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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

Juni 2007
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Es kracht im World Jewish Congress
AIPAC Prozess Angst
Konservative Bewegung ordiniert homosexuelle Rabbiner
Stiftung "Errinnerung, Verantwortung, Zukunft" beendet
Weniger antisemitische Ausschreitungen 2006
Stolz auf die Diaspora
U.S. Ehrenstaatsbürgerschaft für Anne Frank?

 

 

Bronfman und Singer

Die Situation des 1936 gegründeten World Jewish Congress (WJC), dessen Mitarbeiter 2004 beschuldigt wurden, sie hätten keine adäquate Kontrolle mehr über die Finanzen des Kongresses und sich einer unabhängigen Rechnungsprüfung der New Yorker Staatsanwaltschaft unterwerfen mussten, hat sich dramatisch zugespitzt. Der ehemalige Vorsitzende und Generalsekretär des WJC, Rabbiner Israel Singer, der unter Verdacht stand, er habe 1,2 Millionen Dollar aus der Kasse des WJC unter anderem in die Schweiz geschleust (diese Gelder tauchten dann jedoch ohne weitere Erklärungen wieder auf), wurde im März von seinem engen Freund und Kollegen, dem WJC Präsidenten Edgar M. Bronfman, per Telefon des Amtes enthoben. Ein paar Wochen später, und auch das kam ganz plötzlich, legte Bronfman sein Amt nieder. Bronfman und Singer hatten den WJC seit den 1980 Jahren zusammen geleitet.

Mit dem Zurücktreten Bronfmans ist die Zukunft des WJC ungewiss. Bronfman zahlte jährlich 15 Prozent des Jahresumsatzes des WJC aus seiner Tasche, und es ist fraglich, ob er auch nach seinem Rücktritt die Gelder bereitstellen wird. Spenden an den WJC sind seit Anfang der Singer Finanzaffäre vor drei Jahren zurückgegangen. Die Organisation wird am 10. Juni einen neuen Präsidenten wählen — mögliche Nachfolger sind der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, Pierre Besnainou sowie (und das ist dem Forward nach am Wahrscheinlichsten) der Vorsitzende der WJC-Exekutive, Mendel Kaplan.

"Der Rücktritt Bronfmans markiert das Ende einer langen, fabelhaften Ära des World Jewish Congress", kommentiert die Jewish Telegraph Agency, "Eine Ära die Erfolge, aber auch Unmut mit sich brachte."

Bronfmans eigenhändige Entscheidung, Singer vor seinem eigenen Rücktritt entlassen, wurde von einigen WJC Mitarbeitern begrüßt, von anderen jedoch aufs Schärfste verurteilt. Bronfman begründete seine Entscheidung damit, Singer habe sein Vertrauen verletzt und sich "Gelder des WJC einverleibt. Meine Gelder. Wir dachten, wir hätten das alles aufgeklärt, und dann mussten wir feststellen, dass er das gleiche Spiel in Israel gespielt hat. Für mich ist das ganze besonders schwer: Ich bin von einem Mann ausgenutzt worden, den ich geliebt habe."

Mitarbeiter der Zweigstellen des WJC in Lateinamerika, Europa und Israel, die über Singers Kündigung vorher nicht in Kenntnis gesetzt worden waren, drohten, sich von der Organisation abzusetzen. Neben Singer wurde auch der Leiter der WJC Zweigstelle in Israel, Bobby Brown, seines Amtes enthoben. Schon seit einiger Zeit gibt es Spannungen zwischen New York und Israel über die Nachfolge Browns. Singer, zum Unmute Bronfmans, hatte sich von Anfang an aus dem Streit herausgehalten.

Darüber hinaus habe Bronfman beklagt, dass Singer sich nicht ausdrücklich hinter den Kandidaten stellte, für den Bronfman als sein Nachfolger für die Präsidentschaft des WJC plädierte: sein Sohn, Matthew. Singer habe sogar aktiv versucht, Matthew Bronfmans Wahl zu verhindern. Wie dem auch sei, zur Wahl des neuen WJC Präsidenten am 10. Juni wird Matthew Bronfman nicht aufgestellt werden.

