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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA

 

TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

März 2007
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Wahlen im Kongress — jüdische Abgeordnete
Amerikanische Beziehungen zu Israel
Jimmy Carter ein Antisemit?
U.N. Holocaustresolution
Am Puls der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft
Einigung um Versicherungsgelder
In Memoriam Elliot Welles

 

2006 U.S. Wahlkarte

 

Mit Einzug der Demokraten in den amerikanischen Kongress, ist auch eine Rekordzahl jüdischer Politiker in das Repräsentantenhaus und den Senat gewählt worden. Die Zahl der jüdischen Senatoren stieg von 11 auf 13; im Repräsentantenhaus sitzen jetzt 30 jüdische Abgeordnete.

Ganze 87 Prozent der amerikanischen Juden wählten für einen demokratischen Kandidaten; das ist der höchste Prozentsatz seit 1994. "Die Amerikaner hatten einfach die Nase voll", so der Forward in einem Kommentar. "Sie wollten ihr Land zurück. Sie gingen en masse zu den Wahlurnen und schmissen die Idioten heraus. [Doch] sie wählten in erster Linie nicht für eine Sozialdemokratie, sondern für eine kompetente Regierung; und die liegt für sie in der Mitte." Die Euphorie des Neuanfanges ist im Kongress nicht zu übersehen. Und erstmals findet eine ernsthafte Debatte für und gegen den Irakkrieg sowie über Zukunftsstrategien im Krieg gegen den Terror statt.

Dem Forward zu Folge werden sich die Demokraten jetzt hinter den Kulissen auch verstärkt dafür einsetzen, dass sich das pro-israelische American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) wieder der demokratischen Partei — die in den Wahlkampagnen der Republikaner als "israelfeindlich" verpönt wurde — annähert. Doch AIPACs Sprecher Josh Block wurde im Forward zitiert, er lehne die Behauptung ab, AIPAC stände den Republikanern näher. "Eine Konstante im Kongress und in der amerikanischen Politik ist die überparteiliche, feste Solidarität mit Israel." AIPAC habe immer mit beiden Parteien gute Beziehungen gepflegt.

Mehr dazu:

"Jewish Vote in U.S. Elections", Steven Windmueller, Jerusalem Center for Public Affairs.

*

 

Diese engen Beziehungen zu Israel existieren zwar immer noch, sie sind aber nicht mehr felsenfest. Das politische Einverständnis beider Seiten scheidet sich spätestens dann, wenn es um den Iran geht. Für Israel steht außer Frage, dass es Ahmadinejad mit seinem offenen Antisemitismus, den Ruf nach nuklearer Aufrüstung und seiner Drohung, Israel von der Landkarte zu löschen, ernst meint; es sei höchste Zeit, zu handeln. Amerika sieht diese Bedrohung zwar auch, ist aber in erster Linie daran interessiert, den Irakkonflikt zu entschärfen und die Region nicht noch weiter zu provozieren. Darüber hinaus ist der New York Times zu Folge die Bush Administration enttäuscht über den unentschiedenen Ausgang des Libanonkrieges im letzten Sommer. Man erwartete einen zweiten Sechs-Tage-Krieg und zweifelt jetzt ernsthaft an der Kompetenz des israelischen Premiers Ehud Olmert (obwohl dieser im November mit offenen Armen in Washington empfangen wurde. Darüber später mehr).

Kurzum: Israel ist der alte Nahe Osten, im Gegensatz zu Bushs angestrebtem "neuen" Nahen Osten, lieber. Die amerikanisch-israelischen Beziehungen sind in eine Phase der Abkühlung geraten. Und sollte Bush eine anti-Iran Koalition aufzubauen versuchen, könnte das für Israel bedeuten, Konzessionen gegenüber den Palästinensern eingehen zu müssen. Die Stärke der Beziehungen wird sich also daran messen, wie der Irankonflikt von den Amerikanern und den Israelis gehandhabt wird.

Olmerts Besuch in Washington wurde von den jüdischen Organisationen mit großem Interesse verfolgt. Als jedoch der Premier Buschs Irakpolitik aufs Höchste lobte und gar erfolgreich nannte, verschlug es auch den jüdischen Vertretern die Sprache. Olmert, so war das Kredo, wollte beim Präsidenten punkten, um seine Israelfreundliche Iranpolitik nicht aufs Spiel zu setzen.

