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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


September 2012
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Mitt Romneys Wahlkampagnen
Auch Präsident Obama ist beschäftigt
Nahoststrategien im Wahlkampf
Amerikanische Juden in New York orthodoxer und ärmer
Beschneidungseinschränkungen in Deutschland
Antisemitische Bemerkungen in Floridas Parlament
Anti-Israel Propaganda auf New Yorker Bahnhöfen
Grafische Holocausterziehung an einer Schule
Keine Boykotte der Presbyterian Church
Du auch, Alice Walker?

Mitt RomneyBevor Mitt Romney als Präsidentschaftskandidat der Republikaner ernannt wurde, machte er sich mit seiner Frau zu seiner ersten Auslandsreise auf: Großbritannien, Polen und natürlich Israel (Spötter fragten an, ob das Heilige Land zum neuen US Wahlkreis erklärt werden sollte). Kleine Patzer sind ihm bei seiner Reise passiert, verbale peinliche Ausrutscher, doch alles in allem war das wie geplant ein ganz besonderer Kodak-Moment — und nicht viel mehr passierte. Außer natürlich, dass Romney ganz nebenbei verkündete, die Palästinenser hätten nicht das gleiche Fingerspitzengefühl in Gelddingen wie die Juden, und dass er Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkennen würde. Banales eben.

Romney wurde von dem Kasinomogul Sheldon Adelson nach Israel begleitet, der versprochen hat, 100 Millionen Dollar seines Vermögens in die Abwahl von Präsident Obama zu investieren. Es geht um viel Geld im Wahlkampf. Und obwohl Obama bei der letzten Wahl über nicht zu wenig Wahlspenden klagen konnte, hat Romney jetzt bei weitem mehr in der Wahlkasse; und er hofft, 35 Prozent der jüdischen Wähler für sich einnehmen zu können. Denn 15-20 Prozent der jüdischen Wähler scheinen noch unentschlossen, ob sie Obama wiederwählen wollen. Und ihnen zu Ehren (und seinen Anhängern, den amerikanischen evangelischen Christen, zu Liebe), ging Romneys erste Reise als voraussichtlicher republikanischer Präsidentschaftskandidat dann auch prompt nach Jerusalem (wo Präsident Obama schon lange nicht mehr war).

Einer Umfrage von Gallup zu Folge, sind immer noch 68 Prozent der amerikanischen Juden für Obama — und nur 25 Prozent für Romney. Die Republikaner investieren jetzt viel Geld für Wahlanzeigen in jüdischen Zeitungen, unter anderem finanziert von Organisationen wie das "Notstandskomitee für Israel" und der "Republikanischen Jüdischen Koalition", die alle das gleiche Kredo haben: Obama wäre kein Freund Israels, und er stünde nicht hinter den Israelis würde es mit dem Iran zu einem Gefecht kommen.

Aber es geht ja nicht nur um Geld und Weltpolitik, sondern in erster Linie um Effekthascherei. Und eine Rede vor den Toren der Jerusalemer Altstadt und ein ehrfürchtiger Besuch an der Klagemauer geben viel her im amerikanischen Wahlkampf. Dem Normalbürger ist das zwar egal; der kämpft um den Job. Die Spender sind es, denen bei solchen Bildern das Herz (und die Brieftaschen) aufgehen sollen. Und so entschloss sich Romney dann wohl auch, den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu zu besuchen (zum Abendessen in seinem Haus am Ende des Fastentages Tisha B'av), jedoch nicht den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas.

Präsidentschaftskandidaten werden hier immer vor Wahlen auf ihr "kishke Gefühl", also ihr Bauchgefühl, ihre Instinkte gegenüber Israel, geprüft. Obwohl es doch zu wünschen sei, dass sich ein amerikanischer Präsident in Auslandsfragen nicht auf seine/ihre kishkes verlässt. Egal. Kurz vor Präsidentschaftswahlen kann Israel immer mit viel Zuwendung rechnen. Was dann im Frühjahr 2013 geschehen wird, nach der Wahl, steht wohl auf einem ganz anderen Blatt.

