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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


September 2011
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Kluft zwischen Israel und Amerika
Netanyahu vs. Obama
Umstrittenes Anti-Boykott Gesetz in Israel
Tony Kushner ein Antisemit?
Rabbiner diskutieren Osama Bin-Ladens Tod
Geplante Anschläge auf Synagogen in New York
Holocaust Insurance Accountability Act 2011
Was bedeutet "gd Shbs"?


 

 

Obama in der UN 2011

Die Reaktion auf Präsident Obamas lang erwartete Nahost Rede am 19. Mai machte die Kluft deutlich, die zwischen Israel und den USA angesichts der US Nahostaußenpolitik herrscht. Die Nahostfriedensgespräche wurden im September 2010 eingestellt, und Obama erklärte, dass die US-Administration jetzt auf eine zwei-Staatenlösung drängen werde. Die Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967 würden Ausgangspunkt der Gespräche, die Administration würde beide Seiten zu einem Landaustausch aufrufen sowie Israel einen demilitarisierten Palästinenserstaat zugestehen. Doch nur wenige Tage danach argumentierte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, bei seiner Ansprache vor dem US Kongress am 24. Mai, vehement gegen einen Rückzug auf diese Grenzen.

"Netanyahu und Obama haben eine gespaltene Beziehung; beide vertrauen einander nicht", kommentierte daraufhin die New York Times. Obama glaubt nicht daran, dass der israelische Premier ernsthafte Konzessionen im Friedensprozess eingehen will. Netanyahu wiederum fühlt sich den Positionen der Republikaner näher. Er befürwortet den Status Quo, und er hatte vor der Präsidentschaftswahl 2008 erklärt, Obama wäre zwar intelligent, könne die Wahl zum Präsidenten jedoch nicht gewinnen.

Die Zeit drängt, den Nahostfriedensprozess wiederzubeleben. Schon im September planen die Palästinenser, bei der UN Vollversammlung unilateral einen unabhängigen Staat auszurufen, und sie werden mit dieser Forderung vor den UN-Sicherheitsrat treten.

Einige jüdischen Organisationen, unter ihnen die Anti-Defamation League und das American Jewish Committee, priesen Obamas Ansprache. Er habe endlich das ausgesprochen, was andere US Präsidenten bisher nur anzudeuten wagten: die Grenzen von 1967 als Ausgangsbasis für weitere Verhandlungen. Andere Gruppierungen, wie die Zionist Organisation of America und eine Mehrheit der Republikaner, kritisierten Obamas Rede dagegen auf das Schärfste. Und Obamas Worte lösten unter Benutzern sozialer Medien (Twitter, Facebook und politische Blogs) vehemente Diskussionen aus: 60 Prozent stellten sich auf die Seite Israels und kritisierten Obamas Forderung auf einen Rückzug zu den 67er Grenzen sowie einen Landaustausch mit den Palästinensern.

Einige Tage nach Netanyahus Ansprache vor dem Kongress waren beide zu Gast beim Jahrestreffen des politisch konservativen American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) in Washington. Unter den geladenen Gästen befanden sich auch 70 US Senatoren (von 100) und 270 Kongressmitglieder. Besonders auf Obamas Auftritt war man gespannt, und darauf, wie die rund 10.000 Delegierten auf seine Anwesenheit reagieren würden. In seiner Ansprache vor den Delegierten ging der Präsident wieder auf die Grenzen von 1967 ein, schaffte es aber, seine Kritiker im Publikum zu besänftigen.

"Wie wollen nicht gezwungen werden, zwischen dem Premierminister und dem Präsidenten zu wählen, zwischen Israels und Amerikas Interessen", schrieb der Forward danach in einem Kommentar. "Wir mögen den Konsens und unsere guten Beziehungen, und wir wissen, dass unsere Interessen nicht nur auf die gleichen Werte basieren, sondern auf gemeinsame Strategien hinsichtlich derselben geo-politischen Herausforderungen."

