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USA Notizen

 

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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA

 

TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

play movieDer deutschsprachige Sender BR-Alpha (eine Initiative des Bayerischen Rundfunks mit dem Ersten Deutschen Fernsehen ARD und ORF aus Wien) hat am 25.3.2008 einen Dokumentarfilm über das Verhältnis von Juden in der Diaspora (Europa, USA) zu Israel ausgestrahlt.

In dem Film "Kult[o]ur International - Judentum Heute" können Sie auch meine Darbringungen zum Verhältnis der amerikanischen Juden zu Israel und zu ihrer jüdischen Identität sehen. Zum Abspielen, benutzen Sie bitte Internet Explorer.

 

März 2008
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Annapolis Friedenskonferenz ein weiter Traum
Wahlkampffieber im Gebetschal
"Germany Close Up" — Amerika trifft Deutschland
Versicherungsgelderdebatte geht weiter
Hilfsorganisationen ringen um Spendengelder
Neue, junge Gemeinden bieten Abwechslung
Jüdisches Museum in Philadelphia geplant


Annapolis Conference for Mideast Peace

 

 

Die im November 2007 von der Bush Regierung einberufene Friedenskonferenz in Annapolis, Maryland, zwischen Israel und den Palästinensern sowie anderen arabischen Vertretern wurde hier mit Skepsis und Distanz aufgenommen und ging im stürmischen Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten, der im Januar seinen Anfang nahm, unter. Bush befindet sich in den letzten Monaten seiner Amtsperiode, und man fragt sich, ob er in dieser kurzen Zeit noch irgendetwas Grundsätzliches für die Israelis und Palästinenser erreichen kann. Und man wundert sich, warum der von den amerikanischen Juden als so Israel-freundliche gepriesene Präsident, fast sieben Jahre verstreichen ließ, bis er Israel zum ersten Mal besuchte, um sich vor Ort über die Verhältnisse im Nahen Osten zu informieren und sich für den israelisch-palästinensischen Friedensprozess einzusetzen.

Dennoch, diese Konferenz "war weit weniger katastrophal als die schärfsten Kritiker es angenommen hatten", schrieb der Forward in seinem Kommentar. "In einem Punkt war die Konferenz sogar historisch: Noch nie gab es eine diplomatische Initiative der Israelis, die von den amerikanischen Juden so scharf angegriffen wurde. Etwas hat sich in der Bedeutung des Zionismus geändert: Ging es früher noch um Solidarität mit Israel, so geht es heute weniger um die Menschen als um erhitzte theologische Debatten."

Amerikanische Juden stehen der Aussicht eines Nahostfriedens immer skeptischer gegenüber und scheuen, einschneidende Kompromisse mit den Palästinensern einzugehen. Die Stimmung ist schlecht; eine Umfrage des American Jewish Committee hat ergeben, dass sich 58 Prozent der Befragten gegen eine Teilung Jerusalems aussprechen. Und 55 Prozent bezweifeln, dass die Gespräche zwischen Ehud Olmert und Mahmoud Abbas "in der vorhersehbaren Zukunft" zu einem Ergebnis führen können. Auch die Zahl der amerikanischen Juden, die einem Palästinenserstaat zustimmen, nimmt stetig ab und liegt heute bei 46 Prozent (im Vergleich dazu lag die Zahl 2005, vor dem Wahlsieg der Hamas im Gazastreifen, noch bei 56 Prozent.)

Darüber hinaus hat eine erhitzte Debatte begonnen, welche Rolle die amerikanischen jüdischen Organisationen in der neuen Friedensinitiative, wenn überhaupt, spielen sollen, und ob sie Ehud Olmert aktiv zu unterstützen haben oder nicht. Zwei Lager — orthodoxe und konservative Mitglieder des American Israel Political Action Committee (AIPAC) und einige Gruppierungen innerhalb der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations (die sich aus 51 jüdischen Organisationen zusammensetzt), unter ihnen die Orthodox Union — üben offene Kritik an Olmert und fordern ihn auf, keine Kompromisse um Jerusalem einzugehen und plädieren dafür, den Palästinensern keine zusätzliche finanzielle Hilfe von Seiten der U.S. Regierung zukommen zu lassen.

