Judentums aufgebaut. Und dann gibt es die steigende Anzahl von streng gläubigen chassidischen Juden, deren Kinder man auf der Strasse hören kann, wo sie laut auf Jiddisch über den letzten Spiderman Film diskutieren.

Jedoch geniessen heute weitaus weniger Kinder eine jüdische Erziehung als ihre Eltern sie noch erhielten. "Jeder ist besorgt über Antisemitismus, aber zu wenige scheinen sich darüber Gedanken zu machen, ob es hier bald noch Juden geben wird, über die man sich Sorgen machen muss", meint Rabbi Steven Burg, Direktor der National Conference of Synagogue Youth.

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Letztes Jahr sind mehr amerikanische Juden nach Israel eingewandert als in jedem anderen Jahr seit 1983. Insgesamt wanderten 2004 rund 3.000 amerikanische Juden nach Israel ein, das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei werde jährlich jeder Immigrant, so errechnete die Organisation Nefesh b'Nefesh, rund 200.000 Dollar in die israelische Wirtschaft beisteuern können.

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Die Anti Defamation League hat ihre jährliche Antisemitismusstudie veröffentlicht, die belegt, dass im Jahr 2004, 14 Prozent der Amerikaner antisemitischen Meinungen anhingen, im Vergleich zu 17 Prozent im Jahr davor. Die Anzahl antisemitischer Ausschreitungen habe um 17 Prozent zugenommen, und stieg von 1.557 (2003) auf 1.821 im letzten Jahr; sie erreichte damit den höchsten Stand seit neun Jahren.

Der Grund für das Anwachsen ist eine lautstarke, besser organisierte rechte Szene, sowie eine Häufung von antisemitischen Vorfällen, wie Hakenkreuzschmierereien und Pöbeleien, in Schulen. Jedoch seien die Vorfälle weitaus weniger gewalttätig gewesen als im gleichen Zeitraum in Europa. In den acht Staaten, in denen die meisten antisemitischen Vorkommnisse registriert wurden — unter anderem in New York, Kalifornien und Florida — kamen 13 Prozent der Ausschreitungen in Schulen vor. In Los Angeles nahmen sogenannte hate crimes ab — eine Ausnahme bildeten antisemitische Vorfälle, die 84 Prozent aller Taten ausmachten.

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In New Yorks renommierter Columbia University weht ein antisemitischer Wind, schenkt man einem Dokumentarfilm einiger Studenten Glauben, der palästinensische und arabische Dozenten des Lehrstuhls für Studien des Nahen Ostens (Middle East and Asian Languages and Culture Department — MEALAC) beschuldigt, sie würden jüdische und israelische Studenten wegen ihres Glaubens und ihrer Nationalität ostentativ einschüchtern. Seit mehr als sechs Monaten weist eine kleine Gruppe von Studenten darauf hin, dass diese Professoren Studenten beschimpfen und sie dafür bestrafen, weil diese jüdisch seien. So habe ein Professor einen israelischen Studenten gefragt, wie viele Palästinenser er denn während seines Armeedienstes getötet habe, und ein anderer habe einer Studentin gesagt, sie könne gar nicht jüdisch sein, weil sie nicht danach aussehe.

Eine ad-hoc Kommission, die von der Universität einberufen wurde (ihr gehörten auch fünf Fakultätsmitglieder an, die für ihre pro-palästinensischen Einstellungen bekannt sind), habe keine Indizien gefunden, dass die Professoren tatsächlich vorsätzlich antisemitisch gehandelt haben — aber wenige glauben so richtig an den Befund.

Die israelische Tageszeitung Yediot Acharonot berichtet, dass die sieben Universitätsprofessoren, "ganz im Sinne des kürzlich verstorbenen Columbia Professors Edward Said, miteinander regelrecht wetteifern, wer am antisemitischsten und Israel gegenüber am feindlichsten eingestellt ist". Israelische Studenten würden bei einem israelischen Professor regelmässig darüber klagen, dass sie beschimpft und verpönt würden.

