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Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

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In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


März 2010
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Ein Jahr Barack Obama — eine Billianz
Obamas Nahostfriedensinitiative umstritten
Obamas Iranpolitik ... auch umstritten?
U.S. Waffeneinlagerungen in Israel verdoppelt
Amerikanische Juden helfen Haitis Erdbebenopfern
Die Gesundheitsreform in den USA
Spaltende Immigrationsreform
Mehr Juden aus Nordamerika wandern nach Israel
Jüdische Altersheime bald ohne koschere Küche?

 


Ein Jahr im Amt, hat die erste Rede des US Präsidenten zur Lage der Nation am 27. Januar die Erwartungen der meisten Amerikaner erfüllt. Präsident Barack Obama sprach die Probleme des Landes direkt an. Und das obligatorische "die Lage der Union ist stark" ("our union is strong"), das von den meisten Rednern stolz an den Anfang ihrer Ansprache gestellt wird, wurde von Obama erst nach mehreren Minuten scharfer Worte und unverblümter Aussagen ausgesprochen. Da wunderte man sich doch.

Was aber Obama nicht in seiner Rede ansprach fiel ganz besonders den amerikanischen Juden auf: Obama erwähnte nicht den Nahostfriedensprozess und kaum den Iran. Beides Themen, die ganz besonders für die jüdische Gemeinschaft von Interesse sind. "Obama sprach zwar von ‚wachsenden Konsequenzen' für Irans Führung. Aber er unterließ es, diese Konsequenzen klar zu benennen", kommentiert die Jewish Telegraph Agency, JTA. "Und er erwähnte keine wirtschaftlichen Sanktionen gegenüber dem Iran".

Jüdische Organisationen, die sich aktiv mit Wirtschaftsthemen befassen, fanden in der Rede des Präsidenten mehr Stoff. Obamas Bekräftigungen, sich verstärkt um Arbeitsplätze, um eine umfassende Gesundheitsreform und ein stärkeres soziales Netz zu kümmern, wurde besonders von den jüdischen Organisationen begrüßt, die Hilfsleistungen in ihren Gemeinden leisten. William Daroff, Direktor des Washingtoner Büros der "Jewish Federation of North America" erhofft sich deswegen mehr Details wie die Obama Administration soziale Hilfsgruppen unterstützen will, denen Mangels von Spenden, die Gelder ausgehen, um zu helfen.

Das Land hat jetzt viele Probleme zu bewältigen: Die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosenzahl, das Rangeln um eine Gesundheitsreform, die Kriege im Irak und Afghanistan und die Umstrukturierung des Banken- und Kreditsystems. Der US Kongress ist tief gespalten zwischen Republikanern und Demokraten, und Obamas Neigung, beide Seiten gleichzeitig einzubeziehen und Kompromisse und Annäherungen zu suchen, fallen jetzt immer mehr auf taube Ohren.

Deshalb war Obamas Rede so bemerkenswert, weil sie schonungslos beide politische Lager aufrütteln wollte; und auch an Selbstkritik fehlte es nicht. Die Jahre, in denen sich Präsidenten rühmend auf die Schulter klopfen und ihre Errungenschaften in der Rede zur Lage der Nation darlegen, scheinen vorbei. Obama redet Tachles.

*

 

Wie aber sehen die Aussichten auf eine Nahostfriedensinitiative der Obama Administration wirklich aus? Die Tatsache, dass Obama dieses Thema in seiner Rede zur Lage der Nation nicht ansprach wird so ausgelegt, als würde die Administration zwar hinter den Kulissen mit George Mitchell an einer Annäherung zwischen Palästinensern, Arabern und Israelis arbeiteten, jedoch auf Aktionen im Rampenlicht à la George Bushs Konferenz in Annapolis (die keinen langfristigen Erfolg gebracht hatte) weitgehend verzichten wollen. Ausserdem werden die Wahlen im Kongress in diesem November Obamas volle Aufmerksamkeit verlangen. Er muss verhindern, dass den Demokraten zu viele Stimmen verloren gehen und sich damit die Balance im Kongress zu ihren Ungunsten verändert. Das würde es Obama nämlich fast unmöglich machen, seine ambitiöse innen- und außenpolitische Agenda durchzusetzen.

