Home Articles in English Articles in German Articles in Hebrew Editorial Services Facebook Page The Media Blog Message Board Links Client Testimonials About Contact Blog-Ed: Opinion Page Who Am I? Home Articles in English Articles in German Articles in Hebrew New York Stories Raoul Wallenberg German-Jewish Dialogue Global Headlines Exchange Ideas Who Am I? Links Contact

 

USA Notizen

 

2012

Dezember 2012

September 2012

Juni 2012

März 2012

2011

Dezember 2011

September 2011

Juni 2011

März 2011

2010

Dezember 2010

September 2010

Juni 2010

März 2010

2009

Dezember 2009

September 2009

Juni 2009

März 2009

2008

Dezember 2008

September 2008

März 2008

2007

Dezember 2007

September 2007

Juni 2007

März 2007

2006

Dezember 2006

September 2006

Juni 2006

März 2006

2005

Dezember 2005

September 2005

Juni 2005

2004

Dezember 2004

September 2004

Juni 2004

März 2004

2003

Dezember 2003

September 2003

 

Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten


Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA

TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


März 2012
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Jüdische Republikaner gegen jüdische Demokraten
Orthodoxe gegen säkulare Juden
Israelis gegen amerikanische Juden
Amerikanische Repräsentanten gegen Israel
Weniger Militärhilfe an Israel?
"Occupy Judaism" Bewegung
"Operation Last Chance II"
Antisemitische Vorfälle in New York
Spenden nehmen ab für jüdische Organisationen
Wie viele russische Juden leben in America?

In diesen USA Notizen geht es hauptsächlich um Gegensätze, um Missverständnisse, Reibungen, Ungereimtheiten und offene Anfeindungen: zwischen Demokraten und Republikanern, zwischen amerikanischen Juden und Israelis, zwischen orthodox und säkular, zwischen dem US Militär und dem israelischen Verteidigungsministerium, zwischen Neonazis und Juden. Jeder rangelt mit jedem. Wahlkampfstimmung in den USA.

Jüdische Republikaner gegen jüdische Demokraten. Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Erst im November 2012 wird die Präsidentschaftswahl stattfinden, und schon jetzt sind die Medien mir Prognosen beschäftigt. Die Republikaner suchen verzweifelt einen geeigneten Präsidentschaftskandidaten, und auch Obama fällt es manchmal schwer, Wahlkampf und Amtsroutine voneinander zu trennen. Das Thema Israel und die Wahlstimmen der amerikanischen Juden sind dabei in aller Munde. Wie immer. Es scheint, dass kein Kandidat an diesen Themen vorbeikommt.

Bei den Fernsehdebatten der republikanischen Kandidaten wird das Thema Israel und der Nahostfriedensprozess genauso vehement diskutiert wie die Wirtschaftslage des Landes, und die Kandidaten versuchen sich gegenseitig mit guten Ratschlägen an Israel zu übertrumpfen. Newt Gingrich, der bis zum Schreiben dieser Zeilen bei den republikanischen Präsidentschaftswahlen an zweiter Stelle steht hinter Mitt Romney, nennt die Palästinenser "ein fiktives Volk" und gelobte, noch am selben Tag seiner Wahl zum Präsidenten, die US Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlege. Alle sind sich dabei einig, dass Obama viel zu wenig für Israel tue, den Palästinensern näher stehe und ein "jüdisches Problem" mit den jüdischen Wählern habe.

Und wie sehen das die amerikanischen Juden? Sie unterstützen weiterhin in überwältigender Mehrheit die Demokraten und Obama. Es sei denn, sie sind orthodox: Dann stehen sie fest hinter den Republikanern, deren konservative soziale Werte sie teilen.

Verwirrt? Wir sind es alle.

