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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.


Dezember 2009
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Allgemeine Empörung über Goldstone Report
Iranpolitik spaltet Israel und Disapora
Aggressive Demagogie gegen Barack Obama

Antisemitismus in den USA auf dem niedrigsten Stand
Juden bevorzugen Michael Bloomberg
Aliya nach Israel aus den USA nimmt zu
Jüdische U.S. Soldaten in der Armee unterminiert
Der erste Sabbat Gottesdienstes auf deutschem Boden 1944
Wenige jüdische Vertreter forderten, Auschwitz zu bombardieren

 



Der mehr als 500 Seiten umfassende sogenannte Goldstone Report der UNOTatsachen Ermittlungs Kommission, in dem Israel beschuldigt wird, Kriegsverbrechen im Gazakrieg begangen zu haben, ist in den USA auf allgemeine Empörung gestoßen. Vertreter jüdischer Organisationen, US Kongressabgeordnete sowie die Obama Administration (obwohl sie ein paar Tage verstreichen ließ, bevor sie Stellung nahm, was die Anti Defamation League "schockierend und besorgniserregend" fand), kritisierten die am 15. September veröffentlichten Befunde der Kommission als einseitig und unakzeptabel. Demokratische und republikanische Vertreter außenpolitischer Kommissionen im US-Kongress riefen die Obama Administration daraufhin Ende Oktober in einer Resolution auf, den Goldstone Report, den das Simon Wiesenthal als "Magna Carta internationaler Terroristen" bezeichnet, zu annullieren.

Auf Drängen Libyens und anderer arabischer Staaten wurde Anfang November der Goldstone Bericht in einer Sondersitzung der UNO-Generalversammlung debattiert, und der 2006 gegründete kontroverse UN-Menschenrechtsrat (dessen 26 von 32 abgefasste Resolutionen in den 3 Jahren seines Bestehens alle Israel zum Thema hatten), wird die Befunde an den UN-Sicherheitsrat weiterleiten; dieser soll Israel und Hamas dazu aufrufen, innerhalb von drei Monaten eigene Ermittlungen anzustellen. Wenn nicht, könnte der Fall in sechs Monaten dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag übergeben werden.

Soweit wird es aber voraussichtlich nicht kommen, da die USA im UN-Sicherheitsrat das Vetorecht besitzt; doch der Schaden ist bereits getan. Ein demokratisches Land, das sich vor Terrorismus schützen muss, ist in einem spektakulären öffentlichen, höchst parteiischen Unterfangen im Namen der Vereinten Nationen (wieder einmal) der Menschenrechtsverletzungen beschuldigt worden. Diesmal jedoch mit einem juristischen Mandat, das zu einer Anklage führen könnte.

Der Propaganda Apparat der Hamas hätte sich das nicht besser ausdenken können.

"Das ist schon wieder ein trauriges Kapitel in der langen Saga unfairer UNO-Angriffe auf Israel", kommentierte das American Jewish Committee. "Israel wurde schon für schuldig befunden bevor die Investigationen überhaupt begannen. Voreingenommene UNO. Voreingenommenes Mandat. Voreingenommener Ausschuss. Wieder einmal hat der UN-Menschenrechtsrat die Chance verspielt, Gutes zu tun; er hat die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen unterminiert."

*

 

Die politische Linke in Israel und innerhalb der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft ist einer Meinung, wenn es um Nahostfriedenspolitik, den Siedlungsbaustopp oder den Sicherheitszaun geht. Wenn es aber um Iranpolitik geht, klaffen die Positionen weit auseinander. Die meisten Israelis (ob politisch rechts oder links eingestellt) wollen, dass die Atompolitik des Iran mit allen Mitteln gestoppt wird. In den USA dagegen lehnen die Vertreter pro-Israel eingestellter jüdischer linker politischer Organisationen weitere Sanktionen gegen den Iran ab, und sie spielen die Bedrohung, die vom Iran ausgeht, herunter. Noch sind diese Meinungsunterschiede kaum wahrnehmbar. Noch.

