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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


Dezember 2011
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Obama, der erste jüdische Präsident?
Netanyahu-Obama: Gespannte Beziehungen
10. Jahrestag der Anschläge des 11. September
Die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Shalit
Keine $200 Millionen Dollar Finanzhilfe an die Palästinenser?
Spionagefall eines FBI Agenten: Neue Ermittlungen
$57 Millionen: Betrugsskandal gegen die Claims Conference
Apathie der amerikanischen Juden gegenüber Israel?
Junge russiche U.S. Juden in einer Identitätskrise
Israel Korrespondent der New York Times im Zugzwang


 

ObamaDie einen nennen ihn den "ersten jüdischen Präsidenten" (so das New York Magazine in einer Titelgeschichte vom 26. September); die anderen sehen in ihm einen heimlichen Feind Israels, der wie damals der Demokrat Jimmy Carter in den 1980 Jahren auf keinen Fall wiedergewählt werden darf. Wieder haben Demokraten und Republikaner die jüdischen Wähler fest im Visier und buhlen um ihre Stimmen bei den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr sowie den republikanischen Vorwahlen Ende 2011. Man befühlt den Puls der amerikanischen Juden und hofft auf ihre Stimmen. Die kleine Minderheit im großen Land zieht die Aufmerksamkeit der Politiker auf sich.

Diese Minderheit ist zwar von Obamas Politik enttäuscht, aber eigentlich viel zu liberal, um jemanden anderen zu wählen. Ganze 54 Prozent der amerikanischen Juden stehen noch hinter Obama (im Juni waren es noch 60 Prozent); bei den Israelis sind jetzt 54 Prozent der Meinung, Obama sei pro-Israel, im Gegensatz zu nur vier Prozent kurz nach seiner Wahl. Doch der Präsident wird 2012 sicher Stimmen einbüßen. Einige werde die Wahl aussitzen; die orthodoxen unter ihnen werden jedoch wieder für die Republikaner wählen, wie bei der letzten Wahl.

Ob sich die Krise, in der sich die Obama-Administration befindet, angesichts des eingerosteten Nahostfriedensprozesses und dem schlechten Verhältnis zum israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu (der eh den Republikanern nahesteht), auch auf Obamas Wiederwahl auswirken wird, bezweifelt man. Aber die Administration setzt trotzdem alles daran, die jüdischen Wähler zu beschwichtigen und ihre Spendengelder zu sichern (bis heute haben erst 64 Prozent der jüdischen Spender, die die Obama Kampagne 2008 finanziell unterstützt hatten, dafür plädiert, auch für seine Wiederwahl 2012 zu spenden).

Bei einer lokalen Wahl in New York, in einem Wahlkreis mit orthodox-jüdischen und russischen Juden, siegte ganz überraschend der republikanische Kandidat über seinen demokratischen Kontrahenten. Beobachter nahmen das als Indiz, dass sich die Demokraten der jüdischen Wählerschaft nicht mehr sicher sein können. Dabei wählen orthodoxe Juden in der Mehrheit für Republikaner und deren konservative Wertvorstellungen. Sie stehen selbst christlich-religiösen Anschauungen toleranter gegenüber, als liberalere Juden, weil sie nicht unbedingt auf die Trennung von Staat und Religion Wert legen, wie es die meisten amerikanischen Juden tun.

Und gerade diese Gruppe der Liberalen wollen die Republikaner jetzt für die nächste Präsidentschaftswahl gewinnen? Sie haben es dabei darauf angelegt, die Israel-Politik der Obama Administration an den Pranger zu stellen. Und die Präsidentschaftskandidaten der Republikaner sprechen immer öfter davon, Obama hätte Israel "unter den Bus geworfen" und wäre im Grunde zu tiefst naiv und anti-Israel.

Die Obama-Administration und das Demokratische Nationale Komittee haben als Antwort darauf den Dialog mit den jüdischen Gemeinden — nach der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der nationalen Gesundheitsversicherung — als dritten Punkt in ihre Agenda aufgenommen. Aufklärungsarbeit leisten dabei besonders Obamas Nahostberater Dennis Ross, der US-Botschafter in Israel Daniel Shapiro sowie Ira Forman, ein renommierter früherer AIPAC Mitarbeiter in den 1970 Jahren, Israel Experte, ehemalige Direktor des National Jewish Democratic Council und Mitglied der Clinton-Administration. Aber auch ganz besonders Vizepräsident Joseph R. (Joe) Biden Jr. leistet Aufklärungsarbeit. Biden, der schon seit Jahrzehnten mit Israelis und amerikanischen Juden eng verbunden ist und von jüdischer und israelischer Seite sehr geschätzt wird, erzählt gerne von seinen Treffen mit Yitzhak Rabin und Golda Meir, die ihm einmal anvertraute, Israels Geheimwaffe sei, dass es nirgendwo hinfliehen könne.

