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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

Dezember 2003
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Jüdische Präsidentschaftskandidaten?
Bevölkerungsstudie der amerikanischen Juden
Eine Rabinerin kritisiert das Weisse Haus
Die jüdische Bevölkerung in den Südstaaten
Deutsch-amerikanisch-jüdischer Lehreraustausch
Verständigung mit Muslimen
Arnold Schwarzenegger beruft Rabiner in sein Team
Antisemitismus in amerikanischen Universitäten
Sind amerikanische "Kulturjuden" stumm und dumm?
Dürfen Juden über sich selbst lachen?

 


Wesley ClarkEs fing bei Madeleine Albright an. Die frühere amerikanische Staatssekretärin unter Präsident Bill Clinton erfuhr während ihrer Amtszeit, dass ihre Grosseltern im Holocaust umgekommen waren. Jetzt wissen die amerikanischen Wähler, dass auch General Wesley Clark—der sich vor kurzem erst unter die zehn demokratischen Präsidentschaftskandidaten mischte—jüdische Grosseltern hat. Clarks Vater war Jude, und Clarks Grossvater, Jacob Nemerovsky, war ein jüdischer Immigrant aus Minsk.

Clark, der, wie Wolfgang Koydl in der Süddeutschen Zeitung so treffend schrieb, seine Augen eng zusammengekneift "so wie Clint Eastwood das immer tat, wenn er hinausblickte in die hitzeflirrende Wüste, den Poncho fester um die Schultern ziehend", erfuhr erst als junger Mann von seinen jüdischen Wurzeln. Clarks Mutter, die nach dem Tode von Clarks Vater ihren Sohn als Baptisten erzog weil sie ihm Unannehmlichkeiten ersparen wollte, verschwieg, dass sein Vater Jude war.

Jetzt wissen wir also warum Clark seine "flügge gewordene, koscher-style" Wahlkampagne, wie der Forward spöttelte, in stark jüdische Staaten, wie New York, Kalifornien und Florida trage. In einem Interview mit dem Forward behauptete Clark, dass sein jüdischer Hintergrund sogar sein politisches Denken beeinflusse.

Jüdische Wähler, so Clarks Devise, würden von seiner anti-Kriegskampagne besonders angetan sein, da eine Mehrheit der amerikanischen Juden gegen den Krieg mit Irak war. Filmemacher Steven Spielberg hat sich schon mit Clark zum Mittagessen getroffen.

Etwas Besonderes ist der sympathische General deshalb noch lange nicht: Als Al Gore bei der letzten Präsidentschaftswahl vor drei Jahren seinen jüdischen Vizepräsidentschaftskandidaten, Joe Lieberman, vorstellte, war das Erstaunen—und bei vielen die Vorfreude—gross. Doch in diesem Jahr sind vier der zehn demokratischen Kandidaten entweder Juden, mit einer Jüdin verheiratet oder haben jüdische Vorfahren. Die Wähler sind trotzdem gelangweilt vom Wahlkampf. Ob Jude oder nicht ist diesmal nebensächlich und keinen grossen Kommentar wert.

Viele Amerikaner sehen das als einen Beweis, dass die amerikanische Gesellschaft andere Religionen, Kulturen und Minderheiten voll akzeptiere. Für Amerikaner ist wichtig, dass ein Politiker an Gott glaubt, und es ist egal wie er oder sie zu ihm betet.

Dennoch: Die Belange jüdischer Wähler und die Einstellung der Politiker gegenüber Israel geben wichtige Wahlkampfthemen ab. Und da die demokratischen Kandidaten ähnliche politische Meinungen vertreten, messen sie sich an—und zanken sie miteinander um—ihre Verbundenheit mit Israel und darüber wie die US-Aussenpolitik im Nahost Friedensprozess ihrer Ansicht nach auszusehen habe. Sie haben keine andere Wahl, denn 70 Prozent der amerikanischen Juden sind Demokraten.

Peinlich nur, dass ihr republikanischer Kontrahent, George W. Bush, als ganz besonders Israel-freundlich gilt. Seine Verbundenheit mit Ariel Sharons Regierung treibt allen demokratischen Kandidaten den kalten Schweiss auf die Stirn.



*



 

Vor über zehn Jahren veröffentlichte die "United Jewish Communities" (UJC), die Dachorganisation aller amerikanischen jüdischen Organisationen, ihren "National Jewish Population Survey". Daraus ging hervor, dass 52 Prozent der amerikanischen Juden nichtjüdische Partner heiraten. Der damalige Befund schlug wie eine Bombe ein, und seitdem wird heftig diskutiert, Bilanz gezogen und Selbstkritik geübt.

So schlimm ist es aber gar nicht. Ein lang erwarteter revidierter "National Jewish Population Survey 2000-2001" hat jetzt befunden, dass der ersten Studie inkorrekte Daten zugrunde lagen, und es sich daher "nur" um 43 Prozent handele. Man atmet auf.

Doch die neue Studie bot ein nicht weniger besorgniserregendes Bild: Die Zahl der amerikanischen Juden nimmt ab und liegt jetzt bei 5,2 Millionen—300,000 weniger als 1990. Die Gemeinden werden älter, ärmer und säkularer. Und zwei Drittel der Kinder aus gemischten Ehen werden erst gar nicht als Juden erzogen. Amerikanische Juden sind scharf gespalten zwischen denen, die einer Synagoge angehören (unter ihnen bevorzugt die Mehrheit, 39 Prozent, Reformgemeinden), und Juden, die ihr Judentum überhaupt nicht praktizieren. "Wir haben noch viel zu tun", so der trockene Kommentar des Präsidenten der UJC, Stephen H. Hoffman, in einem Interview mit der New York Times.

Jüdische Kommentatoren zweifeln jedoch an der Studie.
J.J. Goldberg, Chefredakteur des Forward, hat die UJC in einem Artikel in der New York Times beschuldigt, sie habe masslos übertrieben und falschen Alarm geschlagen. "Amerikanische Juden verschwinden nicht", versicherte Goldberg und er behauptet, die UJC hätte in ihrer 6 Millionen Dollar Studie die Krise glatt erfunden.

"Das Paradoxe am amerikanischen Judentum", schreibt Saul Singer in der Jerusalem Post, "ist das Zusammentreffen von jüdischer Renaissance auf der einen, und Zersetzung auf der anderen Seite. Diejenigen unter uns, die nach Israel gezogen sind damit unsere Kinder jüdisch bleiben, sehen das mit Besorgnis—aber auch mit Neid".

Wie dem auch sei, es beruhigt ungemein zu wissen, dass die UJC von der 1990 Studie eines gelernt hat: Diesmal wurden die Telefoninterviews nicht am Shabbat abgehalten.



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Präsident George W. Bush bekam von 16 Rabbinern Schelte, die Anfang Oktober zu einem Gespräch über die Nahost Situation und den Krieg gegen den Terror ins Weisse Haus geladen wurden. Doch es blieb nicht bei diesem Thema.

Rabbinerin Amy Schwartzman nämlich verlangte vom Präsidenten eine Erklärung, warum die Zahl der Armen in Amerika drastisch zugenommen habe. "Seit Ihrer Wahl gibt es drei Millionen mehr Arme", argumentierte Rabbinerin Schwartzman.

Die Rebbetzin hat Recht: 12,1 Prozent der Amerikaner leben unter der Armutsgrenze. Besonders jüdische Organisationen, und ganz besonders die Reformbewegung, nehmen sich jetzt diesem Thema an. "Jüdische Tradition verlangt von uns: ‚Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen (Sprüche 31: 8-9)' ", zitiert Mark Pelavin, Associate Director des "Religious Action Center of Reform Judaism". "Der amerikanische Kongress trägt die moralische Verantwortlichkeit [für die Armen]".

Während sich die jüdischen Gemeinden in den letzten Jahren um andere Themen kümmern mussten—Solidarität mit Israel, Kampf gegen den Terror, Assimilation und der Verlust jüdischer Identität—stieg die Zahl der armen Juden fast unbemerkt auf rund 5 Prozent im Durchschnitt an (in New York leben sogar 21 Prozent der Juden in bitterer Armut).
"Die jüdischen Organisationen repräsentieren nicht mehr den Durchschnittsjuden", befand das American Jewish Committee (AJC) unlängst in einer Studie über jüdische Armut. "Zwei Drittel der Mitglieder in den amerikanisch-jüdischen Organisationen, die in leitenden Positionen sind, sind im Gegensatz zu früher überdurchschnittlich wohlhabend und können sich nicht mehr mit dem Durchschnittsjuden identifizieren". "Jüdisches Leben ist teuer", meint Gerald Bubis, Autor der Studie. "Ausser für die Motiviertesten und die Reichsten unter uns". In der Studie heisst es aber auch, dass das durchschnittliche Vermögen amerikanischer Juden rund dreimal so gross ist wie das der Gesamtbevölkerung.



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Leben Juden tatsächlich im sogenannten "Bible Belt" — der christlichsten aller Gegenden des Landes? In den letzten 30 Jahren ziehen immer mehr Juden vom Nordosten der USA in den protestantischen Süden und Westen des Landes, eine Zeitung sprach sogar von einer "dramatischen Migrationswelle".

Das miefige Grossstadtmilieu in New York—Geburtsstadt und Einwanderungshafen der Vorfahren—wird gegen Baumwollfelder in Georgia eingetauscht. 1970 lebten nur 10 Prozent der amerikanischen Juden im Süden des Landes. Heute ist die Zahl auf 23 Prozent angestiegen. Dem "National Jewish Population Survey" zu Folge verlagert sich die jüdische Bevölkerung langsam von Nordosten nach Süden.

Gail Hyman, Vizepräsidentin für Kommunikation der UJC, ist zufrieden: "Es beweist, dass wir uns in allen Teilen des Landes wohlfühlen. Das ist ein gutes Zeichen für amerikanische Juden!"



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Das gespannte Verhältnis amerikanischer Juden zu Deutschland scheint sich zu bessern. Israel und Deutschland haben sich versöhnt, für die Amerikaner dagegen wird Deutschland immer noch fast ausschliesslich mit dem Holocaust in Zusammenhang gebracht. Deutsche Juen, die nach Amerika reisen, werden scharf kritisiert, dass sie im Land der Täter leben, was als eine große Sünde angesehen wird. Und jüdische Organisationen in Amerika haben Deutschland und seine jüdischen Gemeinden bisher bewusst ignoriert.

Diese Zeiten sind vorbei: Die Jewish Week spricht schon von "Vergebung und Veränderung, die in der Luft liegen". Amerikanische Juden hätten in den letzten Jahren das jüdische Leben in Deutschland in bisher nicht dagewesener Weise erforscht. Robert Goldmann von der Anti-Defamation League in New York bremst jedoch die Vorfreude in einem Interview mit der Jewish Week: "Sich gegenseitig zuhören ist nur der Anfang. Beide Seiten müssen jetzt bereit sein, sich zu ändern".

Das American Jewish Committee—die erste amerikanische jüdische Organisation, die eine Zweigstelle in Deutschland eröffnete—hat jetzt mit der Stadt Berlin und der Bundesregierung ein gemeinsames Projekt ausgerufen. "Hands Across the Campus", eine amerikanische Initiative für Verständigung, Demokratie und Toleranz, die schon seit 1981 in 12 amerikanischen Städten in 85 Oberschulen läuft, wird jetzt auch in drei Berliner Schulen eingeführt. Für dieses bilaterale, deutsch-amerikanische Erziehungsprojekt werden Lehrer aus beiden Ländern zusammentreffen.

Die ersten zehn deutschen Lehrer sind bereits im Oktober in den USA eingetroffen.



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Verständigung auch mit Muslimen: Wie der Forward berichtet, ist der American Jewish Congress (AJC) im Gespräch mit amerikanischen Vertretern der islamistischen Partei Pakistans Jamaat-e-Islami und will die Kontakte—trotz heftiger Kritik von beiden Seiten—weiter ausbauen und die Fundamentalisten zum Dialog bewegen.

Die Washington Post berichtet, dass der AJC in einem offenen Brief "allen Muslimen Freundschaft angeboten hat, solange diese Israel anerkennen". Jüdische Vertreter hatten sich mit Pakistans Präsident Musharaf in Washington getroffen, um ihm für seine Bereitschaft, Israel vielleicht bald anzuerkennen, zu danken.

Die Kontakte sind zwar zaghaft—aber ein Anfang.



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Der frisch gewählte Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger (der von den amerikanischen Medien anfänglich "Schwarzenschnitzel", "Arnie" und "der Schauspieler" genannt wurde), hat Rabbiner Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center in Los Angeles in sein Team berufen.

Schwarzeneggers Freundschaft mit Rabbiner Cooper begann vor 19 Jahren, als sich der Schauspieler an das Simon Wiesenthal Center wandte, mit der Bitte, die braune Vergangenheit seines Vaters zu untersuchen. Seitdem ist Schwarzenegger einer der grössten Geldgeber aus Hollywood für das Wiesenthal Center. Und Rabbi Cooper stand Schwarzenegger während dessen Wahlkampfes öffentlich zur Seite, als der Schauspieler angegriffen wurde, er sei ein Verehrer von Hitler.

Schwarzenegger plant jetzt eine Reise nach Israel (wo er schon mehrmals war). Kann es sein, dass dies als eine Geste für die vielen demokratischen jüdischen Wähler in Kalifornien gemeint ist, die in Scharen für den republikanischen "Terminator" gestimmt hatten? Man weiss es nicht. Wie dem auch sei, "der Mann, den ich seit Jahren kenne, ist uneingeschränkt und ohne sich zu schämen, judenfreundlich", versicherte Rabbi Cooper dem Forward.

Das ist schön. Und Schwarzenegger repräsentiert darüber hinaus die Immigranten, die es in Amerika zu etwas gebracht haben.



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In einem Artikel in der israelischen Tageszeitung Ma'ariv, der ins Englische übersetzt auch im Forward erschienen ist, hat der israelische Politiker Natan Scharansky auf ein Phänomen in amerikanischen Universitäten aufmerksam gemacht: Die heftigsten Kritiker Israels sind Juden. Scharansky hatte im September mehrere amerikanische Universitäten besucht und dabei interessante Beobachtungen gemacht.

Die alteingesessenen Vertreter jüdischer Organisationen in Amerika sind zwar ausgesprochen pro-Israel eingestellt—aber nicht mehr für lange, denn junge Juden stehen Israel viel kritischer gegenüber, und sie werden bald das Ruder übernehmen müssen. Das Verhältnis amerikanischer Juden zu Israel könne sich dementsprechend drastisch ändern, gehe man von den anti-israelischen und anti-zionistischen Einstellungen vieler jüdischer Studenten in amerikanischen Universitäten aus.

Scharansky zu Folge, machen jüdische Studenten ungefähr 10-20 Prozent aller Studenten aus. Aber nur ein Bruchteil, Scharansky meint ein Zehntel, engagiere sich in pro-israelischen, pro-zionistischen politischen Organisationen. "Fast 90 Prozent der Studenten", so Scharansky, "sind stumme Juden".

Der Chefredakteur der Jewish Week, Gary Rosenblatt, bestätigte Scharanskys Befund in einem Kommentar. "Die meisten jungen Juden wissen nichts vom Zionismus, sind verwirrt oder kümmern sich nicht um das Thema. Jüdische Studenten tun sich im Gegensatz zu der älteren Generation schwer zwischen dem Standpunkt der Israelis und dem der Palästinenser zu wählen". Man solle deshalb schon in der Schule anfangen, mit den Schülern über Israels Probleme zu sprechen. Darüber hinaus sind viele junge Juden nicht mit den historischen Fakten vertraut. Sie sind zwar emotional mit Israel verbunden, verfügen aber über keine ausreichenden politischen Argumente, mit denen sie der Kritik von Seiten der Palästinenser begegnen könnten.

Aber auch kritische Stimmen wurden laut, die besagten, junge amerikanische Studenten seien politisch engagiert: Scharansky verallgemeinere und habe mit seinen Behauptungen mehr geschadet als geholfen. Es gelte jetzt diejenigen anzuspornen, die sich für Israel einsetzen.



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Stumm und dumm? Werden amerikanische Juden zu faulen "Kulturjuden"?

Je mehr sie sich vom Gemeindeleben entfernen, desto verwässerter werde ihr Judentum, fürchten Vertreter der traditionellen jüdischen Bewegungen. In diesem Sommer wurde in New York das "Center for Cultural Judaism (CCJ)" gegründet, das sich an säkulare Juden wendet.

Kritiker warnen schon vor einer Verdummung des amerikanischen Judentums. Was macht man jedoch mit den 75 Prozent der Jugendlichen, die sich zwar jüdisch fühlen und "irgendwie an Gott glauben" aber trotzdem keiner Gemeinde angehören? Wie kann man sie in das Gemeindeleben einbauen, ohne sie zu vergraulen? Und warum sollte Gott keinen Platz mehr haben in dieser neuen amerikanischen Variante des Judentums? "Wenn Sammy zur Klezmer Musik grooven möchte", meint Rabbiner Avi Shafran, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der Agudath Israel, "dann ist das OK. Wenn Sammy aber glaubt, Klezmer kommt an Stelle der Thora, dann irrt er".

Die jüdische alternative Internet-Zeitung Jewsweek glaubt jedoch, das Kulturjudentum sei nicht mehr zu stoppen. "Kulturjuden—religiös oder nicht—zeigen kein Interesse daran, wieder zu verschwinden".

Nicht nur das: Sie wollen sogar Spass haben.


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Spass oder Antisemitismus? Oder: Dürfen Juden offen über sich selbst lachen?

Eine jüdische Zeitschrift, die zweimal im Jahr unter dem Namen Heeb erscheint, sorgt für Aufregung. Der von jungen und hippen Redakteuren herausgegebene "New Jew Review" sei zu gewagt, meinen Kritiker. Und der Titel: spiele der nicht auf die "Hep! Hep! Rufe" antisemitischer Studenten in Europa Anfang des Jahrhunderts an? Oder ist das nur ein flippiges Kürzel für "Hebrew"?

Egal: Das alternative Magazin mit seinen 20.000 Abonnenten—allesamt "junge urbane Juden", so die New York Times—möchte stubenrein werden, behauptet aber weiterhin von sich: "Wir sind die Kinder, vor denen Euch die Rabbiner gewarnt haben".

Das Magazin, das in einer kleinen Wohnung in Manhattans Lower East Side produziert wird, wird zur Hälfte von der "United Jewish Appeal-Federation of New York" finanziert. Es wirbt mit rauschenden Parties in Chicago, Boston, Los Angeles und New York—bei denen auch Musikgruppen mit Namen wie "Drehende Dreidl" auftreten—und es bietet Kulturabende mit Märchenstunden.

Doch der Name der Zeitschrift "erinnere doch zu sehr an die Hep!Hep! Rufe von damals", meinen Skeptiker, und runzeln die Nase vor Heebs Chuzpe, Tabus anzusprechen und dabei einige Heilige Kühe zu schlachten. Auch dass Heeb zu selbstgefällig und schadenfroh sei, stösst auf Kritik. In der New York Times war gar zu lesen, dass Heeb antizionistisch sei. Doch die Zeitung druckte einige Tage später eine Korrektur, Heeb sei "nur manchmal kritisch gegenüber der israelischen Regierung".

Der Chefredakteur und Herausgeber von Heeb, Joshua Neuman, 31, hat noch viel vor: Er hofft, Heeb werde bald das Sprachrohr der neuen jüdischen Kulturbewegung.

Schon möglich. Das Potential dazu hätte das Magazin, das sich brüstet, das Monopol Gottes anzuzweifeln. Ein Dorn im Auge wird es bleiben, denn, so die Redakteure: "Wir sind das Endprodukt eines schweisstreibenden Boxkampfes zwischen Hip-Hop und Sushi auf der einen, und Klezmer und Kugl auf der anderen Seite. Halleluja".

 

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