*

 

Auch Obama ist eifrig dabei, die Nahostinitiativen seiner ersten Amtsperiode hervorzuheben und sich somit jüdische Wählerstimmen zu sichern. Die Wahlkampagnen konzentrieren sich auf Themen wie die finanzielle Unterstützung Washingtons in Höhe von 70 Millionen Dollar für Israels Raketenabwehrsystem "Eiserne Kuppel", diverse Vetos gegen U.N. Resolutionen gegen Israel und den Versuch der Palästinenser, einen Staat auszurufen. Angesprochen wird auch der Versuch, den von der UN Menschenrechtskommission einberufenen Untersuchungsausschuss zu verzögern, der die Siedlungspolitik Israels untersuchen soll. Und Obama ratifizierte darüber hinaus einen Tag vor der Reise Romneys ein Gesetz zur engen Kooperation zwischen Israel und den USA auf militärischer, finanzieller und ziviler Ebene.

Obama ist sich immer noch 61 Prozent der jüdischen Wählerstimmen sicher (im Gegensatz zu 28 Prozent für Mitt Romney). Doch der Enthusiasmus der amerikanischen Juden für den Präsidenten ist weniger geworden: 2008 stimmten noch 78 Prozent aller jüdischen Wähler für ihn.

Wenn es jedoch um die amerikanisch-israelischen Beziehungen geht, haben die Republikaner in den Augen der Wähler einen leichten Vorsprung. Und da die amerikanischen Juden im Durchschnitt zunehmend orthodoxer und konservativer werden (darüber gleich mehr), werden die Positionen der Republikaner für sie attraktiver, die wiederum versuchen, ihre Wahlkampagnen jetzt dieser neuen demografischen Gruppe anzupassen.

*

 

Für Obama ungelegen kam dann der öffentliche Aufruf von Außenministerin Hillary Clinton bei ihrem Besuch in Israel im Juli, dass die USA und Israel große Differenzen haben, wie mit dem Iran, Syrien, Ägypten und den Palästinensern umzugehen sei. Israel müsse von einem unilateralen Angriff auf iranische Atomreaktoren absehen und mehr Zeit für diplomatische Schritte und Wirtschaftssanktionen gegenüber den Iran einräumen, so Clinton. Auch dränge die Obama Administration darauf, dass Israel die Friedensgespräche mit den Palästinensern wieder aufnimmt.

Doch ganz besonders bemerkenswert bei Clintons Besuch war wie weit das Thema Nahostfriedensgespräche hinter Syrien und dem Iran auf der Liste der Amerikaner steht und alle anderen Krisenherde überschattet. Washington hat jetzt andere Probleme. Und auch die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates — China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA — zusammen mit Deutschland haben ihr Augenmerk von Israel und den Palästinensern vorerst abgewandt und konzentrieren sich auf die Verhandlungen mit Iran. Auch Verteidigungsminister Leon Panetta reiste Ende Juli nach Israel, mit einem Thema — Iran.

Darüber hinaus stellt für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten und die Obama-Administration die Iran Außenpolitik innenpolitisch ein weitaus kleineres Minenfeld dar als der Nahostfriedensprozess, wo Obama offen — auch von Seiten seiner jüdischen Befürworter — beschuldigt wird, er habe sich zu Beginn seiner Amtsperiode zu sehr auf die Siedlungspolitik Israels fixiert.

*

 

Die jüdische Gemeinschaft im Großraum New York wird zunehmend orthodoxer, ärmer, weniger gebildet, älter und umfangreicher: rund 1,5 Millionen Juden leben hier (2002=1,4 Millionen), also 25 Prozent aller amerikanischer Juden leben hier. In New York City alleine sind es knapp 1,1 Millionen Juden, so bestätigte die neueste demografische Studie der UJA-Federation. Der explosive Anstieg der orthodoxen und chassidischen Juden in New York auf rund 32 Prozent — mehr als 60 Prozent aller jüdischen Kinder in New York sind orthodox — führt dazu, dass die Zahl der liberalen, gut gebildeten Reformjuden der Mittelschicht abnimmt; gleichzeitig hat die Zahl der orthodoxen Juden, die in Armut leben, fast 43 Prozent erreicht.

Demokratisch liberale Juden werden also immer weniger — die Zahl der konservativen Juden hingegen, die mit den konservativen Werten der Republikaner eher im Einklang sind, nimmt zu. Das heißt auch, dass nicht nur die Zahl derer, die sich mit dem Judentum identifizieren, zunimmt sondern im Gegensatz dazu auch der Anteil derjenigen, die sich vom Judentum und vom Zionismus abwenden (40 Prozent von ihnen haben nicht-jüdische Partner und erziehen ihre Kinder nicht mehr als Juden. Diese Zahl steigt auf 50 Prozent unter den Paaren, die in den letzten fünf Jahren geheiratet haben). Nur die Gruppe der liberalen, traditionellen Juden in der Mitte hat seit der letzten Umfrage um 40.000 abgenommen.