Singer und Bronfman sind seit Jahrzehnten in mehreren jüdischen Organisationen aktiv und standen hinter den Restitutionsverhandlungen mit europäischen Banken und Regierungen, die im 1,2 Milliarden Dollar hohen Schweizer Bankenfonds kulminierten. Ausserdem deckte der WJC unter Bronfman und Singer die Nazivergangenheit des ehemaligen österreichischen Präsidenten und ehemaligen U.N. Generalsekretärs, Kurt Waldheim, auf. Viele Kollegen sehen in Singer einen der unermüdlichsten Kämpfer jüdischer Belange.

Die meisten Vertreter jüdischer Organisationen scheuen vor einer offenen Kritik am WJC zurück. Andere wiederum, wie Mitarbeiter der Claims Conference, solidarisierten sich mit Singer. "Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass jetzt die Umstände von Singers Abgang — und weniger seine außergewöhnlichen Erfolge als Leiter des WJC — in Erinnerung haften bleiben", schrieb die Jewish Week in einem Kommentar. "Der WJC wurde in den letzten Jahren zu einer Lehnsherrschaft zweier Männer: Singer, der Kopf und Denker, und Bronfman, der Philanthrop, der die Türen zu den Mächtigen der Welt öffnen konnte. Zusammen erreichten sie viel, aber immer mehr verwischten dabei auch die Grenzen der Transparenz."

Der Forward kommentierte, die Kündigung Singers könnte den WJC entzweien, und "eine der engsten und mächtigsten Partnerschaften in der jüdischen Gemeinschaft" zerschlagen. "Bronfmans Handlung könnte gravierende Folgen für die Zukunft des WJC haben." Als dann aber auch Bronfman das Amt niederlegte, sprach der Forward in seinem Kommentar von einem "öffentlichen Kollaps" der Organisation. "Das ist eine Tragödie mit historischen Proportionen, die als eine billige Farce daherkommt. Der WJC, einst die wichtigste Organisation, die den epischen Kampf des jüdischen Volkes gegen das Böse vertrat, ist zum Gespött geworden, ein hässliches Theater persönlicher Fehden, Beschimpfungen und finanzieller Skandale. Am Ende werden alle die Verlierer sein. Jedoch niemand mehr als die jüdische Gemeinschaft, ihre Ehre und ihr Vermächtnis."

*

 

Im Juni beginnt der Prozess der zwei AIPAC Mitarbeiter im Spionagefall um geheime Dokumente, die die beiden von einem Pentagon Mitarbeiter erhalten hatten und an Israel weiterleiteten [siehe auch Notizen aus den USA, November 2004, Mai 2005, November 2005, Februar 2006 und August 2006]. Die Kontroverse hat dazu geführt, dass jetzt verstärkt über die Rolle des American Israel Political Action Committee in der U.S. Aussenpolitik und im politischen Diskurs in Washington gestritten wird, sowie über AIPACs unumstrittenen Einfluss über die Jahre auf die Regierung.

Die beiden AIPAC Mitarbeiter, Keith Weissman und Steve Rosen, wussten nicht unbedingt, dass es sich um Geheimdokumente über den Iran handelte, die sie erhalten hatten; und der Pentagon-Mitarbeiter, Lawrence Franklin, soll, so schreibt das Wall Street Journal, vom FBI sogar erpresst worden sein, die beiden AIPAC Mitarbeiter zu bespitzeln und sie dazu zu bringen, die Dokumente von ihm anzunehmen. Franklin wurde schon zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und sieben Monaten verurteilt, er hofft jedoch auf Straferleichterung und wird jetzt bei dem vor der Öffentlichkeit abgeschirmten Prozess der AIPAC Mitarbeiter aussagen. Beide könnten eine Freiheitsstrafe von 10-20 Jahren erhalten.

Man denkt jetzt verstärkt über die Rolle nach, die ein politisches Komitee, das die Interessen eines anderen Landes vertritt, in Washington einnehmen darf, und welchen Einfluss es auf die öffentliche Meinung, wenn überhaupt, ausüben sollte. Es wird aber auch darüber diskutiert, warum gerade AIPAC Mitarbeiter bestraft werden, die sich genauso verhalten haben, wie es Lobbyisten in Washington von je her tun: Man trifft sich mit Regierungsvertretern und anderen Offiziellen zum Lunch, diskutiert und tauscht auch manchmal ein paar Fakten und Neuigkeiten aus. Manchmal nimmt man sogar Dokumente und Briefe an. Es scheint, dass AIPAC Mitarbeiter mit einem ganz anderen Maßstab gemessen wird als Mitarbeiter anderer politischer Komitees, vielleicht gerade weil es solch einen enormen Einfluss in Washington hat — und natürlich auch wegen seiner offenen Loyalität gegenüber Israel.

George Soros, ein scharfer Kritiker AIPACs und politisch links eingestellt, schrieb in einem Artikel im New York Review of Books, "Kritik an Israel ist hier kaum zu hören. Ein Grund ist wohl der mächtige Einfluss, den AIPAC auf Demokraten und auf Republikaner ausübt. AIPAC ist in den letzten Jahren zu einem Sprecher der Neokonservativen geworden und zu einem offenen Befürworter des Irakkrieges. AIPAC hat seine Mission zu verbissen verfolgt, und statt für Israels Existenz zu kämpfen, setzt er sie aufs Spiel. AIPAC hat es geschafft, in Washington jegliche Israelkritik zu unterbinden. Es liegt jetzt an den jüdischen Organisationen, AIPAC zu zähmen. Und dazu muss auch gehören, Israel gelegentlich wieder kritisieren zu dürfen, ohne gleich des Antisemitismus beschuldigt zu werden. Wir brauchen eine Debatte innerhalb der jüdischen Gemeinschaft." Und das ist es auch, was AIPAC am meisten schaden könnte: eine öffentliche Debatte über Israel — über Israels Politik gegenüber den Palästinensern, über Amerikas Rolle im Nahostfriedensprozess und über die U.S. Allianz mit dem jüdischen Staat.

Im Gegensatz dazu kritisierte Dorothy Rabinowitz den AIPAC Prozess in einem Kommentar im Wall Street Journal mit dem Titel "Zuerst kamen sie für die Juden". "Wenn [das Verhalten der AIPAC Mitarbeiter] strafbar gemacht wird, wird das bald jeden treffen können — Geschäftsleute, Professoren, Journalisten — die sich in Zukunft für erfundene Straftaten vor übereifrigen Anklägern verantworten müssen."

Der Economist schrieb kürzlich in einem Leitartikel mit dem Titel "Den Leviathan zähmen" von der "Riesenmacht" AIPACs ("the awesome power of the lobby"). Der Artikel wurde illustriert mit einer antisemitisch angehauchten Karikatur eines asiatisch aussehenden Seeungeheuers mit Davidstern am Hals, das in kleinen Holzbooten rudernde amerikanische Politiker angreift, die es mit einem lächerlich kurzen Lasso einzufangen versuchen. Diese "Lobby", meint der Economist, kann die Früchte seiner harten Arbeit vorzeigen: Der Kongress habe jetzt mehr jüdische Mitglieder als je zuvor — 30 im Repräsentantenhaus und 13 jüdische Senatoren (von 50) im Senat. Nur vier der jüdischen Abgeordneten sind Republikaner. Ausserdem buhlten die demokratischen und republikanischen Präsidentschaftskandidaten um jüdische Wähler und Parteispender und versuchen sich dabei mit ihren Erklärungen, Israel nahe zu stehen, zu übertreffen. Darüber hinaus haben zwei Drittel der Amerikaner eine positive Meinung über Israel. Nur der Irakkrieg habe eine dämpfende Wirkung auf die Belange des AIPAC gehabt, da der bei den Amerikanern immer unbeliebtere Krieg auch als ein Krieg verstanden wird, der Israel indirekt hilft; so wunderte es keinen, dass der Krieg von den meisten amerikanischen Juden — wenigstens anfänglich — unterstützt worden war. Jetzt meinen jedoch 77 Prozent der amerikanischen Juden, der Irakkrieg wäre ein Fehler (im Gegensatz zu 52 Prozent der nicht-jüdischen Amerikaner).

Da AIPAC eine konservative Gruppierung ist, vertritt sie nur einen kleinen Teil der eher liberal-demokratisch eingestellten amerikanischen Juden. Doch es klingt für Außenstehende ganz so, als stünde die gesamte jüdische Gemeinschaft geschlossen hinter AIPAC. Daher hat das Komitee einen enormen Einfluss auf die amerikanische Nahostpolitik. Es werden immer mehr Stimmen laut, unter anderen von linksorientierten Organisationen wie "Religious Action Center of Reform Judaism", "Americans for Peace Now" und der "Israel Policy Forum", es wäre an der Zeit, ein politisch liberaleres Komitee zu gründen, das parallel zu AIPAC in Washington agiere. Man munkelt, dass George Soros dieses Unterfangen auf sich nehmen möchte.

Die grösste Herausforderung für AIPAC, so schreibt der Economist, sei jetzt also, in diesem neuen Klima der wachsenden Kritik an Israel in den USA, eine führende Position zu wahren.

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Nachdem die so genannte zentrale konservative Bewegung letzten Dezember entschied [Notizen aus den USA, Mai 2006], im Namen des Pluralismus künftig auch homosexuelle Rabbiner/innen zu ordinieren, es aber jeder Gemeinde und Synagoge freistellte, ihre Ordinationskriterien zu ändern oder nicht, hat jetzt auch das 121 Jahre alte "Jewish Theological Seminary" in New York, das als Lernzentrum der konservativen Bewegung gilt, trotz scharfer Kritik von Seiten älterer Mitglieder zugestimmt, künftig homosexuelle und lesbische Rabbiner/innen und Kantoren auszubilden. Im Gegensatz dazu hat sich das gleichnamige Seminar in Israel gegen eine Änderung der Ordinationskriterien in Israel ausgesprochen.

Das andere Lernzentrum des konservativen Judentums, die "Ziegler School of Rabbinic Studies" an der "American Jewish University" in Los Angeles, Kalifornien, hatte schon im Dezember entschieden, homosexuelle Rabbiner auszubilden.

Befürworter der neuen Ordinierungskriterien gehen davon aus, dass die Zahl der Studierenden jetzt stark anwachsen werde, und eine größere Anzahl von Studenten einen positiven Einfluss auf die Qualität und Qualifikation der ordinierten Rabbiner/innen haben werde.

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Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" (www.stiftung-evz.de), die im August 2000 mit einem Stiftungskapital von 5,2 Milliarden Euro gegründet wurde — je zur Hälfte getragen vom Bund und von 6.500 deutschen Unternehmen — hat bis heute 4,4 Milliarden Euro Entschädigungsgelder an 1,66 Millionen ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter sowie andere NS-Opfer in fast 100 Ländern ausgezahlt. Diese Auszahlungen sind jetzt rechtlich abgeschlossen, und die Hauptaufgabe der Stiftung ist somit erfüllt.

Doch die Arbeit des von der Stiftung 2002 gegründeten Fonds "Erinnerung und Zukunft" (www.fonds-ez.de), dessen Aufgabe es ist, dauernde Projekte, die der Völkerverständigung dienen, auch über die Entschädigungszahlungen hinaus zu betreiben, geht als Förderstiftung auf Dauer weiter. Der Fonds betreut Projekte über Geschichte und Menschenrechte, internationale humanitäre Zusammenarbeit, ein Leo Baeck Programm deutschsprachiger Juden, Stipendien- und Austauschprogramme, Förderungsprojekte junger Freiwilliger, politisch-historische Weiterbildungen sowie Begegnungen mit Zeitzeugen.

Im März trafen Vertreter der Stiftung — der Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Jansen sowie sein Nachfolger Dr. Martin Salm — mit Vertretern jüdischer Organisationen, jüdischen Medien und Institutionen zu einem Festessen beim deutschen Generalkonsul in New York, Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth, zusammen. Unter den geladenen Gästen befanden sich Vertreter der Anti-Defamation League, des Jewish Community Relations Council, der Claims Conference, des Simon Wiesenthal Centers, der Conference of Presidents of Major American Jewish Organisations, des Museums of Jewish Heritage, der North American Boards of Rabbis, Yad Vashem, der Appeal of Conscience Foundation, des Forward, der Jewish Press und der Tribüne.

Das Treffen war bewegend, und die Anerkennung der Anwesenden über die reibungslose Zusammenarbeit zwischen den amerikanisch-jüdischen Organisationen und der Stiftung stand außer Zweifel. Die Stiftung habe, so waren sich alle einig, "heilige Arbeit" geleistet. Auch in Zukunft werde man zusammenarbeiten, um den Fonds "Erinnerung und Zukunft" bei seiner wichtigen Arbeit zu unterstützen.

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Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in den USA ist im letzten Jahr um 12 Prozent zurückgegangen, berichtet die Anti-Defamation League (ADL) in ihrem Jahresbericht. Damit setzt sich der Trend, der 2005 begonnen hat, fort. Man sollte sich aber nicht zu früh freuen, denn die Gewalttaten extremistischer Gruppen richten sich jetzt verstärkt gegen Einwanderer, besonders Lateinamerikaner, angesichts der Immigrationsdebatte um illegale Einwanderer, die im Kongress und in der Öffentlichkeit entbrannt ist. In dieser Debatte geht es darum, ob Millionen illegaler Einwanderer, die schon seit Jahren und Jahrzehnten in den USA leben und arbeiten, eine Amnestie erhalten und eingebürgert werden sollen; es geht aber auch darum, wie man die illegale Einwanderung insbesondere aus Mexiko auf humane Weise stoppen kann.

Im letzten Jahr wurden 1.544 antisemitische Straftaten registriert (darunter 193 antisemitische Ausschreitungen an Schulen und 88 Vorfälle an Universitäten). Im Vergleich dazu wurden 2005, 1.757 Anschläge aufgezeichnet. In den Vereinigten Staaten werden im Durchschnitt vier antisemitische Vorfälle am Tag registriert.

Die ADL gab ausserdem bekannt, dass der Ku Klux Klan nach stagnierenden Mitgliederzahlen wieder Anhänger gewinnt. Ein Grund dafür sei ganz besonders die Immigrationsdebatte, die dem Klan neue Mitläufer verschaffe, sowie die öffentliche Debatte um homosexuelle und lesbische Ehen. Zum anderen arbeitet der Klan jetzt verstärkt mit Neonazis und Skinheads zusammen. Viele Klanmitglieder sind jetzt äußerlich kaum mehr von Skinheads und Neonazis zu unterscheiden; sie teilen ihre Vorliebe für rassistische Musik, Tätowierungen, Nazi Propaganda und nationalsozialistische Symbole. Vermummt, mit weißer Kapuze und Kreuze abbrennend, trifft man den typischen Ku Klux Klan Anhänger immer seltener an. Seit den 1990 Jahren hat sich der Klan regelrecht "nazifiziert", so die ADL.

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Der Economist hat in einem Essay kürzlich wieder die These aufgerollt, dass sich Diaspora Juden immer mehr von ihrem spirituellen Kern — Israel — abwenden. Dieselbe These wurde schon in dem Buch New Jews: The End of the Jewish Diaspora (New York University Press, 2005) von Caryn Aviv und David Schneer angesprochen, beide Dozenten am Zentrum für Judaistik an der Universität Denver.

Diese Behauptung scheint heute aktueller denn je. Denn die so genannten Diaspora Juden (ganz besonders in den USA), sehen sich nicht als potentielle Israelis, die (noch) außerhalb des Gelobten Landes leben, um dann bald nach Israel einzuwandern. Sie sehen sich nicht als Bewohner einer zweitrangigen Peripherie, deren Pflicht es ist, sich ohne Widerrede für Israel einzusetzen. Sehr viele "Diasporajuden" definieren ihr Judentum nicht mehr über Zionismus und Israel. Israel wird mehr und mehr zu einem gleichrangigen kulturellen und spirituellen Zentrum; eines neben vielen anderen eben.

Aviv und Schneer glauben, dass Juden in einer imaginären globalen jüdischen Welt leben, an der alle gleichberechtigt teilnehmen und von der alle profitieren sollten. "Philanthropie, Menschen, Ideen sollten sich in alle Richtungen ausbreiten", schreiben die Autoren. "Sich über die gemeinsame Vergangenheit und Abstammung zu definieren hat uns aneinander geknüpft, obwohl wir manchmal wenig miteinander gemein haben. Aber das ist in Ordnung so; wir werden überleben und wachsen, selbst wenn wir uns manchmal fremd sind."

Die Diskussion um die Zukunft der Diaspora (ganz unten auf der Existenzleiter) und Israel an der Spitze ist nicht neu. Sie wurde und wird heftig diskutiert (das jüdische Magazin Tikkun spöttelte in seiner Buchrezension über "New Jews", das Judentum hätte den Postmodernismus entdeckt). Auch in Israel wird darüber nachgedacht, wie man Israel für die immer autonomeren Diasporagemeinden relevanter machen kann. Vor zwei Jahren wurde von der israelischen Regierung und der Jewish Agency in Israel das Projekt "Masa" gegründet, das neben dem seit 2000 angebotenem Jugendreiseprogramm "Taglit-Birthright Israel", das jedem jungen Juden eine kostenlose 10-tägige Reise nach Israel anbietet, jetzt auch längere Studienaufenthalte mit Stipendiumsauszahlung bietet.

Über 100.000 junge Juden aus 50 Ländern haben schon an "Taglit-Birthright Israel", und 4.000 an "Masa" Reisen teilgenommen. "Israel hat immer schon Gelder von den Juden in der Diaspora erhalten", erklärt der israelische Regierungssekretär unter Ariel Sharon und Ehud Olmert, Israel Maimon. "Und jetzt investieren wir in sie. Das ist etwas ganz Neues für uns." Bis 2010 sollen weitere 15.000 junge Juden am "Masa" Programm teilnehmen. Bis jetzt kamen 65 Prozent der Teilnehmer aus den Vereinigten Staaten; ab September wird jeder Amerikaner, der mit "Masa" nach Israel fährt, ein Stipendium von mindestens $2.000 Dollar erhalten.

Es wird sich zeigen, ob diese Projekte junge Juden aus der Diaspora für immer nach Israel bringen. Die meisten Juden in den USA jedoch ziehen das Leben in ihrem "Exil", das nicht als Exil verstanden und behandelt wird sondern als ein Zuhause, einem Umzug in die imaginäre Heimat — sprich Israel — vor. Seit 1948 sind nur 120.000 Amerikaner nach Israel eingewandert; die Mehrheit von ihnen kam aus religiösen Beweggründen. Nur 17 Prozent der amerikanischen Juden sagen von sich, sie seien Zionisten. Waren es 1989 noch 73 Prozent der amerikanischen Juden, die sich stark mit Israel identifizierten, so ist die Zahl heute auf 57 Prozent gesunken.

Noch ist für amerikanische Juden die Bindung an Israel eine Art Zivilreligion — ein Barometer für ihre eigene jüdische Identität. Aber viele junge Juden sind auch mehr und mehr davon überzeugt, dass es eine Zukunft außerhalb Israels für sie gibt und geben soll: Diaspora und Israel, als Symbiose.

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Anne Franks Vater hatte 1941 verzweifelt versucht, für seine Familie ein Einreisevisum in die USA zu erhalten, so geht aus Dokumenten hervor, die vor kurzem im New Yorker "YIVO Institute for Jewish Research" entdeckt wurden. Doch seine Bittschreiben, auch an Präsident Roosevelt, wurden abgelehnt oder ignoriert. Mit dem Auffinden der Korrespondenz der Franks werden jetzt wieder Stimmen in den USA laut, Anne Frank die amerikanische Ehrenstaatsbürgerschaft zu verleihen, um wenigstens eine kleine Abbitte dafür zu leisten, dass das Land es versäumte, Anne Franks Familie zu retten. Damit wäre Anne Frank eine von bisher nur sechs Ehrenstaatsbürgern (mit Raoul Wallenberg, Winston Churchill und Mutter Teresa), denen diese Ehre zu Teil wurde.

Der U.S. Kongress wird noch in diesem Jahr über den Antrag Steve Israels, einem Kongressabgeordneten aus Long Island beraten; denselben Antrag hatte Steve Israel schon 2004 — ohne Erfolg — eingebracht. Die Dokumente, die im YIVO gefunden wurden, könnten jetzt vielleicht eine Mehrheit der Kongressabgeordneten davon überzeugen, doch für den Antrag zu stimmen.

Anne Franks Hinterbliebene sind nicht alle davon überzeugt, dass diese Ehrung — von einem Land, das Anne Frank (die überzeugte, stolze Holländerin war) nicht einreisen lassen wollte — angemessen ist. Doch Elie Wiesel meint, dies wäre "eine wundervolle Idee. Niemand kann die Toten erwecken. Aber symbolische Gesten können uns helfen, ihre Erinnerung zu wahren."

 

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