Home Articles in English Articles in German Articles in Hebrew Editorial Services Facebook Page The Media Blog Message Board Links Client Testimonials About Contact Blog-Ed: Opinion Page Who Am I? Home Articles in English Articles in German Articles in Hebrew New York Stories Raoul Wallenberg German-Jewish Dialogue Global Headlines Exchange Ideas Who Am I? Links Contact

 

USA Notizen

 

2012

Dezember 2012

September 2012

Juni 2012

März 2012

2011

Dezember 2011

September 2011

Juni 2011

März 2011

2010

Dezember 2010

September 2010

Juni 2010

März 2010

2009

Dezember 2009

September 2009

Juni 2009

März 2009

2008

Dezember 2008

September 2008

März 2008

2007

Dezember 2007

September 2007

Juni 2007

März 2007

2006

Dezember 2006

September 2006

Juni 2006

März 2006

2005

Dezember 2005

September 2005

Juni 2005

2004

Dezember 2004

September 2004

Juni 2004

März 2004

2003

Dezember 2003

September 2003


 

 

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA

TribueneDiese Kolumne erschien von 2003 bis Ende 2012 regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erschien. Meine Kolumne beleuchtete das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Tribüne stellte ihr Erscheinen mit dem Dezember 2012 Heft ein. Einzelne Tribüne Ausgaben kann man noch beim Verlag hier bestellen. Die Zeitschrift wird jetzt digital archiviert.


Dezember 2012
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Barack Obama wiedergewählt
Finanzzahlungen an Ägypten
Neue Amtsperiode, neue Nahoststrategien?
Jüdische Reaktionen auf Obamas Wiederwahl
Antisemitismus in den USA auf dem niedrigsten Stand
Traumata der dritten Generation?
Sexuelle Gewalt während des Holocaust
Leo-Baeck Sammlung digital archiviert
Arthur Ochs Sulzberger verstorben

Elie Wiesel und Präsident Obama kollaborieren an einem Buch
Taxi!

 

Barack ObamaEs ist geschafft. Der äußerst polarisierende, und in der Geschichte der Vereinigten Staaten teuerste Wahlkampf, ist endlich vorbei. Das politisch fast genau in der Mitte gespaltene Land lehnt sich erschöpft zurück, ohne richtig aufzuatmen; man fürchtet, dass die politische und demografische Zersplitterung des Landes und die Rangelei lautstarker extremer Randgruppierungen noch lange nicht überwunden sind. Monate dauerte dieser Wahlkampf, der immer extremer und heftiger wurde. Ist das Land jetzt hinter dem wiedergewählten Präsidenten vereint? Wohl kaum. Doch man ist voller Zuversicht, dass die Politiker auf beiden Seiten von den letzten Jahren gelernt haben und extremen Stimmen und internen Rankeleien weniger Platz in der Politik des Landes einräumen. Es gibt so viel zu tun.

Obamas Wahlsieg war ein großer Sieg für die Demokraten, die in sechs von sieben umkämpften swing states gewinnen konnten. Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an; doch da sich Obama nicht mehr um eine Wiederwahl kümmern muss, wird er jetzt wichtige Veränderungen in Washington energischer und konsequenter angehen können. Das politische, demografische und soziale Bild in Amerika haben sich geändert: Mehr Einwanderer (71% von ihnen wählten Obama), mehr Frauen in der Politik (55% wählten für Obama), mehr junge Anhänger der Demokratischen Partei (70% von den Wählern unter 30 wählten für Obama) und eine Annäherung an eine immer liberalere Sozialpolitik — von Menschenrechten, Gleichberechtigung, Rechten für religiöse und ethnische Minderheiten sowie wachsender Toleranz gegenüber Homosexuellen. Außerdem wird Obama in seiner zweiten Amtszeit weitere Richter für das jetzt noch eher konservative Oberste Gericht ernennen.   

