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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

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TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

Dezember 2006
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Wahlen im Kongress
Jimmy Carters literarischer Ausrutscher
Neue amerikanisch-jüdische Friedensgruppe
AIPAC unter neuem Verdacht
Hate crimes in Amerika
Neuverteilung Schweizer Gelder
In Memoriam Benjamin Meed

 

 

Beim Schreiben dieser Zeilen ist es noch eine Woche hin bis zur Wahl für den Senat und das Repräsentantenhaus. Nichts kann daher über das Ergebnis gesagt werden, oder ob es die Demokraten allen Vorhersagen zu Folge wirklich geschafft haben, die Mehrheit in beiden Häusern zu übernehmen [was sie, wie man jetzt weiss, wirklich schafften]. Der Endspurt vor der Wahl hatte jedoch eines erwiesen: die jüdischen Wähler und Israel standen diesmal noch mehr als sonst im Vordergrund der Wahlkampagnen; jüdische Wähler machen zwar nur einen kleinen Prozentsatz aller Wähler aus, leben aber zu einer grossen Zahl in den am meist umkämpften Staaten — wie New Jersey, Pennsylvania, Florida und Ohio — wo sich entscheiden wird, ob die Republikaner ihre Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus beibehalten können oder nicht.

Nicht nur, dass alle Kandidaten eifrig versuchten, sich gegenseitig in ihrer Israelfreundlichkeit zu übertreffen, auch waren viele der demokratischen Kandidaten Juden (und ausgesprochen pro-Israel eingestellt). Die jüdischen Wähler wussten, dass ein demokratischer Sieg mehrere jüdische Senatoren und Repräsentanten des Kongresses in führende Positionen und in wichtige Komitees erheben könnte, was einen direkten Einfluss auf Amerikas Aussenpolitik mit sich brächte. Diese Komitees reichen vom Regierungsreformkomitee, über das Finanzkomitee, das Komitee für diplomatische Beziehungen, bis zum Ethikkomitee (das führend sein könnte, Präsident Bushs Irakpolitik zu durchleuchten).

Die Republikaner hingegen verschärften ihre Rhetorik und behaupteten, Demokraten wären weitaus weniger freundlich gegenüber Israel eingestellt als Republikaner. Zum Teil stimmt das auch. Aber ein Blick in die Geschichte zeigt auch, dass es ausgerechnet ein demokratischer Präsident war, Bill Clinton, der sich vorbehaltlos für die Belange Israels einsetzte. Nur 19 Prozent der jüdischen Wähler stimmten 2000 für George W. Bush; diese Zahl stieg 2004 auf 22 Prozent.

Eine NBC/Wall Street Journal Umfrage im Juli hat ergeben, dass 84 Prozent der Republikaner, und nur 43 Prozent der Demokraten, mit Israel sympathisieren. Eine separate Los Angeles Times/Bloomberg News Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass 39 Prozent der Demokraten und 64 Prozent der Republikaner eine enge Beziehung mit Israel anstreben. Und das American Jewish Committee hat jetzt in ihrer jährlich durchgeführten Umfrage ermittelt, dass 62 Prozent der amerikanischen Juden Bushs Krieg gegen den Terror kritisieren und 65 Prozent den Krieg gegen den Irak ablehnen; 32 Prozent der Befragten sehen sich als politisch moderat und in der Mitte.

Diese Wahl galt als besonders ausschlaggebend für die Zukunft der amerikanischen Innen- und Aussenpolitik und als ein wichtiger Wegweiser für die Präsidentschaftswahl 2008. Die Wahlkampagnen hatten einen dementsprechend scharfen Unterton, und die politischen Parteispenden überschlugen sich. Viele der Spenden an die demokratische Partei kamen von amerikanischen Juden. In einigen Fällen wurden auch Republikaner von jüdischen Wählern unterstützt, wenn sie im Senat oder im Repräsentantenhaus bewiesen hatten, dass sie positiv zu Israel stehen (und auch Präsident Bush hat sich auf den ersten Blick in seinen zwei Amtsperioden als ein Freund Israels, als jemanden, der sich nicht in Israels Angelegenheiten einmischen will — oder kann — gezeigt). Da jedoch jüdische Wähler liberaler eingestellt sind als es die Republikaner erlauben, sahen sich viele vor die schwierige Wahl gestellt, einen sozial und wirtschaftlich liberalen demokratischen Kandidaten letztendlich doch einem Republikaner vorzuziehen, egal wie sehr sich dieser für Israel einsetzt.

Eine solide Mehrheit der amerikanischen Juden ist gegen den Irakkrieg, fühlt sich aber nicht richtig durch die Friedensinitiative repräsentiert. Die Anti-Kriegskoalition hat nämlich einen deutlichen antiisraelischen Beigeschmack, da der Irakkrieg im Interesse Israels stand (und viele behaupten immer noch, einflussreiche amerikanische Juden in Washington hätten Bush auf eine Intervention im Irak gedrängt). Die Republikaner versuchten, dieses Dilemma auszunutzen, und jüdische Wähler doch noch für sich zu gewinnen, nach dem Motto "wir sind pro-Israel. Die Antikriegskoalition ist es nicht."