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Die Spionageaffäre um die israelische Lobby in Washington, das American Israeli Political Action Committee (AIPAC), geht weiter (siehe letzte USA Notizen). Nur scheint niemand so genau zu wissen, was die offiziellen Anschuldigungen sind. Zwei AIPAC Angestellte wurden jetzt von AIPAC ihres Amtes enthoben, während das FBI immer noch vermittelt. Es werden Beschuldigungen laut, das FBI würde AIPAC aus politischen Gründen schikanieren.

AIPAC wird beschuldigt, es habe Geheimdokumente über den Iran von einem Pentagon Mitarbeiter erhalten und an Israel weitergeleitet. Es scheint aber um mehr zu gehen: Kritiker der Lobby behaupten schon lange, AIPAC fungiere als eine israelische Organisation, als ein Arm der israelischen Regierung, und sei keine richtige amerikanische Lobby. Ihre Arbeit müsse daher strenger reguliert werden. Und jüdische Beobachter befürchten, die Affäre könne sich negativ auf die amerikanisch-israelischen Beziehungen auswirken. Doch die Kontroverse hat sich bisher auch positiv ausgewirkt: Spenden an AIPAC sind dramatisch angestiegen.


Man befürchtet, dass gerade jetzt, wo Israel starke Unterstützung nötige habe, die Arbeit der Lobby behindert werden könne. Der demokratische Kongressabgeordnete Robert Wexler (Florida) beschuldigte die Bush-Regierung gar, sie habe die gesamte jüdische Gemeinschaft in Amerika im Visier, und zwar "auf eine höchst gefährliche Art und Weise".

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Die Krise innerhalb des World Jewish Congress (WJC) spitzt sich zu (siehe USA Notizen vom November 2004). Aufrufe, dass die Organisation von Grund auf reformiert werden müsse, und Anschuldigungen von Seiten Isi Leiblers — Mitglied des WJC und offener Rivale des amtierenden Präsidenten Edgar Bronfman — der Kongress habe Gelder in Höhe von 1.2 Millionen Dollar auf geheime Konten in die Schweiz überwiesen, schlagen weiter Wellen. Welche Ironie: Der WJC hatte 1998 die Schweizer Banken im sogenannten Schweizer Bankenskandal um namenslose Konten in die Knie gezwungen, und einen 1.25 Milliarden Dollar Entschädigungsfonds ausgehandelt.

Die Schlammschlacht geht weiter. Im April wurde ein Mitarbeiter des WJC, Stephen Herbits, scharf angegriffen, nachdem er öffentlich verlautbaren liess, dass wenn die Finanzen des WJC so unter die Lupe genommen würden, sich auch alle anderen jüdischen Organisationen an die eigene Nase fassen sollten, da jeder Dreck am Stecken habe. Der WJC, so munkelt man, "sei ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch". Herbits hat sich inzwischen entschuldigt.

Bronfman, Milliardär und Hauptgeldgeber des WJC, der die Organisation 1981 vor dem Bankrott rettete, hat jetzt erklärt, er werde nicht, wie geplant, nächstes Jahr in Pension gehen, sondern sich für weitere fünf Jahre zur Verfügung stellen. Es wird also noch eine Weile hoch hergehen in der 68 Jahre alten Organisation: Der eine (Leibler) behauptet, für Bronfman "sei Gott tot, und er nehme seine Stelle ein", und der andere (Bronfman) meint, Leibler wäre ein Stinktier, und ihm täte dessen bemitleidenswerte Frau leid".

