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USA Notizen

 

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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA

 

TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

Juni 2004
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Albert Einstein als alter Mann
Streit um Restgelder des Schweizer Bankenfonds
Antisemitismus in Amerika
Hetzkarikatur in Universitätszeitung
Verspätete Abiturfeier für Holocaustüberlebende
Mormonische Zwangstaufen
Ist Google antisemitisch?
Das schwere Los jüdischer Journalisten

 


Albert EinsteinAlbert Einstein plagten Altersschmerzen. Im Februar tauchte ein Tagebuch von Einsteins letzter Freundin, der 22 Jahre jüngeren Johanna Fantova, auf. Einstein arbeitete von 1933 bis zu seinem Tod 1955 in der Princton Universität, wo auch Fantova beschäftigt war. Die beiden waren sich 1929 in Berlin erstmals begegnet. Die letzten anderthalb Jahre seines Lebens verbrachte Einstein mit dieser Frau, mit der er Deutsch sprechen konnte, die ihm Goethe vorlas und ihn an die "alte Welt" erinnerte. Sie gingen miteinander segeln, schrieben sich Briefe. Fantova schnitt ihm seine Haare.

Das 62 Seiten umfassendes Tagebuch gibt Einblick in die menschliche Seite eines Genies, ist ein faszinierendes Porträt Einsteins als alter Mann. Und wie die New York Times es ausdrückte, "am Interessanten ist, wie gewöhnlich Einstein war; er verglich sich oft mit einem alten Auto, an dem immer etwas kaputt ist."

Einstein, der das Europa der Vorkriegszeit vermisste und sich in Princton nie richtig zuhause fühlte, klagt über sein schlechtes Gedächtnis und den nicht abreissenden Strom von Besuchern, die sich mit ihm photographieren lassen wollten. Manchmal flüchtete er sich vor ihnen in sein Bett, mit der Ausrede, er fühle sich nicht wohl.

Fantova beschreibt Einstein als einen Mann, der die Nachrichten überaus kritisch verfolgte, die atomare Aufrüstung scharf ablehnte und seine Freundin tadelte, sie kümmere sich zu wenig um das Weltgeschehen. Er selber sagte von sich er sei ein politischer "Revolutionär" und ein "feuerspeiender Vesuv".

"Ich bin mit einer Elefantenhaut geboren", erklärte er seiner Freundin. "Niemand kann mir wehtun. Kritik perlt an mir ab. [...] Die Physiker sagen, ich bin ein Mathematiker, und die Mathematiker sagen, ich bin ein Physiker. Ich bin ein komplett isolierter Mann, und obwohl jeder mich kennt, richtig kennen mich nur sehr wenige".

*

 

Müssen Holocaustüberlebende jetzt die diplomatischen Fehler und Versäumnisse europäischer Regierungen sowie des ehemaligen sowjetischen Regimes ausbügeln? Wie schon in den letzten USA Notizen angesprochen, sollen rund 600 Millionen Dollar Restbestände des humanitären Fonds, der 1998 mit den Schweizer Banken ausgehandelt wurde—die bisher nicht an ihre rechtmässigen Besitzer oder Erben zurückgegeben werden konnten—auf hilfsbedürftige Holocaustüberlebende in aller Welt aufgeteilt werden. Die Höhe der auszuzahlenden Summen soll im Verhältnis zu den Bedürfnissen und den Lebensverhältnissen der Überlebenden stehen.

Unter heftiger Kritik amerikanischer Juden hatte Richter Edward R. Korman vom Zivilgericht in Brooklyn im Januar entschieden, dass der Hauptteil dieser 600 Millionen Restbestände, und zwar 70 Prozent, an Juden in der ehemaligen Sowjetunion gehen sollte, da sie in besonders ärmlichen Verhältnissen leben und "doppelte Opfer" (Korman) von Nazismus und Kommunismus sind.

Mehrere Organisationen, unter anderem aus Israel und den USA, hatten Kormans Verfügung scharf angegriffen, in der Hoffnung, diese zu ihren Gunsten zu ändern. Sie meinen, russische Juden seien arm in Folge der Versäumnisse in der ehemaligen Sowjetunion und der Gleichgültigkeit europäischer Regierungen. Das sei ein politisches Problem, was nicht mit Reparationen zu begleichen sei.