Die Demokraten konterten, dass Bush zwar für Israel spreche, seine Aussenpolitik aber inkonsequent sei und Israel schade. So habe Bush Amerikas zentrale Rolle im Nahostfriedensprozess aufgegeben, und er hielte sich aus allem heraus, was nicht direkt mit Irak oder dem Krieg gegen den Terror zu tun habe. Israel habe nach seinem 32-tägigen, nicht zu gewinnenden Libanonkrieg im Sommer wichtige Konsequenzen gezogen und von strategischen Fehlern gelernt. Die USA täte das angesichts des eskalierenden Irakkrieges, nach drei Jahren immer noch nicht. Und selbst Bush-freundliche amerikanische Juden erkennen, dass die U.S. Aussenpolitik ganz klar vitale israelische Interessen verletze (und Israel weniger sicher mache), und dass der Irakkrieg von anderen wichtigen Aufgaben im Nahen Osten — wie das Bekämpfen des islamischen Fundamentalismus und das Bremsen der iranischen Atompolitik — ablenke. Die Demokraten wollen den unentschlossenen jüdischen Wählern, die gegen den Irakkrieg sind und stark pro-Israel eingestellt sind, ein neues zu Hause bieten.

Im Endspurt vor der Wahl hat die nationale Organisation jüdischer Republikaner weit mehr für Anzeigen in den Medien ausgegeben als die Vereinigung jüdischer Demokraten. Rund eine Million Dollar waren der republikanischen Vereinigung diese Wahlanzeigen in jüdischen Zeitungen wert, um jüdische Wähler in den letzten Tagen vor der Wahl doch noch für sich zu gewinnen und sie davon zu überzeugen, die Demokraten kehrten "Israel den Rücken".

Trotz allem, die Israel freundliche Einstellung Amerikas ist und bleibt, weithin, überparteilich. Eine im August von der unabhängigen Quinnipiac Universität in Connecticut durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass für Amerikaner, Israel (nach England und Kanada) das dritte Land ist, das am engsten mit den USA verbunden ist. Und Israels Politiker wissen ganz genau, dass jeder U.S. Präsident, Republikaner oder Demokrat, sowie jede Konstellation im Kongress, immer Israels Interessen und Sicherheit im Auge behalten werden.

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In den Wahlkampf der Demokraten passte das neue Buch des ehemaligen U.S. Präsidenten Jimmy Carter nun wirklich nicht. Das Buch mit dem Titel "Palestine: Peace not Apartheid" (Simon & Schuster) sollte ursprünglich vor der Wahl, am 1. November, erscheinen. Carters These (und seine scharfe Kritik an Israel in der Handhabung des Libanonkonfliktes) passte natürlich genau zur Wahlpropaganda der Republikaner: Hier also sei der Beweis, dass jüdische Wähler nicht auf die Demokraten zählen dürften, wenn es um Israels Interesse gehe. Carters Meinung sei die Ausnahme, beschwichtigten dagegen die Demokraten ihre Wähler.

Der Verlag beschloss daraufhin, das Buch erst nach der Wahl, und zwar am 14. November, in den Handel zu bringen.

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Eine neue liberale jüdische Friedensgruppe unter dem Dach des Israel Policy Forum ist im Entstehen. Gegründet wird sie von Aktivisten, Politikern (unter ihnen Yossi Beilin und Jeremy Ben-Ami, einem Berater Bill Clintons) sowie Philanthropen (unter anderem George Soros, sowie Edgar und Charles Bronfman). Die Gruppe will auf Präsident Bush Druck ausüben, eine aktivere Vermittlerrolle im israelisch-palästinensischen Konflikt einzunehmen und sich dafür einzusetzen, dass die Friedensgespräche wieder aufgenommen werden.
Berichten der Jewish Telegraph Agency zu Folge, sieht sich die formierende Gruppe als eine liberalere Alternative zum American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) in Washington. Noch nie zuvor habe Amerika sich so wenig um die Zustände im Nahen Osten, um Israelis und Palästinenser, gekümmert, so ihr Kredo. Amerika war immer der Katalysator in der Nahost Friedenspolitik. "Wir müssen wichtige Leute im Nahen Osten einsetzen, die 24 Stunden am Tag für die israelische Regierung da sind, und nach neuen Initiativen suchen", meint Senator Joseph Biden, Mitglied des Foreign Relations Committee im Kongress. Die Gruppe setzt sich für eine zwei-Staaten-Lösung ein. Auch sollte Amerika Israels Beispiel folgen und direkte Gespräche mit Syrien wenigstens erwägen. Und irgendwann wohl dann auch mit dem Iran.