Premierminister Benjamin Netanyahu und Präsident Barack Obama teilen nach außen hin die Meinung über die Gefahr, die vom Iran ausgeht; doch innerlich wächst eine Kluft, die augenscheinlicher werden wird, sollte der Iran auf einige US Forderungen eingehen, und dann die amerikanische jüdische Gemeinschaft, die jetzt fast vollständig hinter Obama steht, in ihrer Meinung spalten könnte.

Zum ersten Mal seit langer Zeit werden diese zwischen einer "israelischen" und einer "amerikanischen" Position wählen müssen, und Vertreter jüdischer politischer pro-Israel eingestellter Organisationen in den USA könnten dann eine andere Meinung beziehen als die offizielle israelische. Viele amerikanische Juden sind besonders nach dem Irakkrieg liberaler eingestellt; sie scheuen vor einer Konfrontation mit dem Iran zurück, angesichts des endlosen Irakkrieges und der humanitären Kosten, die wirtschaftliche Sanktionen gegen den Iran mit sich bringen würden. Nur die Reformbewegung in den USA vertritt schon jetzt die gleiche Position wie Israel: Es gelte, den Iran zu stoppen, koste es was es wolle.

Das American Jewish Committee hat darüber hinaus jetzt herausgefunden, dass amerikanische Juden — wenn es um die amerikanischen-israelischen Beziehungen geht — politisch weiterhin in der Mitte liegen. Ganze 81 Prozent glauben, dass die Beziehungen beider Länder positiv sind; dabei stimmen 54 Prozent der Befragten, Obamas bisherige Nahostpolitik zu (32 Prozent sind dagegen) und 51 Prozent aller Befragten kritisieren Obamas Aufruf zu einem Siedlungsbaustopp. Und 49 Prozent befürworten einen Palästinenserstaat (ein Anstieg von drei Prozent seit der letzten Umfrage, 2007).

Doch ein beunruhigender Trend zeichnet sich auch ab: Zwei-drittel der amerikanischen Juden distanzieren sich innerlich immer mehr von Israel.

Auch das wird zu einer regen Diskussion innerhalb der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft und mit Israel führen, obwohl offene Kritik an Israel bisher eher vermieden wurde. Doch auseinanderweichende politische Einstellungen könnten allen Seiten jetzt zu Gute kommen.

*

 

Kaum ein amerikanischer Präsident ist zu Anfang seiner Amtsperiode von seinen politischen Gegnern so angegriffen worden wie Barack Obama. Und angesichts der Protestplakate (auf denen der US Präsident mit Hitler verglichen wird), die bei Demonstrationen gegen die Politik der Obama Administration wieder und wieder auftauchen, fragt man sich, warum jüdische Organisationen nicht auf die Barrikaden gehen. Obamas angestrebte Gesundheitsreform wird mit dem Euthanasieprogramm der Nazis verglichen, und die jüdischen Organisationen schweigen. Nachdem ein prominenter rechter Rundfunkmoderator seinen Hörern geraten hatte, sie sollten "Mein Kampf" lesen, um Obamas Taktik zu verstehen, kommentierten Sprecher der ADL und der AJC nur lapidar, seine Worte wären "ausfallend". Warum sind Juden so zurückhaltend, wenn ihr Präsident mit Hitler und seine Administration mit Braunhemden verglichen werden?

Unparteiliche Organisationen wollen sich nicht in die öffentliche Debatte um die Gesundheitsreform einmischen. Doch der Hauptgrund ist wohl, dass Nazivergleiche und Anspielungen auf den Holocaust in der politischen Debatte in den USA bisher tabu waren. Man wird lernen müssen, mit dieser neuen und zunehmend aggressiveren Demagogie umzugehen. Und die amerikanischen Juden werden jetzt eine neue politische Strategie in diesem virulenten öffentlichen Diskurs entwickeln müssen.