Bei der Öffentlichkeitsarbeit soll auch betont werden, dass Obama und seine Administration gegenüber Israel nur deshalb kompromisloser wirken als vorherige Administration und Palästinenser und Israelis gleichermaßen kritisiere, um seinem nächsten Verbündeten, Israel, aus der Krise zu helfen. Also die USA, "der große Bruder, der Israel, seinen kleinen Bruder, der sich trunken auf dem Boden wälze, ohrfeigt, damit dieser wieder zur Besinnung komme" (so kommentierte es das New York Magazine). Doch keine Administration habe sich so um Israels Sicherheit gekümmert wie diese Administration (zum Beispiel 3 Milliarden Dollar Militärhilfe an Israel in den letzten drei Jahren, rund 250 Millionen Dollar für den Bau einer Raketenabwehr für die Gebiete um den Gazastreifen, die Zusage für "Bunker-Buster-Bomben", die von früheren Administrationen verwehrt wurde, und die Hilfe der Amerikaner bei der Befreiung von sechs israelischen Diplomaten aus der umkämpften israelischen Botschaft in Kairo in diesem Jahr, wofür sich Obama vehement eingesetzt hatte). Dennoch, man kritisierte heftig, dass Obama nach seiner Rede in Kairo 2009 nicht auch Israel besuchte, und dass er darauf bestehe, Israel müsse in die 1967er Grenzen zurückkehren und die Siedlungspolitik aufgeben.

Konservative Beobachter sehen in Obama den Präsidenten mit der einseitigsten Nahostpolitik, dessen Botschaft, (und nicht wie diese übermittelt wurde), bei den jüdischen Wählern fehlgeschlagen habe. Und viele jüdische Demokraten hat der arabische Frühling Angst bereitet; sie sehnen sich nach einer schärferen Politik gegenüber den Palästinensern. Sie haben Angst von Israel zu viele Konzessionen zu verlangen, und sie können diese Angst immer schwerer mit ihrem Pazifismus vereinbaren. Dennoch, auch für die jüdischen Wähler sind Themen wie die Wirtschaftslage der USA und die hohe Arbeitslosigkeit weitaus wichtiger als die Nahostaussenpolitik Amerikas oder ob sich Israel gerecht behandelt fühle.

"Es ist nicht, dass die amerikanischen Juden konservativer werden", schreibt J.J.Goldberg im Forward. "Es scheint eher, dass Obama auf dem politischen Spektrum nach rechts rutscht." Man sei sich in der Obama Administration einig, so schreibt John Heilemann im New York Magazine, Obama habe "ein jüdisches Problem".

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Die Reden des israelischen Premierministers Benjamin Natanyahu und des palästinensischen Präsidenten Mahmous Abbas vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 23. September wurden von jüdischen Kommentatoren mit Spannung erwartet. Davor redete aber Präsident Obama, und seine Ansprache wurde von der Mehrheit der jüdischen Organisationen als eine "Get Real" Rede gepriesen, wo er klar aussprach, was den jüdischen Organisationen am Herzen liege: Dass Israels Sicherheit nicht gefährdet werden dürfe und der Weg zum Frieden nur über direkte Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern laufen kann — und nicht über die Korridors und hinter verschlossenen Türen in den Vereinten Nationen. Nur die mehr links-gericheten jüdischen Organisationen kritisierten, Obamas Rede war für beide Seiten enttäuschend, und er räume den Palästinensern zu wenig Raum für Selbstbestimmung ein.

Die Beziehung zwischen Netanyahu und Obama war von Anfang an gespannt. Nicht so das Verhältnis zwischen dem US Präsidenten und Abbas. Das änderte sich jedoch schnell. "Obama schlug ein Einfrieren der Siedlungen als Bedingung für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche vor", erzählt Abbas in einem Interview mit Newsweek. "Ich sagte OK, ich bin einverstanden. Wir kletterten beide auf den Baum; doch Obama kletterte sofort wieder runter, nahm die Leiter weg und forderte mich auf ‚spring jetzt!' ".