Andere Gruppen halten sich mit ihrer Kritik zurück, nach der Divise, dass sich die Juden in der Diaspora hinter den demokratisch gewählten Premiers Israel zu stellen haben, in guten wie in schlechten Zeiten, selbst dann, wenn sich seine Politik mit ihren Überzeugungen nicht decke. "Wir befürchten, dass die Kluft zwischen amerikanischen Juden und Israelis mit der Zeit wachsen wird", meint David Harris vom American Jewish Committee. "Von engsten Brüdern entwickeln wir uns langsam aber sicher zu entfernten Verwandten."

*

 

Das Land ist wie gesagt im Wahlfieber. Noch nie war ein Wahlkampf, bevor die Kandidaten beider Parteien in der Vorwahl überhaupt gewählt wurden, so spannend wie heute. Die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und der Republikaner sowie die wirtschaftliche Krise im Land und natürlich die Situation im Irak beherrschen die öffentliche Debatte. Politik ist in, und selbst junge Amerikaner, die bisher apolitisch ihren Vergnügungen und Zerstreuungen nachhingen, reden Politik.

Die demokratischen Kandidaten, Barack Obama und Hillary Clinton, buhlen um die Wählerstimmen der amerikanischen Juden, die ja in einer überwältigen Mehrheit (58 Prozent) demokratisch wählen. Beim Schreiben dieser Zeilen bevorzugte eine Mehrheit von ihnen Hillary Clinton (53 Prozent) gegenüber Barack Obama (38 Prozent). Alles das kann sich aber noch ändern.

Beide Kandidaten lenken ihr Augenmerk jetzt auf die jüngeren amerikanischen jüdischen Wähler. Hillary Clinton gründete zu diesem Zweck "Chai for Hillary", ein Netzwerk junger Juden. Barack Obama hat in der allgemeinen Bevölkerung einen enormen Zulauf von jungen Wählern in allen Staaten verzeichnet. Und auch er sucht jetzt immer öfter den Dialog mit den jüdischen Wählern. Trotz allem, Obama hat es bei ihnen noch schwerer, insbesondere nachdem eine E-Mail Schmierkampagne, die unter jüdischen Vertretern zirkulierte und deren Ursprung noch nicht geklärt ist, behauptete, Obama wäre ein Muslim und Mitglied einer antisemitischen Kirchengemeinde in Chicago, Anschuldigungen, die er in einem Gespräch mit jüdischen Vertretern und Journalisten kategorisch verneinte.

Eine Bandbreite jüdischer Organisationen (die United Jewish Communities, die Orthodox Union, das American Jewish Committee, Vertreter der Reformbewegung, die Anti-Defamation League, der American Jewish Congress, der National Council of Jewish Women, der Jewish Council of Public Affairs und das Simon Wiesenthal Center) stellten sich hinter Obama und protestierten im Januar in einem offenen Brief gegen die anonymen Diffamierungen gegen ihn. Dieser Schritt ist ungewöhnlich, da sich Vertreter jüdischer Organisationen in Wahlkampagnen ungern öffentlich für den einen oder anderen Kandidaten einsetzen. Auch sieben jüdische Kongressmitglieder verfassten eine Woche später einen Protestbrief, in dem es hieß, dass Juden, "die in der Geschichte immer wieder Opfer von Schmierkampagnen wurden, die Ersten sein sollten, die sich öffentlich dagegen aussprechen."

Kritiker Obamas befürchten aber, dass ein Präsident Obama nicht automatisch auch Israel-freundliche Politik betreiben müsse. Dazu kenne man ihn zu wenig, und da er auch Kritikern Israels sein Gehör schenken würde, so wie er in allen Aspekten immer beide Seiten zu verstehen versucht, sei man sich noch nicht sicher, was seine Wahl zum Präsidenten für Israel bedeuten könne.

Mehr dazu:

Barack Obama spricht zu Vertretern jüdischer Medien (podcast).


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Das deutsche Generalkonsulat hat bei einem Treffen im Hause des Generalkonsuls Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth in New York mit Vertretern der jüdischen Gemeinden und Journalisten, unter anderem auch der Tribüne, ein im Oktober 2007 von der Stiftung Neue Synagoge Berlin — Centrum Judaicum initiiertes Programm vorgestellt, das junge amerikanische Juden und junge Deutsche zusammenbringt. "Germany Close Up" wird vom Bund finanziert und vom "Transatlantic Program" der Bundesregierung unterstützt; es ermöglicht jungen amerikanischen Juden nach Deutschland zu reisen, um dort die jüdischen Gemeinden, Gedenkstätten, Museen und Universitäten zu besuchen und gleichaltrige nicht-jüdische Jugendliche sowie Politiker zu sprechen und kennen zu lernen. Die ersten zwei Gruppen waren jetzt im Dezember zu diesem interkulturellen, interpolitischen und interreligiösen Dialog in Berlin zu Gast.

Junge amerikanische Juden und junge Deutsche, obwohl in vieler Hinsicht Welten auseinander, bauen ihre kollektive Erinnerung auf ein und dieselbe Vergangenheit auf. Aber ein Dialog zwischen amerikanischen Juden und Deutschen, ist — ganz im Gegensatz zum lebendigen politischen und kulturellen Austausch, der zwischen Deutschen und Israelis schon lange herrscht — eher schleppend und zögernd. Amerikanische Juden definieren sich über den Holocaust, und sie haben Hemmungen, das moderne Deutschland kennen zu lernen. Einige der 19 Mitglieder der ersten Gruppe von "Germany Close Up", die jetzt nach Berlin reiste, stießen bei ihren Freunden und Familienmitgliedern zuerst auf Unverständnis. "Man hat mich hier angeguckt, als wäre ich verrückt, nach Deutschland zu reisen", erinnert sich Lori Katz. "Und die jungen Deutschen, die ich in Berlin traf, gaben zu, nie einen Juden getroffen zu haben. Die meisten wussten von Juden nur aus dem Kontext Zweiter Weltkrieg und Gedenkstätten. Leider haben wir keine jungen deutschen Juden getroffen. Ich hätte sie gerne gefragt, wie es ist, heute in Berlin zu leben."

Asaf Romirowsky von der Jewish Federation in Philadelphia und Mitglied beim Middle East Forum, war nicht zum ersten Mal in Deutschland, aber jetzt mit "Germany Close Up" zum ersten Mal nur in Berlin. "Für Deutsche ist es schwierig, ein guter Deutscher zu sein und sich gleichzeitig mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, aus Angst, was man herausfinden könnte über seine eigene Familie. Ein Schwerpunkt des Besuches war Antisemitismus damals — und heute. Es war keine leichte Reise. Berlin ist in vieler Hinsicht unverändert, im Gegensatz zu Osteuropa. Es war unheimlich zu wissen, dass das Holocaust Mahnmal auf dem Gelände des Hitler Bunkers steht. Wir alle — Deutsche und Amerikaner — tragen eine Last. Doch es war wichtig, als amerikanischer Jude in Berlin zu sein."

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Geht es um die Auszahlung von Versicherungsgeldern an Holocaustüberlebende und deren Angehörige, so ist noch lange nicht das letzte Wort gesprochen worden. Zehn Jahre nach Beginn der Entschädigungsverhandlungen, wurde letztes Jahr eine Einigung mit 20 europäischen Versicherungsgesellschaften erzielt, die weitere Klagen verhindern sollte. Und mit der italienischen Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali [Siehe USA Notizen, 2. Quartal 2007] wurde darüber hinaus ausgehandelt, Überlebenden noch etwas mehr Zeit zu gewähren, ihren Antrag einzusenden. Dieser Termin wurde dann per Richtersprung nochmals verlängert, um Angehörigen zu ermöglichen, Dokumente aus dem Archiv Bad Arolsen einzureichen, die erst jetzt der Öffentlichkeit zugänglich sind und Aufschluss über weitere, bisher unbekannte Versicherungspolicen von Angehörigen geben können.

Im Januar 2008 urteilte dann Richter George B. Daniels vom Federal Court in Manhattan, dass diese mit den 20 Versicherungsgesellschaften erzielte Einigung weitere Klagen zwar unterbinde, es aber ermögliche, noch $50 Millionen an Überlebende auszuzahlen, die bisher leer ausgegangen waren ($35 Millionen wurden schon ausgezahlt). Diese Einigung, so Daniels, wäre fair. Seiner Meinung nach wäre es jetzt unverantwortlich, die Auszahlung der Gelder noch weiter herauszuzögern, um für mehr Entschädigungsauszahlungen zu kämpfen, so wie es einige Überlebende in einer Berufung gefordert hatten.

Diese Kläger finden, da zu viele Überlebende gar keine Entschädigung erhalten hätten oder nur sehr wenig, ihnen der juristische Weg offen bleiben sollte. Sie kritisieren vehement, keine weiteren Klagen einreichen zu können und hoffen, dass ein Gesetzesvorschlag — der so genannte Holocaust Insurance Accountability Act 2007 (HR 1746), der jetzt vom Kongress untersucht wird — weitere Klagen gegen die Versicherungsgesellschaften ermöglicht. Das Gesetz würde darüber hinaus die Versicherungen auffordern, sämtliche Namen von Juden zu veröffentlichen, die 1933-1945 im Besitz einer Versicherungspolice waren. Man schätzt, dass Überlebenden und deren Angehörigen noch bis zu $200 Milliarden geschuldet werden. Bisher erhielten nur 5 Prozent von ihnen eine Teil-Auszahlung ihrer Policen.

Viele jüdische Vertreter und Organisationen sind also für eine Ausweitung der Zahlungen und drängen auf weitere Klagen. Aber nicht alle. Die Claims Conference und das American Gathering of Jewish Holocaust Survivors and Their Descendants sind gegen den Gesetzesentwurf HR 1746, weil er konträr zu der Einigung stehe, die mit den 20 europäischen Versicherungsgruppen beschlossen wurde. Mehr noch, es könnte dem Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Überlebenden schaden und zukünftige Verhandlungen unmöglich machen, "weil wir nicht unser Wort gehalten haben", so der Vorsitzende der Claims Conference, Julius Berman. Das letzte Wort ist aber längst noch nicht gesprochen.

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Die prekäre wirtschaftliche Lage und die finanzielle Ungewissheit in Amerika schaden vielen jüdischen Hilfsorganisationen, die auf Spenden angewiesen sind. Besonders die kleineren unter ihnen werden es in der nächsten Zeit schwer haben; einige werden sogar schließen müssen. Besonders innovative kulturelle Stiftungen, die auf jährliche Spendenaufrufe angewiesen sind und noch nicht auf ein festes Budget bauen können, sind betroffen. Viele unabhängige private Stiftungen und öffentliche Hilfsorganisationen werden ihre Budgets dieses Jahr um die Hälfte kürzen müssen.

Nur grosse, alteingesessene philanthropische Organisationen haben es da besser: Insgesamt verfügen sie über $13 Milliarden an Geldern. Aber auch sie werden auf lange Sicht hin sparen müssen.

Das American Jewish Joint Distribution Committee, zum Beispiel, die grösste internationale jüdische Hilfsorganisation, hat ein $9 Millionen Budgetdefizit für 2008 angekündigt, da es trotzt sinkender Spendeneinnahmen ihre Hilfsprogramme für ältere russische Juden und äthiopische Juden in Israel nicht kürzen will.

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Immer mehr junge, unverheiratete amerikanische Juden, besonders Frauen, gründen kleine, unkonventionelle, unabhängige Synagogen, die von den meist 20-30jährigen Mitgliedern selbst, oder von rabbinischen Studenten, geleitet werden. Nur 24 Prozent der Betgemeinden haben einen ordinierten Rabbiner oder Rabbinerin. Viele Gruppen gehören keiner spezifischen religiösen Konfession an (also Orthodox, Reform oder Konservativ), was sie von den etablierten Gemeinden unterscheidet, doch ihre Mitglieder sind sehr aktiv. Die meisten dieser alternativen Gemeinden entstehen in New York und Los Angeles.

Seit 1997 sind mehr als 80 solcher religiösen, spirituellen jüdischen Gruppierungen in Amerika aufgebaut worden, und die Zahl nimmt zu; viele Betgemeinschaften haben keinen festen Standort und finden im privaten Bereich statt. Junge Juden finden neue Wege, jüdisch zu sein, um jüdische und nicht-jüdische Partner und ihre Kinder zu integrieren, ohne dabei deren jüdische Identität zu hinterfragen.

Diese Gemeinden haben eine besondere Relevanz heute, weil 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen, deren Eltern aus gemischten jüdisch und nicht-jüdischen Familien kommen, sich nicht mehr mit dem Judentum identifizieren. Die jüdischen Gemeinden der Zukunft, so der Wunsch, könnten sie wieder auffangen und in eine jüdische Gemeinschaft einbeziehen. Viele dieser Gemeinden identifizieren sich weniger mit dem Holocaust und mit Israel als Grundpfeiler für ihre jüdische Identität, sondern mehr mit dem modernen Antisemitismus und dem Erbe der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre, den Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung.

Mehr dazu:

Emerging Jewish Communities and Their Participants (pdf in Englisch)

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In Philadelphia, wo 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde, ist ein neuer Bau für das bisherige jüdische Museum geplant, das das Erbe der Einwanderer in den Vereinigten Staaten allgemein symbolisieren soll. Das National Museum of American Jewish History (www.nmajh.org), dessen Baukosten $170 Millionen betragen werden, soll am 4. Juli 2010, also am Unabhängigkeitstag Amerikas, eingeweiht werden.

Das Museum befasst sich mit der Geschichte der jüdischen Einwanderung ab 1654, als 23 Juden aus Brasilien in der Neuen Welt Anker ließen. Das Museum soll exemplarisch sein für andere ethnische Einwanderungsgruppen, so die Direktorin Gwen Goodman. "Wir erzählen was passiert, wenn eine ethnische Minderheit in Amerika ankommt, wie sie sich ein zu Hause aufbaut und sich willkommen fühlt." Es geht also auch um Assimilation und Identität. Kritiker jedoch sprechen sich dagegen aus, die jüdische Einwanderung nach Amerika mit anderen Einwanderungsgruppen gleichzusetzen, denn "die jüdische Einwanderung war einzigartig", so Rabbiner Craig Axler aus Philadelphia.

Das Museum wird 24.000 Ausstellungsstücke umfassen — Bücher, Silber, religiöse Gegenstände, Kleidung, Briefe, Zeichnungen, Drucke, Gemälde und Fotografien von der Kolonialzeit bis heute — die zum grössten Teil gespendet wurden. "Es geht nicht darum, zu glorifizieren, was Juden für Amerika getan haben", so Goodman in einem Interview mit der New York Times. "Es geht darum, was Amerika für Juden getan hat und was amerikanischen Juden für Amerika geleistet haben. Denn hier in Philadelphia hat alles seinen Anfang genommen."

 

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