In einem Kommentar im Forward wurde Olmerts Besuch in Washington "surreal" und "bizarre" genannt. "Olmert wollte sein angeschlagenes Ansehen zu Hause mit einem Besuch im Weissen Haus aufpolieren, und auch Bush wollte seine innenpolitische Misere, wenigstens für einen kurzen Moment, bei einem freundschaftlichen Staatsbesuch vergessen", so der Forward. "Beide erreichten jedoch das genaue Gegenteil: Jeder entblößte unbewusst die Schwäche des anderen. Für amerikanische Juden verdeutlichte der Besuch die Distanz zwischen Israel und den USA: Es war schmerzlich zu sehen, wie wenige Tage nachdem Bush (ganz besonders von den jüdischen Wählern) einen Denkzettel erhalten hatte, der israelische Premier den angeschlagenen Präsidenten mit Lob überschüttet."

Dennoch, es gab auch andere Begegnungen zwischen amerikanischen und israelischen Delegationen, die weitaus erfreulicher waren. Bei der Generalkonferenz der "United Jewish Communities: The Federation of North America", die unter dem Motto "One People, One Destiny" im November in Los Angeles stattfand, waren so viele israelische Politiker (unter anderem Premier Ehud Olmert, Benjamin Netanyahu und Außenministerin Tzipi Livni), Geschäftsleute und Prominente eingeladen, dass einige Israelis spöttelten, man könnte doch die nächste Kabinetsitzung statt in der Knesset gleich hier abhalten. Die Konferenz beleuchtete die engen Beziehungen beider Seiten. Und amerikanische Juden haben bisher schon $350 Millionen für die "UJC Israel Emergency Campaign" gespendet.

*

 

Wie zu erwarten hat Jimmy Carters im November erschienene Buch Palestine: Peace Not Apartheid eine heftige Debatte ausgelöst. Über den Titel wurde gestritten, dass Carter historische Ereignisse falsch wiedergegeben habe, und dass er Landkarten ohne Quellenangabe für sein Buch benutzt habe. Ausserdem hätte er den Holocaust in seiner Geschichtsschreibung ignoriert und den Palästinensern zugestanden, Gewalt anzuwenden, solange Israel ihr Recht auf einen eigenen Staat nicht anerkenne. Zu seiner Verteidigung sagte Carter, "Apartheid" bezöge sich nicht auf Israel proper, sondern nur auf Israels Aktivitäten in den besetzten Gebieten. Mit dem provokativen Titel wollte er eine Diskussion auslösen, was ihm wahrlich gelungen ist.

Carter wurde ein Antisemit genannt (unter anderem von ADLs Abraham Foxman), ein Lügner und Plagiator. In seiner Verteidigung behauptete Carter, nur jüdische Organisationen hätten Kritik an seinem Buch geübt; es schien also, als schrecke Carter auch nicht vor dem Klischee der "Macht der jüdischen Medien" in seiner Argumentation zurück, als er behauptete, dass es in den letzten 30 Jahren keine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema in den amerikanischen Medien gegeben habe, weil Journalisten sich scheuen, offene Kritik an Israel zu üben.

Vertreter jüdischer Organisationen sind bitter enttäuscht, dass sich der Nobelpreisträger und Camp David Friedensstifter jetzt als Partei ergreifender, unerbittlicher Kritiker Israels entpuppt. "Es ist schwer, eine Ikone zu kritisieren", schrieb Deborah Lipstadt in Newsweek. "Wenn [Ku Klux Klan Gründer] David Duke so etwas schreibt, ist das zum Gähnen. Wenn aber Jimmy Carter das tut, wird mir Angst und Bange."

Viele Israelis verstehen die Kontroverse nicht. "Ich bin ein bisschen neidisch auf eine Kultur, in der ein Buch, oder gar ein Buchtitel, solch eine Debatte auslösen kann", schrieb Yossi Beilin im Forward, obwohl "nichts an Carters Kritik nicht schon längst von Israelis selbst geäußert wurde". Amerikanischen Juden jedoch ist solch eine kompromisslose Kritik an Israel fremd. Man erinnere sich nur an die vehemente Diskussion um die kontroverse These von John Mearsheimer (Universität Chicago) und Stephen Walt (Harvard Universität), die in einem langen Essay mit dem Titel "The Israel Lobby" (im März 2006 im London Review of Books erschienen), behaupteten, Amerika und die U.S. Außenpolitik seien im festen Würgegriff der "Israel Lobby" (siehe auch Notizen aus den USA, 2. Quartal 2006). Eben dass Carter so kurz nach der Mearsheimer/Walt Debatte jetzt seinen Teil dazu beiträgt, gibt der Kontroverse Gewicht und verleiht ihr Glaubhaftigkeit, meint der Direktor des American Jewish Committee, David Harris.

Eine Reihe von prominenten jüdischen Beratern und Anhängern des 1982 gegründeten Carter Centers in Atlanta, das sich für Demokratie, Konfliktbekämpfung, Freiheit und globale Gesundheitsreformen einsetzt, traten aus Protest über das Buch zurück. Unter den 15 war auch der ehemalige Direktor des Centers, Kenneth W. Stein. Dann sagte die Central Conference of American Rabbis — mit 1.500 Mitgliedern die grösste Organisation ihrer Art in Amerika — einen für März geplanten Besuch im Carter Center ab. Carter wurde im Januar zu einer Podiumsdiskussion in der säkularen jüdischen Brandeis Universität in Massachusetts eingeladen, wo er freundlich empfangen wurde und seine Position vor den Studenten erklären konnte.

Yossi Beilin jedoch bleibt zuversichtlich: Das Buch ist "eine Warnung an Israelis und Palästinenser, zwischen Frieden und Apartheid wählen zu müssen. Carter ist unmissverständlich für Frieden, und trotz des harschen Tones in seinem Buch hofft er, dass auch wir Frieden wählen werden."

*

 

Die Holocaustkonferenz in Teheran im Dezember kam für die Bush Administration zu einem denkbar ungeeigneten Zeitpunkt. Denn die Konferenz wurde einberufen, kurz nachdem die "Baker/Hamilton Iraq Study Group" in ihrem Bericht empfohlen hatte, den Iran direkt in eine diplomatische Konfliktlösung im Irak einzubeziehen. Die Administration hielt sich mit ihrer Kritik an den Iran daraufhin weitgehend zurück, um einer diplomatischen Konfrontation mit Ahmadinejad aus dem Wege zu gehen. Amerikanische Juden und Israelis nahmen dieses mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis.

Doch dann besann man sich wieder: Im Januar verfasste Amerika in den Vereinigten Nationen eine Resolution, die das Leugnen des Holocausts verurteilte. Die Resolution kam pünktlich zum jährlichen Holocaustgedenktag, der in der U.N. am 27. Januar abgehalten wird, und wurde von allen Mitgliedstaaten — außer natürlich dem Iran — angenommen. Die Holocaustkonferenz in Teheran wurde darin jedoch nicht erwähnt.

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Innerhalb der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft hat sich in der letzten Zeit viel getan. Es geht um existenzielle, soziale, religiöse und gemeinschaftliche Veränderungen und Herausforderungen. Es geht um Antisemitismus, Antizionismus und um die Rolle der Frau. Und es geht um neue, alte und wiederentdeckte Werte und Trends:

I.
Erstmals stieg die geschätzte Zahl der amerikanischen Juden auf über 6 Millionen (6.4 Millionen nach einer neuen demografischen Studie des American Jewish Committee), also wieder weit über der 5.2 Millionen Marke, die bei der letzten Zählung 2003 Zukunftsängste ausgelöst hatte (siehe auch Notizen aus den USA, 4. Quartal 2003). Die USA ist somit wieder grösste jüdische Gemeinde nach Israel, was Unzufriedenheit in einigen Kreisen in Israel auslöste, besonders unter Mitabeitern des Jewish Planning Policy Institutes in Jerusalem. Denn das Institut zählt nur, wer sich über sein Judentum identifiziert und ausdrücklich als Jude definiert, und nach diesen Kriterien liege die Zahl der amerikanischen Juden nur bei 4 Millionen.

II.
Ein Meilenstein im amerikanischen Judentum wurde im Dezember erreicht, als die so genannte zentrale Konservative Bewegung entschied, im Namen des Pluralismus künftig auch homosexuelle Rabbiner zu ordinieren (was im Reformjudentum schon seit 10 Jahren möglich und im orthodoxen Judentum immer noch undenkbar ist); ausserdem dürften gleichgeschlechtliche Ehe Zeremonien durchgeführt werden. Diese Entscheidung wurde jedoch nicht einstimmig getroffen, so dass die regionalen konservativen Gemeinden und Synagogen jetzt individuell entscheiden müssen, ob sie ihre Ordinationskriterien ändern wollen. Die Konservative Bewegung, einst die dominante Bewegung, ist nach dem Reformjudentum die zweitgrößte Bewegung in Amerika.

III.
"Progressive, Jüdische Meinung und der neue Antisemitismus" ist der Titel eines Essays von Alvin H. Rosenfeld, Professor für Englisch und Direktor des Institutes für Jüdische Kultur und Kunst an der Indiana Universität in Bloomington. Der Artikel, den der American Jewish Congress auf seine Internetseite stellte, löste eine heftige, emotionale Debatte aus. Man stritt sich wie es möglich ist, dass jetzt auch Juden Antisemiten genannt werden, wenn diese antizionistische Meinungen vertreten oder Israels Politik verurteilen. Rosenfeld schreibt in seinem Artikel, liberale Juden schürten in ihrer kulturellen Arbeit — als Schriftsteller oder Journalisten — einen virulenten verbalen, so genannten "jüdischen Antisemitismus" und gäben somit Israels Gegnern Munition. Denn, so Rosenfeld, in einer Welt, in der es nur einen heftig umkämpften Staat für Juden gebe, sei Antizionismus eine böswillige Gefährdung der Juden — und somit antisemitisch.

IV.
Einst setzten sich die nationalen jüdischen Organisationen auch für die Belange der diversen lokalen Gemeinden ein, kämpften für Bürgerrechte, gegen Arbeitslosigkeit, für Altenpflege, Immigration, bessere Wohnverhältnisse und günstigere Gesundheitsversorgung. Diese Rolle fällt jetzt immer mehr den kleinen, regionalen jüdischen Gruppierungen zu, denn die nationalen Organisationen sind beschäftigt mit den "grossen" Aufgaben: Bekämpfung von Antisemitismus, ihrer Rolle als Sprachrohr Israels, als Spendensammler sowie Vertreter innenpolitischer nationaler Belange und Leiter interreligiöser Dialoge.

Die kleinen regionalen Gruppierungen werden besonders von den jüngeren Gemeindemitgliedern aufgesucht; sie sind unabhängig, progressiv, dynamisch (manchmal auch radikal), und bereit, im Namen sozialer Gerechtigkeit auch mit umstrittenen Organisationen zusammen zu arbeiten (wie fundamentalistische christliche, muslimische oder militante Gruppen), mit denen die grossen nationalen jüdischen Organisationen nie assoziieren würden. Das ist, so die Direktorin des "National Council of Jewish Women", "eine neue Art von jüdischem Aktivismus." Zu den Gruppierungen zählen Organisationen wie der "Jewish Council on Urban Affairs" in Chicago, Philadelphias "Jewish Social Policy Action Network", die "Jewish Alliance for Law and Social Action", New Yorks "Jews for Racial and Economic Justice" und Kaliforniens "Progressive Jewish Alliance".

V.
Es ist noch gar nicht so lange her, als der Name "Yale" bei amerikanischen Juden einen bitteren Beigeschmack hatte, weil es den meisten von ihnen nicht gestattet war, an der renommierten Universität zu studieren. Bis in die späten 50er Jahren durften nur 10 Prozent der Studenten Juden sein, und bis in die 90er Jahre wurden orthodoxe jüdische Studenten in Yale diskriminiert. Diese Zeiten sind jedoch endgültig vorbei: Yale hat jetzt einen neuen Lehrstuhl eröffnet, das "Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism", das erste Programm dieser Art an einer nordamerikanischen Universität. Yale hat eine jüdische Studentenschaft und ein jüdisches Studentenheim. Ein Drittel der Fakultät sind Juden. Yale hat einen jüdischen Präsidenten und bald einen Eruv, der es gläubigen Juden ermöglicht, Bücher am Shabat zu tragen. Kaum zu glauben, aber Yale ist jetzt "eine sehr jüdische Universität", meint der Direktor von Chabad in Yale, Rabbi Shua Rosenstein, in der Jewish Week. Und auch Ivan Marcus, Leiter des Lehrstuhls für Jüdische Studien meint, "es gilt als chic in Yale, jüdisch zu sein".