Der US Präsident eröffnet also ein neues Kapitel in der amerikanischen Nahostpolitik, hin zu einer pragmatischen Politik hinter den Kulissen. Die Administration wird keinen direkten Druck auf den israelischen Premierminister, Benjamin Netanyahu, ausüben. Auch gibt Obama keine detaillierten Angaben über seine Position zu den zukünftigen Grenzverläufen oder den Status Jerusalems. George Mitchell wird beide Seiten zusammenbringen und dabei bewusst ihre Erwartungen senken müssen. Er wird dramatische öffentliche Auftritte vermeiden und die innenpolitischen Schwierigkeiten, in denen sich der israelische Premier sowie der palästinensische Präsident befinden, berücksichtigen.

"Die Administration ist am Anfang einer bedeutenden Wende in ihrer Nahostpolitik. Schwerpunkt wird sein, die Hauptprobleme beider Seiten anzusprechen und auf sie einzugehen, ohne die Öffentlichkeit daran teilnehmen zu lassen", kommentiert die Jewish Week.

Linkseingestellte amerikanische Juden wünschen sich, dass die Obama Administration auf Israel und auf die Palästinenser mehr Druck ausübe — während rechtseingestellte Juden dafür plädieren, die US Administration sollte sich aus den aktiven Verhandlungen heraushalten und Israel alleine entscheiden lassen. Das wäre jedoch, so die Jewish Week, ein Fehler. Es scheint, als würde Amerika jetzt den pragmatischen Mittelweg einschlagen, weg von den Medien und dem Rampenlicht.

"Doch wenn Amerika jetzt aufgibt, wird das nur zu mehr Spannungen und Gewalt führen", warnt die Jewish Week. "Wir können beiden Seiten den Frieden nicht aufzwingen. Wird dürfen aber auch nicht vor den Problemen weglaufen. Es scheint so, als hätten Obama und sein Team diese Lektion gelernt und ihre Nahostfriedenspolitik darauf abgestimmt".

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Und wie steht es mit dem Iran? Der neokonservative Robert Kagan schreibt in der Washington Post, dass Obama jetzt eine einmalige Chance hat "über die nächsten Monate, die Welt sicherer zu machen". Und zwar nicht durch Sanktionen oder direkten Druck auf die iranische Führung, sondern durch das Unterstützen der iranischen Opposition, ein neues Regime aufzustellen. Auch wäre, so Kagan, ein israelischer Angriff auf iranische atomare Einrichtungen verheerend und würde den Regimeumsturz nur unterminieren. "Der Präsident muss erkennen, dass jetzt sein ‚Tear-down-this-wall' Moment gekommen ist", schreibt Kagan [in Anspielung auf Ronald Reagans Aufforderung an seinen sowjetischen Amtskollegen Michail Gorbatschow im Juni 1987 in einer Rede in Berlin vor dem Brandenburger Tor]. "Und dieser Moment ist bald vorbei. Sollte das iranische Regime jedoch während Obamas Amtsperiode fallen, ist ihm sein Platz in den Geschichtsbüchern als transformierendes Staatsoberhaupt sicher".

Bis es so weit ist arbeitet die Administration jedoch an neuen Sanktionen gegen den Iran, die im UN Sicherheitsrat, in einer vierten Runde, im Frühling debattiert werden.

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Die US Armee wird den Wert ihrer Waffen und ihrer militärischen Ausrüstungen (Raketen, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, Munition und Artilleriegeschosse), die in Israel eingelagert sind, verdoppeln. Die Waffen stehen für den Notfall den USA und Israel bereit; ihr Wert beträgt jetzt 800 Millionen Dollar.

Im Jahre 1990 hatte die USA damit begonnen, Waffen in Israel einzulagern, von denen Israel während des zweiten Libanonkrieges 2006 Gebrauch machte. Die Depots wurden nach israelischen Angaben damals fast erschöpft und müssen wieder aufgefüllt werden.

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Die amerikanischen Hilfsleistungen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti sind enorm: 45 Prozent aller Amerikaner haben für die Erdbebenopfer gespendet. Die Summe beträgt (bis zum Schreiben dieser Zeilen, Ende Januar) eine halbe Milliarde Dollar. Auch viele jüdische Organisationen, Synagogen, Föderationen und Gemeinden haben Spenden organisiert oder verteilen Gelder an Hilfsorganisationen, die in Haiti stationiert sind. Und Spenden amerikanischer Juden haben zum Teil die Feldlazarette der Israelis in Haiti mitfinanziert.

Amerikanische Juden aus allen Teilen der jüdischen Gemeinschaft haben Millionen von Dollar gesammelt. Diese Gelder sind zum grössten Teil an das American Jewish World Service (AJWS) und das American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) weitergeleitet wurden, sowie an IsraAid, das israelische Forum für internationale humanitäre Hilfe, einer Dachorganisation von 17 israelischen und jüdischen humanitären Gruppen, das ein Team nach Haiti gesandt hat.