Befürworter und Kritiker von Obamas Nahoststrategie teilen sich, wie zu erwarten, zwischen Demokraten und Republikanern auf. Letztere sind vehement gegen die Pläne der US Administration. Und sie erklärten, dass sie das Thema bei den Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr bewusst zum Thema ihrer Wahlkampagnen machen würden. Ihr Ziel sei es, diejenigen jüdischen Wähler, die auch gegen einen Rückzug auf die Grenzen vor 1967 sind, von den Demokraten abzuwenden (und das, obwohl rund 60 Prozent der amerikanischen Juden noch immer Präsident Obama unterstützen). Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney verkündete, Obama hätte Israel "unter den Bus geworfen"; andere Kandidaten fanden noch schärfere Worte. Die meisten Wähler jedoch haben zurzeit ganz andere Prioritäten: die prekäre US Wirtschaftslage und die Arbeitslosigkeit — und ob Amerika es schaffen wird, rechtzeitig ihre Schuldengrenze anzuheben (was beim Schreiben dieser Zeilen noch fraglich ist).

Die Republikaner lobten Netanyahu bei seinem Besuch in Washington für seine Politik. Sie versuchten dabei die amerikanischen Juden davon zu überzeugen, dass sie, die Republikaner, die wahren Freund Israels seien. Republikanische Kandidaten buhlen auch verstärkt um Wahlkampfspenden der jüdischen Wähler. Ob das jedoch ihre Chancen bei den Vorwahlen für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten im Herbst erhöhen wird, ist fraglich. Noch immer sind die ideologischen und politischen Differenzen zu groß. Doch sollte nur ein kleiner Prozentsatz der jüdischen Wähler bei der nächsten Wahl gegen Obama stimmen, könnte er die Wahl in den sogenannten "swing states", wie Florida und Ohio, verlieren.

Dennoch: Nur die Hälfte der jüdischen Wähler sieht die US Israelpolitik der beiden Parteien als ausschlaggebend für ihre Wahlstimmen an. Und unter ihnen identifiziert sich schon von jeher die Hälfte mit den Republikanern; große Umschwünge sind bei der anderen Hälfte der Wähler nicht zu erwarten. Doch Obama darf sich der jüdischen Wähler nicht zu sicher sein: Einige prominente Spender haben verkündet, dieses Mal weniger für die Wahlkampagnen Obamas zu spenden, sollte Obama bei seiner Forderung bleiben, Israel müsse die Grenzen von vor-67 anerkennen. Auch müsse Obama den Israelis mehr Befürwortung schenken und weniger Konzessionen verlangen (also keinen Siedlungsbaustopp als Vorbedingung für die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern).

Unter den Israelis hat Obama es schwerer. Die Jerusalem Post berichtet, dass nach einer Umfrage der Zeitung selbst nach der Rede des US Präsidenten vor den AIPAC Delegierten, 40 Prozent der Israelis angaben, Obama stände den Positionen der Palästinenser näher; doch der Prozentsatz der Israelis, die Obamas Nahostaußenpolitik vertrauen, nimmt stetig zu. Eine Umfrage der israelischen Zeitung Ha'aretz bestätigt diesen Trend: Ein Viertel der befragten Israelis sehen Obama als Israel freundlich an, 20 Prozent sehen in ihm einen Gegner Israels und 43 Prozent beschrieben Obamas Beziehung zu Israel nur als "businesslike."

Die meisten amerikanischen Juden sind Demokraten — und die Mehrheit der rigoros pro-Israel eingestellten Amerikaner sind Christen. Doch Obama sieht die Unterstützung der jüdischen, sowie der Israel-freundlichen Wähler, nicht als selbstverständlich an, und plant noch vor September, Israel zum ersten Mal zu besuchen. "Obama muss jetzt unmissverständlich zu verstehen geben, dass Israelis nur dann Konzessionen mit den Palästinensern eingehen können wenn sie sich innerhalb ihrer Grenzen sicher fühlen. Und dass es Aufgabe des US Präsidenten ist, den Israelis diese Sicherheit zu geben", schreibt die Jewish Week.

*

 

Premierminister Netanyahu wurde von Gary Rosenblatt in der Jewish Week scharf kritisiert, er habe eine wichtige strategische Chance verpasst, nach Obamas Rede nicht sofort zu bekräftigen, eine Grenzführung entlang der 1967 Linie sei zwar so für Israel untragbar aber ein Ausgangspunkt für weitere Verhandlungen. Damit hätte Netanyahu den Ball den Palästinensern zugespielt und stünde jetzt nicht, wie die Zeitung schreibt, als der sture "Neinsager im Nahen Osten" (Mideast's Mr. No) da. Netanyahu ging darüber hinaus nicht auf Obamas angesprochenen Landaustausch ein oder darauf, dass ein zukünftiger palästinensischer Staat demilitarisiert werde. Auch das, so die Zeitung, sei "ein Patzer". Netanyahu habe es verpasst, der Welt zu beweisen, dass es die Palästinenser seien, die untereinander nicht zu einer Einigung kommen können, nicht die Israelis.

Die "offene Konfrontation" zwischen Netanyahu und der US Administration, so die Zeitung, wird den Palästinensern zu Gute kommen, und sie in ihrem Vorhaben bestärken, im September vor der UN ihren Staat auszurufen. "Die sich verschlechternden Beziehungen zwischen Netanyahu und dem Staatsoberhaupt seines wichtigsten Verbündeten in der Welt sind beunruhigend. Netanyahu ist nicht allein schuld. Doch Israel hat mehr zu verlieren wenn sich die Beziehungen verschlechtern. Netanyahu muss jetzt dafür sorgen, dass sie sich verbessern. [Mahmoud] Abbas hat sich für Hamas als Partner entschlossen, nicht für Israel. Und Netanyahu hat sich zur Konfrontation mit Obama entschlossen. Das wird hoffentlich kein permanenter Zustand sein."

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Das von der Knesset Anfang Juli verabschiedete Anti-Boykott Gesetz ist auf heftige Kritik von Seiten amerikanischer jüdischer Organisationen gestoßen. Das neue Gesetz sieht vor, dass politische und wirtschaftliche Boykotte gegenüber Israel, oder gegenüber israelischen Siedlungen in den Besetzten Gebieten, ob von Individuen oder Korporationen (auch aus Israel), illegal und strafbar sind, und die Geschädigten Schadensersatz einfordern können. Darüber hinaus ist es der israelischen Regierung untersagt, Geschäfte mit Firmen einzugehen, die sich in der Vergangenheit an wirtschaftlichen Boykotten gegen Israel beteiligt haben.

Das neue Gesetz führte zu einer ähnlich heftigen Debatte zwischen Israel und amerikanischen jüdischen Organisationen, ganz so wie zuletzt das umstrittene Gesetz "Wer ist Jude?" in den 1980 er Jahren. "Wir unterstützen keine Boykotte", erklärte der Direktor des Jewish Council for Public Affairs unmissverständlich, doch das israelische Gesetz verletze das Prinzip der Meinungsfreiheit in einer Demokratie — auch wenn es Meinungen betrifft, die unangenehm sind oder nicht mit den politischen Interessen eines Landes übereinstimmen.

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Der jüdische Drehbuchautor und Schriftsteller Tony Kushner sollte von der City Universität New York (CUNY) einen Doktortitel erhalten, doch Stimmen in der Universität wurden laut, die Kushners kritische Haltung gegenüber Israel zum Anlass nahmen, ihm diese Würde abzusprechen, denn er sei ein Extremist. Das wiederum löste eine Welle von Protesten aus. Unter ihnen war auch der ehemalige jüdische Bürgermeister von New York und selbst Träger eines Ehrendoktortitels von CUNY, Ed Koch, der verlautete, er könne sich "keine dümmere akademische Reaktion" [wie den Boykott Kushners] vorstellen.

Kushner erhielt den Titel dann doch. Diese erst satirisch anmutende Posse, die dann eine lokale akademische Schlammschlacht auslöste und daraufhin die größten Zeitungen der Nation, wie die New York Times und die Wall Street Journal, zu scharfen Kommentaren veranlasste, machte wieder einmal deutlich, wie sehr die amerikanischen Juden bereit sind, kontroverse Themen — wie scharfe, ja, extreme Kritik an Israel — zu diskutieren, und sie dann im Namen der akademischen Meinungsfreiheit zu schützen. Auch dann, wenn sie mit diesen Meinungen nicht übereinstimmen.

Die Episode machte aber auch deutlich, wie weit Israelkritik unter amerikanischen Juden verbreitet und akzeptabel geworden ist. Es gibt solche, die diesen Zustand beklagen (und die Kontroverse als Beispiel dafür nehmen, wie weit anti-israelische Vorurteile in den Universitäten verbreitet sind). Eine Mehrheit aber glaubt, dass die Kushner Kontroverse Beweis sei für eine normale Abnabelung der amerikanischen Juden — die Israel und den Juden in der Diaspora gut tun werde.

"Die Frage ist, was für eine pro-israelische Bewegung wir hier aufbauen wollen", kommentiert James Besser in der Jewish Week. "Eine breite, die alle politischen Spektren und Meinungen wiederspiegelt und verschiedene Gruppierungen zusammenbringt, oder eine engstirnige, in der jeder, der Israel kritisiert, geächtet wird. Es geht hier nicht um Kushners Meinung, sondern darum, wie wir die israelisch-amerikanischen Beziehungen langfristig aufbauen wollen." Jeffrey Goldberg geht in einem Kommentar im Magazin The Atlantic weiter: "Kushner ist ein äußerst selbst-kritischer Jude; ihn dafür aber zu einem Märtyrer der Meinungsfreiheit hochzuspielen ist unglaublich idiotisch."

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Jüdische Kommentatoren und Rabbiner diskutieren, ob Osama bin Laden, der Al-Qaeda Führer, der im März von einer Sondertruppe der US Armee in Pakistan überführt und getötet wurde, nicht vor ein Gericht hätte gestellt werden müssen, und ob man sich als Jude an seinem Tod freuen dürfe. Dabei werden als Vergleich die Entführung und die Gerichtsverhandlung Adolf Eichmanns genommen, der einen fairen Prozess in Jerusalem erhielt und verurteilt wurde. Hätte man bei Bin Laden nicht genauso verfahren müssen? Und hätte das nicht bewiesen, wie sehr die demokratischen Werte eines Rechtsstaates den Hasstiraden und Anschlägen Bin Ladens und seiner Schergen überlegen sind?

Viele Rabbiner irritierte der Freudentaumel, der die Nation nach der Tötung Bin Ladens erfasste. "Ich muss zugeben, das hat mich etwas gestört", meinte Rabbiner Eric Yoffie, Direktor der Union for Reform Judaism. "Den Tod eines Menschen zu bejubeln würde mir nicht in den Sinn kommen." Die Thora verbietet Rache und predigt Gerechtigkeit. Das Judentum lehnt Schadenfreude ab. Doch, so argumentieren andere, Gerechtigkeit kann manchmal nur mit rigorosen Mitteln erzielt werden.

Abraham Foxman, ein Holocaustüberlebender und Direktor der Anti-Defamation League sieht dagegen den Wert in der Tötung Bin Ladens. Ihn hat der Anblick der jubelnden Menschen nicht gestört, ja sogar Genugtuung gebracht, so wie ihm die Verurteilung von Nazis Genugtuung gebracht hatte — als Beweis für ein kleines Maß an Gerechtigkeit in der Welt. "Das Gute hat über das Böse gesiegt."
Und der Forward schrieb in einem Kommentar: "Amerika ist jetzt sicherer. Und das ist wohl, was wir uns in diesen Zeiten wünschen können."

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Die New Yorker Polizei hat zwei junge amerikanische Muslime festgenommen — Ahmed Ferhani, einen 27-jährigen Asylant aus Algerien und Mohamed Mamdouh, einen 20-jährigen Marokkaner, beide aus dem New Yorker Stadtteil Queens. Die Männer hatten Anschläge auf Synagogen in New York geplant. Sie wurden über einen längeren Zeitpunkt von der Polizei überwacht und bei einem von der Polizei instigierten Waffenkauf überführt. Die Männer wollten sich als orthodoxe Juden verkleiden, um ihr Vorhaben unentdeckt durchführen zu können. Die Planung der Anschläge begann Monate vor der Ermordung Bin Ladens, doch die Männer hatten sich noch nicht entschieden, welche Synagogen sie angreifen wollten.

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Die Entschädigungsverhandlungen zwischen Holocaustüberlebenden und deren Nachfahren mit 20 europäischen Versicherungsgesellschaften über Auszahlungen von Lebensversicherungen schienen abgeschlossen, ermöglicht durch den 1998 unterzeichneten Vertrag mit europäischen Versicherungen; das Abkommen sicherte 500 Millionen Dollar als Entschädigung für Lebensversicherungen an Holocaustüberlebende und verhinderte zukünftige Massenklagen. Insgesamt wurden 306,2 Millionen Dollar an 48.000 Personen ausgezahlt; die Restgelder wurden von der Claims Conference an bedürftige Überlebende verteilt. Darüber hinaus wurde 2000 ein Abkommen mit Deutschland unterzeichnet, das weitere 300 Millionen Dollar an Hinterbliebenen auszahlte.

Jetzt hat zum ersten Mal seit 2000 eine Organisation von Holocaustüberlebenden, unter Berufung eines neuen Gesetzes, das im März im US Kongress eingebracht wurde, erklärt, noch ausstehende Restgelder von europäischen Versicherungen einzuklagen.

Das American Gathering of Jewish Holocaust Survivors, die größte Organisation in den USA, die sich um die Belange von rund 80.000 Überlebenden und ihrer Nachfahren kümmert, vertritt die Ansicht, dass Überlebende weiterhin einen Anspruch haben sollen auf die eingezahlten Prämien — die von ihren Angehörigen vor ihrer Ermordung in Lebensversicherungen investiert wurden — sowie auf Zinsauszahlungen. Im Gegensatz dazu haben jüdische Organisationen, wie das American Jewish Committee, die Anti-Defamation League und die Claims Conference, sowie die US Regierung verlautet, sie stünden hinter den 1989 und 2000 unterzeichneten Verträgen mit den europäischen Versicherungen und seien gegen weitere Klagen.

Ileana Ros-Lehtinen, eine Republikanerin aus Florida, hat mit ihrem Holocaust Insurance Accountability Act of 2011 die Debatte unter allen Beteiligten erneut entfacht. Die Diskussion kann zu einem wahren Minenfeld für die Obama Administration werden. Ob der Gesetzesentwurf jemals zur Abstimmung kommen wird ist fraglich. Doch die Gemüter sind wieder erhitzt, und das letzte Wort ist deshalb noch lange nicht gesprochen.

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Am Schabbat darf kein Licht angezündet werden, kein Auto gefahren und kein Computer oder Fernseher eingeschaltet werden. Aber kann man mit dem Mobiltelefon SMS Nachrichten verschicken? Orthodoxe Jugendliche können das. Es ist eine neue Epidemie: Teenager, die sonst nie den Schabbat brechen würden und sich an alle religiöse Regeln halten, benutzen ihre Handys am Schabbat um Nachrichten zu versenden — und keiner kann sie davon abhalten. Für sie verbraucht ein Handy so wenig Strom, dass das Einschalten dieses Gerätes "ja gar nicht so zählt". Außerdem "tun das alle", und das Daumentippen mache überhaupt gar keine Arbeit.
Eltern, Lehrer und Rabbiner schlagen entsetzt die Hände über den Köpfen zusammen, können aber ihre Raizel, ihren Moishe und ihre Sheina nicht vom SMS-Texten abhalten.

Es gibt sogar einen Namen für dieses Phänomen: den "halben Schabbat" einhalten. Und sollten Sie diese SMS erhalten — gd Shbs — und sich fragen, was das soll: Die lieben Kleinen wünschen Ihnen einen "Good Shabbos". Und sie meinen es wirklich ernst.

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