VI.
Jüdische Frauen nehmen in Amerika eine immer stärkere führende Position ein, da sie ungehindert Rabbinerinnen werden können und die Leitung von Gemeinden, Synagogen und Universitäten übernehmen. Ihr Anteil an der Führungsspitze ist weit höher als der Anteil der Frauen in säkularen und geschäftlichen Führungspositionen. Die Gleichstellung der Frau ist in den jüdischen Gemeinden am weitesten vorangeschritten. Und nur in den grossen nationalen jüdischen Organisationen ist die Zahl der Frauen in führenden Positionen noch gering. "Die Gleichstellung der Frau im amerikanisch jüdischen Leben ist eine Normalität und macht keine Schlagzeilen mehr", meint Rela Mintz Geffen, Präsidentin der Baltimore Hebrew University in einem Interview mit dem Jerusalem Center for Public Affairs.

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Fast zehn Jahre nach Einreichen der Massenklage von Holocaustüberlebenden und deren Angehörigen gegen die italienische Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali, ist es jetzt zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen. Den Klägern geht es in erster Linie darum, dass die Überlebenden noch zu ihren Lebzeiten wenigstens eine Teilauszahlung ihrer Lebensversicherungen erhalten. Kritiker an der Einigung meinen jedoch, dass nach der Entklassifizierung und Freigabe von Dokumenten aus der Nazizeit, die in Bad Arolsen lagern, jetzt möglicherweise neue Versicherungsinhaber gefunden werden könnten, die dann leer ausgehen würden.

In der Einigung gibt Generali keine Schuld zu, Holocaustüberlebenden eine Auszahlung ihrer Lebensversicherungen bisher verweigert, oder zumindest erschwert zu haben. Man schätzt, dass bei Generali 110.000 Juden Lebensversicherungen abgeschlossen hatten in einem Gesamtwert von heute $4,5 Milliarden. Generali hat bisher 5.200 Versicherten eine Entschädigungen in Höhe von $135 Millionen gezahlt, sowie weitere $40 Millionen an diverse Holocaustfunds. Generali hat bisher von allen Versicherungen, die während der Nazizeit jüdische Kunden hatten, die höchsten Entschädigungen gezahlt.

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Der unermüdliche Nazijäger Elliot Welles ist im Dezember im Alter von 79 Jahren in seinem Haus in der Bronx, New York, gestorben. Der in Wien als Kurt Sauerquell geborene Holocaustüberlebende und langjährige Leiter der Abteilung für Nazikriegsverbrecher der B'nai B'rith Anti-Defamation League, spürte Nazis auf, die sich ungehindert in Amerika niedergelassen hatten, und brachte sie im Ausland vor Gericht — unter ihnen auch den Mann, der Welles' Mutter aus dem Ghetto Riga in den Tod geschickt hatte. Nach der Ermordung seiner Mutter, wurde Welles in das Lager Stutthof gebracht und konnte während des Todesmarsches gegen Ende des Krieges nach Wien fliehen.

Welles kam 1949 nach New York und wurde Mitinhaber des Restaurants "Lorelei" im deutsch-amerikanischen Viertel "Yorkville" in Manhattan. So konnte er leicht Kontakte zu deutschen Immigranten und Diplomaten knüpfen. Den Mörder seiner Mutter spürte Welles in Deutschland auf; der SS-Mann kam 1976 vor Gericht — und wurde wegen Mangel an Beweisen nur zu 2-3 Jahren Haft verurteilt.

Regierungsstellen und Ämter hatten es schwer, Holocaustüberlebende über ihre Erfahrungen und Erinnerungen zu befragen, weil die Überlebenden ihnen nicht trauten. Elliot Welles jedoch vertrauten sie.


 

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