Eine Woche nach dem Erdbeben in Haiti, hat das AJWS ungefähr 2.4 Millionen Dollar an kleinere Hilfsorganisationen in Haiti gesandt. Das JDC erhielt mehr als 2 Millionen Dollar an Spenden für die Jewish Coalition for Disaster Relief, die sich aus 30 Hilfsorganisationen zusammensetzt (unter ihnen die Union for Reform Judaism, die United Synagogue of Conservative Judaism, World ORT, der Jewish Council for Public Affairs, AJWS und das American Jewish Committee).

Der jüdische Milliardär George Soros spendete 4 Millionen Dollar von seinem Geld. Aber auch "kleinere" Summen helfen: Der "Workman's Circle/Arbeter Ring" und das "New Yiddish Repertory Theater" organisierten zusammen ein Benefizkonzert, mit dem Ziel, 20.000 Dollar an Spenden für Haiti einzusammeln. Und die Krieger Schechter Schule in einer Vorstadt von Baltimore schaffte es, die Tzdaka-Spenden der Lehrer, Eltern und Schüler, von rund 200 Dollar, die sonst wöchentlich eingesammelt werden, auf 4.600 Dollar zu erhöhen. Das gesamte Geld wurde nach Haiti gesandt.

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Die Gesundheitsreform in den USA ist eines der Themen, die den Kongress und die Amerikaner zutiefst zerspaltet haben. Jetzt scheint es, dass Obamas Versuch, den vielen Millionen unversicherten Amerikanern eine Gesundheitsversicherung zu garantieren, wegen der Wirtschaftskrise vorerst nicht so schnell zu bewerkstelligen sein wird. Obama, wie schon vielen demokratischen Präsidenten vor ihm, wird es schwer fallen, sein Versprechen, das er den Amerikanern während des Wahlkampfes gegeben hatte, einzulösen.

Doch das Thema Gesundheitsreform, das jetzt in aller Munde ist, hat auch dazu geführt, dass viele jüdische Organisationen einen Zuwachs an jüngeren Mitgliedern verzeichnen können. Organisationen wie B'nai Brith, die sich bisher mehr um die Belange von Senioren gekümmert hatten, nehmen jetzt aktiv an der Debatte um die Gesundheitsreform teil und werden so attraktiver für jüngere Mitglieder und Familien, denen dieses Thema besonders am Herzen liegt.

B'nai Brith ist eines der wenigen jüdischen Organisationen, die sich öffentlich an der zutiefst polarisierenden Debatte beteiligen, was besonders jüngeren Gemeindemitgliedern beeindruckt, aber auch den Älteren, die ganz besonders von den steigenden Gesundheitskosten betroffen sind. Die meisten jüdischen Organisationen halten sich jedoch aus der Debatte heraus oder beschäftigen sich nur mit einigen Aspekten.


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Eines der vielen Themen, das die Obama Administration, Oppositionspolitiker und viele Amerikaner jetzt auch beschäftigt, ist eine umfassende Immigrationsreform, die den Status der auf 12 Millionen geschätzten illegalen Einwanderern regeln soll, sowie die Situation der legalen Einwanderer ansprechen wird, die hier, ganz besonders in den Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, auf Ressentiments stoßen.

Dabei empfinden sich Juden und die meist lateinamerikanischen Einwanderer immer stärker als ideale Verbündete. Die Beziehung zwischen den beiden Minoritäten ist stark. Juden, die in die USA eingewandert oder geflohen sind, schöpfen aus ihren Erfahrungen und den Erfahrungen ihrer Eltern und Grosseltern; sie fühlen sich solidarisch gegenüber anderen Einwanderern, deren Situation sie nachvollziehen können. Ausserdem haben sie Erfahrung, sich für soziale Themen öffentlich einzusetzen. "Sie haben grossen Einfluss und Macht" meint Gustavo Torres, Präsident von Casa de Maryland in Washington.

"Immigrationsreform wird eines der grossen innenpolitischen Themen sein, die die Obama Administration angehen muss. Die nächsten Monate werden kritisch sein in der Debatte — und Juden und Lateinamerikaner stehen jetzt immer mehr im Rampenlicht", schreibt der Forward. Juden gelten in den USA als besonders gutes Beispiel für eine erfolgreiche Integration einer Minorität, weil sie sich so nahtlos vollzogen hat.