Wieder gewann Obama die Mehrheit der jüdischen Wählerstimmen, obwohl 53 Prozent von ihnen Obamas Nahostpolitik kritisieren; doch seit dem letzten Jahr hat dieser Prozentsatz etwas abgenommen. Eine CNN Umfrage ergab, dass 69 Prozent der amerikanischen Juden diesmal wieder für Obama gewählt haben (neun Prozent weniger als 2008). Und in Staaten wie Florida (wo beim Schreiben dieser Zeilen der Sieger noch nicht feststand, Obama aber einen leichten Vorsprung hatte), New York, New Jersey, Kalifornien und Pennsylvania (alles Staaten mit einem hohen jüdischen Bevölkerungsanteil), war Obama Wahlsieger. In Israel geht dagegen der Trend in die andere Richtung: 85 Prozent der amerikanischen Juden, die in Israel leben, gaben ihre Stimme für Romney ab, so fand die Times of Israel heraus. Dazu muss man aber sagen, dass die Mehrheit der amerikanischen Einwanderer religiös ist, und diese Gruppe sich auch in den USA eher mit Romney identifiziert.

Im neugewählten Senat sitzen jetzt 10 jüdische Politiker und im Kongress sind es 22 Juden, ein leichter Rückgang.

 

*

 

Wahlkalkül oder neue US Nahostpolitik? Inmitten des erhitzten Wahlkampfes haben die Republikaner im September im Kongress beschlossen, bis nach der Präsidentschaftswahl keine weiteren Finanzzahlungen oder Schuldenerlasse an Ägypten zu erwägen. Das Land wurde von den Amerikanern heftig kritisiert, nachdem es Tage dauerte, bis der ägyptische Präsident, Mohamed Morsi, die Ausschreitungen in Kairo gegen die US Botschaft verurteilte.

Jetzt werden Verhandlungen erstmals aufs Eis gelegt, und über eine Entscheidung über Finanzhilfen an Staaten im Nahen Osten, Israel ausgeschlossen, wird Obama bald entscheiden müssen. Ägypten erhält jährlich 1,6 Milliarden Dollar US Finanzhilfe. Obama hatte darüber hinaus weitere 1 Milliarde Dollar Schuldenerlass angekündigt. Nach Israel ist  Ägypten der zweitgrößte Nutznießer amerikanischer Finanzhilfe.  

Im Gegensatz dazu hat der US Kongress die Bürgschaften für Israel mit der Unterzeichnung eines 3,8 Milliarden-Dollar-schweren Memorandum um weitere vier Jahre verlängert.

 

*

 

Wie wird sich eine zweite Amtsperiode Obamas auf die israelisch-amerikanischen Beziehungen auswirken? Für Benjamin Netanyahu ist die Wiederwahl Obamas, zu dem er keine warme Beziehung hat, keine gute Nachricht. Auch viele Israelis schließen sich dieser Meinung an. Netanyahu hatte offen seinen Freund Mitt Romney, den er seit 30 Jahren kennt, im Wahlkampf unterstützt, und er ist politisch den Republikanern viele näher, in einem solchen Ausmaß, dass man in Amerika spöttelte, bald werde Israel zum 51. US Staat erklärt wenn es sich noch mehr in den US Wahlkampf einmische. Netanyahu pflegt auch gute Beziehungen zu Romneys Hauptgeldspender, dem Milliardär Sheldon Adelson. Der Kolumnist Joe Klein meinte in einem Interview mit NBC abschätzig, Romney sei „Bibis Marionette“, und hätte Romney die Wahl gewonnen, hätte jetzt „Bibi hier freie Hand, da Romney so unerfahren ist.“

Netanyahu hat in den letzten Monaten die Gefahr, die ein atomares Iran für Israel und die Welt darstellen würde, öffentlich angeprangert (auch in seiner Ansprache vor der U.N. Generalversammlung) und erklärt unmissverständlich, was er von Amerika erwarte. Mehr noch: Netanyahu deutete in den Medien an, die Obama Administration würde ihm die Hände binden, gegen iranische Atominstallationen präventiv vorzugehen. Auch nach der Wiederwahl Obamas, wird er nicht mit seiner Kritik zurückhalten, doch er weiß, dass beiden eine Zusammenarbeit von mehreren Jahren bevorsteht (sollte auch Netanyahu am 22. Januar 2013 wiedergewählt werden). Je näher der Iran an eine Atombombe kommt, könnte sich seine Beziehung zu Obama noch mehr abkühlen und die Divergenzen noch verschärfen. Oder beide lernen, geschlossen gegen einen gemeinsamen Feind vorzugehen.  