Die jüdischen Hilfsorganisationen stehen vor der großen Herausforderung, dass die Armut der New Yorker Juden in den nächsten Jahrzehnten noch ansteigen wird während Spendeneinnahmen abnehmen werden. Organisationen wie die 90-jährige UJA-Federation müssen daher schon jetzt anfangen, ihre Hilfeleistungen innerhalb der jüdischen Gemeinde diesem neuen Trend anzupassen, also steigende Armut und längere Lebenserwartung.

Darüber hinaus bestätigt die Studie, die alle 10 Jahre von der UJA durchgeführt wird, was jeder New Yorker bereits weiß: die jüdische Gemeinde hier ist die größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels und weit heterogener als bisher angenommen. Sie setzt sich aus vielen ethnischen und kulturellen Splittergruppen zusammen — von Syriern über Israelis zu Bucharen und jiddisch-sprechenden Chabad-Lubavitcher Juden. Und Woody Allen an der Upper East Side in Manhattan.

Die Frage ist jetzt, so resümiert die Jewish Week, "wie weit die Parameter des "jüdisch-sein" noch ausgedehnt werden können, um die Harmonie zu wahren, jetzt wo die Meinungen immer weiter auseinander gehen in der Frage was es heißt, Jude zu sein." Commentary Magazine nannte diese Entwicklung in einem Kommentar gar "den Anfang vom Ende des liberalen Judentums" in Amerika. "Es ist, als wenn zwei Schiffe in der Nacht aneinander vorbeifahren: das eine mit zunehmend orthodoxen Passagieren, das andere mit Passagieren, die bald nicht mehr als jüdisch zu bezeichnen sind. Und das wird auch Einfluss auf die amerikanische Politik haben. Die jüdische Gemeinschaft wird in der Zukunft politisch sowie religiös eher illiberal sein." Und weiter: "Die Vorstellung, das jüdische Leben könne auf einer säkularen Lebenseinstellung aufgebaut werden, wo liberale politische Weltanschauungen den Glauben ersetzen, war ein genauso großer Irrtum wie die Vorstellung, man könne jüdisch sein, nur mit einer Bindung an Jiddisch oder ethnische Küche. Und auch die Vorstellung, dass die meisten amerikanischen Juden immer säkular und liberal sein werden ist ein Mythos, das zerplatzt ist."

Ganz nebenbei, doch sehr relevant: Mehr als 40.000 ultra-orthodoxe Juden nahmen am 20. Mai an einer Massenkundgebung (die Kosten dafür beliefen sich auf geschätzte 1,5 Millionen Dollar) über die Gefahren des Internets teil, zu dem chassidische Rabbiner (auch übers Internet!) aufgerufen hatten. Man traf sich zu einem Nachmittag im Baseballstadium der New York Mets (ein für viele der Anwesenden wohl unbekanntes Spiel) in Queens. Sie lauschten Vorträgen, meist in Jiddisch, wie man sich, und seine Kinder, vor den Herausforderungen und Gefahren des Internets schützen, die modernen Technologien mit dem religiösen Leben vereinbaren und trotzdem noch Zeit für Thora Studien und die Gemeinde aufbringen kann. Frauen konnten die Reden über Liveschaltung, weit weg vom Geschehen, verfolgen. Für orthodoxe Juden ist Fernsehen immer noch untersagt, aber viele benutzen das Internet zu Hause oder über ihre Handys.

Und einige Monate vorher raffte sich auch eine andere, ganz unterschiedliche Gruppe, auf, um auf die Gefahren der täglichen Elektroniküberflutung hinzuweisen: Diesmal war es jedoch eine säkulare jüdische Gruppe, die uneigennützige Organisation Reboot (mit Unterstützung der "Union for Reform Judaism"), die Juden sowie nicht-Juden zu einem "National Day of Unplugging" anspornte, um ihre elektronischen Geräte für einen Tag auszuschalten und wieder zu sich zu finden, "so wie man es am Schabbat auch macht." Reboot ruft jetzt seine meist jüngeren und ganz unreligiösen jüdischen Anhänger über Facebook und Twitter auf, ein "Sabbat Manifesto" zu unterschreiben und sich für einen Elektronik-freien Tag in der Woche zu verpflichten. Es muss nicht am Samstag sein. In einigen Punkten sind sich Orthodoxe und Säkulare wohl doch nicht so fremd wie man glaubt.

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Die Entscheidung des Kölner Landgerichtes, Beschneidungen von Kindern zu unterbinden, mit der Begründung, das von Muslimen und Juden praktizierte religiöse Ritual sei als Körperverletzung zu bewerten, ist auch in den USA auf ein großes, meist negatives, Echo gestoßen. Das Kölner Gericht begründete seine Entscheidung damit, das Selbstbestimmungsrecht des Kindes wiege schwerer als die Religionsfreiheit.

"Diese Entscheidung erschwert die freie Religionsausübung von Muslimen und Juden", kritisierte der Direktor der Anti-Defamation League in New York, Abraham H. Foxman. Das Urteil sei zwar nicht antisemitisch per se, habe aber einen anderen Effekt, nämlich, dass Juden in Deutschland das Gefühl bekommen, dass sie "nicht willkommen sind."

Die Rabbiner Marvin Hier und Abraham Cooper vom Simon Wiesental Center erklärten in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass bliebe dieses Urteil so stehen, "es das moderne Deutschland beflecken werde," das seit Kriegsende hart und erfolgreich daran gearbeitet hat, einen neuen Weg einzuschlagen, um Religionsfreiheit und Demokratie zu garantieren. Das Urteil sei "ein Angriff auf eines der fundamentalsten Prinzipien des Judentums. [Die Beschneidung] ist kein einfacher Brauch, sondern ein biblisches Gebot, das die Juden von jeher definiert hat."

Die Jewish Press sandte eine Petition an die deutsche Botschaft in Israel: "Wir erklären, dass Deutschland nicht das moralische oder ethische Recht hat, über jüdische Bräuche Urteile zu fällen. Deutschland hat nicht aus der Geschichte gelernt. Das Urteil ist expliziert antisemitisch und ein Schandmal für die Deutschen. Nie wieder!"

In den USA sind rund 60 Prozent aller Männer beschnitten. Doch man erinnerte hier in den Medien auch gerne daran, dass eine liberale Stadt wie San Francisco vor kurzem auch über ein Beschneidungsverbot für Kinder unter 18 Jahren abstimmen wollte. Glücklicherweise wurde der Bürgerentscheid verschoben. Wie lange, das ist fraglich. Denn MGM Bill, eine Organisation mit Sitz in San Diego, hat schon in 46 US Staaten Gesetze beantragt, die Beschneidungen unterbinden sollen.

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Evelyn Garcia, Mitglied des Demokratischen Nationalen Komitees (DNC) und Kandidatin für das Repräsentantenhaus in Florida ist wegen antisemitischer Bemerkungen scharf kritisiert worden und nach einer Entschuldigung aus dem DNC ausgetreten. Garcia hatte in einer Reihe von Emails geschrieben, Israel unterhalte "Massenkonzentrationslager". "Sklaverei ist vorbei, Apartheid ist vorbei und die Besetzung in der West Bank muss auch aufhören — die Palästinenser hatten mit dem Holocaust nichts zu tun" und "wenn wir Israel unterstützen, sind wir alle schuldig an deren Verbrechen gegen die Menschheit. Ich wehre mich dagegen, dass unsere Steuergelder die Aggressionen Israels unterstützen."

Obwohl Garcia nicht mehr Mitglied im DNC ist will sie ihre Kandidatur nicht niederlegen. Zu ihrem Wahldistrikt gehört auch West Palm Beach, wo eine große jüdische Gemeinde lebt.

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In Norden New Yorks sind auf 50 Bahnstationen Plakate aufgetaucht, die anhand von Landkarten die "systematische, wachsende Besatzung Israels" von 1946-2010 darstellen mit dem Zusatz, 4,7 Millionen Palästinenser würden von der UN als Flüchtlinge anerkannt. Die Plakatwände wurden von dem "Komitee für Frieden in Israel und Palästina" finanziert und für einen Monat aufgebaut und von vielen Fußgängern als antisemitisch und beleidigend empfunden, "als wären die Juden die Aggressoren." Das Plakat wurde auch auf dem Hauptbahnhof von Chappaqua gesichtet. Dort wohnen Bill und Hillary Clinton. Aber die fahren nicht mit der Eisenbahn.