"Die ganze Affäre bringt die schwierigen Beziehungen der in New York ansässigen jüdischen Organisationen zueinander zu Tage", meint Yediot Acharonots Eitan Amit, und er zitiert den früheren israelischen Generalkonsul in New York, Alon Pinkas: "Die jüdischen Organisationen in New York haben eine künstliche Agenda, losgelöst von den Belangen der amerikanischen Juden. Es wird Zeit, dass sie ihre Prioritäten ändern. Sie sollten sich um jüdische Erziehung und um die Stärkung der jüdischen Identität kümmern. Statt dessen drohen sie Saudi Arabien, schimpfen über Jacques Chirac und gegen China und freuen sich über Silvio Berlusconi. Sie reisen in der Welt herum und reden nur über Antisemitismus, so als gehe es jedem nur um die 'Protokolle der Weisen Zions'. Es ist fürchterlich". Nur AIPAC und der WJC bilden eine Ausnahme, so Pinkas.

Als Pinkas den Posten in New York übernahm war ihm bewusst, dass die jüdischen Organisationen miteinander in Konkurrenz stehen und sich gegenseitig misstrauen. "Aber erst als ich hier ankam merkte ich, um welche Scheinheiligkeit es sich dabei handelt. Sie verteilen untereinander Preise und Auszeichnungen, und vergeuden dann eine Unmenge an Energie mit ihren persönlichen Rivalitäten".

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Die US-Regierung hat sich auf einen Ausgleich eingelassen im Streitfall um von US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg geplünderten jüdischen Vermögensgütern. Eine Gruppe ungarischer Juden reichte vor drei Jahren Klage ein, in der amerikanische Soldaten beschuldigt wurden, sie hätten Kunstgegenstände, Schmuck, Pelze und Gold gegen Ende des Krieges von rund 30.000 deportierten ungarischen Juden gestohlen. Die Kläger verlangen 10.000 Dollar für jeden ungarischen Holocaustüberlebenden, dessen Besitz von der amerikanischen Armee beschlagnahmt und enteignet worden war.

Die Besitztümer wurden von den Nazis gegen Ende des Krieges auf einen Zug Richtung Österreich verladen. Amerikanische Truppen fingen den Zug ab, brachten die Güter in ein Lagerhaus bei Salzburg unter und erklärten, unter Protesten der ungarischen Regierung, den Inhalt als namenslosen Besitz. Die Güter wurden an amerikanische GIs billig verkauft. Zwei Koffer mit Goldstaub verschwanden — andere Gegenstände wurden von amerikanischen Soldaten gestohlen.

Die Höhe des Ausgleiches ist noch nicht geklärt. Es ginge aber nicht um Reparationen, meint Gideon Taylor, der Vizepräsident der Conference on Jewish Material Claims Against Germany, sondern um "eine Wiederherstellung der Geschichte".

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Die New York Times habe in den 1940er Jahren den Holocaust zwar nicht verschwiegen, jedoch die Berichterstattung bewusst auf die hintersten Seiten der Zeitung verbannt, heisst es in einem neuen Buch, Buried By the Times, der Journalistin Laurel Leff.

Die Zeitung veröffentlichte insgesamt 1.186 Artikel über die Judenvernichtung, doch wurden diese hauptsächlich auf den hinteren Seiten plaziert. Die jüdischen Herausgeber der Times wussten nicht nur vom Holocaust, sondern druckten in manchen Fällen auch die greulichen Details ab. Doch in den sechs Kriegsjahren wurden nur 26 Artikel über die Judenvernichtung auf die Titelseiten gesetzt — die Hälfte davon im Jahre 1944, als die meisten Juden schon umgekommen waren. Und nur eine halbes Dutzend der Reportagen sprachen von den Juden ausdrücklich als den Opfern.

Im Oktober 1942, am Abend des Erntedankfestes (Thanksgiving), bestätigte das State Department, dass 2 Millionen Juden in Europa umgebracht worden seien, und liess Rabbi Stephen Wise, dem Vorsitzenden der amerikanischen Gemeinde, diese Nachricht offiziell bekanntgeben. Die New York Times, so Leff, schickte jedoch keinen Reporter zur Pressekonferenz nach Washington. Statt dessen druckte die Zeitung eine kleine Agenturmeldung der Associated Press ab — auf Seite 10, umrandet von Lebensmittelanzeigen.

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