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Gary Wasserman schreibt in der Washington Post, dass der AIPAC Spionagefall gegen zwei Mitarbeiter, Steve Rosen und Keith Weissman, der im Mai ad acta gelegt wurde, einen antisemitischen Hintergrund hatte. Larry Franklin, der frühere Pentagon-Analyst, der den beiden Informationen geliefert hatte, sagte in einem Interview mit der Washington Post, dass der FBI ihn "über jeden Juden, den ich in meinem Büro kenne" befragt habe, bevor er instruiert wurde, die beiden AIPAC Mitarbeiter zu kontaktieren, um sie zu Informanten zu machen. Antisemitismus sei "Teil der Motivation gewesen und wahrscheinlich sogar der Hauptgrund für die Aufnahme der Investigationen gegen die beiden."

Doch Antisemitismus in den USA ist zurzeit auf dem niedrigsten Stand: Die ADL hat in einer neuen Umfrage herausgefunden, dass 12 Prozent der Amerikaner antisemitische Vorurteile hegen, im Gegensatz zu 15 Prozent 2007 und noch 29 Prozent 1964. Das sind gute Nachrichten — aber 12 Prozent der Amerikaner sind immer noch mehr als 30 Millionen Menschen. Darüber hinaus glauben 30 Prozent der Befragten, dass amerikanische Juden eine größere Loyalität gegenüber Israel hegen, als gegenüber den USA. Vielleicht erklärt das ein wenig den Wirbel, den der AIPAC Vorfall in der Öffentlichkeit, und unter den amerikanischen Juden selbst, bereitet hatte?

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Schon oft wurde in dieser Kolumne von der sogenannten "jüdischen Stimme" in den nationalen und lokalen Wahlkämpfen gesprochen. Jüdische Wähler bevorzugen traditionell in der Mehrheit immer die demokratischen Kandidaten, und obwohl sie in der Minorität sind, wird um ihre Stimmen besonders gebuhlt. Dieser Trend scheint jetzt abzunehmen. Nehmen wir den Wahlkampf um die Wiederwahl des jüdischen Milliardärs Michael Bloomberg zum Bürgermeister von New York am 4. November. In seiner Wahl für eine zweite Amtsperiode 2005, wurde der damals noch als Republikaner antretende Politiker von 70 Prozent aller New Yorker Juden gewählt. Und da Bloomberg nie über seine Religionszugehörigkeit spricht, scheint dieser Punkt in seiner Biografie nicht besonders ausschlaggebend gewesen zu sein; sie wird vielleicht als kleiner Pluspunkt angesehen, mehr aber auch nicht.

Neuen Umfragen zu Folge, werden diesmal zwei drittel der New Yorker Juden für eine dritte Amtsperiode Bloombergs wählen — und nicht für seinen demokratischen Kontrahenten Bill Thompson. Dennoch, die jüdischen Stimmen verlieren an ihrer Wichtigkeit. Denn die Zahl der in New York lebenden Juden nimmt ab. Zum ersten Mal in den letzten 100 Jahren, ist die Zahl der jüdischen Einwohner New Yorks auf unter eine Million gefallen, und die politischen Meinungen der New Yorker Juden werden immer differenzierter. Die Zahl der orthodoxen Juden (jetzt 25 Prozent) und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion (19 Prozent) nimmt zu; beide Wählergruppen sind konservativer eingestellt. Die Zahl der liberalen Juden in Manhattan nimmt dagegen ab.

Es gibt keine homogene demokratische jüdische Wählerstimme mehr wie in der Vergangenheit. In den Vorwahlen für diverse andere zu vergebene Posten im New Yorker Stadtparlament, verloren alle jüdischen Kandidaten und ein Politiker mit chinesischen Wurzeln wurde dafür gewählt. (Es leben jetzt übrigens mehr Chinesen als Juden in New York: eine knappe Million.)

