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350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

September 2008
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Nervenaufreibende Vorwahlen
Neue Administration, neue Nahostpolitik?

Jüdische Abgeordnete initiieren Iranresolution
Koschere Schlächterei handelt unkoscher
Neue Spionageaffäre?
NAHOS schreibt an Angela Merkel
Die neuen Anschuldigungen der Presbyterian Church
Entfremdung zwischen Israelis und amerikanischen Juden

McCain Obama

Nach Monaten nervenaufreibender Vorwahlen, stehen jetzt die beiden Präsidentschaftskandidaten fest: John McCain, der Republikaner, und Barack Obama, der Demokrat. Der Medienwirbel um die beiden, gepaart mit einer wachsenden Besorgnis um die politische und wirtschaftliche Lage des Landes, hat dazu geführt, dass bei dieser Präsidentschaftswahl der Irakkrieg als das Wahlkampfthema nicht mehr ausschlaggebend sein wird.

Denn die Wähler diskutieren um ihr einstürzendes Kartenhaus zu Hause, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme des Landes, um die Ölpreise, die ungleiche Gesundheitsversorgung und die atomare Bedrohung von Seiten Irans. Man will Veränderung. Man will eine Läuterung von den Bush Jahren. Und für die amerikanischen Juden ist ausserdem die Bedrohung Israels von Seiten des Iran ein wichtiges Wahlkampfthema.

Eine Obama-Manie ("Obamamania") ist ausgebrochen; neben ihm wirkt McCain altmodisch, hölzern — ja alt. Dabei sind die Wahlkampagnen der beiden noch recht zivil gehalten; Hiebe unter der Gürtellinie werden von ihnen (noch) nicht ausgetauscht, doch das besorgen die Medien. Und nicht wenige Wähler, auch unter den Demokraten (und besonders unter Hillary Clintons Anhängern), hegen immer noch Zweifel an Obamas Kompetenz, grübeln, ob er nicht doch Moslem sei; oder gar ein Antisemit?

Und letzteres ist jetzt besonders relevant. Denn die Wähler, die dieses Jahr das Pendel entweder zu Gunsten McCains oder Obamas schwingen lassen und die entscheidenden Stimmen abgeben könnten, werden aller Voraussicht nach ältere Juden in den sogenannten "swing states" sein, also in Florida (dort machen Juden 5 Prozent der Wähler aus), Connecticut, Kalifornien, Nevada, Ohio und Pennsylvania.

Die sonst in einer überwiegenden Mehrheit demokratisch eingestellten amerikanischen Juden, insbesondere die älteren Wähler (und viele enttäuschte Hillary Clinton Anhänger), sind eher kritisch ihrem charismatischen, jungen Präsidentschaftskandidaten gegenüber eingestellt. Man weiß zu wenig über ihn. Man weiß ganz besonders wenig über seine Einstellung zu Israel. Obamas Reise in den Nahen Osten während diese Zeilen geschrieben werden wird vielleicht mehr Einblick über seine Position geben. Nathan Jeffay bemerkte dazu im Forward, dass Obama in Israel nicht die Hände der Israelis, sondern eigentlich die Hände der amerikanischen Juden schüttele. Die Redakteure der Jewish Week gehen noch weiter und hoffen, "dass Obama die Israelreise zum Anlass nehmen werde, um eine Debatte um den Friedensprozess mit McCain anzufachen."

Übrigens steht Deutschland, auch ein Besuchsziel Obamas, an dritter Stelle, nach Frankreich und Tanzania, in der "Obamamania" Welle im Ausland: Ganze 82 Prozent würden dort für ihn wählen. Und die Rede Obamas in Berlin am 24. Juli — die an die Berliner, die Europäer, aber doch auch an seine Landsleute zu Hause gerichtet war — wurde in den USA live übertragen und mit überaus großem Interesse verfolgt und kommentiert.

Die jüdischen Wähler in den USA befürchten, dass Obama den Iran, wenn überhaupt, nur mit Diplomatie bombardieren werde. McCain ist zwar alt, aber ein Kämpfer (der betonte, als Präsident, Hamas' "schlimmster Feind" zu werden). McCain wird darüber hinaus von dem Mann unterstützt, der John Kerrys Vizepräsident werden wollte bei der Wahl 2004, dem orthodoxen Juden Joe Lieberman. Auch das bringt ihm Punkte. Dennoch, 58 Prozent der amerikanischen jüdischen Wähler bevorzugen Obama vor McCain (29 Prozent); wenn auch manche mit knirschenden Zähnen.