Und so weigerte sich Abbas dann auch, auf Obamas Rat zu hören, vorerst nicht vor die UN zu treten, um einen Palästinenserstaat zur Abstimmung zu bringen. Vertreter jüdischer Organisationen leisteten im Vorfeld unermüdliche Aufklärungsarbeit, um die Diplomaten vor dem Aufsetzen einer entsprechenden UN Resolution über die Details sowie Israels Sicherheitsbedürfnisse aufzuklären. Das American Jewish Committee (AJC) leitete diese Anstrengungen, und Verteter trafen sich rund 400 Mal in drei Monaten mit Diplomaten aus 70 Ländern, um über eine Resolution zu sprechen. Abraham Foxman, Dirketor der ADL, plädierte sogar für eine abgeschwächte Resolution, um den Palästinensern den Status eines Beobachterstaates in der UN zu gewähren. "Es kommt ganz darauf an, wie man das am Ende formuliert".

Unter dem Titel "Septembers Damokles Schwert" kommentierte dagegen der Forward, dass selbst die Palästinenser eine Staatsausrufung ablehnen, "und wir stimmen ihnen zu. Die jüdische Gemeinschaft muss als Stimme des Kompromisses angehört werden, um Israels Interessen zu wahren. Niemand ist alleine für diesen Engpass verantwortlich. Die amerikanischen Juden müssen das ihre tun und ihre gewählten Politiker zur Kompromisbereitschaft und Vernunft anspornen, was weitaus produktiver wäre für Israel".

Ein amerikanisches Veto im Sicherheitsrat gegen die Resolution der Palästinenser wird Obama sicher Stimmen einbringen bei den amerikanischen jüdischen Wählern. Dem Friedensprozess würde das aber vollends die Luft aus den schlaffen Segeln nehmen. Mehr noch: die Kotroverse um die UN-Resolution schaffte ein Klima der politischen Konkurrenz im US Präsidenschaftswahlkampf, den der Forward mit einer "Politisierung Israels" umschrieb. Es sei gefährlich für Israel und "ein Desaster für die amerikanischen Juden", dass die Republikaner die Unterstützung Israels zum Wahlkampfthema gemacht haben, "zu einem Wettbewerb, welcher Politiker (oder welche Partei) Israel, nein, der Partei Netanyahus, näherstehen. Die Wünsche der ‚normalen' Israelis werden dabei ausser Acht gelassen. Doch gerade ihnen zuzuhören heisst auch ‚pro-Israel' zu sein."

Liberale amerikanische Juden fühlen sich diesem Israel, den Israelis, die für ihre sozialen Forderungen und im Namen ihrer Ideologien auf die Strasse gehen und einen gerechten Frieden wollen, näher. "Die Republikaner glauben, sie sprechen in unserem Namen, wenn sie sich Seite an Seite mit Netanyahu stellen", schreibt der Forwad. "Das stimmt aber nicht. Israels Sicherheit ist eine Priorität, aber für viele amerikanische Juden ist dies nicht die einzige Priorität, und das muss respektiert werden. Wir sind, am Ende, Amerikaner."

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Zum 10. Jahrestag der Anschläge des 11. September ist immer noch eine Flut von antisemitischen Verschwörungstheorien im Umlauf. Und die Zahl derer, die Juden und Israel für die Anschläge verantwortlich machen, nimmt zu. Von den 36.000 Videos, die im Internet verbreitet werden, beschuldigen 16.000 Juden oder Israelis, die Anschläge auf das World Trade Center verursacht, oder zu mindestens davon vorher gewusst zu haben, berichtet die Anti-Defamation League (ADL) in ihrer Studie "Decade of Deceit: Anti-Semitic 9/11 Conspiracy Theories 10 Years Later." Die letzten 10 Jahre haben eine richtige Propagandamaschine zu Tage gebracht, so die ADL, und antisemitische und antizionistische Thesen rücken dabei immer mehr in den Mittelpunkt. Thesen, die nicht nur aus rechtsextremistischen sondern auch aus radikal linken Kreisen kommen.

Am 10. Juni 2009, schoss der 88-jährige James von Brunn auf Besucher des Holocaust Museums in Washington und tötete einen Menschen. Brunn war von der Schuld der Juden an den Anschlägen des 11. September überzeugt. Und zwei neonazistische Serienmörder an der Westküste Amerikas wurden jetzt gefasst und haben gestanden, ihre Opfer danach ausgewählt zu haben, ob sie einen jüdisch-klingenden Namen haben.