Ganz so selbstlos ist ihr Anliegen aber auch wieder nicht. "Wenn wir die lateinamerikanische Gemeinschaft auch für unsere Belange, wie Israel, interessieren wollen, müssen wir auch auf ihre Probleme eingehen", meint Gideon Aronoff, Präsident der Hebrew Immigrant Aid Society im Forward. Darüber hinaus wird die spanisch sprechende Gemeinde in Zukunft eines der einflussreichsten Wählergruppen unter den Einwanderern sein.

Den jüdischen Gemeinden, die an den Annäherungen beteiligt sind, geht es vor allem um die Einbürgerung der illegalen Einwanderer, um Wege, mit zukünftigen Einwanderungswellen umzugehen, um Familienzusammenführungen und die Integration der Neueinwanderer in die amerikanische Gemeinschaft und um humane Wege, mit Grenzkontrollen und Abschiebungen umzugehen (was den jüdischen Gemeinden in der letzten Zeit ganz besonders Sorgen macht, nachdem Stimmen aus rechten Kreisen laut wurden, gegen illegale Einwanderer schärfer vorzugehen. Und das hat selbstverständlich für viele Juden eine ganz besondere Symbolik und Relevanz).

In den letzten Jahren haben jüdische und lateinamerikanische Gruppen und Organisationen eng miteinander zusammengearbeitet und gemeinsame Programme aufgestellt. Die Hälfte der amerikanischen Juden befürwortet darüber hinaus die Einbürgerung illegaler Einwanderer, und unter den religiösen Minoritäten in den USA, sind es ganz besonders die amerikanischen Juden, die sich für diese Menschen einsetzen. Vertreter dutzender jüdischer Organisationen haben jetzt einen offenen Brief an den US Senat unterzeichnet, in dem sie für eine faire Immigrationsreform plädieren.

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Aber auch amerikanische Juden wagen Neuanfänge. Die Einwanderungswelle von Juden aus Nordamerika nach Israel ist 2009 um 19 Prozent gegenüber 2008 angestiegen. Das ist der höchste Stand seit 36 Jahren. Im letzten Jahr wanderten 3.324 amerikanische Juden nach Israel aus. Viele amerikanische Juden ziehen jetzt die relative stabile wirtschaftliche Lage Israels der schweren Finanzkrise und ihrer Folgen in den USA vor.


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Bobe und Seide können bald in ihrem jüdischen Altersheim Schweinefleisch und Garnelen zu sich nehmen, wenn der Trend so weitergeht: mehr und mehr private jüdische Altersheime in den USA bieten keine koschere Küche mehr an. Zwei Gründe gibt es dafür: zum einen der Konkurrenzdruck nicht-jüdischer Seniorenheime, und zum anderen die finanzielle prekäre Lage, in der sich viele jüdische Heime befinden. Koschere Lebensmittel sind teuer.

Nur eine kleine Anzahl amerikanischer Juden führen einen koscheren Haushalt. Doch der Trend hin zu Altersheimen, die unkoscheres oder sogenanntes "kosher-style" Essen anbieten, ist doch erstaunlich, da ein letztes Tabu gebrochen wird. Und manche traditionellen Juden fragen sich jetzt, wohin sie denn gehen sollen, wenn sie mal älter werden.

Dennoch, die meisten der 115 uneigennützigen jüdischen Altersheime, die unter der Dachorganisation der "Association of the Jewish Aging Services of North America" zusammengefasst sind, bieten immer noch koschere Speisen in ihren Heimen. Und die Heime, die sich von der traditionellen Küche abwenden sind durchweg private Einrichtungen, die sich ihren Aktionären gegenüber und nicht vor den jüdischen Gemeinden zu verantworten haben.

Eine Umfrage von 2001 hat aber ergeben, dass die Zahl der älteren amerikanischen Juden, die einen koscheren Haushalt führen, im Gegensatz zu den jüngeren Juden abnimmt (19 Prozent der über 55-jährigen gegenüber 22 Prozent der 35-44-jährigen).

Dennoch, alle Heime die sich letztendlich entschlossen haben, unkoscheres Essen zu servieren, haben diese Entscheidung nicht leichtfertig, sondern nach langen, emotionalen Diskussionen mit ihren Bewohnern getroffen. Und in Atlanta hat eine lokale christliche Gruppe ein jüdisches Altersheim übernommen, das wegen Geldmangel die koschere Küche abschaffen wollte; es serviert nun wieder koschere Speisen.

Bobe und Seide können also weiterhin Kugel und Gefilte Fisch essen. Ob das ihren Enkeln auch möglich sein wird, wenn es mal so weit ist, steht dagegen auf einem anderen Blatt.

 

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