Israels Verteidigungsminister, Ehud Barak, meint dagegen, dass sich kein anderer US Präsident so um die Sicherheit Israels gekümmert habe wie Obama. Nicht nur deshalb ist Netanyahu angewiesen auf eine gute Beziehung zu Obama, um die militärische Finanzhilfe der Amerikaner nicht zu gefährden. Die US Außenpolitik wird in den kommenden Monaten dafür ausschlaggebend sein, wie die Weltgemeinschaft mit der Atompolitik des Iran umgehen wird sowie mit den Aspirationen der Palästinenser, die vom UN Sicherheitsrat einen Sonderstatus fordern.

Doch Obama vor vier Jahren ist nicht Obama von heute. Damals war der neugewählte Präsident noch viele idealistischer und setzte mehr auf bilaterale diplomatische Lösungen in globalen (und lokalen) Krisenherden. Nach vier Jahren im Amt, ist Obama realistischer geworden und wird erst einmal mit innenpolitischen Problemen, ganz besonders der Wirtschaftslage Amerikas, beschäftigt sein. Dennoch, Obama Kritiker bemängeln, dass der Präsident während seiner ersten Amtsperiode, Israel nicht besucht habe — obwohl er oft in der Umgebung war. Vielleicht wird er das in den nächsten vier Jahren nachholen.

Araber in Israel, im Gegensatz zu den meisten jüdischen Israelis, zogen Präsident Obama dem Kandidaten Romney vor. „Es ist bemerkenswert, dass die amerikanischen Juden in ihren politischen Neigungen den arabischen Israelis näher stehen als den Juden“, schreibt Gary Rosenblatt in der Jewish Week. „Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass wir die Welt und Israels Interessen ganz anders interpretieren als die Israelis.“

Gibt es wirklich einen großen Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern wenn es um Israel geht? Wohl kaum. „Die Obama-Administration war die israelfreundlichste, die es bisher gab“, schreibt Jay Michaelson im Forward. Sie setzte sich trotz aller Kritik gegen die Siedlungspolitik des Landes für Israel ein — von der Finanzierung von Israels Abwehrsystems „Iron Dome“ bis zu einer kompromisslosen Politik gegenüber dem Iran (im Gegensatz zu Ronald Reagan, der Israel für die Bombardierung iranischer Atomanlagen kritisierte). Und als die Erklärung, Jerusalem sei die Hauptstadt Israels im September aus dem Parteikonzept der Demokraten gestrichen wurde, intervenierte der US Präsident, bis die Klausel aus dem Wahlprogramm von 2008 wieder wortgetreu eingefügt wurde.

Nur den Nahostfriedensprozess konnte Obama in seiner ersten Amtsperiode noch nicht wiederbeleben. Jetzt hat er dazu noch etwas Zeit gewonnen und wird vielleicht damit in die Geschichte eingehen. Man kann es ihm, und Israel, nur herzlich wünschen.

*

 

Die jüdischen Zeitungen kommentierten die Wiederwahl Obamas zum größten Teil positiv. „Viel wird sich jedoch nicht ändern“, meint William Daroff, Direktor des Washingtoner Büros der Jewish Federation of North America, da Senat und Kongress fast genauso gespalten sind wie zu Obamas erster Amtsperiode. „Wir haben immer noch den Status Quo. Wenigstens können alle sofort ihre Arbeit wieder aufnehmen.“ Außer natürlich Hillary Clinton, die ihr Amt ablegen wird. „Wir erwarten von Obamas zweiter Amtsperiode viel“, heißt es in einem Kommentar im Forward. „Wir erwarten, dass er sich neben der Wirtschaftslage auch mit dem Klimawandel und der Einwandererreform auseinandersetzt. Und wir hoffen, dass sich alle Beteiligten im Nahen Osten, Israel, Ägypten und die Palästinenser, damit abfinden, dass Obama in den nächsten Jahren im Amt ist und sie ihn sich nicht wegwünschen können.“

Die Jewish Week  appellierte an alle — jüdische Republikaner und Demokraten, Israelis und amerikanische Juden — ihre Differenzen zur Seite zu legen und zusammenzuarbeiten. „Hört auf, euch zu dämonisieren. Findet Wege, zusammen zu arbeiten für unsere gemeinsamen Werte. Das ist Präsident Obamas Aufgabe — und sollte auch unsere sein.“


*

 