Unausgesprochen bleibt, dass Obamas Hautfarbe bei den jüdischen Wählern durchaus eine Rolle spielen wird. Juden und Afroamerikaner kämpften zwar in der Bürgerrechtsbewegung Seite an Seite, doch das Verhältnis ist seitdem merklich abgekühlt und nach den antisemitischen Tiraden von Pastor Jeremiah A. Wright Jr. in Obamas ehemaliger Kirche erst recht frostig.

Nach jüdischer Tradition wird eine Religionszugehörigkeit über Generationen weitergeleitet; dass Obamas Vater Moslem war, so wird räsoniert, macht auch ihn zum Moslem, ob er will oder nicht. "Sein Vater war Moslem, und das ist auch in ihm drin", meinte Frau Chotiner, 51, aus Florida, in der New York Times rigoros. Sie werde trotzdem für ihn wählen, aus Loyalität zur demokratischen Partei. Aber Reservierungen hat sie trotzdem. Andere fürchten gar, Obama werde ein neuer Jimmy Carter (dem vorgeworfen wird, insgeheim nur die Belange der Palästinenser vertreten zu haben). Die Redakteure der Jewish Week beklagen, Carter sei "leichtgläubig, selbstgerecht, naiv und realitätsfern, der mit seinem schlechten Urteil das unterminiere, was er vorantreiben wolle." Das klingt aber so gar nicht nach Obama, dem Brückenbauer.

Ganze 12 Prozent aller Wähler glauben immer noch, Obama sei Moslem — und ein Prozent meint gar, er sei Jude. Wie dem auch sei, zwei drittel der amerikanischen Juden werden für ihn wählen. Die Debatte um Obamas "moslemische Wurzeln" wurde erst so richtig angefacht, als das renommierte Nachrichtenmagazin The New Yorker ein Karikatur auf seinem Titelbild veröffentlichte, das die Vorurteile der Medien und der Wähler gegenüber Obama satirisch bloßstellen wollte, aber dadurch ungewollt eben dieselben Vorurteile verschärfte. Obama und seine Frau wurden als islamistische Fundamentalisten dargestellt, doch aus der Farce als Satire wurde ungewollt eine zynische Karikatur. Das einzig Positive an der Sache war, dass das Thema in der Öffentlichkeit heftig diskutiert wurde. Es wurde bloßgelegt, was unterschwellig brodelte, in einem immer mehr verdummenden Medienklima, wo strahlende Fernsehjournalisten sich partout immer wieder vor laufender Kamera verreden und "Osama" sagen, wenn sie doch Obama meinen. Manchmal hört (und liest) man auch gelegentlich den Ausrutscher "Obama Bin Laden".

Doch die Leser des New Yorker fragten sich insgeheim, ob wohl etwas an diesen Anspielungen dran sei. Die Redakteure der Jewish Week verurteilten das Titelbild des Magazins im Gegensatz dazu als "eine falsche Botschaft" und schrieben: "Die Redakteure sind kläglich gescheitert. Rassismus liegt in diesem Wahlkampf greifbar nahe. Vorurteile, Verzerrung der Wahrheit und falsche Gerüchte, die sonst als lächerlich verurteilt werden, haben sich in die öffentliche Diskussion eingeschlichen. Es ist eine Schande."

"Wenn Euch die Einstellung des Präsidentschaftskandidaten gegenüber Israel wichtig sind, so stellt Obama relevante Fragen", fordert der Kolumnist Thomas L. Friedman in der New York Times. "Was für ein Amerika strebt er an, und wird er als Präsident klug, beharrlich und gerissen genug sein, die erste historische Gelegenheit zu ergreifen, die sich ihm bieten wird, um den Friedensprozess voranzubringen."
Auch der in Washington stationierte israelische Journalist Aharon Barnea meint, es ginge um Wichtigeres als um Hautfarbe und Religion, denn der nächste Präsident könne bald vor einer grossen historischen Aufgabe stehen, nämlich den betroffenen Seiten im Konflikt rigoros die Details eines Friedensprozesses im Nahen Osten auferlegen zu müssen, bevor dort ein Vernichtungskrieg ausbreche.

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Ein neuer Präsident im Weissen Haus könnte die amerikanischen Juden mit einer veränderten US-Außenpolitik gegenüber Israel konfrontieren. Was nicht unbedingt negativ sein muss. Ein neuer Präsident wird die Chance haben, die Israelpolitik der USA zu überdenken. Und auch die Position der amerikanischen Juden Israels gegenüber würde sich dann angleichen. So werden verstärkt Stimmen laut, die USA sollten nicht nur auf die existentiellen Bedrohungen Israels von außen, sondern auch auf Bedrohungen von innen, von Seiten der Israelis reagieren. Die Stimmung für ein kritisches Auseinandersetzen mit Israel ist jetzt in den USA ideal, weil die Amerikaner extrem Israel freundlich sind — 76 Prozent der Amerikaner sehen in Israel einen lebenswichtigen Partner Amerikas, und 84 Prozent befürworten eine Zwei-Staatenlösung im Nahen Osten mit sicheren Grenzen für Israel. Und Freunde dürfen sich kritisieren.

Was Israel also brauche sei nicht mehr ein amerikanischer Präsident, der Israel blind unterstütze im Kampfe gegen den Iran und den islamistischen Fundamentalismus und im Nahostfriedensprozess, sondern der auch Spannungen innerhalb Israels — wie zum Beispiel den Bau neuer Siedlungen in der West Bank — anprangere. Die Mehrheit der amerikanischen Juden befürwortet eine Landrückgabe in der West Bank und dem Golan an die Palästinenser, nicht aber eine Teilung Jerusalems.

Diese offene Einmischung in Israels innere Angelegenheiten von Seiten der USA würde die jüdischen Organisationen — und die Israelis! — zuerst einmal zusammenfahren lassen, könnte aber auf lange Sicht hin die Spannungen im Nahen Osten entschärfen. Obama, mit seiner Eloquenz, seiner direkten Art und der Fähigkeit, beide Seiten im Konflikt zu respektieren, könne diese Rolle vielleicht besser erfüllen als der stoische McCain. Trotz alledem, kein demokratischer Präsidentschaftskandidat in den letzten 20 Jahren hatte so kurz vor der Präsidentschaftswahl einen niedrigeren Stimmenanteil der amerikanischen Juden gewonnen, als Obama bis heute. Viel kann sich aber noch ändern vor den Wahlen im November. Eine neue Israelpolitik werde aber erst möglich sein, so schreibt Jeffrey Goldberg in der New York Times, "wenn [das American Israel Public Affairs Commitee] AIPAC und die Führung der amerikanischen jüdischen Organisationen [dieser Politik] keine Steine in den Weg legen."

"Moderate amerikanische Juden müssen endlich ihre Stimme finden gegenüber Israel", schreibt Jeremy Ben-Ami, Direktor des im April gegründeten linken politischen Komitees JStreetPAC im Forward. Sie sollten endlich zu einer intensiveren, mutigeren Israelpolitik finden. Pro-Israel sein sollte nicht nur heißen, sich kritiklos hinter Israel einzureihen. "Wir müssen im politischen Diskurs wieder realitätsnah werden, und wir kommen dabei an der Zwei-Staatenlösung mit sicheren Grenzen nicht vorbei." Ben-Ami fordert, man müsse sich loslösen von rechts-orientierten, neokonservativen politischen jüdischen Kreisen, die nicht mehr die sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Belange der grundsätzlich liberal eingestellten amerikanischen Juden vertreten. "Lasst uns mit den üblichen oberflächlichen Slogans in den politischen Debatten aufhören."

Ben-Ami amtierte in der Clinton Administration als innenpolitischer Berater. JStreet sieht sich als eine neue "Pro-Israel Lobby", also als eine linke Alternative zu AIPAC, die bislang die einzige politische Stimme der amerikanischen Juden in Sachen Israel in Washington war. JStreet setzt sich dafür ein, dass fundierte, offene Kritik an Israel nicht kategorisch als anti-israelisches Geschwafel vom Tisch gewischt werden darf.

Diese schwellende innerliche Loslösung und politische Abnabelung geht soweit, dass Synagogen immer häufiger das bisher überall praktizierte "Israel Gebet" im Gottesdienst ändern, da es nicht mehr die politische Anlehnung der Gemeinden widerspiegele. Das Gebet wurde vor 60 Jahren vom Rabbinat in Israel eingeführt und wird seitdem in fast allen Synagogen in Amerika rezitiert. Der Grundgedanke ist, dass ein fast messianisches Israel über seine Feinde siegen wird, und alle Juden in der Diaspora in der Zukunft in Israel leben werden. Orthodoxe Gemeinden hatte das Gebet schon von jeher gestört, weil es den Staat Israel mit Gottes Erlösung gleichsetzt. Links-liberale Gemeinden, sowie viele konservative und reformorientierte Synagogen, stoßen sich dagegen zunehmend am militanten Ton.

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Jüdische Politiker im Senat haben aus der Zeit vor dem Irakkrieg 2003 Konsequenzen gezogen, als ihnen in der Öffentlichkeit vorgeworfen wurde, sie hätten die Kriegsvorbereitungen gegen den Irak all zu eifrig unterstützt. Sie scheuen sich jetzt, eine im Mai im Kongress vorgestellte Resolution zu unterschreiben, die eine aggressivere Politik sowie Sanktionen gegenüber dem Iran ansteuert. Zwei Demokraten, Robert Wexler aus Florida und Barney Frank aus Massachusetts, haben erklärt, dass sie der Resolution nicht zustimmen werden, Und sie werden dabei von mehreren prominenten jüdischen Politikern und Aktivisten unterstützt. Für eine grosse Anzahl jüdischer Wähler jedoch ist die Bedrohung von Seiten Irans eines der wichtigsten Wahlkampfthemen und die Herausforderung, die auf den nächsten Präsidenten zukommen wird.

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Im Mai wurden bei einer Fahndung in der grössten koscheren Schlächterei des Landes, Agriprocessor Inc. in Iowa, 389 illegale Arbeiter entdeckt. Doch man entdeckte noch mehr: Die Arbeiter wurden bei ihrer Arbeit unmenschlichen und Menschen entwürdigenden Bedingungen ausgesetzt (die Rabbiner, die in der Schlächterei angestellt sind, stehen nicht unter Verdacht).

Die jüdische Gemeinschaft debattiert jetzt, was es heißt, koscher zu sein — gehe es beim Koscherzertifikat nur um das Ritual oder auch um Ethik. Die Konservative Bewegung hat 2.000 Unterschriften gesammelt und dazu aufgerufen, die Produkte der Schlächterei zu boykottieren. "Wir Juden sollten bei dem Erhalt des Koscherzertifikates nicht nur auf die Lunge der Kuh Rücksicht nehmen, sondern auch auf die Hände des Arbeiters", meint Rabbiner Morris Allen, Gründer einer Arbeiterwohlfahrtsbewegung in der koscheren Industrie. Ein neues Koscherzertifikat, "Heksher Tzedek" (ungefähr mit "Gerechtigkeitszertifikat" übersetzbar), das neben dem rituellen Zertifikat auch auf Produkte hinweisen soll, die unter den besten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, wird jetzt angestrebt.

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Ein 84-jähriger Mann aus New Jersey wurde im April unter dem Verdacht festgenommen, vor Jahrzehnten für Israel spioniert zu haben. Der Mechaniker Ben-Ami Kadish, der damals in der US-Armee arbeitete, wird beschuldigt, von 1979 bis 1985 — also noch vor der Spionageaffäre um Jonathan Pollard — klassifizierte Unterlagen, unter anderem auch atomare Geheimnisse, die er in der Armeebibliothek ausgeliehen hatte, an einen Mitarbeiter des israelischen Konsulates in New York weitergeleitet zu haben; dieser machte Kopien der Dokumente und brachte sie nach Israel.

"Warum jetzt?" fragten die Redakteure in der Jewish Week erstaunt. Und der ehemalige israelische Botschafter in Washington, Zalman Shoval, meinte in der gleichen Zeitung, dass das "wohl keine grosse Angelegenheit" sei, obwohl die Sache "sehr unklar" ist. Man spekuliert, dass die Verhaftung vielleicht mit der andauernden AIPAC Spionageaffäre zu tun habe, um Israel zu diskreditieren, oder um von einem bevorstehenden Begnadigungsgesuch Pollards abzulenken.

Nachbarn der Kadishs bedauern die Anschuldigungen sehr: "Das sind so nette Leute. Alle haben sie hier gern." Und der Forward verfasste einen beißenden Kommentar: "Die Amerikaner schlafen jetzt sicherer in ihren Betten, nachdem ein 84-jähriger in einem waghalsigen Coup auf ein Altenheim in New Jersey verhaftet wurde. Das klingt wie eine jiddische Komödie."


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NAHOS, die Nationale Organisation Jüdischer Holocaustüberlebender, hat im Dezember einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt, mit der Bitte, sich für alte Holocaustüberlebende einzusetzen, denn viele leben in bitterer Armut. Die Organisation hat vorgeschlagen, dass die Kanzlerin persönlich einen Sonderbeauftragten im Bundeskanzleramt ernennen sollte, der, oder die, sich um die Belange verarmter Überlebende kümmert; ausserdem schlug NAHOS vor, es solle ein Fonds eingerichtet werden, der unabhängig von den Reparationen, (die nicht immer die Notleidenden erreichen), den verarmten Opfern direkt zur Verfügung gestellt werden könne. Aus diesem Fonds könnte man die Gesundheitsunkosten decken, die viele Überlebende alleine nicht mehr tragen können. Laut NAHOS leben in den USA rund 80,000 Holocaustüberlebende in Armut; und es sind noch viel mehr in Israel.

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Die Organisation "Children of Jewish Holocaust Survivors" in Los Angeles hat im Juli öffentlich gegen eine kürzlich verabschiedete Resolution der "Presbyterian Church USA" (2,3 Millionen Mitglieder in über 10,000 Gemeinden) protestiert. Die Kirche hatte amerikanische Christen heftig kritisiert, die Israel unterstützen. In der Resolution der Presbyterian Church wird das Recht der Palästinenser auf Rückkehr nach Israel und eine Teilung Jerusalems gefordert. Die Kirche ruft darüber hinaus zu einem Boykott gegen Israel auf. Seit 2000 wird der Presbyterian Church vorgeworfen, sich gegen Israel zu stellen und es allein für die Versäumnisse im Nahostfriedensprozess verantwortlich zu machen.

Die Anti-Defamation League erklärte dazu, man müsse die Presbyterian Church "mehr aufklären", und das American Jewish Committee hofft, dass die Kirche wieder unparteilich werde in ihren Aussagen über den Nahostkonflikt. Das letzte Wort in diesem viele Jahre andauernden Streit ist leider noch nicht gesprochen.

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Und zum Abschluss ein Beispiel, wie sich die zunehmende religiöse Entfremdung zwischen den amerikanischen Juden und den Israelis auf die Einwanderung nach Israel auswirken kann. Das Wochenendmagazin der New York Times berichtete von einer zunehmenden Anzahl junger amerikanischen Juden, die nach ihrer Einwanderung in Israel feststellen müssen, dass sie dort nicht ohne weiteres — nach dem dort geltenden streng orthodoxem Gesetz — heiraten dürfen. Reformorientierte Juden, oder solche, die mit Hilfe von Reformrabbinern zum Judentum übergetreten sind (oder deren Mütter), haben es manchmal schwer, ihr Judentum vor dem orthodoxen Rabbinat in Israel "zu beweisen". Als ein solcher Beweis gilt die Heiratsurkunde der Eltern, eine Übertretungsurkunde oder ein Brief von einem orthodoxen Rabbiner in Amerika, der die Familie kennt. Und wer die Verhältnisse in den USA kennt weiß, dass das nicht immer so leicht ist. Manche Einwanderer aus den USA werden aufgefordert, komplizierte und zeitraubende Forschungen in ihrem Stammbaum anzustellen, in alten Akten zu kramen und vergilbte Photos und Geburts- und Sterbeurkunden oder Mitgliedskarten in Synagogen herauszusuchen, auf denen eindeutig erkennbar ist, dass ihre Vorfahren Juden waren. Und auch das reicht manchmal nicht immer.

Warum also, so fragen sich viele junge amerikanischen Juden, nach Israel auswandern, wenn man dort Frage und Antwort stehen muss und die religiöse Orientierung, in der man aufgewachsen ist, nicht anerkannt wird? Zu viele junge Amerikaner müssen sich in Israel vom Rabbinat "einer groben, beleidigende Behandlung" aussetzen, schreibt die New York Times. Kein Wunder also, dass sich immer mehr junge amerikanische Juden von Israel — als Einwanderungsland — abwenden.

 

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