Antisemitische Vorfälle hatten 2004 in den USA mit 1.821 Angriffen einen Höhepunkt verzeichnet und sank dann wieder ab. Letztes Jahr hat der Trend jedoch wieder leicht zugenommen im Gegensatz zum Vorjahr — von 1.211 Fällen im Jahr 2009 auf 1.239 ein Jahr später. Die meisten Fälle wurden dabei in Kalifornien (297), New York (205) und New Jersey (130) verzeichnet. "Die gute Nachricht ist, dass wir eine relativ ruhige Phase hinter uns haben; die Zahl der antisemitischen Anschläge ist fast gleich geblieben, und die Vorfälle waren isoliert und sporadisch", kommentiert Abraham Foxman, der nationale Direktor der ADL die Statistik.

Man wird noch sehen ob die Zahl der antisemitischen Vorfälle 2011, im Jahr des 10. Jahrestages der Anschläge auf das World Trade Center, zunahm.

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Die Nachricht, dass die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Shalit bevorstehe, der seit jünf Jahren im Gazastreifen von der Hamas gefangengehalten wird, wurde unter den amerikanischen Juden mit Freude, aber auch mit Stirnrunzeln, aufgenommen. Jüdische Zeitungen diskutierten, ob das Leben eines Soldaten durch die Freilassung von über Tausend Terroristen, die Israelis angegriffen, getötet oder verletzt hatten, gerechtfertigt sei. "Es ist lobenswert und heroisch, dass sich alle Israelis als eine große Familie ansehen, einschließlich ihrer Soldaten", schreibt Brent E. Sasley im Forward, aber diese Sichtweise gefährde andere Soldaten im Namen des Einzelnen. Auch sende der Gefangenenaustausch die falsche Botschaft an die Terroristen: Anschläge gegen Israelis und die Entführung von Soldaten können Früchte tragen. "Israel wird seine Taktik ändern müssen, denn es wird immer wieder einen Gilad Shalit geben. Es muss dabei Entscheidungen im Namen der Gemeinschaft fällen und nicht im Namen des Einzelnen. Nur so wird es seine Bürger schützen."

Unter der Überschrift "Unser aller Sohn" schrieb der Forward in seinem Kommentar, "einer gegen 1.027. Diese Zahl spiegelt den Wert eines jüdischen Lebens in Israel wieder und ist Zeichen von Stammesstolz — kann aber auch als Einladung aufgefasst werden, weitere Israelis zu entführen oder als eine Warnung, was passieren kann, wenn eine effektive Kampagne zum Auslöser für kollektive Angst und das schlechte Gewissen der Politiker wird. Wir hoffen, dass dieser kurzfristige Sieg keinen langfristigen Schaden mit sich bringt."

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Das US Repräsentantenhaus wird rund $200 Millionen Dollar Finanzhilfe an die Palästinenser nicht auszahlen als Gegenzug zum Antrag der Palästinenser in der UN, einen Palästinenserstaat zu gründen und insbesondere als Antwort auf das Bündnis zwischen der PA und Hamas (letztere steht auf der amerikanischen Liste der Terrororganisationen, an die keine US Gelder fließen dürfen). Der Forward nennt dieses Vorhaben in einem Kommentar "besonders besorgniserregend", eine "schlechte und gefährliche Idee", denn eine Abschwächung der PA wäre "eine Katastrophe für die Region und führe zur Radikalisierung".
Dennoch: eine weitere Auszahlung von zusätzlichen $150 Millionen Dollar an die Palästinenser wird jetzt auch von den Republikanern im Senat blockiert.

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Bei einem 2009 aufgedeckten Spionagefall eines FBI Agenten, der zu 20 Monaten Haft verurteilt wurde, sind jetzt erst weitere Details veröffentlicht worden. Wie die New York Times berichtet, hat Shamai K. Leibowitz, ein FBI Übersetzer mit israelisch-amerikanischer Staatsbürgerschaft, Geheimdokumente und 200 Seiten Telefontranskriptionen (auch von einigen US-Kongressabgeordneten), die der FBI in der israelischen Botschaft in Washington angesammelt hatte, an den Journalisten Richard Silverstein weitergeleitet. Beide waren besorgt, Israel plane Atomreaktoren im Iran anzugreifen, und sie glaubten, mit der Veröffentlichung der Dokumente diese Pläne zu verhindern.