Der Forward versucht, ein bisschen Klarheit zu schaffen. Unter der Überschrift "Romney, Vielleicht. Gingrich, Nein Danke", schreibt Josh Nathan-Kazis über die jüdischen Wähler in Florida — 3.4 Prozent der Einwohner in dem südlichen Staat sind Juden, mehr als in anderen sogenannten Swing States, und sie könnten bei einer knappen Wahl im November den Wahlausgang entscheiden. Die Mehrheit von ihnen wählte in den demokratischen Vorwahlen 2008 für Hillary Clinton. Obama gewann dann Florida bei der Präsidentschaftswahl gegen John McCain mit nur 3 Prozent.

Ganz besonders jüdische Republikaner haben die Qual der Wahl sollte Gingrich gegen Obama im November antreten, und sie würden die Wahl eher aussitzen. Jüdische Republikaner sehen keinen Unterschied zwischen Romney und Gingrich wenn es um Israel geht — aber bei den sozialen Werten der Kandidaten, ziehen sie Romney vor. Dennoch, sollte Romney gegen Obama antreten, würden 63 Prozent aller Juden insgesamt eher für Obama stimmen. Gingrich ist vielen Wählern unsympathisch, und das haben sie mit den meisten republikanischen Wählern gemein — nimmt man den Milliardär und Kasino Mogul Sheldon Adelson aus, der bis zum Schreiben dieser Zeilen mit mehr als 10 Millionen Dollar Gingrichs Wahlkampagne finanziert hat.

Das Thema Israel ist eines der wenigen, das alle Republikaner — soziale Konservative, evangelische Christen, Neo-Konservative und wirtschaftliche Konservative — verbindet. Die Demokraten sind sich bei diesem Thema weniger einig. Israel ist für sie kein außenpolitisches Thema mehr, sondern zu einem innenpolitischen Kulturkampf erhoben worden, wo sogar zerstrittene Bevölkerungsgruppen und religiöse Strömungen einer Meinung sein können. Dabei, so schreibt der israelische Journalist Noam Sheizaf, ist die Debatte "mythisch und allen Fakten enthoben", und die Positionen sind meist militanter als die von Benjamin Netanyahu und seinen Kabinettsmitgliedern.

*

 

 

Orthodoxe gegen säkulare Juden. Die republikanischen und demokratischen Politiker vergessen alle vier Jahre immer wieder, dass sich nur 10 Prozent der amerikanischen Juden bei ihrer Wahl von den Positionen eines Kandidaten gegenüber Israel beeinflussen lassen (ein Land, das die meisten von ihnen nicht einmal besucht haben und auch nie besuchen werden). Mehr noch: Die meisten Juden wählen nicht "als Juden" (und viele von ihnen sind eh Atheisten), sondern sie teilen sich, wie die Gesamtbevölkerung, in Republikaner und Demokraten auf. Aber im Gegensatz zur amerikanischen Gesamtbevölkerung ist der Anteil der Juden, die sich als religiös bezeichnen, viel geringer. Sie sind wirtschaftlich eher konservativ aber sozial sehr liberal, und sie bevorzugen deshalb die Demokraten.

Nicht so die orthodoxen Juden: Drei Viertel von ihnen wählen konsequent für die Republikaner; für sie sind die rechten Standpunkte eines Kandidaten gegenüber Israel immer ausschlaggebend. Die schlechte Nachricht für die Republikaner ist dabei, dass orthodoxe Juden heute nur 10 Prozent der amerikanischen Juden ausmachen. Tendenz aber steigend: Ihre Zahl wird sich innerhalb einer Generation verdoppeln.

Zwischen beiden Gruppen ist die Kluft so gravierend, sind ihre politischen (Stichwort Siedlungspolitik in Israel, Zionismus und Nahostpolitik) und kulturellen Gegensätze (Stichwort Emanzipation und soziale Freiheiten sowie die Trennung zwischen Staat und Religion) so ausgeprägt wie unter keiner anderen ethnischen Minderheit in den USA. Viele Orthodoxe haben Familienmitglieder, die in Israel leben. Sie besuchen das Land regelmäßig und schicken ihre Kinder zum Thora Studium in das Heilige Land.