Die Anti-Defamation League berichtet, dass 2011, die Zahl aller antisemitischen Vorfälle in den Vereinigten Staaten um 13 Prozent auf den niedrigsten Stand in zwei Jahrzehnten zurückgegangen ist. Insgesamt wurden 1,080 Ausschreitungen verzeichnet. Doch die Zahl der Pöbeleien gegen jüdische Schüler ist dagegen angestiegen, ganz besonders in Staaten mit einer hohen jüdischen Bevölkerung, wie Kalifornien, New York, New Jersey und Florida. Es handelte sich dabei um 19 Körperverletzungen, 731 Pöbeleien und Drohungen und 330 Fällen von Vandalismus.

Der Rückgang antisemitischer Ausschreitungen in den USA steht im starken Kontrast zu der Zunahme schwerwiegender antisemitischer Anschläge weltweit.     

Der Direktor der ADL, Abraham Foxman, nannte diese Zahlen einen „gesellschaftlichen Barometer“. „Wir haben Fortschritte gemacht mit unseren Aufklärungen gegen Antisemitismus und damit, dass wir Antisemitismus als inakzeptabel an den Rand der [amerikanischen] Gesellschaft geschoben haben.“ Foxman erinnert aber auch daran, dass antisemitische Pöbeleien, besonders im Internet, schwer messbar sind.


 

*

 

Kann auch die dritte Generation vom Holocaust traumatisiert sein? Sind die Enkel der Holocaustüberlebenden besonders von der Erinnerung an die Judenverfolgung betroffen? Scheinbar nicht, so geht aus einer Studie von Perella Perlstein hervor, einer orthodoxen Enkelin von Holocaustüberlebenden. Entgegen ihrer Erwartung sind die Enkel der Holocaustüberlebenden nicht mehr traumatisiert als andere Mitglieder der dritten Generation.

Immer mehr Studien befassen sich mit dieser Frage. Sie untersuchen die psychologischen Folgen des Holocaust in den nachfolgenden Generationen oder suchen mögliche physiologische Veränderungen in der Genetik der Nachfahren von Holocaustüberlebenden. Viele Studien werden heftig umstritten. Kritiker meinen, dass sich Traumata nicht bis zur dritten Generation nachweisen lassen können und nicht verallgemeinert werden darf. Es handele sich um Hypothesen, nicht um Wissenschaft oder um richtig versus falsch; denn man lebt traumatische Erfahrungen. Trauma kann nicht übermittelt werden.

Doch die Frage ist berechtigt. Die Kinder der Holocaustüberlebenden lernten meist wenig über die Erfahrungen ihrer Eltern; sie wuchsen in einem gesellschaftlichen Klima auf, in dem der Holocaust und seine psychologischen Folgen nicht zur Debatte standen. Das änderte sich mit dem Heranwachsen der Enkel: deren Großeltern sprachen offener über ihre Erfahrungen und wurden dabei von ihrer Umgebung angespornt. Aus Scham wurde Stolz. Und obwohl die dritte Generation mit den Erfahrungen der Überlebenden konfrontiert wurde, noch ist umstritten, welche genauen Auswirkungen das hatte. Weitere Studien sind gefordert.

Doch die dritte Generation ist weniger interessiert an Studien sondern will Antworten, meint Leora Klein, Mitbegründerin der Organisation 3GNY, eine Gruppe von Enkeln von Holocaustüberlebenden. „Wir wollen wissen wo der Holocaust in unserem Leben ist. Unsere Eltern wurden zum Glück nicht während dieser Zeit geboren — aber sie sind sehr, sehr, sehr von den Erfahrungen ihrer Eltern betroffen gewesen.“

*

 

Mehr als 200 geladene Gäste nahmen an einer Podiumsdiskussion  unter Leitung von Jane Fonda in Los Angeles über sexuelle Gewalt während des Holocausts teil. Fonda las Ausschnitte aus dem Buch „And the Rat Laughed“ (2001) der israelischen Schriftstellerin und Tochter von Holocaustüberlebenden, Nava Semel, vor. Das Buch erzählt die Geschichte eines Kindes, das den Holocaust versteckt in einem Loch unter der Erde überlebte und selbst missbraucht wurde. Das Buch ist Fiktion, sagt Semel, aber dieses Kind hat bestimmt irgendwo existiert. Semels Buch wurde 2005 in Tel Aviv als Oper uraufgeführt. Fonda stellte außerdem einen Videoausschnitt vor mit Zeugenaussagen von Holocaustüberlebenden, die sich mit sexueller Gewalt an Juden während der Nazizeit befassen.   

Der Abend wurde veranstaltet von der USC Shoah Stiftung und dem Institut Remember the Women. „Sexuelle Gewalt während des Holocaust ist noch ein Tabuthema, und viele Historiker wollen sich damit nicht befassen“, erklärte Rochelle Saidel, Direktorin des Institutes, in einem Interview mit der Jewish Telegraph Agency. „Es ist schwierig, Aussagen über diese Vergewaltigungen zu erhalten; die Opfer wurden zum Schweigen gebracht.“ Vergewaltigungen wurden in der Nazizeit nicht so instrumentalisiert wie in späteren Kriegen, da es gegen das Gesetz verstieß, sexuelle Kontakte zu Juden zu unterhalten. Doch sexuelle Gewalt war Teil der Geschichte und darf nicht in Vergessenheit geraten.

Vor einem Jahr erschien eine bahnrechende Studie „Sexual Violence Against Jewish Women During the Holocaust“ (Brandeis University, 2011) von Rochelle Saidel und  Sonja Hedgepeth, die erstmals diesen  dunklen Teil der Geschichte beleuchtete. Nach Erscheinen des Buches fand eine Podiumsdiskussion mit den Autoren und mit Nava Semel im Brooklyn Museum statt, das auf YouTube angesehen werden kann: http://www.youtube.com/watch?v=2vO8GW8_RGI

Nach Erscheinen von Semels Buch meldeten sich zehn Holocaustüberlebende bei der Autorin, dankten ihr für das Buch und erzählten von ihren identischen Erlebnissen sexueller Gewalt, die sie als Kinder während des Holocaust ertrugen. Aber sie schworen, nie damit an die Öffentlichkeit zu treten.


*

 

Das Leo Baeck Institut in New York hat nach langen Jahren der Arbeit ihre gesamte Sammlung digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter http://www.lbi.org/digibaeck/ können Dokumente, Bücher und Bilder kostenlos abgerufen werden. Das Projekt DigiBaeck wurde 2008 ins Leben gerufen.

Seit 1955 sammelt und archiviert das Leo Baeck Institut Bücher, Dokumente, Memorabilien, Briefe, 40.000 Fotos, 2.500 unveröffentlichte Manuskripte sowie andere Objekte des deutschen Judentums aus rund 10.000 Privatsammlungen, Nachlässen und Museumsbeständen von der Renaissance bis zum 21. Jahrhundert. Die digitale Bücherei gibt einen Einblick in das deutsche Judentum vor dem Krieg und während des Krieges in Deutschland und in der Emigration.

*

 

Arthur Ochs Sulzberger, der legendäre langjährige Herausgeber der New York Times, ist im September im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Sulzberger, oder „Punch“, wie er seit seiner Kindheit genannt wurde, führte die Zeitung ab 1963 34 Jahre lang durch oft turbulente Zeiten. Unter seiner Führung erhielt die Times 31 Pulitzer Preise und durchging viele wirtschaftliche und journalistische Wandlungen. Sulzbergers Sohn Arthur übernahm die Position als Herausgeber 1992.

Sulzberger waren ein rigoroser Verteidiger der Pressefreiheit, und seine wichtigste Entscheidung kam 1971 mit der Publizierung der hoch klassifizierten Pentagon Papiere über den Vietnamkrieg, entgegen Präsident Richard Nixons Drängen und Intervention der Justiz. Erst das Hohe Gericht entschied, dass mir der Veröffentlichung der Papiere keine Gesetze gebrochen wurden. Es war das erste und letzte Mal, dass sich eine Zeitung in den USA auf juristischem Wege die Pressefreiheit erkämpfen musste.

Die New York Times, die seit 1896 im Familienbesitz der jüdischen Familien Och-Sulzberger ist und von Mann zu Mann vererbt wird, hat des Öfteren unter der Kritik zu leiden, sie sei für einige Leser „zu jüdisch“ und für andere (die zum Beispiel die Berichterstattung der Times über den Nahen Osten kritisieren) „nicht jüdisch genug.“ Die Zeitung selbst bemüht sich, dieses heikle Thema zu umgehen, doch mit Sulzbergers Tod kam das Dilemma wieder an den Tag.