Am 9. März bestätigte nun Korman seine ursprüngliche Verfügung in einem 52-Seiten langen Memorandum. Amerikanische Juden—vertreten durch die "National Holocaust Survivors' Alliance-USA", einer Dachorganisation von mehr als 50 kleineren jüdischen Organisationen mit insgesamt 20.000 Mitgliedern—sind empört: Amerikanische Holocaustüberlebende sollen nach Kormans Präambel nur vier Prozent der Gelder erhalten, und das, obwohl Schätzungen nach 25 Prozent der rund 175.000 amerikanischen Holocaustüberlebenden in Armut leben (die Hälfte von ihnen in New York). Die Gelder können niemals die Leiden entschädigen, hiess es in Kormans Urteil, sondern sollen als humanitäre Geste denen helfen, die diese Gelder am nötigsten hätten. Auch andere jüdische Gruppen in der ganzen Welt hatten dagegen Einspruch erhoben und Kormans Begründung zur Aufteilung der Gelder mit Statistiken und Augenzeugenberichten widerlegt.

Von den weltweit 900.000 Holocausüberlebenden leben 19-27 Prozent in der ehemaligen Sowjetunion und 14-17 Prozent in den Vereinigten Staaten. Viele amerikanische Überlebende meinen, dass die Restbestände aus dem Fonds der Schweizer Banken nicht als philanthropische Hilfe gedacht seien, sondern als eine minimale monetäre Entschädigung. Die Gelder gehören denen, die im Holocaust gelitten hätten, sowie deren Nachfahren. Und noch ein anderer Punkt sollte berücksichtigt werden, meinen Überlebende, besonders in Israel: Nicht alle Juden aus der ehemaligen Sowjetunion seien jüdischer Abstammung, und somit könne die Zahl der dort hilfsbedürftigen Juden überhaupt nicht genau festgelegt werden. Viele russische Juden sind arm, weil die ehemalige Sowjetunion sich ihrer nie angenommen hatte, und auch Europa sich nach Ende des Kalten Krieges nie um sie kümmerte.

Andere vertreten dagegen die Ansicht, man könne nicht jeden Holocaustüberlebenden berücksichtigen—sonst könnten nur Pfennige ausgezahlt werden. Die Gelder sollten an diejenigen gehen, die sie am meisten benötigen.

Am 29. April demonstrierten Mitglieder der "National Association of Jewish Holocaust Survivors" vor dem Brooklyner Gerichtssaal, in dem auch vor sechs Jahren der Vergleich mit den Schweizer Banken abgeschlossen wurde. Mehrere geladene Holocaustüberlebende trugen Korman in einer Anhörung im Gerichtssaal ihre Zweifel an der Gerechtigkeit der Aufteilung der Gelder vor. Denn viel Zeit bliebe nicht, dieses Dilemma zu lösen: Das Durchschnittsalter israelischer Überlebender ist 84 Jahre und liegt in den USA bei 77 Jahren. Schätzungen zu Folge, wird die Zahl der Überlebenden weltweit mit jedem Jahr 6-8 Prozent abnehmen.

Erschwert wird das Unterfangen, weil es Untersuchungen nach immer noch genügend Überlebende gibt, um die unverteilten 600 Millionen, um die es jetzt geht, doch noch, wie ursprünglich geplant, aufzuteilen. "Leider glauben viele nicht, dass es im reichen und mächtigen Amerika Armut und Leid geben kann", schrieben Vertreter der jüdischen Organisation "American Gathering of Jewish Holocaust Survivors" in einem Brief an Korman. "Gerade weil wir so eine reiche Nation sind, sind die Probleme der armen Holocaustüberlebenden besonders beängstigend."

*

 

Parallel zur internationalen Antisemitismus-Konferenz—initiiert von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Ende April in Berlin—hat die Anti-Defamation League (ADL) in New York ihren jährlichen Report über Antisemitismus in Amerika vorgestellt.

Insgesamt ist die Zahl antisemitischer Ausschreitungen in den USA im letzten Jahr leicht zurückgegangen. Nur in New York nahmen sogenannte "hate crimes" um 17 Prozent zu (ausser in Manhattan, wo die Zahl der Vorfälle zurückging). In Brooklyn stiegen Angriffe auf Juden oder jüdische Einrichtungen um 125 Prozent an.

Im letzten Jahr wurden in den Vereinigten Staaten 1.557 antisemitische Vorfälle registriert—das sind nur zwei weniger als 2002. Nur in zwei Staaten mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil, in Kalifornien und Massachusetts, ging die Zahl der "hate crimes" zurück. Innerhalb der letzten 20 Jahre wurden 1986 die wenigsten, und 1994 die meisten antisemitischen Vorfälle erfasst.

Mel Gibsons Film The Passion of the Christ scheint keine antisemitischen Sentimente geschürt zu haben, wie erst befürchtet. "So far so good", so der trockene Kommentar von Abraham Foxman, dem Direktor der ADL.

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Die Karikatur zeigte einen bärtigen Juden mit Hut, der auf dem Rand eines geöffneten Küchenofens sass und vor ihm einen Mann, der dem Anschein nach einen Ball in die Richtung des Juden werfen will. Unter der Zeichnung stand: "Holocaust Rememberance Week: Stosse den Juden in den Ofen! Drei Würfe für einen Dollar".

Die Zeichnung war im April auf der Titelseite der Studentenzeitung The Medium der Rutgers Universität in Newark, New Jersey, erschienen und löste eine Welle der Entrüstung aus. Richard L. McCormick, der Präsident der Universität, distanzierte sich von der Karikatur und nannte sie "empörend in ihrer Grausamkeit"; er rief die Redakteure auf, sich zu entschuldigen. Jedoch angesichts der Meinungsfreiheit, und der Tatsache, dass die Zeitschrift nicht mit öffentlichen Geldern gestützt, sondern von Studenten finanziert werde, könne man nicht einschreiten.

Ein jüdischer Redakteur der Zeitung, Ned Berke, 19, wurde daraufhin in Newarks The Star-Ledger und in der New York Times zitiert, er fände die Zeichnung lustig und man solle den Holocaustüberlebenden doch mit mehr Humor begegnen: "Humor ist eine Möglichkeit, ihrer zu gedenken und um darüber hinwegzukommen".

Vielen fehlte jedoch dieser Sinn für "Humor". Die Internetseite der Zeitung wurde von Computerhackern sabotiert und ausgelöscht. Zurück liessen die Hacker einen Link zur Seite der Anti-Defamation League, die bestreitet, damit etwas zu tun gehabt zu haben.

Am Ende entschuldigten sich die jungen Redakteure doch, mit der vagen Erklärung, "die Absurdität" ihrer Karikatur sei "leider missverstanden worden".

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Nein, Erinnerung und Aufklärung gehen ganz anders. Rund 100 der 200 Schüler der achten Klassenstufe der Millburn Middle School in New Jersey, die sich für dieses Schuljahr freiwillig in einen Holocaust Seminar eingeschrieben hatten, dachten sich im April etwas ganz Besonderes aus.

Als Teil des Kurses wurde Holocaustüberlebende Marsha Kreuzman in die Schule eingeladen, um den Schülern von ihren Erfahrungen im Holocaust zu erzählen. Am Ende ihres Vortrags verriet sie der Klasse, dass sie es besonders vermisse, nie den obligatorischen amerikanischen "Prom" (Schulabschlussfeier) gefeiert zu haben.

Das brachte die Schüler auf die Idee, in der Schulkantine einen "Prom" für Holocaustüberlebende zu veranstalten; sie sammelten 400 Dollar untereinander und organisierten koscheres Essen. Doch die Idee zog Kreise, immer mehr Gäste wurden eingeladen, Eltern und Schüler aus anderen Klassen boten Hilfe und Spenden an, bis der Besitzer eines luxuriösen Hochzeitssaals in New Jersey anbot, die Feier bei ihm abzuhalten. Limousinen, Blumen und ein Festessen wurden gespendet und Einladungen verschickt.

Am 24. April feierten rund 400 Gäste—unter ihnen rund 180 Holocaustüberlebende—einen rauschenden Ball.

"Danach schrieben die Schüler Dankesbriefe an die Holocaustüberlebenden", erzählt Mary Vasquez, die Leiterin des Holocaust Seminars. "Freundschaften entwickelten sich. Jeder Schüler 'adoptierte' einen Überlebenden, und trifft sich mit ihm regelmässig, um dessen Leidensgeschichte zu erfahren."

Die Schüler haben sich untereinander geschworen, dass sie im Jahre 2045—hundert Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges—den Kindern an Schulen Vorträge halten werden, um von den Erfahrungen "ihrer" adoptierten Holocaustüberlebenden zu erzählen, damit niemand sie vergesse.

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Schon seit langer Zeit haben Mormonen von der Church of Jesus Christ of Later-day Saints, jüdische Holocaustopfer, deren Namen sie aus offiziellen Dokumenten und historischen Aufzeichnungen in der ganzen Welt zusammengetragen hatten, postum getauft, um ihnen "in den Himmel zu verhelfen". Und schon oft versprachen sie, mit dieser Gewohnheit—die Rabbiner Marvin Hier vom Los Angeleser Simon Wiesenthal Center "ein Symbol der Arroganz" nennt—aufzuhören. "Es ist lächerlich", meint Hier, "dass Leute vorgeben können, sie hätten den Schlüssel zum Paradies".

1995 gaben die Mormonen jüdischen Forderungen nach und versprachen, mit den Taufen aufzuhören. Doch diese gingen ungehindert weiter. Seitdem wurden 268 holländische Juden, die in polnischen Konzentrationslagern umgekommen waren, postum getauft. Und das ist nur die Spitze des Eisberges.

Jetzt soll sich New Yorks Senatorin Hillary Rodham Clinton, die Frau des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, der Sache annehmen. Im März traf sie sich mit Utahs Senator Orrin Hatch, einem Mormonen. Details sind noch nicht bekannt. Jüdische Organisationen, wie das "American Gathering of Jewish Holocaust Survivors" in New York, haben jetzt mit Klagen gegen die Mormonen gedroht.

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Sind die Besitzer der Internet Suchmaschine "Google" Antisemiten? Gab man bis vor kurzem noch den Suchbegriff "Jew" (Jude) ein, erschien als erste Internetseite von 1.75 Millionen möglichen Seiten die antisemitische "Jew Watch", deren Betreiber den Holocaust bestreiten und über "jüdische Weltverschwörungen" grübeln.

Diese Entdeckung löste einen Sturm der Empörung aus. Dabei haben die Besitzer von Google gar keinen Einfluss auf die Plazierung der Seiten, die ihre Suchmaschine findet. Gemäss einer Art digitalen Demokratie, rückt eine Internetadresse in der Hirarchie nach oben aufgrund ihrer Popularität, sobald sie viele sogenannte "hits" erhält, also viele Internet Benutzer sie aufsuchen.

Als offizielle Erklärung für das beunruhigende Phänomen von "Jew Watch" gaben die Betreiber von Google an, dass der Suchbegriff "Jew" normalerweise nicht von denen eingegeben wird, die etwas über das Judentum erfahren wollen, sondern von denen, die "Jew" als Schimpfwort benützen. Und bei denen steht "Jew Watch" eben an erster Stelle. Doch Google hat jetzt einen Hinweis über den Namen "Jew Watch", der davor warnt, dass die Seite "anstössiges Material enthält".

Die Debatte dreht sich aber weiterhin um die Fage, ob eine Internet Suchmaschine, die als digitaler Wegweiser dienen soll ohne eine Internetseite einer anderen zu bevorzugen, zensiert werden dürfe. Die Anti-Defamation League in New York hat sich gegen eine solche Zensur ausgesprochen. Andere teilen diese Meinung, haben aber einen cleveren Weg gefunden, "Jew Watch" von Platz eins zu verbannen: Sie verlinken massiv andere Seiten (wie zum Beispiel die Encyclopaedia Wikipedia) mit dem Wort "Jew", so dass Wikipedia viele Hits erhielt und zur ersten Stelle aufrückte.

Doch es wurden auch Stimmen laut, die dafür plädieren, "Jew Watch" ganz zu blockieren. Ein New Yorker Immobilienmakler hat zu diesem Zweck innerhalb von zwei Wochen 82.000 Unterschriften gesammelt, mit der Forderung, "Jew Watch" ganz zu entfernen. Die Google Betreiber gehen darauf nicht ein.

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Denkt und schreibt ein jüdischer Journalist anders als sein nicht-jüdischer Kollege? Ist seine Arbeitsethik eine andere? Die Washingtoner American Jewish Press Organization hatte im März ein dreitägiges Symposium mit mehr als 60 jüdischen Redakteuren und Journalisten in New York einberufen, um dieser Frage nachzugehen.

Die Rolle des jüdischen Journalisten, so der Konsens, sei heute komplizierter denn je: Er habe unparteilich über Israel zu berichten, würde aber immer im Rampenlicht stehen und der Kritik ausgesetzt sein, ob er denn nun wirklich objektiv sei. Er müsse die jüdischen Gemeinden kritisch unter die Lupe nehmen, ohne sie (und deren Sprecher) zu verprellen. Und er habe sich antisemitische Übergriffe—verbal, manchmal handgreiflich—vom Leibe zu halten.

Gary Rosenblatt, Chefredakteur der Jewish Week glaubt, das jüdische Journalisten "oft einsam" seien und eine Hassliebe gegenüber den hypersensiblen organisierten jüdischen Gemeinden entwickelten.
Jüdische Journalisten seien dem ständigen Druck ausgeliefert, die Belange der jüdischen Gemeinden und der diversen religiösen Strömungen zu vertreten und zu fördern. Kritik an Israel werde mit scharfer Kritik von Seiten der Leser quittiert. Das ist eine schwierige Gratwanderung für jüdische Journalisten, die es niemandem Recht machen können und von denen nicht-jüdische Journalisten annehmen, sie seien automatisch auf der Seite Israels.

Und das ist noch nicht alles. Rabbiner sehen in Journalisten Befürworter der "Lashon Ha'ra", der Verleumdung, die in der Torah verboten wird. Die Torah lässt dabei offen, wann man sich einzumischen habe, um Schaden zu verhindern und die Wahrheit fördern—was auch als ein Gebot angesehen werde und eben Aufgabe eines Journalisten ist.

"Die Kritik der Rabbiner hat mich befreit", schreibt Rosenblatt in der Jewish Week. "Ich habe festgestellt, dass ich schreiben kann was ich will—vor den Kopf stosse ich immer jemanden."

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