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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


September 2010
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Friedensprozess, Gaza und gute Beziehungen
AJCongress am Ende
Willkommen in Obamas Jüdischem Amerika
Elena Kagan und das Oberste Gericht
Konvertierungsgesetz in Israel entfacht Debatte
Israelische Kinder lernen über das amerikanische Judentum
Helen Thomas tritt ab
Immer weniger Juden in den U.S. Südstaaten
Schnellzugbahnsystem in Kalifornien

 


Das Fiasko um die Stürmung der Gaza-Hilfsflotte Ende Mai und die Blockade erhitzten natürlich auch in den USA die Gemüter. Doch die Obama Administration legte es nicht noch einmal darauf an, mit Israel zu streiten. Im Gegenteil: die breite Öffentlichkeit, die Medien, die jüdischen Organisationen sowie das Weiße Haus stellen sich geschlossen hinter Israel. Es ist wieder Frieden eingekehrt in den amerikanischen-israelischen Beziehungen. Und das aus gutem Grund.

Nachdem die Obama Administration Israel im Frühling noch scharf kritisiert hatte, nachdem die israelische Regierung überraschend erklärte, sie werde weiterhin Wohnungen in Ost-Jerusalem bauen, steht die US Regierung jetzt auf dem Standpunkt, dass Kritik an Israel und Distanz zwischen beiden Staaten weder den Friedensprozess vorantreiben, noch die arabischen Staaten beschwichtigen können. Mehr noch: Offener Streit mit Israel sei kontraproduktiv und bringe gar nichts. Die neue US Nahostpolitik verspricht deshalb uneingeschränkte, fast kritiklose Kooperation mit Israel. Und somit werden die Amerikaner auch keinen Druck auf Israel ausüben, die Gazablockade aufzuheben oder eine internationale Investigation über die Hintergründe des Eingreifens gegen die unter türkischer Flagge gestandene Hilfsflotte einzuberufen.

Bei einem Treffen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu im Weißen Haus Anfang Juli wurden dann auch demonstrativ die guten Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten hervorgehoben. Es herrschte Einigkeit und gute Laune, nach langen Monaten der Spannungen. Die Krise ist vorbei. Und man einigte sich darauf, dass nur direkte Friedensgespräche mit den Palästinensern zu einem Friedensabkommen führen könnten. Jedoch sei Obama immer noch der Meinung, man müsse eine Zeitfrist einhalten, und er sprach davon, dass die Gespräche noch vor September beginnen sollten (wenn Netanjahus selbstauferlegter Siedlungsbaustopp ausläuft).

Israels Reaktion auf die vehemente internationale Kritik um die Stürmung der Gaza-Hilfsflotte, sowie die Reaktion der US Administration waren für viele amerikanische Juden ein Rorschach Test, wo ihre Loyalitäten nun wirklich liegen: uneingeschränkte Solidarität mit Israel, das aus Selbstverteidigung gehandelt habe, auf der einen Seite, oder wachsende Kritik an Israels Gaza Blockade auf der anderen. Und da die amerikanischen Juden immer häufiger Kritik an Israel üben als es noch vor einigen Jahren für möglich gehalten wurde, waren die Meinungen dementsprechend gespalten. Die meisten jüdischen Organisationen stellten sich jedoch geschlossen hinter Israel. Der einzige Kritikpunkt war, dass Israel den Ansturm auf die Flotte "wohl nicht so gut geplant habe."

Scharfe Kritik gegen Israel von jüdischer Seite kam nur aus den Reihen der linken Organisation J-Street, die zu einer Untersuchungskommission aufrief, sowie von einigen radikal links eingestellten amerikanischen Juden und einer handvoll progressiver Rabbiner, die die Gazablockade insgesamt als unmenschlich ansehen. Und genau diese wachsende Tendenz der Kritikbereitschaft innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Amerika beunruhigt die Israelis.

*

 

Der historische American Jewish Congress (AJCongress) hat nach über 90 Jahren wegen unüberbrückbarer finanzieller Schwierigkeiten vorerst seine Arbeit eingestellt und alle Mitarbeiter entlassen. Damit endet ein facettenreiches Kapitel einer Organisation, die sich als eine der wenigen Initiatoren jüdischen politischen Aktivismus einen Namen gemacht hatte. Es werden noch Gespräche abgehalten, ob der Congress wieder mit dem American Jewish Committee zusammengeschlossen werden kann, von dem er sich 1918 abgespaltet hatte. Aber die Aussichten dafür sind beim Schreiben dieser Zeilen gering.

Der AJCongress verlor durch den Madoff Skandal den grössten Teil seines Budgets, und zwar 21 Millionen Dollar von insgesamt 24 Millionen; er war darüber hinaus geschwächt wegen eines jahrelang andauernden Führungsvakuums. "Die Nachricht ist deprimierend, obwohl nicht unerwartet", lamentierte die Jewish Week. "Die einst stolze Organisation hat in den letzten Jahren viel von ihrem Charakter verloren."

Der AJCongress hatte sich 1918 vom American Jewish Committee (AJC) abgespalten weil er sich mehr als Repräsentant der ärmeren, traditionell eher religiöseren und zionistischen osteuropäischen Juden sah, im Gegensatz zum AJC, das von der deutsch-jüdischen "Elite", die eher dem Reformjudentum anhing, gegründet und geleitet wurde. Der Congress war schon kurz nach seiner Gründung politisch aktiv und boykottierte Deutschland in den 30er Jahren — als einzige unter den amerikanischen jüdischen Organisationen. Das AJC nahm an den Protesten nicht teil; die Mitglieder fürchteten um das Leben ihrer Verwandten in Deutschland und scheuten sich, an die Öffentlichkeit zu treten.

Der Congress berichtete schon 1942 als erste Organisation über die Verbrechen in Nazi-Deutschland und organisierte eine Massenkundgebung in New York. Später kämpften Mitglieder des Congress in den ersten Reihen in der Bürgerrechtsbewegung, sie kritisierten öffentlich den Vietnamkrieg, setzten sich immer wieder vehement für eine Trennung zwischen Staat und Religion ein, kämpften gegen unterschwelligen Antisemitismus und gegen jegliche Form von Diskriminierung im Land und für die Meinungsfreiheit; und sie unterstützten die Frauenbewegung. Als erste große jüdische Organisation setzte sich der Congress 1984 für einen Palästinenserstaat ein.

Der Congress arbeitete ungern hinter den Kulissen, wie es das AJC vorzog, und ging auf die Barrikaden wenn es nötig war. Er war damit bahnbrechend für den politischen Aktivismus der amerikanischen Juden heute, die sich nicht scheuen, auf kommunaler und föderaler Ebene politisch aktiv zu werden. Und ihm ist es zu verdanken, dass jüdische Organisationen heute auf allen Ebenen demokratisch agieren und ein Diskurs unter den Mitgliedern, sowie unter den verschiedenen jüdischen Organisationen, begrüßt wird.

In den letzten Jahren hatte der Congress jedoch seinen sozialen innenpolitischen liberalen Aktivismus gegen globale pro-Israel Arbeit eingetauscht und dabei an Besonderheit verloren. Die Organisation verlor sich inmitten vieler gleichgesinnter zionistischer Gruppen, wie dem AJC und der Anti Defamation League, deren Budgets viel größer sind.

"Der AJCongress hat der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft gezeigt, öffentlich Stellung zu nehmen, wenn es etwas zu sagen gab, und zu handeln, wenn es nötig war", schrieb der Forward in einem Kommentar. "Wir haben Grund zu trauern. Wer wird uns jetzt helfen zu sagen, was wir sagen müssen, und zu tun, was es zu tun gibt?"

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Unter der Schlagzeile "Willkommen zu Obamas Jüdischem Amerika" berichtete die Jewish Telegraph Agency über die Versuche der Obama Administration, die Spannungen zwischen dem Weißen Haus und den amerikanischen Juden (entfacht durch die anfänglich als zu rigoros angesehene US Nahostaußenpolitik) zu entschärfen.

Im Mai lud die Administration Gäste in das Weiße Haus ein, um zum ersten Mal offiziell den jährlich sonst eher im Stillen abgehaltenen "Jewish America Heritage Month" zu begehen. Obama lud dabei nicht wie erwartet nur Vertreter der jüdischen Organisationen ein, sondern auch Künstler, Musiker, Sportler, Journalisten, Schriftsteller und Schauspieler. Diese "Charme Offensive", wie die JTA es nannte, wurde zwar schon lange vor den Spannungen zwischen Israel und der Administration im Mai geplant, unterstrich jedoch sehr effektiv den Wunsch der Regierung um Aussöhnung mit Israel.

Es gab jedoch noch einen anderen Grund für die Bemühungen Obamas, kommentierte Nathan Guttman im Forward: Man will die jüdische Gemeinschaft nicht nur wie üblich über die Vertretung nationaler jüdischer Organisationen erreichen, sondern verstärkt auf kommunaler, individueller Ebene.

Anfang Mai hatte Obama den Holocaustüberlebenden Nobelfriedenspreisträger Elie Wiesel zu einem privaten Mittagessen im engsten Kreise ins Weisse Haus eingeladen, wo der Präsident seine Verbundenheit mit Israel bekräftigte und es, so Wiesel, zu intensiven Gesprächen unter vier Augen kam. "Ich hatte ein gutes Gefühl dabei", meinte Wiesel. "Wie haben keinen oberflächlichen ‚small talk' geführt; es ging um Wichtiges, auch darüber, was Jerusalem für mich bedeutet."

Für Außenstehende mag es verwunderlich sein, dass eine ethnische und religiöse Minderheit, die nur zwei Prozent der US Gesamtbevölkerung ausmacht, einen solchen Einfluss auf die Innen- und Aussenpolitik eines Landes zu haben scheint (und die Nominierung der Generalstaatsanwältin Elena Kagan, einer Jüdin aus New York, die als dritte Richterin im Obersten Gerichtshof des Landes, dem Supreme Court, jetzt im Senat bestätigt wird, macht diesen Trend noch deutlicher. Aber darüber gleich mehr). Die engen Beziehungen zu Israel haben schon immer die gesamte amerikanische Bevölkerung eingeschlossen, und eine neue Umfrage bestätigt den Trend: 63 Prozent der Amerikaner unterstützen Israel, und dieser Prozentsatz lag nur kurz nach den Scud-Raketen Angriffen des Irak auf Israel, im Golfkrieg 1991, höher. Ganze 67 Prozent sehen Israel heute positiv, weit vor allen anderen Staaten.

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Elena Kagan wurde als dritte Frau (und dritter Richter jüdischen Glaubens) im Supreme Court vom Senat bestätigt. Warum ist das so wichtig für amerikanische Juden? Weil damit ein Drittel der Richter des Obersten Gerichtshofes des Landes jüdisch sind, und das ist für eine Minderheit, die nur zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, enorm viel.

Die Medien waren überwiegend positiv auf die Nominierung Kagans eingegangen, und Kagans Religionszugehörigkeit war selbst für ihre schärfsten Gegner kein Thema. Auch das ist bemerkenswert.

"Es ist ein Meilenstein in einem Land, das vor nicht so langer Zeit von unterschwelligem Antisemitismus geplagt wurde", schreibt die Jewish Week in einem Kommentar. "Wir können stolz darauf sein, wie weit wir es als Gemeinschaft gebracht haben."

Kagan kann sehr ausgleichend und versöhnend sein; sie schafft es immer wieder, ideologische Streitigkeiten zu entschärfen und gleichzeitig ihre ideologischen Opponenten zu respektieren. Sie wuchs auf der liberalen, sehr jüdischen New Yorker Upper West Side auf und ist bekannt für ihre Neigung zu sozialer Gerechtigkeit und Integrationsbereitschaft.

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Das hier äußerst umstrittene, ja verachtete neue Konvertierungsgesetz in Israel (das orthodoxen Rabbinern des Rabbinats in Israel ein Monopol verschafft bei Konvertierungen der hauptsächlich russischen Neueinwanderer und in der Frage "Wer ist ein Jude?") bewegt noch immer die Gemüter innerhalb der amerikanischen jüdischen Gemeinden. Sie bemängeln den Schritt als ein zynisches, rein innenpolitisches Kalkül Netanjahus, der damit seine ideologisch zersplitterte Regierung zusammenhalten will, auf Kosten der Beziehungen mit der Diaspora — wo 85 Prozent aller Juden nicht dem orthodoxen Judentum angehören.

Sollte das Gesetz in Israel verabschiedet werden, so befürchtet der Chefredakteur und Herausgeber der Jewish Week, Gary Rosenblatt, "dann wird sich die grösste Mehrheit der amerikanischen Juden — sowie die meisten etablierten jüdische Organisationen und Föderationen — als Juden zweiter Klasse in den Augen Israels sehen. Daraus wird folgen, dass ihre Unterstützung für Israel schwinden wird. Nicht-orthodoxe jüdische Vertreter sind wütend. Sie fühlen sich hintergangen."

Israelische Regierungsmitglieder hatten bei ihrem letzten Besuch in den USA versprochen, die Vorbehalte der amerikanischen Juden — die die Position aller Juden in der Diaspora vertreten — in Israel auf parlamentarischer Ebene anzusprechen, bevor über das Gesetz in der Knesset abgestimmt werde.

Die meisten amerikanischen Juden scheuen sich jedoch immer noch, die Israelis zu verärgern. Doch dieser Trend wird nicht anhalten, sollte sich Israel weiterhin so demonstrativ von den Juden in der Diaspora abwenden. Vielleicht ist diese Distanzierung aber gar nicht mehr aufzuhalten: Die Heiratsrate zwischen amerikanischen Juden und Christen, oder zwischen Juden, die offiziell nicht als solche von Israel anerkannt werden, steigt. Welche Bedeutung wird Israel für deren Kinder und Enkel noch haben? Und wie eng kann der Zusammenhalt zwischen Israel und den amerikanischen Juden in fünf Generationen dann noch sein?


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Wenn schon nicht auf politischer Ebene, so wird jetzt wenigstens in israelischen Schulen der Versuch unternommen, das amerikanische Judentum besser zu verstehen. Die grösste jüdische Gemeinschaft in der Diaspora ist für viele israelische Kinder ein Rätsel. In israelischen Schulen, wo bisher das wichtigste Lernziel im Geschichtsunterricht der Zionismus war (und die Ansicht vermittelt wurde, allen Juden in der Diaspora gehe es nur darum, bald nach Israel einzuwandern), tritt jetzt langsam ein Wandel ein: Man nimmt war, dass Juden außerhalb Israels ein lebendiges, sehr unterschiedliches jüdisches Leben mit sehr facettenreichen Identitäten führen, die vielen säkularen Israelis, die sich von den ultraorthodoxen Juden distanzieren wollen, Anhaltspunkte bieten könnten. Doch noch wissen Israelis und amerikanische Juden wenig von einander. Und mit den Jahren wächst die Kluft. Das AJC fand 2005 heraus, dass nur 14 Prozent aller israelischen Lehrer ihre Schüler über die reform- und konservativen Strömungen innerhalb des amerikanischen Judentums aufklären.

Ein neuer Lernplan für Oberschüler, der jetzt von der Geschichtslehrerin Orna Katz-Atar dem Erziehungsministerium vorgelegt wurde, soll dem entgegenwirken. Israelischen Schülern werden darin die aktiven Beiträge der amerikanischen Juden zum Judentum allgemein, und zu Israel insbesondere, nach dem Holocaust und der Staatsgründung, nahegelegt. Der Schwerpunkt ist jedoch auf den historischen Berührungspunkten zwischen Israel und dem amerikanischen Judentum. Der neue Lehrplan kann schon im Herbst 2012 in Kraft treten.


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Die Journalistin Helen Thomas wurde bei einer Veranstaltung in Washington nach ihrer Meinung über Israel befragt und antwortete brüsk, die Israelis sollten "endlich Palästina verlassen und in ihre Heimatländer zurückkehren." Ihre Antwort schlug auf allgemeine Empörung, und Thomas trat vorzeitig in den Ruhestand.

Die fast 90-jährige legendäre Journalistin war jahrzehntelang Korrespondentin im Weissen Haus und war bekannt für ihre scharfen Fragen, die sie bei den Pressekonferenzen während neun Administrationen stellte. Und trotzdem sie als Journalistin von ihren Kollegen und Politikern hoch geschätzt, ja fast gehuldigt, wurde (für sie war der beste Patz in der vordersten Reihe im Presseraum des Weissen Hauses reserviert), solch ein eklatanter antisemitischer Ausrutscher wurde selbst ihr, die bekannt ist für ihre kontroversen und scharfen Kommentare, nicht zugestanden.

Obwohl viele ihre Entscheidung, in den Ruhestand zu treten, bedauerten, ausreden wollte es ihr niemand.

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In den Südstaaten der USA sind weniger als ein Prozent der Bevölkerung jüdisch (und nur 7 Prozent aller amerikanischen Juden leben dort). Doch das war nicht immer so. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten mehr Juden in Charleston, South Carolina, als in jeder anderen Stadt — mehr als 1/5 aller amerikanischen Juden — und besonders nach dem Bürgerkrieg zog es viele Juden gen Süden.

Heute gibt es nicht genügend Rabbiner für die schwindende jüdische Bevölkerung, und ein "mobiler Rabbiner" besucht die 133 zerstreuten jüdischen Gemeinden. Jetzt versucht eine kleine Gemeinde auf ganz besondere Art, neue Mitglieder zu gewinnen: Die jüdische Gemeinde in Dothan, Alabama, zahlt jeder jüdischen Familie mit Kindern für einen Umzug nach Dothan 50.000 Dollar. Und in diesen schweren finanziellen Zeiten ist das ein sehr gutes Angebot.

In den nächsten USA Notizen werde ich darüber berichten, sollte es zu einem Exodus aus New York und Los Angeles in Richtung Alabama kommen.

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Los Angeles ist für seine verstopften Autobahnen und den Smog bekannt, aber nicht für moderne Schnellzüge. Das wird sich bald ändern. Und es wird dabei nicht nur um die Zukunft, sondern auch um die Vergangenheit gehen.

Bob Blumenfield, ein demokratischer Abgeordneter aus San Fransisco, hat Ende Juni einen Gesetzesentwurf eingegeben, der internationale Eisenbahngesellschaften, die sich um den 43 Milliarden Dollar hohen Bauvertrag des geplanten Schnellzugbahnsystems in Kalifornien bewerben, zwingen würde darzulegen, ob sie im Zweiten Weltkrieg an den Transporten in die Konzentrationslager beteiligt waren oder ob sie amerikanische Kriegsgefangene beförderten.

Ganz besonders würde das die französische SNCF treffen, die sich schon wegen ihrer Beteiligung an den Transporten französischer Juden in die Konzentrationslager verantworten musste; aber auch deutsche, japanische, spanische und italienische Firmen, die sich um den Auftrag in Kalifornien bemühen, wären betroffen. Die Firmen würden gezwungen, in ihrer Wettbewerbsofferte offenzulegen, ob sie mit den Nazis kollaboriert haben; das würde sie jedoch nicht automatisch vom Gewinn eines der Bauverträge disqualifizieren.

Kritiker meinen, dass es den Politikern mit ihrem Gesetzesentwurf nur daran gelegen ist, internationale Firmen im Wettbewerb um eines der grössten infrastrukturellen Projekte Amerikas zu benachteiligen. Anfang 2011 werden die ersten Aufträge für Design, Bau und Betriebnahme des von Nord- bis Südkalifornien reichenden Schnellzugsystems vergeben.

 

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