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Die Wirtschaftskrise treibt mehr und mehr hochqualifizierte, arbeitslose junge amerikanische Juden zu einer Aliyah nach Israel. Besonders solche, die im Finanzwesen gearbeitet und jetzt ihre Posten verloren haben, erwägen, nach Israel auszuwandern. Die Jewish Agency schätzt, dass die Zahl der amerikanischen Einwanderer in Israel in diesem Jahr um 15 Prozent ansteigen wird, im Vergleich zu 2008. Die Wirtschaftskrise sei dabei "kein Auslöser für die Auswanderung sondern ein Beschleuniger", kommentiert Rabbiner Yehoshua Fass, Gründer von Nefesh B'Nefesh.

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Es scheint vorerst noch kein Ende abzusehen für einen der längsten Kriege der Amerikaner in ihrer Geschichte: Afghanistan. Obama hat sein Augenmerk jetzt verstärkt auf diesen, bei den Amerikanern außerordentlich verpönten Krieg, gerichtet. In nächster Zeit wird er darüber entscheiden, ob er noch mehr Truppen nach Afghanistan abrufen soll. Die Medien berichten jetzt immer mehr über diesen, bis vor kurzem noch eher im Schatten des Irakkrieges stehenden "vergessenen" Krieg. Auch über die Soldaten wird mehr berichtet.

Der Forward hat dieses Thema zum Anlass genommen, um über die relativ geringe Zahl jüdischer Soldaten und jüdischer Geistliche in der US Armee zu berichten. Statistiken des Verteidigungsministeriums belegen, dass von den 1.4 Millionen US Soldaten nur 4.677 angaben, jüdischen Glaubens zu sein, doch diese Zahl wird höher, auf 10-14 tausend geschätzt; die meisten jüdischen Soldaten jedoch reden nicht über ihre Religionszugehörigkeit, um Konflikte zu vermeiden, die immer wieder auftreten. Und das ist ein Grund zur Besorgnis.

Die meisten Konflikte basieren dabei nicht auf Antisemitismus sondern auf Ignoranz oder Fahrlässigkeit. So sind zum Beispiel viele Soldaten aus den Südstaaten evangelische Christen, die versuchen, andere Soldaten von ihrem Glauben zu überzeugen, meint Admiral Harold Robinson, ein Reform Rabbiner und Direktor des "Jewish Welfare Board's Jewish Chaplain Council", im Forward. "Das Militär ist wie eine Oberschule, deren Schüler vollgepumpt sind mit Steroidhormonen. Jüdisch sein hilft einem da nicht, sich nahtlos einzugliedern, " meint der Rabbiner da nur trocken.

Ein Soldat in der Luftwaffenakademie hatte 2007 Anklage gegen die Luftwaffe erhoben, in der es hieß, evangelistische Offiziere in der Akademie hätten versucht, christliche und jüdische Rekruten zu indoktrinieren. Die Klage wurde abgewiesen. "Jüdische Soldaten werden nicht gefördert, werden von der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft zum grössten Teil ignoriert und sie brauchen Rabbiner", meint Rabbiner Irving Elson, Kapitän und Kaplan bei der Marine. Von den 900 Kaplänen in der Marine sind nur acht jüdisch; zwei von ihnen sind für die gesamte Pazifikregion zuständig. Insgesamt gibt es nur 22 jüdische Kapläne in der US Armee.

Der Artikel im Forward löste eine rege Diskussion aus. Leser fragten, wie sie helfen können. Die Redakteure antworteten in einem Kommentar, man könne helfen, in dem man "die Existenz der jüdischen Soldaten anerkennt. In einigen Kreisen fällt es leichter, einen Verwandten in der israelischen Armee als in der US Armee zu benennen." Seit dem 11. September 2001 sind 39 jüdische Soldaten in Afghanistan und im Irak gefallen. Die Webseite "Jews in Green" nimmt sich der Thematik an. Jüdische amerikanische Soldaten, die in der israelischen Armee fallen, werden als Helden gefeiert. Aber was ist mit denen, die als US Soldaten getötet werden? Sie bleiben anonym.

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Der 87-jährige Max Fuchs aus Manhattan spricht nicht viel über seine Zeit als 22-jähriger amerikanischer jüdischer Soldat im Zweiten Weltkrieg. Er war bei der Landung der Alliierten in der Normandie dabei und kämpfte am Omaha Beach. Doch Fuchs erwähnt manchmal beiläufig, er habe einmal einen Gottesdienst geleitet, der aufgezeichnet wurde. Mehr erfuhren seine Kinder und Enkel nicht.

Seine Tochter hat jedoch nachgeforscht und ist auf ein bewegendes Zeitdokument gestoßen: Tonaufnahmen eines Sabbat Gottesdienstes, der von NBC am 29. Oktober 1944 von einem Schlachtfeld bei Aachen live gesendet wurde. Man hört die Artillerie im Hintergrund, und der Sänger ist Max Fuchs; er leitete den Gottesdienst weil kein Kantor zu finden war. Den Gottesdienst kann man jetzt vollständig auf der Webseite des AJC hören, der damals die Aufnahme mit NBC koordinierte.

Über 60 Jahre danach werden wir Zeitzeugen des ersten jüdischen Gottesdienstes auf deutschem Boden kurz vor Kriegsende. Fuchs wählte für den Gottesdienst zwei Lieder aus, Ein K'eloheinu und Yigdal, weil, wie er sagt, dieses Familienhymnen sind, "die alle Soldaten kannten und mitsingen konnten. Ausserdem waren sie kurz. Wir waren doch mitten in der Schlacht."

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Präsident Franklin D. Roosevelt hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, Auschwitz-Birkenau zu bombardieren. Neue deklassifizierte Dokumente aus den Central Zionist Archives in Jerusalem belegen jetzt, dass im Gegensatz zu bisherigen Annahmen, dass jüdische Vertreter Roosevelt von einer Bombardierung abgeraten hätten, sie den Präsidenten im Juni 1944 rieten, sofort anzugreifen.

Die Dokumente wurden im September bei einem Symposium des David S. Wyman Instituts für Holocaust Studien ("The Failure to Bomb Auschwitz: History, Politics and Controversy") an der Fordham Universität vorgestellt. Sie belegen, dass David Ben Gurion und andere Vertreter der Jewish Agency (die zuerst gegen eine Bombardierung des Lagers waren), ihre Meinung änderten und britische und amerikanische Offizielle zur Offensive drängten, als sie mehr über die Topografie des Todeslagers und die Kapazität der Gaskammern und Krematorien lernten. Bis jetzt hatten viele Historiker angenommen, die Bedenken der Alliierten wurden von den zionistischen Organisationen geteilt. Nun stellt sich heraus, dass die Jewish Agency ihren Standpunkt änderte, sobald klar wurde, dass Auschwitz kein Arbeits- sondern ein Vernichtungslager war.

Seit der Eröffnung des US Holocaust Museums in Washington 1993 konnten Besucher dort auf den Schautafeln lesen, dass amerikanische jüdische Organisationen "wieder und wieder das US Kriegsministerium dazu aufgerufen hatten, Auschwitz zu bombardieren, doch ihre Bitten wurden abgelehnt". Doch das Museum hatte 1996 auf Drängen des Franklin & Eleanor Roosevelt Institutes die Beschriftung der Tafeln in den Ausstellungsräumen geändert, zu "einige wenige jüdische Vertreter bedrängten FDR, die Gaskammern in Auschwitz zu bombardieren; andere waren dagegen".

Jetzt, wo die neuen Dokumente vorliegen, erwägt das Museum, die alten Beschriftungen wieder anzubringen.

 

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