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Eine Lehrerin wurde in South Carolina verhaftet nachdem sie nach einer Lektion über den Holocaust einen 12-jährigen Jungen mit dem Worten "Komm her, Jude" am Schlafittchen packte, unter seine Schulbank warf und ihn dann anschrie, "so haben das die Nazis mit den Juden gemacht." Patricia Mullholland ist Sozialkundelehrerin der 7. Klasse und seit 23 Jahren als Lehrerin tätig. Sie sagte zu ihrer Verteidigung, sie wollte den Schülern nur helfen zu verstehen, wie es damals war.

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Die Generalversammlung der protestantischen Presbyterian Church U.S.A. hat mit 333-331 Stimmen knapp entschieden, keine Sanktionen gegen Firmen, die mit Israelis in den besetzen Gebieten Geschäfte machen, zu unterstützen. Doch die Kirche werde weiterhin Produkte boykottieren, die von israelischen Firmen in Siedlungen in der West Bank hergestellt werden, darunter die Kosmetikfirma AHAVA vom Toten Meer und Dattelprodukte von Hadiklaim Israel Date Growers Co-operative. Noch im Sommer 2004 hatte die Kirche mit 431 gegen 62 Stimmen für einen solchen Boykott gestimmt und beschlossen, nicht mehr in amerikanische Firmen zu investieren, die Geschäfte mit israelischen Firmen eingehen, deren Produkte oder Dienste den Palästinensern in den besetzten Gebieten und im Gazastreifen indirekt, oder direkt, Schaden zufügen könnten. (Siehe Notizen aus den USA, Dezember 2004).

Im Vorfeld der Wahl hatten mehr als 22.000 Juden, sowie 1.300 Rabbiner, einen offenen Brief an die Kirche unterschrieben mit dem Aufruf, die Boykottresolution fallen zu lassen.

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Es war schon fast zu erwarten. Die Schriftstellerin und Pulitzer-Preis Trägerin Alice Walker, Autorin des Weltbestsellers "Die Farbe Lila", das von Misshandlungen und Rassendiskrimination in den Südstaaten handelt (von Steven Spielberg dann auch verfilmt), hat in einem Brief an Yediot Books erklärt, die Zeit wäre noch nicht reif für eine Übersetzung ihres Buches ins Hebräische. Walker ist bekannt für ihre politischen Einstellungen und ist seit Jahrzehnten involviert in pro-palästinensische Aktionen (und hat auch die Ausstrahlung des Filmes zu ihrem Buch in Südafrika während des Apartheid Regimes gestoppt, ein Regime, das sie als weniger schlimm ansah als Israel). Hatte sie nicht Israel auch einmal als "den größten Terroristen im Nahen Osten" beschimpft und auf der Flotilla "Audacity of Hope" gegen die israelische Seeblockade vor Gaza protestiert?

Trotz allem, das Buch ist ein Klassiker und schade, dass es derart politisiert wird. Walker sagt dabei, sie wolle "nicht zensieren sondern ihr Werk mit allen Menschen teilen". Jetzt aber sei noch nicht "der richtige Zeitpunkt." (Obwohl eine Übersetzung ins Hebräische von 1984 existiert.) Irgendwann wird das Buch dann wieder "von den tapferen israelischen Aktivisten (Juden und Palästinensern), die sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, auf Hebräisch gelesen werden können."

Palästinenser können das Buch seit 2004 auf Arabisch lesen; ihnen ist eine Hebräische Ausgabe eher egal. "[Walker] hat natürlich das Recht zu entscheiden, wer ihre Kreationen lesen darf", schreibt Blair Thornburgh im Forward. "Aber die Einschränkung von freien Zugriffen auf Bücher passt nicht zusammen mit dem Aufruf nach friedlichem sozialen Umschwung. Die Thematik des Buches ist höchst relevant für jeden Leser, der Opfer von politischer Unterdrückung wurde. Walkers Entscheidung ist zwar eine starke symbolische Geste — aber als solche auch kontraproduktiv. Poetisch, vielleicht, aber unpraktisch."

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