Unter der Überschrift „Der Jüdische Sulzberger“ beklagte ein Kommentar im Forward, dass in dem seitenlangen Nachruf über Sulzberger in der Times mit keinem Wort erwähnt wurde, dass Sulzberger Jude war. Und das sei nicht unwichtig. „Wie so viele andere prominente Juden, hatten die Sulzbergers eine ambivalente Beziehung zum Judentum und ihrer kulturellen Vergangenheit“, schreibt der Forward. Und die Los Angeles Times berichtete in ihrem Nachruf, dass erst mit der Ernennung von A.M. Rosenthal zum Chef-vom-Dienst der Times 1969 ein „langjähriges Tabu der Familie gebrochen wurde, Juden in hohe Posten zu befördern“.

Sulzberger ernannte den deutsch-jüdischen Emigranten Max Frankel als Rosenthals Nachfolger und nach ihm den Sohn eines prominenten Rabbiners, Joseph Lelyveld. „Es fehlt wirklich nicht an jüdischen Journalisten in New York“, kommentiert der Forward. „Aber man sollte darüber nicht vergessen, Sulzbergers Anteil daran herauszuheben. Denn er beförderte und unterstützte jüdische Journalisten (einschließlich der jetzigen Chefredakteurin Jill Abramson), selbst wenn seine eigene Zeitung das in ihrem Nachruf vergessen zu haben scheint.“   

Sulzberger zeigte sich nie verwundert darüber, dass eine Zeitung im langjährigen Familienbesitz so erfolgreich sein kann. Und er meinte halb im Scherz und halb im Ernst: „Ich habe dafür eine ganz einfache Erklärung: Nepotismus funktioniert.“

*

 

Als hätte Präsident Obama nicht schon genug zu tun. Aber scheinbar hat er doch noch ein bisschen freie Zeit: Elie Wiesel hat verkündet, dass er mit dem US Präsidenten gemeinsam ein Buch schreiben wird. „Es wird ein Buch zweier Freunde“, wird Wiesel in der israelischen Zeitung Ha‘aretz zitiert. Die Freundschaft zwischen den beiden  Nobelpreisträgern besteht seit 2009, als Obama zusammen mit Wiesel das Konzentrationslager Buchenwald besuchte, wo Wiesel nach dem Todesmarsch von Auschwitz interniert war.

„Wir sprechen über Philosophie, nie über Politik“, sagt Wiesel. Die beiden trafen sich erstmals in Kaliforniens Occidental College, wo Wiesel lehrte und Obama studierte. „Ihre Vorlesung habe ich nie vergessen“, habe Obama zu Wiesel gesagt, als sie sich 2009 wiedertrafen. „Ich habe mir daraufhin gesagt, dass ich mit meinen Lesungen vorsichtig sein muss“, resümiert Wiesel. „Man weiß ja nie, ob im Hörsaal der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten sitzt.“

*

 

Wer in New York lebt weiß, dass es nicht immer leicht ist, ein Taxi zu bekommen. Ein Handy App kann da helfen. Die New Yorker Taxi und Limousine Kommission rief Software Firmen zu einem Wettbewerb auf, um Ideen zu sammeln, wie ein solches App den New Yorkern das Leben erleichtern kann. Nicht mehr mit erhobener Hand sollen die New Yorker verzweifelt vom Bordsteig aus ein Taxi heranwedeln müssen, sondern mit ihrem Handy. Auch die Bezahlung könnte automatisch abgebucht werden. Ach, wie wäre das schön.

Doch nur in New York geschieht es, dass die drei Firmen, die jetzt an ganz oberster Stelle im Wettbewerb stehen, von Juden geleitet werden. Die Firmen repräsentieren den Vorsprung, den jüdische, insbesondere israelische Firmen, auf dem Computersoftware Markt genießen.

„GetTaxi“, eine israelische Firma, „Hailo“, gegründet von einem New Yorker Juden und „Uber“ aus San Franzisco werden im November erfahren, wer den New Yorkern zukünftig das Leben erleichtern wird, in der Millionenstadt ein Taxi herbeizurufen. Es kann uns nicht schnell genug gehen.

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA