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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

Dezember 2007
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Ahmadinejad in New York
WJC wird wieder in Osteuropa aktiv
Claims Conference ändert Entschädigungsformel
Jüdische philanthropische Organisationen im Wandel
Erweiterte Abhörbefugnisse beunruhigen jüdische Politiker
Amerikanische Juden im Wandel: Jahresrückblick


Ahmadinejad in New York - Daily News frontpage
Der iranische Präsident wurde im September mit mehreren Demonstrationen und lautstarken Protesten, auch von Vertretern jüdischer Organisationen, in New York empfangen. Mahmoud Ahmadinejad war zur UN Generalversammlung angereist und daneben auch zu einer Podiumsdiskussion in der Columbia Universität eingeladen worden, wo er unter lauten Protesten der Studenten seine Rede halten konnte, nachdem ihn der Präsident der Universität, Lee Bollinger, bei seiner Einführungsrede mit den Worten beleidigte: "Um es einmal klar auszudrücken, Mr. Präsident: Sie haben alle Anzeichen eines belanglosen, grausamen Diktators."

Schon im letzten Jahr sollte Ahmadinejad vor Studenten der Columbia Universität reden, wurde aber nach heftigen Protesten wieder ausgeladen. Dieses Jahr wurden Stimmen laut, dass Ahmadinejad erlaubt werden sollte, zu sprechen, im Namen der amerikanischen Meinungsfreiheit, die es im Iran natürlich so nicht gebe. Dem Wunsche Ahmadinejads jedoch, den Ort der eingestürzten Twin Towers zu besuchen und einen Kranz abzulegen, wurde nicht stattgegeben, nachdem die Conference of Major American Jewish Organizations protestierte.

Das Säbelrasseln der Bush Administration, gegen Iran wirtschaftlich, vielleicht aber auch militärisch vorzugehen, nimmt jetzt stetig zu; die Rhetorik erinnert dabei immer mehr an die Monate vor dem Irakkrieg.

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Der World Jewish Congress (WJC) wird sich jetzt nach der Wahl seines neuen Präsidenten, Ronald Lauder, und des neuen Generalsekretärs, Michael Schneider, wieder verstärkt um Entschädigungsauszahlungen aus, und Reparationsverhandlungen in, Osteuropa kümmern. Es geht um Gelder, die noch nicht von osteuropäischen Regierungen an Holocaustüberlebende und jüdische Gemeinden gezahlt worden sind. Vertreter des WJC planen jetzt Reisen nach Polen, Litauen und Slowenien. Lauder war ein prominenter Investor und Wirtschaftsbotschafter in Osteuropa, und er hat angekündigt, sich verstärkt um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den Regierungen dieser Länder zu kümmern.

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Die Claims Conference hat jetzt ihre 17-jährige Entschädigungsformel, nach der 20 Prozent der eingenommenen Gelder an Institutionen für Holocauststudien und andere kulturelle Einrichtungen gehen sollen, geändert. Jetzt werden über die nächsten vier Jahre weitere $112 Millionen in soziale Programme für bedürftige Holocaustüberlebende fließen und nicht wie geplant in kulturellen Programmen und Bildungsstätten investiert werden. Bis jetzt wurden 80 Prozent der Gelder an Holocaustüberlebende gezahlt und die restlichen 20 Prozent an Lehrprogramme und die Holocaustforschung weitergeleitet, anstelle an die Opfer oder ihre Überlebenden. Nach langer Debatte hat man sich jetzt doch entschlossen, dass zuerst den Not leidenden Überlebenden geholfen werden muss. Wolf Factor, Vorsitzende der Foundation for the Benefit of Holocaust Victims in Israel wurde von der Jewish Telegraph Agency zitiert: "Das Gedenken der Opfer zu ehren heißt nicht nur, der Toten zu gedenken, sondern sich auch an diejenigen zu erinnern, die noch leben."

Bei der letzten Zählung 2004 lebten 175.000 Holocaustüberlebende in den USA, von denen mindestens 85.000 unter oder nahe der Armutsgrenze lebten. Dieses Jahr wird die Claims Conference über $100 Millionen Hilfsgelder verfügen können, nächstes Jahr über $110 Millionen, 2009 über $122 Millionen und 2010 über $135 Millionen.

Darüber hinaus hat die Claims Conference beschlossen, sein Pensionsprogramm (Artikel 2) auszuweiten und $250 Millionen, über die nächsten 10 Jahre verteilt, an weitere 6.000 bedürftige Holocaustüberlebende zu zahlen, die unter eine bestimmte jährliche Einkommensgrenze fallen. Bislang haben 51.000 Überlebende von den Pensionszahlungen profitieren können. Die zusätzlichen Gelder wurden mit der Bundesregierung ausgehandelt, die die Summen bereitstellen wird.

Unter dem Artikel 2 des Pensionsprogrammes der Claims Conference wurden seit 1992 von Deutschland mehr als $2 Milliarden an über 73.000 Holocaustüberlebende gezahlt (pro Person rund $320 monatlich).

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Die grössten jüdischen philanthropischen Organisationen in den USA geben ein Fünftel ihrer Gelder für jüdische Zwecke, doch dieser Anteil wird in Zukunft eher abnehmen. Von den 100 grössten philanthropischen Organisationen in den USA wurden mindestens acht von Juden gegründet. Das Institute of Jewish and Community Research hat die Steuererklärungen der 56 grössten amerikanischen Stiftungen, die in den letzten 25 Jahren von Juden gegründet wurden, ausgewertet, und ist zum Schluss gekommen, dass von den $1,2 Milliarden Spendengeldern dieser Organisationen, 21 Prozent an jüdische Belange gingen, darunter 7 Prozent an Israel. Mit dem anstehenden Generationswechsel in vielen dieser alten Organisationen, und der Wahl von nicht-jüdischen Direktoren, könnte dieser Prozentsatz in naher Zukunft "dramatisch abnehmen", so urteilt das Institut. "Je länger sich die Organisationen von der Entstehungszeit ihrer Gründungsväter entfernen, desto weniger werden sie deren Wünschen noch nachgehen. Die Großväter setzten sich vielleicht noch sehr für jüdische Belange ein — den Kindern und Enkeln jedoch geht es darum zunehmend weniger." Vielleicht ist es besser, Gelder zu verteilen, solange man noch am Leben ist, um genau zu wissen, wer davon profitiert?

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Die im August erweiterten Abhörbefugnisse des seit 1978 bestehenden so genannten "Foreign Intelligence Suveillance Act", die die Bush Administration im Namen der Terror Bekämpfung trotz aller Kritik im US-Kongress in aller Schnelle durchdrücken konnte, richten sich zwar gegen Terrorverdächtigte im Ausland, haben aber auch Besorgnis bei Vertretern amerikanischer jüdischer Organisationen hervorgerufen. Diese fürchten, dass die größere Handlungsfreiheit der US Regierung, Kontakte mit dem Ausland zu überprüfen und zu unterbinden, auch auf die Verbindungen mit Israel Einfluss haben könnte. Die Befugnisse erlauben nämlich der Regierung, wenn nötig auch ohne gerichtliche Verfügung, Telefonkontakte und -Listen sowie elektronische Verbindungen wie E-Mails zu überwachen. Die neuen Richtlinien ermöglichen dabei auch die Beschlagnahmung von Firmendaten und Akten, um Informationen über Auslandsverbindungen zu erhalten.

Vertreter jüdischer Organisationen befürchten, dass eine Ausweiterung der bestehenden Gesetze ihre Arbeit mit Israel beeinflussen und behindern könnte.

Auch ein anderes Gerichtsurteil kann einen negativen Einfluss auf die Arbeit jüdischer politischer Interessensgruppen haben: Ein Gericht in Maryland hat jetzt entschieden, dass lokale Politiker nicht mehr auf Kosten jüdischer Organisationen nach Israel geflogen werden können. Dies was bisher eine weit verbreitete Taktik, um nicht-jüdische Politiker mit der Lage in Israel vertraut zu machen und sie in ihrer Israelpolitik zu beeinflussen. Diese Reisen wurden von den Politikern, besonders im Wahlkampf, doch ganz gerne in Anspruch genommen.

*

 

Zum Abschluss einige Beobachtungen, wie sich die jüdische Gemeinschaft in den USA im Jahr 5767 verändert hat.

Es scheint ein Jahr weit reichender Wandel gewesen zu sein: Homosexuelle Rabbiner dürfen jetzt in der konservativen Bewegung ordiniert werden; Das American Israel Political Affairs Committee ist durch langwierige politische Investigationen geschwächt worden, und es werden Alternativen gesucht, die die politisch liberalere Meinung einer Mehrheit der amerikanischen Juden besser vertreten können; die steigende Spannung zwischen dem Iran und Israel zwingt auch die amerikanischen Juden und Organisationen Position zu nehmen, inmitten des ohrenbetäubenden Säbelrasselns der Bush Regierung. Niemand innerhalb der jüdischen Gemeinschaft möchte jedoch (wie vor dem Irakkrieg) beschuldigt werden, einen militärischen Schlag gegen den Iran befürwortet oder gar irgendwie herbeigeführt zu haben. Amerikanische Juden protestieren vehement gegen Ahmadinejad, distanzieren sich aber noch in der Mehrheit von einem militärischen Schlag gegen den Iran (was sie wiederum von Israels Position weit entfernt.)

Im letzten Jahr wurden darüber hinaus Stimmen laut, die bisher so in ihrer Schärfe nicht da gewesene Kritik an Israel übten (das neue Buch von Jimmy Carter, "Palestine, Peace not Apartheid", sowie das Buch "Die Israel-Lobby" von John Mearsheimer und Stephen Walt und die vorhergegangene hitzige Debatte um den wachsenden Einfluss jüdischer politischer Interessensgruppen auf die amerikanische Aussenpolitik sind nur einige Beispiele). Es scheint, dass respektable Stimmen in der Öffentlichkeit, in den Medien und in der Politik immer lauter werden und jüdische Organisationen kritisieren, sie würden sich mehr um Politik und Imageaufbesserung kümmern, als um die sozialen, spirituellen, moralischen und kulturellen Belange ihrer Anhänger.

Andere Veränderungen fanden in der Verteilung von Spendengeldern statt: Den ersten Rang unter den Geldgebern an jüdische Bedürftige nehmen jetzt private Organisationen und einzelne Personen ein, und nicht mehr die lokalen und nationalen jüdischen Organisationen, unter ihnen zum Beispiel die United Jewish Communities, die diese Rolle bisher eingenommen hatten. Dieser Trend wird sich in der nächsten Zeit noch verstärken.

Ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Weniger junge Juden als je zuvor fühlen sich noch mit Israel verbunden, ganz unabhängig von ihren politischen Tendenzen. Das hat jetzt die bisher umfangreichste Studie zum Thema gezeigt. Mit jeder Generation nimmt die Bindung an Israel ab. In der Studie gaben 40 Prozent der amerikanischen Juden über 65, und nur 20 Prozent der Juden unter 35 an, eine sehr enge Bindung an Israel zu haben. Im Gegensatz dazu nimmt die Zahl junger Juden, die sich mit Israel identifizieren, mit jeder Reise nach Israel zu. In Zukunft werden also Organisationen wir "Birthright Israel", die kostenlose Gruppenreisen nach Israel für junge amerikanische Juden organisieren, ihre Arbeit verstärken müssen.

Trotz der Distanz zu Israel fühlen sich junge Juden aber nicht weniger jüdisch: Die kulturelle und spirituelle Vitalität und Kreativität unter den jüngeren Juden ist erstaunlich. Ihre jüdische Identität ist stark, ihre Bindung an das Judentum nimmt zu, nur hängt sie nicht mehr automatisch von Israel ab.

Und noch ein Trend, der die ganz jungen Juden betrifft: Im letzten Jahr wurden immer weniger Beschneidungen vorgenommen. Mehr und mehr amerikanische Juden lehnen dieses Ritual ab, ein Trend, der auch die allgemeine amerikanische Öffentlichkeit einschließt (obwohl immer noch 57 Prozent aller Amerikaner, Juden wie Nicht-Juden, ihre Söhne beschneiden lassen; 1965 waren es noch 85 Prozent). Mit der wachsenden Reformbewegung wird die Zahl der Juden, die beschnitten werden, sogar noch mehr abnehmen.

 

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