Es gibt viele Initiativen für den Dialog zwischen Juden und Christen, zwischen Juden und Muslimen und zwischen Juden und Afro-Amerikanern. "Wie wäre es, wenn man jetzt auch den Dialog zwischen orthodoxen Juden und dem Rest der jüdischen Gemeinschaft fördere", schlägt der Herausgeber der Jewish Week, Gary Rosenblatt, vor. Keine schlechte Idee.

*

 

 

Israelis gegen amerikanische Juden. Nach Schätzungen leben bis zu 2 Millionen Israelis in den USA. Noch zu Itzhak Rabins Zeiten, wurden diese Auswanderer abschätzig wie Fahnenflüchtige und Feiglinge behandelt, doch in den Zeiten der wirtschaftlichen und politischen Engpässe und der Hyperinflation der 1980 Jahre, wanderten dennoch viele Israelis aus.

Das israelische Ministerium für Einwanderung startete Ende 2011 eine 300.000 Dollar teure Kampagne mit Fernsehspots und Plakaten, die in den USA in fünf Ballungspunkten (u.a. in Kalifornien, New York und Florida) verbreitet wurden, um diesen Auswanderern ins Gewissen zu reden. Die Botschaft war, dass Israelis im Ausland immer Fremde bleiben und ihre israelische Identität zwangsläufig verlieren, und selbst wenn ihre Partner Juden sind, würden die kulturellen Unterschiede bestehen bleiben. Besser man bleibe also in der Diaspora unter sich — und fahre schnell wieder nach Hause.

"Wenn aus Abba (hebräisch für Papa) Daddy wird, ist es Zeit, nach Hause zu kommen", heißt es in einem der Spots. In einem anderen ist ein Amerikaner über die Niedergeschlagenheit seiner israelischen Freundin am jährlichen Gedenktag an die gefallen israelischen Soldaten erstaunt. Wieder ein anderes Video zeigt zwei israelische Großeltern, die am Chanukka mit ihrer Enkelin in den USA telefonieren. Auf deren Frage, welches Fest gerade gefeiert wird, erwidert das Mädchen strahlend "Weihnachten!"

Die Kampagne wurde von den amerikanischen Juden mit Empörung aufgenommen, als unredlich, verletzend und "entwürdigend" kritisiert, als würde eine Einwanderung nach Amerika zwangsläufig zu einer Assimilierung und Einbüßen der jüdischen Identität führen (das Gegenteil ist oft der Fall: Viele Israelis entdecken erst in der Diaspora ihre Bindung zum Judentum, das für sie in Israel eher eine Bürde war). Die "Jewish Federation of North America" ging noch weiter und sagte, die Kampagne könnte den Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora schaden. Die Filme und Plakate wurden daraufhin prompt von den Israelis aus dem Verkehr gezogen, mit der Bemerkung, man hätte nicht ahnen können, dass ihre Botschaften in den USA so kritisch aufgenommen werden könnten.

Abraham H. Foxman, Direktor der Anti-Defamation League, nannte die Kampagne "eine Reflektion der Ignoranz Israels über das lebendige und kreative jüdische Leben in den USA." Doch die Reaktion der Israelis auf die Welle der Kritik zeige auch, "dass man auf uns höre, und dass unsere Unmut erst genommen wird." "Hier leben mehr Juden als in Israel", konterte Allison Yarrow in TheDailyBeast.com. "Wie denken nicht jeden Tag daran, dass wir Juden sind. Vielleicht macht man das in Israel. Aber wenn es keine Juden in den USA gibt, wer pflanzt dann all die Bäume in Israel?"