Es ist den Amerikanern schon längst bekannt, dass Israelis in den USA gegen den FBI spionieren, und zwar in einem Ausmaß, der nur hinter China und Russland zurückstehe. Und auch der FBI spioniert seit Jahrzehnten, schon vor der Ausrufung des jüdischen Staates 1948, gegen Israel. Dabei geht es dem FBI hauptsächlich darum, gegenseitigen Schaden zu verhindern. Der junge Familienvater Leibowitz sieht sich also als einen amerikanischen Patrioten, der die Pläne Israels publik machen wollte, bevor diese das Image der USA — und Israels — beschädigen und die US-Außenpolitik gegenüber dem Iran beeinflusst hätten.

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In einem sich immer mehr ausweitenden, 57 Millionen Dollar umfassenden Betrugsskandal gegen die Claims Conference, sind jetzt insgesamt 30 Menschen festgenommen worden, unter ihnen 10 ehemalige Mitarbeiter der Claims Conference. Die Beschuldigten sind amerikanische Russen aus New York. Der Ring wurde schon 2009 aufgedeckt, die Ermittlungen gegen die Täten sind aber noch lange nicht abgeschlossen. Nur 10 haben gestanden, sie hätten insgesamt 5.000 gefälschte Reparationsanträge an die Claims Conference eingereicht. Sie werden beschuldigt, Dokumente gefälscht oder abgeändert zu haben oder die gleichen Lebensläufe von Holocaustüberlebenden unter mehreren Namen angefertigt zu haben, ohne Mitwissen der Antragsteller, und dann einen Teil der Reparationszahlungen für sich behalten zu haben. Rund 600 Menschen, die Opfer des Betruges wurden und Gelder erhalten hatten, haben sich einverstanden erklärt, rund fünf Millionen Dollar zurückzuzahlen.

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Akivar Eldar hat eine interessante Analyse in der israelischen Tageszeitung Ha'aretz veröffentlicht über die Apathie und Paralyse der amerikanischen Juden angesichts der sozialen Protestwelle in Israel. "Es ist erstaunlich, dass selbst in den progressivsten Kreisen unter den amerikanischen Juden, die sich sonst sofort für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte einsetzen, über das israelische Phänomen der Proteste und der Zeltlager geschwiegen wird", schreibt Eldar. "Man will nicht wissen, was da los ist. Man hat Angst, ein Symbol anzugreifen und zu kritisieren. Die jüdische Gemeinschaft gibt ihre ideologischen und moralischen Prinzipien auf, wenn es um Israel geht".

Doch Eldar gibt zu, bei seinem Besuch in die USA auch andere Menschen innerhalb der jüdischen Gemeinden angetroffen zu haben, die die sozialen Forderungen der Israelis unterstützen. Und man sollte nicht vergessen, dass Eldar seine Erlebnisse geschildert hat, bevor Amerika die eigene soziale Unmutswelle packte: Die Occupy Wall Street Gruppierung in Manhattan umfasst viele amerikanische Juden, die sich für eine gerechtere soziale Verteilung in Amerika einsetzen. Deren Zahl ist so groß, dass am Jom Kippur ein Kol Nidre Gottesdienst in dem Park in Manhattan stattfand, wo sich die Demonstranten niedergelassen haben, sowie Sukkahs aufgebaut wurden und regelmäßig Schabbat Gottesdienste abgehalten werden. Jüdische Demonstranten kämpfen auch bewusst gegen eine (sehr geringe) Anzahl von Protestierenden in ihrem Umfeld, die antisemitische und antizionistische Phrasen, wie "Zionisten kontrollieren die Banken" oder die engen amerikanischen-israelischen Beziehungen wirken sich "negativ auf die US Wirtschaft aus".

Auch unter den Protestgruppen in Boston und Philadelphia wächst die Anzahl der jüdischen Teilnehmer, die von alten und jungen Hippies über jüdische Gewerkschaftsmitglieder bis zu Emma Goldman Anhängern reichen. Goldman wurde 1893, nicht weit vom Zuccotti Park, dem Zentrum des Protestes in Manhattan, festgenommen. Sie hätte sich ganz sicher unter die jungen Demonstranten gemischt. Die Occupy Wall Street Protestwelle spiegelt auch die sozialen und moralischen Wertvorstellungen der amerikanischen Juden wider. Eldar wird das vielleicht verwundern, aber auch freuen. Von Paralyse also keine Spur.

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Junge russische Juden, die als erste Generation in Amerika geboren wurden und deren Eltern als Erwachsene in den 1970 und 80 Jahren in die USA emigrierten, befinden sich in einer Identitätskrise, schreibt die Jewish Week. Sie sind zu Hause in der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft und zweifeln dennoch, ob sie diese Assimilation so wollen. Sie möchten ihre russisch-jüdischen Wurzeln beibehalten und nicht in der Masse der amerikanischen Juden untergehen — und sie wollen größeren politischen Einfluss gewinnen. Russische Juden sind eher konservativ gegenüber Israel eingestellt, im Gegensatz zu der Mehrheit der amerikanischen Juden, die eher liberal gegenüber Israel und zum Friedensprozess stehen und sich mit den linksgerichteten Parteien in Israel identifizieren. Russische Juden stehen generell der Likud Partei und deren politischen Richtung näher und fühlen sich deshalb von den meisten amerikanischen jüdischen Organisationen politisch nicht adäquat repräsentiert. Viele russische Juden stehen außerdem den Republikanern im US Kongreß näher als den Demokraten.

Michael Nemirovsky, Direktor am Jewish Community Relations Council, der sich um die Belange der russisch-sprechenden Juden in den Gemeinden kümmert, sagte gegenüber der Jewish Week, dass junge russische Jungen die Belange der jüdischen Gemeinschaft auch nicht-jüdischen russischen Einwanderern nahebringen können. "Diese junge Generation hat nicht mehr die Mentalität von Neueinwanderern. Sie sind Vertreter der amerikanischen jüdischen Gemeinden, im Gegensatz zu der älteren Generation".

Junge russische Juden suchen darüber hinaus nach Wegen, ihre konservative politische Meinung, ganz besonders wenn es um die Siedlungspolitik und Sicherheit Israels geht, unter die breite Mehrheit der amerikanischen Juden zu bringen, in der Annahme, dass sich die amerikanischen Juden der Gefahren, in denen sich Israel befindet, nicht so bewusst sind, wie den russisch-stämmigen Juden, deren Eltern und Großeltern vor ihrer Emigration nach Amerika starkem Antisemitismus ausgesetzt waren.

Neben zahlreichen Jugendreisen russischer Juden aus den Vereinigten Staaten nach Israel, holt auch die israelische russisch-konservative Partei Yisrael Beiteinu, unter Führung von Avigdor Lieberman, junge russische Juden nach Israel und hofft durch sie, die Ideologie ihrer Partei einer breiten Öffentlichkeit in Amerika zugänglich zu machen. Doch innerhalb der amerikanischen jüdischen Organisationen werden jetzt Stimmen laut, russisch-amerikanische Juden sollten sich erst einmal um ihre eigene jüdische Identität und Religiosität kümmern (die ihnen in der ehemaligen Sowjetunion abgesprochen wurde, was sie von der allgemeinen jüdischen Gemeinschaft in den USA unterscheidet), bevor sie sich zu Sprechern konservativer israelischer Bewegungen und Parteiprogrammen ernennen. Doch auf Zeit werden auch sie ein homogener Teil der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft werden; es fragt sich nur, welchen politischen Einfluss sie dann auf das amerikanische Judentum ausgeübt haben.

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Der Leiter des Jerusalemer Büros der New York Times, Ethan Bronner, ist wegen Interessenkonflikts von seinem Amt als Sprecher einer Jerusalemer PR Firma zurückgetreten. Bronner wurde von Max Blumenthal, einem Journalisten des Columbia Journalism Review und ein heftiger Kritiker von Bronners Nahostberichterstattung, beschuldigt, er habe in seiner Berichterstattung für die New York Times, Klienten der PR Firma Lone Star Communications bevorzugt.

Der Ombudsmann der New York Times erklärte daraufhin, dass die wohl berechtigten öffentlichen Zweifel an der Objektivität von Bronners Berichterstattung, es nötig mache, dass Bronner seine Tätigkeit für diese PR Firma aufgebe. Auch im letzten Jahr machte Bronner wegen möglichen Interessenkonfliktes Schlagzeilen [Siehe USA Notizen, Juni 2010], als sein Sohn in die israelische Armee rekrutiert wurde; ihm wurde nahegelegt, sein Amt als Bürochef in Jerusalem niederzulegen, doch der Chefredakteur der Times, Bill Keller beließ ihn auf seinem Posten.

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