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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 


März 2009
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Willkommen, Mr. Präsident!
Neue Initiativen im Nahen Osten

Der Gazakonflikt
Bernard Madoff Skandal
Die revolutionierende Obama Wahlkampagne
Neue jüdische Bevölkerungsstudie
Das Bild der Juden im US-Film und Fernsehen
Germany Close Up
Federale Hilfe für das Leo Baeck Institut

 

President Obama
Willkommen, Mr. Präsident! Wie ein frischer Wirbelwind ist er ins Weisse Haus gefegt, und vom ersten Tag an hatte man das Gefühl, es sei ein wirklicher Neuanfang, unermüdlich, mutig und ohne zu Zögern. Täglich werden neue Schritte unternommen und Probleme angepackt, offengelegt und rigoros diskutiert. Präsident Barack Obama versucht überparteilich, die vielen Probleme des Landes in den Griff zu kriegen.

Beim ersten wirtschaftlichen Konjunkturpacket gelang ihm das allerdings noch nicht: Trotz Treffen und Diskussionen mit den Republikanern und Konzessionen von Seiten des Präsidenten, stimmten diese im Kongress letztendlich geschlossen gegen seinen Konjunkturplan. Das werden die Republikaner zu verantworten haben, denn sie bewiesen damit, dass selbst angesichts der grössten Finanzkrise seit Jahrzehnten, interne und zwischen parteiliche Schlammschlachten anscheinend immer noch nicht ad acta gelegt werden können. Vorerst.

Trotz anfänglicher Schwarzmalerei, Vorurteilen und Ressentiments gegenüber dem jungen Präsidentschaftskandidaten, stimmten die amerikanischen Juden in überwältigender Mehrheit für Obama (und zwar rund 78 Prozent, mehr als für Bill Clinton und John Kerry; was für Obama spricht, aber auch den Unwillen vieler amerikanischer Juden ausdrückt, für John McCain und insbesondere für Sarah Palin zu wählen, die mit der christlichen Rechten assoziiert wurde). "Wir, und alle Amerikaner wünschen ihm Erfolg", schreiben die Redakteure der Jewish Week in ihrem Kommentar. "Der Himmel weiß, unsere Zukunft hängt davon ab". Und mehr als 80 Prozent der Amerikaner stimmen dem zu.

Schon vor Obamas Einschwörung, inmitten der Vorbereitungen für den Machtwechsel, wurde klar, dass es der neuen Administration sehr um den jüdisch-schwarzen Dialog gehen werde. Obama setzt sich für eine enge Zusammenarbeit beider Minoritäten ein. So zog sich durch die gesamte feierliche Inauguration eine Leitmotiv: die Allianz zwischen Juden und Afroamerikanern zu erneuern und zu stärken, die mit der Bürgerrechtsbewegung ihren Anfang nahm und seitdem viele Krisen erlebte. Diese reichten von antisemitischen Äußerungen prominenter schwarzer Führer der Bürgerrechtsbewegung, über Israels enge Beziehungen zu Südafrika in Zeiten der Apartheid, zu den Ausschreitungen 1991 zwischen orthodoxen Juden und Schwarzen in Crown Heights in Brooklyn, New York. Dessen ungeachtet, so bekräftigt Obama, "in Momenten grosser sozialer Umschwünge in der Geschichte unseres Landes, standen Juden und Afroamerikaner Seite an Seite."

Zwar kooperieren Schwarze und Juden in der Politik miteinander ? wenn es um die US Aussenpolitik gegenüber Israel geht zum Beispiel oder um Hilfe für Afrika ? gesellschaftlich bleiben beide Gruppen entfremdet; es mangelt immer noch an sozialen Berührungspunkten. Aber auch hier wird die Obama Administration wohl aktiv eine Änderung suchen.

*

 

Obamas und Hillary Clintons Wahl, als Sonderbeauftragten für den Nahen Osten George Mitchell zu ernennen, stieß auf breite Zustimmung. Mitchell fuhr umgehend in die Region, und es scheint, als wolle die Obama Administration keine Zeit verlieren, die unter Präsident Bush stagnierende US Nahostpolitik wieder in Fahrt zu bringen. Die amerikanischen Juden sehen das mit Erleichterung. Dazu mischt sich aber auch die leise Vorahnung, dass die neue Administration eine der ersten sein wird, die versuchen werde, beide Seiten im Nahostkonflikt gerecht zu vertreten und von beiden Kompromisse zu fordern. Man befürchtet, dass die amerikanische Nahostpolitik Israel-kritischer wird und den Israelis weniger unbeschränkten Spielraum einräumt. Die neue Administration wird mit allen Beteiligten strenger umgehen, und auch die amerikanische Öffentlichkeit könnte jetzt mehr Kritik an Israel üben, um den neutralen Standpunkt der US Nahostpolitik nicht zu gefährden.

"Obama kann jetzt die Spielregeln im Nahen Osten verändern, wenn er schnell handelt", so die Redakteure des Forward in einem Kommentar. "Mit Israels gestärktem Selbstbewusstsein nach der Gazaoffensive, der Schwächung Hamas und angesichts dessen, dass sich die arabischen Nachbarstaaten immer mehr nach Stabilität sehnen, hat der neue Präsident jetzt die beste Gelegenheit, alle endlich dazu zu bringen, ein Abkommen auszuhandeln." In einem anderen Kommentar mit dem Titel "Die Mitchell Mission" heißt es im Forward weiter: "Mitchell trägt eine Last von Hoffnung und Erwartungen, die fast zu schwer für seine Schultern sind. Mit der Wahl des Präsidenten haben Millionen entschieden, dass Obama der Zauberer sein kann [der Verzweiflung in Hoffnung umändern kann]. Es ist nun an Mitchell, diese Hoffnung, Realität werden zu lassen. [Er] hat einen steilen Weg vor sich. […] Obama hat mit den zwei öffentlichen Auftritten mit Mitchell in seiner ersten Amtswoche bewiesen, dass er den Nahostfriedensprozess als eine der grossen Herausforderungen in seiner Amtsperiode ansieht. Das ist ein wichtiger Wandel."

"Die Beziehungen zwischen Israel und Amerika sind felsenfest", schreibt Aaron David Miller in Newsweek. "Doch in den letzten 16 Jahren hat Amerika es zugelassen, dass diese spezielle Verbindung so exklusiv wurde, dass sie die nationalen Interessen der Amerikaner und der Israelis unterminiert hat. […] Amerika muss nicht mit allem einverstanden sein, was ein israelischer Premier vorschlägt. […] Israel darf kein Veto mehr auf die amerikanischen Verhandlungstaktiken und Positionen ausüben dürfen, besonders wenn es darum geht, Israelis und Palästinensern Konzessionen abzuverlangen."

*

 

Der Gazakonflikt brachte auch die schwelenden Gegensätze innerhalb der amerikanisch-jüdischen politischen Repräsentation in Washington an die Oberfläche: Neben der AIPAC, des eher rechten "American-Israel Political Action Committee", das sich für eine offensive Gazapolitik Israels in Washington stark machte, trat die erst vor kurzem gegründete links eingestellte politische Aktionsgruppe "J Street" auf, die öffentlich den Krieg im Gaza scharf kritisierte. Zusammen mit "American for Peace Now", "Brit Tzedek v'Shalom" und dem "Israel Policy Forum" wiesen sie auf das humanitäre Leid der palästinensischen Bevölkerung hin, und ließen in Washington verlauten, dass eigentlich sie die Meinung der breiten amerikanisch-jüdischen Öffentlichkeit vertreten.

Dem sei nicht so, meinten andere Beobachter: Die amerikanischen Juden sähen die Gazaoffensive als eine tragische Notwendigkeit, unwillkommen aber nötig, die von der israelischen Regierung höchst ungern durchgeführt wurde aber durchgeführt werden musste, um den Raketenbeschuss aus dem Gaza zu unterbinden. "Kurzum, die amerikanischen Juden sind, wie immer, sensibel und stehen politisch in der Mitte", meint Rabbiner Eric Yoffie, Präsident der Union of Reform Judaism, in einem Kommentar im Forward. "Und sie unterstützen Israel in der Stunde der Not."

Doch die Debatte wird weitergeführt, und sie wird wohl in den kommenden Monaten, wenn der Nahostfriedensprozess wieder in Gang kommt, noch intensiver geführt werden: Wie Israelkritisch dürfen, und wollen, die amerikanischen Juden als Gemeinschaft sein? Und von welcher jüdischen politischen Aktionsgruppe wollen sie sich in Zukunft gegenüber der Obama Administration, dem Kongress und der Welt vertreten lassen?

*

 

Der Skandal um den Geldmanager und Börsenbroker Bernard Madoff und seinen auf 50 Milliarden Dollar geschätzten Betrug in einem der unglaublichsten Schneeballsysteme in der Geschichte aller Finanzgauner und Kapitalverbrecher in den USA, hat die jüdische Gemeinschaft zutiefst getroffen. Wurde Madoff nicht als "einer von ihnen" angesehen, ein Jude, der sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hatte und sein Vermögen in philanthropische jüdische Belange investierte? "Onkel Bernie" wie ihn viele nannten, ein Milliarden Betrüger? Eine tiefe Scham hat viele amerikanische Juden ergriffen, und die Angst, dass der Skandal zu verstärktem Antisemitismus führen könne ist groß, denn Madoff gäbe genug Stoff, um die alten Stereotypen vom reichen, korrupten, geldgierigen Juden wieder aufleben zu lassen.

Darüber hinaus sind es aber ganz besonders die jüdischen Organisationen (denen Madoff viel Geld gespendet hatte und in deren Vorstand er oftmals saß), die jetzt unter dem Milliardenskandal leiden. Mit ihnen handelte Madoff; sie waren seine Umgebung und seine Klienten. Unzählige kleinere uneigennützige Hilfsorganisationen verloren wegen ihm ihr ganzes Budget oder müssen ihre Hilfsauszahlungen, in den USA, in Israel und in der ehemaligen Sowjetunion, sowie andere Ausgaben, drastisch reduzieren. Einige mussten schließen.

Unter den Geschädigten sind renommierte Organisationen, wie der American Jewish Congress, die Jewish Community Foundation, die Jewish Federation of Greater Los Angeles, UJA, Jewish Family Service, die Jewish Free Loan Association, die "Gift of Life Foundation" (eine jüdische Datenbank für Rückenmarkspender), das Technion in Israel, Steven Spielbergs "Wunderkind Foundation", Elie Wiesels "Foundation for Humanity", Yeshiva Universität, zahlreiche jüdische säkulare und orthodoxe Schulen sowie eine Anzahl von Synagogen und Gemeindezentren. Auch unzählige namenlose jüdische Rentner verloren ihre gesamte Rente. Viele schämen sich ihrer Leichtgläubigkeit; die meisten sehen sich aber als Opfer. Und sie fragen sich, warum? Onkel Bernie ein schamlos zynischer Nestbeschmutzer? Ein infamer Schwindler? Eine Schande für seine Glaubensbrüder?

Für die, die nicht von dem Skandal betroffen wurden, repräsentiert Madoff das hässliche Gesicht der globalen Finanzkrise. Endlich gibt es einen Schuldigen, den man belangen, den man anprangern kann, und der für sein Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Weiß Gott, es gibt viele an der Wall Street, die Dreck am Stecken haben, die man aber (noch) nicht anbelangt.

Der Skandal hätte für uneigennützige Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind, zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen können, nachdem die globale Finanzkrise in den letzten Monaten schon zu einer dramatischen Abnahme an Spendeneinnahmen geführt hatte. "Der grösste Schaden, den der Madoff Skandal angerichtet hat, ist der Verlust an Glaubwürdigkeit", meint Gary A. Tobin, Präsident des "Institute for Jewish & Community Research". "Mit Glaubwürdigkeit kommt Vertrauen und Stabilität, und jüdische philanthropische Einrichtungen können ohne sie nicht arbeiten."

"In den Augen der ganzen Welt, kann dieser Alptraum nicht gut sein für die Juden", schreibt Thane Rosenbaum in der Jewish Week unter der Überschrift "Die Beschwindelung des Jüdischen Amerika". "Antisemitismus wird wachsen, nicht dass es dafür viel braucht, um es an die Oberfläche zu bringen. Dank Madoff werden jetzt jüdische Stereotypen in alle Welt herausposaunt. Der gierige Jude hat ein Gesicht: Ein Älterer Zion ist endlich aufgetaucht, sein Protokoll ist ein Schneeballsystem, und er wohnt auch noch an der schicken Park Avenue!"

*

 

Ohne Frage hat die Präsidentschaftswahl ganz besonders die jungen Amerikaner zu den Wahlurnen getrieben, die en masse für Obama stimmten. Nicht so bei den amerikanischen Juden: Hier stellen sich die Älteren fast geschlossen hinter Obama, während die Jüngeren (im Gegensatz zu ihren nicht-jüdischen Altersgenossen), eher für McCain stimmten. Wenn dieser Trend so bleibt, wird das Auswirkungen haben auf zukünftige Präsidentschaftswahlen. Werden amerikanische Juden zukünftig eher dahin tendieren, republikanisch-konservativ zu wählen? Sicher ist schon jetzt, dass die Einstellung eines Kandidaten gegenüber Israel nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium bei der Wahl sein wird.

Die Obama Kampagne war nicht nur weitreichend, sondern hat auch die Art und Weise revolutioniert, wie Spendengelder eingenommen werden. Der Grossteil des Geldes, das in Obamas Wahlkassen floss, kam von kleinen Spenden, auch von jüngeren Anhängern, die meist über das Internet gegeben wurde. Jüdische Organisationen können von dieser innovativen Methode viel lernen.

Noch bis vor nicht allzu langer Zeit, erhielten die meisten jüdischen kulturellen Einrichtungen und philanthropischen Hilfsorganisationen den Grossteil ihrer Einnahmen von individuellen Einzelspendern, die regelmäßig kleinere Summen gaben. Heute jedoch gibt es eine handvoll sehr reicher Geldgeber, die Millionen an jüdische Organisationen geben, oder ihnen ihren Nachlass zukommen lassen. Das ist, angesichts des Madoff Skandals, nicht risikofrei, da viele dieser Spender eher von den Schwankungen der Börse abhängig sind, dort viel verlieren könnten und dann umso weniger spenden. Ein plötzlicher Spendenverlust in Millionenhöhe kann für kleine Organisationen fatal sein. Nun werden Stimmen laut, man sollte wieder auf das alte Konzept, individueller, kleinerer Spendengaben zurückkommen, um die Funktionsfähigkeit der Organisationen nicht zu gefährden und langfristig zu sichern.

"Wir haben die Formel ‚80-20 oder 90-10' ? das heißt 80 bis 90 Prozent der Spenden kommen von zehn bis 20 Prozent der Spender ? den individuellen kollektiven, kleineren Spenden vorgezogen", schreibt Gary Wexler in der Jewish Telegraph Agency. "Das hat dazu geführt, dass wir die grosse Masse der Spender als ernstzunehmende Geldgeber für jüdische Belange abgeschrieben haben. Wir müssen, wie Obama in seiner Wahlkampagne, die breite Masse in die finanziellen Planungen der Organisationen einbeziehen, ganz besonders jetzt, wo die Wirtschaft so schlecht ist. Sie sind unsere Zukunft."

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Seit 1970 wird alle zehn Jahre von der Jüdischen Federation eine nationale jüdische Bevölkerungsstudie vorgenommen. Man erinnere sich noch an die bahnbrechende Studie von 1990, wo mit Schrecken festgestellt wurde, dass die Heiratsrate zwischen Juden und Nicht-Juden auf 52 Prozent angestiegen war. Das sei das nahende Ende der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft, wurde befürchtet. Man besann sich wieder auf die kollektiven jüdisch-religiösen Wurzeln und machte den Assimilierungswillen der amerikanischen Juden für die vielen Mischehen verantwortlich. Nach der aufwühlenden Studie kam es zu einer wahren jüdischen Renaissance in den USA.

Zehn Jahre später, im Jahre 2000, las man aus der als kontrovers und ungenau kritisierten Studie, dass die jüdische Bevölkerung auf 5,2 Millionen gesunken sei (die Studie wurde, in den Zeiten des Internet und der Handys, nur per Telefon durchgeführt, was zu einer sehr niedrigen Zahl von Befragten führte). Ausserdem waren die Fragen über die Religionszugehörigkeit in der Studie irreführend, und schlossen alle, die angaben säkular, aber jüdisch zu sein, oder nicht koscher zu essen, aus.

Nächstes Jahr soll von der Jüdischen Federation keine Studie durchgeführt werden, dafür aber von dem "Steinhardt Social Research Institute" (www.brandeis.edu/ssri) der Brandeis Universität in Massachusetts, das auch wichtige Trends innerhalb des amerikanischen Judentums aufzeichnen will, also in die Zukunft blicken will, und nicht nur die Gegenwart beleuchtet. Es wird nicht nur Juden befragen, die nach der Halakha jüdisch sind, sondern auch solche, die sich als Juden fühlen sowie Familien mit christlichen Vätern einbeziehen, in denen die Kinder als Juden erzogen werden (eine Zahl, die auf rund 15 Prozent geschätzt wird, was die jüdische Bevölkerung in den USA auf 7 bis 7,4 Millionen ansteigen lassen würde).

Jetzt also werden sich die amerikanischen Juden, wie auch in Israel schon geschehen, bald ernsthaft fragen müssen "Wer ist ein Jude?"

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Auch das Bild der Juden in Film und Fernsehen hat sich geändert. Aus dem neurotischen, angstvollen, noch stark vom Holocaust eingenommenen und meist unfreiwillig komischen Juden à la Woody Allen der 70er und 80er Jahre, ist jetzt in amerikanischen Fernseh- und Kinofilmen ein selbstbewusster Jude geworden. Noch bis vor ein paar Jahrzehnten gab es jüdische "Macho-Typen", wie die Schauspieler Douglas Fairbanks, James Caan, George Segal oder Harrison Ford, die eher italienische Mafiosi und Western Helden portraitierten, als sich selbst, und von denen man nie so genau wusste, ob sie jüdisch waren oder nicht.

Heute gibt es mehr jüdische Künstler in der amerikanischen Popkultur, in Film und Fernsehen und auf den Theaterbühnen, die Juden portraitieren, als je zuvor; sie spielen zwar immer noch eher komische Rollen, aber sie sind selbstbewusster und assimilierter und lüstern meistens nach der nicht-jüdischen Frau. Jüdische Frauen wiederum, machen heute einen Grossteil der jüdischen Komiker und Stand-Up Künstler aus, sind aber weniger im Film zu sehen. Der jüdische Mann im amerikanischen Film sehnt sich also nach der unerreichbaren Shickse? und die jüdischen Frauen machen sich darüber lustig.

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Ende Januar lud der deutsche Generalkonsul in New York, Dr. Horst Freitag, zu einem Empfang in seiner Residenz ein, um den Deutsch-Amerikanischen Jüdischen Dialog zu würdigen. Unter den rund 100 Gästen waren neben der Tribüne auch Vertreter jüdischer Organisationen eingeladen, unter anderem von der Yeshiva Universität, der Anti-Defamation League, des Leo Baeck Institutes, des American Jewish Committee, des Museum of Jewish Heritage, des Jewish Council of Public Affairs und des Jewish Community Relations Council.

Unter den Gästen befanden sich auch 35 Teilnehmer der 2007 von der Stiftung Neue Synagoge Berlin — Centrum Judaicum initiierten Programms "Germany Close Up", das junge amerikanische Juden und junge Deutsche zusammenbringt. "Germany Close Up" wird vom Bund finanziert und vom "Transatlantic Program" der Bundesregierung unterstützt; es ermöglicht jungen amerikanischen Juden nach Deutschland zu reisen, um dort jüdische Gemeinden, Gedenkstätten, Museen und Universitäten zu besuchen und gleichaltrige nicht-jüdische Jugendliche sowie Politiker zu sprechen und kennen zu lernen. (Siehe auch USA Notizen, März 2008, 1. Quartal).

Dieses Programm ist deshalb so wichtig, weil die Unsicherheit und das Unwissen junger amerikanischer Juden gegenüber Deutschland noch sehr groß sind. Israelis sind den Deutschen gegenüber viel unverkrampfter gegenüber eingestellt, als es die amerikanischen Juden gegenüber Deutschland sind. "'Germany Close Up' bietet eine einzigartige Gelegenheit für junge amerikanische Juden, das moderne Deutschland zu erleben", meint Andi Miles, Direktorin beim Jewish Council for Public Affairs, die schon zweimal mit dem Programm nach Deutschland reiste, das letzte Mal 2008 als Gruppenleiterin. "Jetzt ist es an der Zeit, dass die amerikanischen Juden ihre Einstellung gegenüber Nachkriegsdeutschland überdenken. Als man hörte, dass ich nach Deutschland fahre, war man neugierig; ich habe aber keine negativen Reaktionen gehört, obwohl Einige sagten, sie selbst würden nicht fahren. Die meisten gaben zu, dass sie über das Anwachsen der jüdischen Gemeinden in Deutschland nichts wüssten, oder über Deutschlands enge Beziehung zu Israel."

Die Studentin Hilary Stiss, Enkelin einer Auschwitzüberlebenden aus Trier, hat auch einen sehr positiven Eindruck von Deutschland nach ihrer Reise mit "Germany Close Up". Ihre Großmutter hatte kein Problem mit Hilarys Reise nach Deutschland. "Die Fahrt war mir sehr wichtig", sagt Hilary, "sie hat mir geholfen, meine Vergangenheit zu verstehen. In den amerikanischen Schulen wird über Nachkriegsdeutschland nichts gelernt sondern nur über Nazideutschland. Die Reise hat mich außerordentlich berührt, mehr als ich es je für möglich gehalten hatte. Sie ermöglichte mir, einen Schlussstrich unter meiner Vergangenheit zu ziehen. Heute kann ich Nazideutschland vom modernen Deutschland trennen, und das Land wirklich schätzen lernen."

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Das Deutsche Konsulat in New York hat am 2. Februar ein Abkommen mit dem Leo Baeck Institut in New York unterzeichnet, das dem Institut 270,000 Euro für die digitale Archivierung historischer Dokumente auf Mikrofilm zur Verfügung stellt. Das Leo Baeck Institut ist das grösste Archiv über die Geschichte des deutschsprachigen Judentums, insbesondere der deutschen Juden, mit Sitz in New York und einer Dependance im Jüdischen Museum in Berlin.

Die Geldspende der Bundesrepublik wird es dem 1955 gegründeten Institut ermöglichen, neuerworbene historische Dokumente, wie Fotos, Briefe und andere Manuskripte, schneller zu digitalisieren und zu katalogisieren, und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Institut hat in der letzten Zeit einen enormen Zuwachs an Dokumenten aus den Nachlässen deutsch-jüdischer Holocaustüberlebender verzeichnet, die es zu archivieren gilt.

 

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