Israelische Beobachter verstehen nicht so ganz, warum die Amerikaner sich so aufregen (auch ich finde die Videos legitim; aber ich habe 13 Jahre in Israel gelebt und sehe die Kontroverse mehr aus dem Blickwinkel der in den USA lebenden Israelis). Es geht bei den Filmen und Postern nicht um Kritik an den amerikanischen Juden. Es geht überhaupt nicht um sie — sondern um Israelis. Es wird nicht das Judentum der amerikanischen Juden angezweifelt und hinterfragt (jedenfalls nicht in diesen Videos), sondern es geht ausschließlich um die israelische Identität in der Diaspora und das nagende Gefühl der Fremdheit. Und jeder Israeli, der hier lebt, hegt ähnliche Gefühle: Man ist ein Abba und kein Daddy. Man ist Ima und nicht Mom. Man bleibt Israeli, wo immer man lebt.

Aber die Distanz zwischen amerikanische Juden und Israelis geht noch weiter, besonders unter den jungen amerikanischen Juden gegenüber der Politik Israels. Jüdische Gemeinden sehen sich immer mehr dazu berufen, ihre Gemeindemitglieder über Israel und Zionismus aufzuklären, weil diese ihre Bindung an Israel verlieren und freundlich-distanziert gegenüber dem kleinen Land, das unermüdlich gegen seine Feinde anzukämpfen hat, auf der einen Seite sind, und das religiöse, intolerante Israel auf der anderen Seite ablehnen, wo orthodoxe Juden kleine Mädchen anspucken.

Amerika entwickelt sich zunehmend zu dem Land in der Diaspora, wo der religiöse Aspekt des Judentums immer weiter in den Hintergrund tritt. Die UJA Föderation in New York, die größte dieser Gruppen in den Vereinigten Staaten, hat jetzt erklärt, nicht-jüdische Partner in den Gemeinden willkommen zu heißen. In New York ist die Heiratsrate zwischen Juden und nicht-Juden besonders hoch: 27 Prozent im Jahre 2002 (1991: 18 Prozent), und nur 30 Prozent dieser Familien ziehen ihre Kinder als Juden auf.

*

 

Amerikanische Repräsentanten gegen Israel. Die Obama Administration zog Ende 2011 den Zorn der Israelis auf sich, nachdem drei Politiker scharfe Kritik an Israel geübt hatten. Der US Botschafter in Belgien, Howard Gutman, erntete Unmut, als er sagte, die Feindschaft der Araber und Muslime in Europa gegenüber Israel habe nichts mit traditionellem Antisemitismus zu tun sondern basiere auf die politischen Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern.

Einen Tag später war Verteidigungsminister Leon Panetta zu hören, Israel solle "an den verdammten Verhandlungstisch" zurückkommen, mit den Palästinensern verhandeln und sich endlich mit seinen Nachbarn "versöhnen". Und etwas später äußerte Außenministerin Hillary Clinton Zweifel an Israels Demokratie. Ein jüdischer demokratischer Aktivist nannte das "die schlimmste [politische] Woche, die wir seit langem erlebt haben". Doch Beobachter waren nicht allzu erstaunt über die Bemerkungen der Politiker: Israel werde doch schon immer mit einem anderen Maßstab gemessen als seine Nachbarn.

*

 

Die prekäre Wirtschaftslage der USA und die internen politischen Rangeleien im Kongress um den Abbau der Schuldenlast des Landes können zur Folge haben, dass die jährlichen Militärhilfen an Israel ab 2013 (bis zum Jahre 2021) um rund 250 Millionen Dollar gekürzt werden. Unter einem 2008 zwischen Israel und der USA unterzeichnetem Memorandum of Understanding (MOU), sollte Israel 2013 3,1 Milliarden Dollar Finanzierungshilfe für den Kauf von amerikanischen Verteidigungssystemen erhalten. Das kann sich ändern.

Bis vor nicht allzu langer Zeit war Israel vom amerikanischen militärischen Knowhow vollkommen abhängig. Das Land erhielt US Waffen, die es zwar für seine Zwecke um- und ausbaute, aber Israel war kein wichtiger Spieler in der globalen Militärindustrie. Und die Amerikaner fürchteten seit den Anschlägen vom 11. September 2001, dass die Allianz mit Israel, ihrem Einfluss im Nahen Osten schaden könnte. Das alles hat sich geändert: Die USA können jetzt (da das Militär Gelder einsparen muss), von dem kleinen Land und seiner flexiblen, kompakten und sparsameren Armee lernen, die weniger auf Hierarchie aufbaut sondern auf Innovationen des Einzelnen. Die USA profitiert zunehmend von der strategischen Zusammenarbeit mit Israels Militär, das geübt ist in der Improvisation unter harschen Umständen und geschult ist kleinen, kurzen Guerillakriegen. Die Israelis wiederum realisieren jetzt, dass ein unabhängiger israelischer High-Tech Verteidigungssektor für Israels Zukunft wichtiger ist als ständige militärische Abhängigkeit von den USA.

Aus dem Junior Partner ist ein selbstbewusster Partner geworden im internationalen Waffenhandel, ein Konkurrent gar: Noch an 15. Stelle vor zehn Jahren, liegt Israel jetzt an 4. Stelle, nach den USA, Russland und Frankreich.

*

 

Die "Occupy" Bewegung mit ihrem Slogan "Wir sind die 99%" hat bei einigen jüdischen Organisationen eine heftige Debatte ausgelöst. Und junge jüdische Aktivisten haben eine "Occupy Judaism" Bewegung ins Leben gerufen, die an den politischen Aktionen teilnimmt und auf Ungerechtigkeiten innerhalb der jüdischen Bewegungen hinweist. Der Forward initiierte daraufhin eine Studie und kam zu dem Schluss, dass viele jüdische Organisationen an einer ungleichen Verteilung von Geldern in Spitzenpositionen beteiligt sind. Dabei sind Frauen immer noch zu wenig in führenden Positionen vertreten. "Das ist unsere eigene Art der Ungleichheit", heißt es in einem Kommentar in der Zeitung.

"Occupy Judaism" will noch eine andere Botschaft vermitteln: Protest dagegen, dass amerikanische Juden von den jüdischen Organisationen — und somit von der politischen Elite und den wirtschaftlich Privilegierten (die "Occupy Judaism" als dekonstruktiv und zu radikal ansehen) — in "gegen" oder "für" Israel eingeteilt werden. Judentum sei mehr als Geldspenden und Materialismus oder leere Rhetorik von Seiten derer, die an der Wirtschaftskrise beteiligt waren. Politik und Gläubigkeit schließen sich nicht aus.

*

 

 

Das Simon Wiesenthal Center (SWC) in Los Angeles hat das Projekt "Operation Last Chance II" ins Leben gerufen, das noch lebende NS Kriegsverbrecher vor Gericht bringen will, ganz besonders Wachen in den Todeslagern und Mitglieder in Einsatzgruppen. 2002 starteten das (SWC) und die Targum Shlishi-Stiftung in Florida die "Operation Letzte Chance", um die Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechern — hauptsächlich im postkommunistischen Europa — zu unterstützen, so heißt es in einem Statusreport des SWC. Bis Ende 2011 hatte sie die Namen von mehr als 600 Verdächtigen in 32 Ländern erbracht. Jetzt also beginnt der zweite Teil der Initiative, in deren Rahmen bis zu 32,900 Dollar Belohnung ausgezahlt werden für die Verurteilung von Lagerwärtern. Diese können jetzt zum ersten Mal (in Folge der Verurteilung von John Demjanjuk im Mai 2011 in München) wegen Mittäterschaft vor Gericht gestellt und verurteilt werden.

*

 

Eine Welle antisemitischer Überfälle im Großraum New York Ende 2011 hat für Unruhe gesorgt. Es ging um Brandstiftungen, die von einem jüdischen Täter in Midwood, einem jüdischen Stadtteil in Brooklyn verübt wurden, in dem viele Holocaustüberlebende wohnen. In Queens wurden Swastikas entdeckt und es wurden Brandanschläge auf eine Synagoge und zwei Büchereien verübt. Niemand kam dabei zu Schaden.

Das FBI verzeichnete in seinem Jahresreport über hate crimes ein Anwachsen von Anschlägen im Jahr 2010. Insgesamt wurden 6.628 hate crimes gegen religiöse und ethnische Minoritäten ausgeführt (ein leichter Anstieg vom Vorjahr). Von den 1.322 gegen religiöse Minderheiten verzeichneten Anschlägen wurden 67 Prozent gegen Juden verübt.

Einer Umfrage der ADL zu Folge hegten 2010 ganze 15 Prozent der Amerikaner — rund 45 Millionen Menschen — antisemitische Vorurteile, ein Anstieg von 3 Prozent vom Vorjahr. Der Direktor der ADL, Abraham Foxman wurde selbst zum Ziel des Hasses: ein 33-jähriger Neonazi der "Silent Aryan Warriors" aus Arizona wurde festgenommen und gestand, neben geplanten Attentaten auf Afro-Amerikaner und Juden, auch Foxman im Visier gehabt zu haben.

*

 

Die ADL und der American Jewish Committee (AJC), zwei der ältesten, größten und prominentesten jüdischen Organisationen in den USA, beklagen massive Spendenabnahmen. Die ADL verlor mehr als 20 Millionen Dollar in den letzten fünf Jahren; das AJC verlor 62 Millionen Dollar. Ein neuer Trend macht sich bemerkbar: Junge amerikanische Juden ziehen Spenden an kleinere Organisationen vor, die sich für spezifische Belange innerhalb der jüdischen Gemeinden einsetzen, und sie haben die Hoffnung aufgegeben, dass Mega-Institutionen "ihre Gelder gut verteilen", so der Forward in einem Kommentar. "Spender wollen Transparenz und Resultate sehen." Also nicht mehr eine automatische Aufteilung der Gelder nach der alten Formel "75% an die Jewish Agency for Israel und der Rest an das American Jewish Joint Distribution Committee."

*

 

Wie viele russische Juden leben in den Vereinigten Staaten? Schätzungen zu Folge machen sie rund 10 Prozent der amerikanischen Juden aus. Aber niemand weiß so genau ob das stimmt. Nur eines ist gewiss: In New York leben mehr russisch-sprechende Juden als irgendwo anders auf der Welt. Aber es gibt keine genauen Zahlen, und die Schätzungen gehen weit auseinander. Dabei ist es wichtig, mehr Einzelheiten über die verschiedenen Gruppierungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu kennen, die sonst immer pauschal unter "die amerikanischen Juden" zusammengefasst wird.

Russische Juden ziehen im Allgemeinen eine Mitgliedschaft in jüdischen Gemeindezentren einer Zugehörigkeit an Synagogen vor, und sie haben stärkere Bindungen an Israel (viele von ihnen sind über Israel in die USA gekommen oder haben Verwandte dort). Politisch sind sie als Gruppe eher konservativ eingestellt.

Doch im Zentrum der Debatte um die Zahl der russisch-sprechenden Juden steht immer noch die Frage, wer von ihnen "wirklich" jüdisch ist. Wie dem auch sei, 70 Prozent der russischen Juden identifizieren sich selbst als Juden; der Rest lebt mit jüdischen Partnern zusammen.

Die UJA-Federation in New York wird jetzt eine neue Umfrage starten, um die genaue Zahl der russisch-sprechenden, jüdischen Familien zu dokumentieren. Die letzte Umfrage wurde vor 10 Jahren durchgeführt und hatte einige Schwachpunkte. Unter anderem war bei den Telefonumfragen eines der ersten Fragen "leben in ihrem Haus Juden?"

In Russland wurde diese Frage auch oft gestellt — und verbreitete Angst. Es gibt also noch viel zu lernen im interkulturellen Dialog.

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA