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In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


März 2011
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Obamas Beliebtheit bei den Amerikanern steigt
Kongresswahlen und Nahostpolitik
Holocaust Resolution
Antisemitische Anschläge nehmen zu

Hadassah zahlt an Betrugsopfer
Spenden an Israel
Israelis in Amerika
Israelis und Obama
Jüdische Bevölkerung wächst in den USA
Das ideologische Dilemma amerikanischer Juden
Betrug made in Brighton Beach
CIA deckte Naziverbrecher
Nixons "Hofjuden"


Obwohl die Demokraten bei den Zwischenwahlen im Kongress, wie Präsident Obama es kurz und treffend ausdrückte, "eins ausgewischt" bekamen, die Produktivität der Administration nahm dabei keinen Schaden. Mehr noch: Obamas Beliebtheit bei den Amerikanern steigt. Im Dezember wurde im Kongress eine Rekordzahl von Gesetzen verabschiedet, unter anderem die Ratifizierung des atomaren Abrüstungsvertrages START. Obamas Triumphe wurden zwar erst möglich gemacht durch die Kompromissbereitschaft, die die Demokraten bei der Verlängerung der Steuerverkürzungen für die oberen Einkommensschichten mit den Republikanern an den Tag legten, aber egal. Der Monat nach der Wahlschlappe des Präsidenten wird in die Geschichte der amerikanischen Politik als einer der produktivsten eingehen.

Offiziell hat der Wahlkampf um die Präsidentschaftswahl 2012 mit der Zwischenwahl im Kongress im November 2010 begonnen. Vieles wird sich ändern im republikanisch-dominierten Repräsentantenhaus, jetzt wo Kongress und Senat das Hin und Her zwischen den Parteien noch weniger umgehen können, und das, obwohl Demokraten und Republikaner mehr Kompromissbereitschaft versprochen haben. Die Schwerpunkte, die die Obama Administration in den nächsten zwei Jahren setzen wird, werden mit einem Auge auf die 2012 Wahl entschieden werden. Es wird verstärkt um Einsparungen und innenpolitische Themen gehen.

Die Außenpolitik, und somit auch die Nahostfriedenspolitik der USA, sind den wirtschaftlich geplagten Wählern jetzt eher nebensächlich. Es geht um Arbeitsplätze und um die Ankurbelung der Wirtschaft. Die bevorstehenden unvermeidbaren Wirtschaftskürzungen angesichts der nationalen und lokalen Schuldenberge werden auch die jüdische Gemeinschaft treffen, deren Spendeneinahmen zwar nach der Finanzkrise wieder langsam zunehmen, die aber immer noch auf Hilfe von außen angewiesen ist.

Die jüdischen Wähler, nach den Einschätzungen von Nathan Guttman im Forward, folgten nicht der anti-Demokraten Welle, die über den Kongress hereinschwappte: 66 Prozent der jüdischen Wähler wählten wieder für demokratische Kandidaten in ihrem Wahlkreis. Der Wahlsieg der Republikaner im Kongress wird aber die innenpolitische Agenda der jüdischen Gemeinden zwar "sehr treffen", jedoch wenig Einfluss auf die Außenpolitik Obamas gegenüber Israel und den Nahen Osten allgemein haben. "Die Lehre aus der Wahl ist, dass sich die Wähler gegen Staatsausgaben ausgesprochen haben", analysiert Guttman.

Der hochrangigste jüdische republikanische Kongressabgeordnete, Eric Kantor aus Virginia (jetzt der einzige Jude unter den Republikanern im Kongress), sprach davon, die Regierung müsse "auf Diät gehen". Dieser Aufruf, so Guttman, bereite den jüdischen Gemeinden Sorge. Darüber hinaus, seien die Kandidaten der Tea Party, die jetzt in den Kongress gewählt wurden, weitgehend unbekannt bei den jüdischen Gemeinden, und auch die neuen Kongressabgeordneten haben sich noch nicht intensiv mit den Belangen der jüdischen Gemeinschaft in ihren Bezirken auseinandersetzen können.

Für die Jewish Federations of North America (JFNA) hätte der Umschwung im Kongress und der Aufruf zu drastischen Kürzungen bei den Regierungsausgaben zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Seit 2009 sind Spenden an die jüdischen Hilfsorganisationen, die unter dem Dach der JFNA zusammengefasst sind, um rund 18,5 Prozent zurückgegangen. Doch nicht alle Organisationen sind betroffen: so ist die UJA Föderation in New York wieder zu 99 Prozent auf den Stand der Spendeneinnahmen angelangt, die vor der Finanzkrise erreicht wurden. Trotzdem, Spendeneinnahmen alleine werden die angestrebten drastischen Kürzungen im Staatshaushalt nicht ausgleichen können.


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Wird sich der Wahlausgang im Kongress wirklich nicht auf den Nahostfriedensprozess auswirken? Einige Beobachter sind sich eher unsicher, und sie befürchten, dass Obamas persönlicher Stil mehr Einfluss auf die Beziehung zu Israel nehmen könnte als bisher angenommen. Präsident George W. Bush und Bill Clinton hatten eine sehr enge, persönliche Beziehung zu Israel — zwar aus verschiedenen Gründen, aber immerhin. Obama ist Israel gegenüber weniger sentimental und idealistisch eingestellt. Er ist allgemein distanzierter und kühler. Für Obama ist Israel ein nicht so strategisch wichtiger Partner mehr, behauptet James D. Besser in der Jewish Week.

Es scheint, dass die obligatorischen amerikanischen Vetos in der UN gegen Israel-feindliche Resolutionen jetzt ihren Preis haben könnten: Shoshana Bryen, Direktorin am zionistisch-orientierten Jewish Institute for National Security Affairs wird in der Jewish Week zitiert, dass die USA zwar weiterhin gegen Israel-feindliche UN-Resolutionen resolut vorgehen werde, aber Washington nicht mehr zu Israels Gunsten argumentieren, sondern nur noch automatisch seine Vetostimme abgeben werde. "Das ist ein riesiger Unterschied. Für Bush war Israel ein richtiger Partner. Wenn die Obama-Administration von Partnern spricht, meint sie nicht nur Israel."

Die Obama Administration verlangt von Israel Kompromisse und Konzessionen, so die Befürchtung. Die privilegierte Position Israels sehen einige Beobachter als gefährdet. Und der Einzug der Anhänger der Tea-Party Bewegung in den Kongress, die alles daran setzen werden, um U.S. Hilfszahlungen ins Ausland zu verringern, werden auch vor Israel nicht Halt machen — obwohl die Mehrheit der republikanischen Kongressabgeordneten nicht dahin tendieren, die Finanz- und Militärhilfen an Israel zu verringern. "Die Israelis wollen geliebt werden", meint Aaron David Miller, ein Nahostberater im State Department. "Nur wenn ein U.S. Präsident dieses emotionale Sicherheitsbedürfnis befriedigt, wird er den besonderen Beziehungen zu Israel gerecht werden können."

Und siehe da, nach Monaten des Argumentierens, Israel müsse seine Siedlungspolitik einstellen, damit Amerika den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern wieder ankurbeln könne, beschloss die Obama Administration Anfang Dezember, diese Forderung wieder zurückzunehmen. Jetzt wird man mit indirekten Gesprächen versuchen, den Prozess wieder aufzunehmen und dabei von beiden Seiten Konzessionen einfordern. Ein Berater des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu, Ron Dermer, versichert, dass die Koordinierung zwischen Israel und den Vereinigten Staaten jetzt sogar die Beste sei, seit dem Amtsantritt Netanyahus, und dass die indirekten Gespräche vorerst weitergehen werden. Trotzdem, in den nächsten zwei Jahren wird es die Obama Administration nicht leicht haben, große Fortschritte in der Nahostaußenpolitik zu machen.

Doch beim Schreiben dieser Zeilen ist es Ägypten, das in den Schlagzeilen ist, sowie Jordanien und Tunesien; nicht Israel. Die Obama Administration ging mit den politischen Umschwüngen in Ägypten — einem engen Verbündeten Amerikas und Empfänger der höchsten US Militärhilfe nach Israel — sehr diplomatisch und eher zurückhaltend um. Erst einige Tage nach den ersten Demonstrationen kommentierten Obama und Hillary Clinton, dass Mubarak konkrete Schritte zur Demokratisierung seines Landes unternehmen müsse. Aber welche Rolle oder Strategie die USA, wenn überhaupt, im Demokratisierungsprozess der arabischen Staaten einnehmen sollte, blieb unklar. Dennoch, so schrieb Aluf Ben in Israels Tageszeitung Ha'aretz, dass Obama in die Geschichte eingehen werde als der Präsident, "der die Türkei, den Libanon und Ägypten verloren habe".

Mit den dramatischen Umschwüngen in Ägypten Ende Januar hat sich die Situation im Nahen Osten verändert. Sollte Mubarak, der angekündigt hat, dass er sich im September diesen Jahres nicht zur Wiederwahl stellen werde, doch, so wie es die Massen bei den Demonstrationen forderten, vorher sein Amt niederlegen (oder gar ins Exil gehen?), werden die Vereinigten Staaten vor der schwierigen Wahl stehen, ob, und wie, sie ihrem langjährigen Verbündeten unterstützen werden. Wird er hier Asyl bekommen? Und wie wird sich das politische Vakuum in Ägypten auf Israel auswirken? Wie wird Amerika reagieren, sollte eine islamistische fundamentalistische Partei das Ruder in Ägypten übernehmen? Die nächsten Monate werden jetzt weit über die Grenzen aller beteiligten Länder die Zukunft bestimmen.

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Das Repräsentantenhaus hat eine Resolution ratifiziert, die es Holocaustüberlebenden ermöglichen soll, zum Lebensende autonom in ihren Wohnungen zu bleiben oder so lange wie möglich zu Hause gepflegt zu werden. Gerade Holocaustüberlebende hätten es sehr schwer, sich in Institutionen, wie Altersheime, einzuleben. Die Resolution wurde von Debbie Wasserman Schultz, einer Demokratin aus Florida, zusammen mit Frank Wolf, einem Republikaner aus Virginia, eingebracht und ist an keine staatlichen Gelder geknüpft.

Von den rund 127.000 Holocaustüberlebenden in den USA, leben mehr als zwei Drittel alleine zu Hause; viele sind zu arm, um sich private Pflege zu leisten und werden in staatlichen Altersheimen untergebracht.

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Die Anti-Defamation League (ADL) beklagt ein Ansteigen antisemitischer Vorfälle sowie Ausschreitungen gegen andere Minoritäten im Staate New York, die unter das Gesetz der "hate crimes" fallen. Den neuesten Daten zur Folge, sind solche Vorfälle 2009 um 14 Prozent angestiegen. Aus dem von der Kriminaljustiz im Staate New York herausgegebenen Jahresreport geht darüber hinaus hervor, dass Juden die am meisten betroffene Minorität ist: 32 Prozent aller Vorfälle richteten sich explizit gegen Juden, gefolgt von Afroamerikanern (21 Prozent), Homosexuellen (12 Prozent) und Lateinamerikanern (6 Prozent).

Die jährliche Aufstellung der ADL vermerkte 209 antisemitische Vorfälle im Jahr 2009 (2008 lag die Zahl bei 207), gab aber auch an, dass die Öffentlichkeit jetzt verstärkt Ausschreitungen und Anschläge bei den Behörden anzeigt.


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Hadassah wird 45 Millionen Dollar ihrer Erträge zurückzahlen, die die Organisation durch den Bernard Madoff Fonds verdient hatte, bevor der Skandal an die Öffentlichkeit gelangte. Hadassah begann 1988 eine Geldspende von 7 Millionen Dollar bei Madoff zu investieren, und zahlte über die Jahre insgesamt 40 Millionen Dollar im Madoff Fonds ein. Im April 2007 wurden Hadassah 137 Millionen Dollar "Profit" aus dem Fond ausgezahlt.

Die Summe, die Hadassah jetzt an die Betrugsopfer zurückzahlen wird, ist die Hälfte des Profits, den die Organisation, ohne ihr Mitwissen am Finanzbetrug Madoffs, verdient hatte.

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Jetzt, wo die Waldbrände im Norden Israels gelöscht sind, erörtern die amerikanischen Hilfsorganisationen, wie sie Israel weiterhin helfen können. Der Schaden beträgt rund 75 Millionen Dollar. Amerikanische Juden spendeten unermüdlich als die Brände noch schwelten, und der Jewish National Fund (JNF), der für die Bewaldung Israels seit Staatsgründung verantwortlich ist, wird den Großteil der Spenden in das Pflanzen neuer Bäume investieren. In weniger als einer Woche konnte der JNF rund 2 Millionen Dollar zusammenbringen, und Organisationen wie Hadassah, das American Jewish Committee, B'nai B'rith und der amerikanische Zweig von Magen David Adom werden sich an den Spendenaktionen beteiligen. Ziel ist es, 10 Millionen Dollar zusammenzubringen.

Hadassah wird außerdem 500 Familien, die durch die Brände obdachlos wurden, in Jugendferienlager der Organisation in Israel unterbringen. Und die Jewish Agency evakuierte rund 4.000 Kinder nach Tel Aviv, während das American Jewish Joint Distribution Committee Decken und Verpflegung spendete.

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Die Anzahl der Israelis, die in den Vereinigten Staaten leben, nimmt stetig zu und wuchs im letzten Jahrzehnt um rund 30 Prozent. Rund 140.323 Israelis, die in Israel geboren wurden, leben heute in den USA; von ihnen haben 90.179 die amerikanische Staatsbürgerschaft inne.

Doch diese Zahl kann noch viel höher sein. Der israelischen Tageszeitung Yediot Acharonot zu Folge, schätzte das israelische Außenministerium die Zahl der 2003 in den USA lebenden Israelis auf eine halbe Million (27 Prozent von ihnen wanderten erst nach 2000 in Amerika ein). Im Vergleich dazu machten von 2000 bis 2009 nur 23.640 amerikanische Juden Aliya nach Israel.

Mehr als 80 Prozent der in den USA lebenden Israelis haben eine berufliche Ausbildung. Zwei-drittel sind zwischen 25-75 Jahre alt und 45 Prozent haben mindestens einen Hochschulabschluss. Die Mehrheit (250.000) leben in Los Angeles, gefolgt von New York (80.000), Boston, San Francisco und Miami. Viele der hier lebenden Israelis planen eine Rückkehr nach Israel. Aber da die Zahlen der ausgewanderten Israelis in Israel von den Behörden nur ungern untersucht werden, können sie durchaus noch viel höher liegen.

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Eine leichte Mehrheit der Israelis (51 Prozent) hegt immer noch ein negatives Bild von Präsident Obama, so geht es aus einer Umfrage der amerikanischen Brookings Institution in Zusammenarbeit mit der Universität Maryland hervor. Doch Obamas Befürworter in Israel machen eine größere Zahl aus als bisher angenommen (41 Prozent), dabei sind eine Mehrheit der Israelis (78 Prozent) den USA gegenüber positiv eingestellt.

Außerdem ermittelte die Umfrage, dass eine Mehrheit der Israelis Netanyahus Forderung ablehnen, ein Friedensabkommen mit den Palästinensern müsse einschließen, dass die Palästinenser Israel als jüdischen Staat anerkennen. Eine Mehrheit der Befragten Israelis (62 Prozent) gab darüber hinaus an, Netanyahus Regierung setze sich nicht genug für Frieden mit den Palästinensern ein. Mehr noch: 47 Prozent der befragten Israelis glauben nicht daran, dass es je zu einem Friedensabschluss mit den Palästinensern kommen werde.

Unter den befragten Amerikanern meinen 63 Prozent, der israelisch-palästinensische Konflikt sei eines der fünf wichtigsten außenpolitischen Herausforderungen Amerikas, und 41 Prozent gaben an, Obamas diplomatische Bemühungen im Nahen Osten seien ausreichend, während 72 Prozent glauben, die am Anfang von Obamas Amtsperiode initiierten direkten Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern würden den Friedensprozess voranbringen.

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Und hier ist noch eine interessante Umfrage, die viele jüdische Organisationen mit Genugtuung aufgenommen haben: In den USA leben weit mehr Juden als bisher angenommen! Eine neue Einwohnerstudie der Brandeis Universität gibt an, dass es "eine coole Million mehr sind" (so der Forward). Die Zahl der jüdischen Amerikaner nimmt also trotz aller Befürchtungen nicht ab — und die Zahl der Eheschließungen zwischen Juden und nicht-Juden liegt weit unter den 52 Prozent, die eine vorherige Studie zum Schrecken aller gefunden hatte.

Ein kollektives Aufatmen geht durch die Gemeinden. Denn von den Zahlen hängt viel ab, meint J.J. Goldberg im Forward. "Wenn die Zahl der Juden abnimmt, stärkt dieses konservative Elemente im amerikanischen Judentum und der liberale Einfluss nimmt ab. Eine drohende Assimilierungsgefahr wird oft als Anlass genommen, eine offene, liberale Gesellschaft dafür verantwortlich zu machen: Je mehr Juden mit nicht-Juden zusammentreffen, umso weniger werden ihre Kinder als Juden erzogen. Jetzt also, wo die Zahl der Juden zunimmt, brauchen wir diese Tendenz nicht zu befürchten. Die jüdische Welt kann weniger pessimistisch in die Zukunft blicken. Die jüdische Gemeinschaft kann also getrost wieder liberaler werden."

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Schon seit langem fühlen sich viele, besonders junge amerikanische Juden, mit dem Dilemma konfrontiert zwischen zwei Positionen wählen zu müssen: einem eher rechts-gerichteten Zionismus und kritiklosem Umgang mit Israel auf der einen, und einem Abwenden von Israel aus liberaleren, links-gerichteten, meist politischen und sozialen Beweggründen auf der anderen Seite. Die Schwierigkeit beides zu vereinen — die Liebe zum Land mit dem Selbstbewusstsein, dieses auch offen kritisieren zu dürfen — sprach der Autor und Journalist Peter Beinard in einem weit diskutierten Essay an. Er beschuldigte die Vertreter und Sprecher der jüdischen Organisationen, sie würden sich scheuen, bei aller Liebe an Israel auch manchmal Kritik am Heiligen Land zu üben.

Diese "blinde Unterstützung der Politik Israels" würde jüngere, liberale Juden vom Zionismus abwenden. "Seit Jahrzehnten haben die amerikanischen jüdischen Organisationen von ihren Mitgliedern verlangt, wenn es um Israel geht ihre liberalen Positionen und demokratischen, sozialen und religiösen Ideale abzustreifen. Jetzt stellen sie zu ihrem Erschrecken fest, dass die junge Generation anstelle dessen ihren Zionismus abgestreift hat und sich von Israel abgewendet hat."

Beinards Anklage löste eine heftige Debatte aus, ob sich wirklich eine Mehrheit der jungen amerikanischen Juden innerlich von Israel losgelöst habe und was das für die Beziehungen, auch innerhalb der Diaspora, bedeuten könnte. Beinard verweist auf Studien, die seine These belegen.

Kritiker kontern, dass sich junge Juden immer schon weniger mit Israel identifiziert hätten als ältere Juden, die erst im Alter erkennen, wie wichtig das Land für sie eigentlich sei, egal wie politische, gesellschaftliche und religiöse Werte dort gehandhabt werden. Beinard klagt darüber hinaus an, dass jüdische Organisationen ihren Gemeindemitgliedern, die in der Mehrheit Israel nie besucht haben, ein viel zu rosiges Bild vom Land zeichnen. Er nennt das einen etablierten "Disney-Zionismus".

Das Gegenargument ist, dass es nicht die Aufgabe der jüdischen Organisationen ist, Israel von der Ferne, aus dem Armstuhl heraus so zu sagen, für eine Politik zu kritisieren, die in einer Realität geformt wurde, die sich die meisten Amerikaner so gar nicht vorstellen könnten. "Die Israelis, die mit ihrer Politik leben müssen, sind diejenigen, die über ihr Schicksal zu entscheiden haben", meint Steven J. Rosen, ein ehemaliges Mitglied des konservativen American Israel Public Affairs Committee (AIPAC). "Was immer in Israel [von den Politikern] beschlossen wird, müssen wir von hier aus unterstützen."

Doch immer mehr amerikanische Juden fragen sich, warum diese Sichtweise weiterhin die vielen Israelis außer Acht lasse, die nicht schweigend die offizielle Politik ihres Landes hinnehmen.

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Sechzehn Jahre dauerte der Betrug: eine Gruppe von Russen aus Brighton Beach in New York, fälschten Dokumente von 202 Holocaustüberlebenden — denen sie ihre Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen an die Claims Conference für Reparationszahlungen anboten (und die von dem Schwindel nichts wussten) oder von Personen, die sich als Überlebende ausgaben. Die Dokumente wurden dann bei der Claims Conference zwecks Reparationszahlungen nach Deutschland eingereicht. Die Betrüger behielten einen Teil der Auszahlungen für sich.

Ein Jahr lang hatte der FBI investigiert, nachdem Mitarbeiter der Claims Conference bei einigen Anträgen, die doppelt eingereicht wurden, stutzig wurden. Jetzt wurden siebzehn Personen überführt, eine Summe von insgesamt 42,5 Millionen Dollar unterschlagen zu haben. Der Kopf der Bande, Semen Domnitser, arbeitete bis zu seiner Entlassung Anfang 2010 als Direktor bei der Claims Conference. Er war verantwortlich für die Bearbeitung aller Anträge des "Artikel-2 Fonds", bevor diese nach Deutschland geschickt wurden. Der Fonds zahlt monatliche Reparationszahlungen von 291 Euro an Überlebende aus Ghettos und Konzentrationslagern sowie an Zwangsarbeiter und Menschen, die mindestens 18 Monate versteckt gelebt haben.

Bislang wurden 5.000 gefälschte Anträge für den Artikel-2 Fonds, die zwischen 2000 und 2009 bei der Claims Conference eingereicht wurden, aufgefunden. Der Schaden beruft sich dabei auf 18 Millionen Dollar. Außerdem wurden 658 Schein-Anträge aus den Jahren 1993 bis 2009 entdeckt für den "Hardship-Fund" (einmalige Auszahlungen von 3.600 Dollar an Überlebende aus Ostblockstaaten).

Trotz des gewaltigen Ausmaßes des Betruges, machen diese gefälschten Anträge nur ein Prozent aller Anträge an die Claims Conference aus.

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Es ist kein Geheimnis, dass die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg hohen Nazis, sowie deutschen Wissenschaftlern, Zuflucht in Amerika gewährten. Das US Justizministerium wurde 1999 von der Clinton-Administration beauftragt, eine Studie darüber zusammenzustellen, hatte sich aber seit Vollendung des 600-Seiten Berichtes vor vier Jahren geweigert, ihre Befunde zu veröffentlichen. Jetzt wurde unter Druck der Medien eine stark zensierte Version des Berichtes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die New York Times konnte jedoch eine unzensierte Version einsehen und deckte in einem langen Artikel anhand einer bisher zensierten Seite im Bericht auf, welche Stellen das Justizministerium in dem Dokument zuerst nicht freigeben wollte. Es handelt sich unter anderem um Stellen, aus denen hervorgeht, dass der CIA auch von international gesuchten Kriegsverbrechern wusste, sie schützte und hoffte, sie später für politische Zwecke im Kalten Krieg einzusetzen. So glaubte die USA zum Beispiel den Aufenthaltsort von Joseph Mengele zu kennen (und bewahrte sogar Teile seiner Kopfhaut als DNA-Muster in einem geheimen Schubfach im Justizministerium auf; die Kopfhaut wurde später zu seiner Identifikation nach Brasilien geschickt).

Dass das Justizministerium sich bisher geweigert hat, diesen Bericht unzensiert zu veröffentlichen, könnte sich negativ auf die Obama Administration auswirken: Obama hatte den Amerikanern nach seiner Wahl eine neue Zeit der Transparenz in Washington versprochen.

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Von Präsident Richard Nixon sind viele antisemitische Aussprüche überliefert, und immer wieder werden neue deftige Zitate veröffentlicht und diskutiert (so zum Beispiel, als Nixon unter Flüchen sagte, die Juden besitzen "eine aggressive, aufreibende und widerliche Personalität".) Daran, dass immer wieder neue Tiraden Nixons publik gemacht werden, hat man sich hier schon fast gewöhnt.

Jetzt aber wurde auch Nixons Nationaler Sicherheitsberater, Henry A. Kissinger, ein deutsch-jüdischer Einwanderer, der als Kind Nazideutschland entfliehen konnte und in den USA Zuflucht fand, dabei ertappt, wie er sich damals nicht weniger unzivilisiert ausdrückte. Die jüdische Gemeinschaft ist darüber aufgebracht, entsetzt, fassungslos und wütend, und ein jüdischer Kommentator nannte Kissinger "Nixons Hofjuden." Doch es gab auch einige Vertreter jüdischer Organisationen, die beschwichtigend reagierten, diese Aussagen dürften nicht Kissingers wichtige Beiträge zur Nahostaußenpolitik vergessen machen. Kissinger verteidigt heute sein damaliges Verhalten, man sollte es im Kontext der Zeit sehen.

Und was hatte Kissinger damals gesagt, das heute die Gemüter so bewegt? Auf einer Aufnahme von 1973 hört man ihn bei der Diskussion im Weißen Haus, ob die USA sowjetischen Juden helfen und deren Emigration in die USA ermöglichen sollten. Dieses sei "kein Ziel der amerikanischen Außenpolitik", meint daraufhin Kissinger. Und weiter: "Und wenn [die Sowjets] die Juden in Gaskammern stecken sollten, ist das nicht die Sache der Amerikaner sondern vielleicht ein menschliches Anliegen."

"Vielleicht" hatte der Mann gesagt.

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