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Apropos AIPAC: Noch immer hat sich nicht entschieden, wie die beiden AIPAC Mitarbeiter, die beschuldigt wurden, geheime Dokumente über den Iran erhalten und an Israel weitergegeben zu haben [siehe Notizen aus den USA, beginnend mit Heft 172, 2004] letztendlich entschieden wird. Man weiß nur soviel, dass es im Prozess, der in den nächsten Monaten beginnen wird, um die Meinungsfreiheit allgemein gehen wird sowie um Israels Rolle als Amerikas Verbündeter. Ein Richter hat jetzt entschieden, dass nicht nur das Weitergeben, sondern auch das (selbst unwissendliche) Erhalten von Geheimdokumenten strafbar sei, und er begründete seine Entscheidung mit einem uralten, noch nie benutzten Strafgesetz aus dem Jahre 1917. Damit würde jeder, und insbesondere Journalisten, sich strafbar machen, der Dokumente annimmt, die sich später als geheim herausstellen sollten. Kritiker sehen dies als eine gefährliche Einschränkung des freien Meinungsaustausches an.

Doch AIPAC hat noch mehr zu schultern: Time Magazine berichtete, dass AIPAC jetzt auch unter Verdacht stehe, es habe sich in die Belange des Kongresses eingemischt. Der FBI soll jetzt untersuchen, ob AIPAC und Jane Harman, eine Repräsentantin aus Kalifornien und rankhöchste Demokratin im House Intelligence Committee des Kongresses, ein Abkommen abgeschlossen haben. AIPAC solle sich nach einem Wahlsieg der Demokraten im Kongress aktiv dafür einsetzen, dass Harman als Vorsitzende des House Intelligence Commitee ernannt werde. Im Gegenzug würde Harman dafür sorgen, dass die beschuldigten AIPAC Mitarbeiter im Spionagefall milder behandelt werden. AIPAC habe sich schon jetzt an mehrere Demokraten im Kongress gewandt, um Harman für das Amt der Vorsitzenden vorzuschlagen. Bewiesen sei aber nichts.

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Das FBI hat jetzt seine Statistiken für so genannte hate crimes in den USA im letzten Jahr veröffentlicht. Demnach wurden 2005 insgesamt 8.804 hate crimes registriert. Davon waren 1.405 Menschen, Opfer anti-religiöser Angriffe; die Mehrzahl, nämlich 69.5 Prozent, waren Juden.

Antisemitismus ist also immer noch eine reale Bedrohung für amerikanische Juden. Das American Jewish Committee hat bei einer Umfrage erfasst, dass 65 Prozent der Befragten glauben, Antisemitismus sei "ein Problem" in den USA. Nur 26 Prozent gaben jedoch an, es sei für sie "ein sehr ernstzunehmendes Problem".

Dabei meinten die meisten (61 Prozent) der befragten Juden, dass ihr Judentum "sehr wichtig für sie sei", und sie würden es nie verleugnen. Insgesamt leben 6,4 Millionen Juden in den USA. Die Hälfte der amerikanischen Juden lebt in New York, Los Angeles und im Südosten Floridas.

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Es gibt wieder Neues zu berichten von der umstrittenen Verteilung der Restgelder aus dem Schweizer Bankenfonds, die laut Richter Edward Korman aus Brooklyn hauptsächlich an arme Holocaustüberlebende in der ehemaligen Sowjetunion gehen sollten [siehe Notizen aus den USA, beginnend mit Heft 169, 2004]. Jetzt hat Korman beschlossen, den Erben der ehemaligen Kontenbesitzer in der Schweiz doch mehr Gelder aus dem Restfonds zukommen zu lassen — in Höhe von $803 Millionen — bevor andere hilfsbedürftige Holocaustüberlebende unterstützt werden. Die Gelder gehören in erster Linie den Überlebenden und Erben ehemaliger Kontobesitzer, so Korman, deren Zahl nach jüngsten Überprüfungen der Banken doch größer ist, als vorher angenommen wurde. Erst wenn alle ausbezahlt werden, könnten die Restgelder (sollte noch etwas übrig bleiben) an andere hilfsbedürftige Holocaustüberlebende gehen, so Korman.

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Benjamin MeedBenjamin Meed, Holocaustüberlebender und Präsident des "American Gathering of Jewish Holocaust Survivors" ist Ende Oktober im Alter von 88 Jahren in Manhattan verstorben.

Meed, ein Überlebender aus dem Warschauer Ghetto, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Holocaustüberlebende zusammenzuführen und ihnen eine Stimme zu geben.

Meed gründete 1981 die Organisation "The American Gathering of Jewish Holocaust Survivors & Their Descendants" (http://www.americangathering.com/), deren Mitglieder zu jährlichen Versammlungen und Wiedervereinigungen in Washington zusammenkamen; mit Hilfe der Organisation wurden viele auseinander gerissene Familien wieder zusammengeführt. Das erste Treffen fand 1981 mit 10.000 Beteiligten in Israel statt. Zwei Jahre später kamen schon 20.000 Menschen in Washington zusammen.

Ausserdem war Meed an der Gründung zweier Holocaustmuseen in den USA beteiligt — das United States Holocaust Memorial Museum in Washington und das Museum of Jewish Heritage in Manhattan — und er initiierte jährliche Holocaustgedenktage in Washington und New York. Meed und seine Frau gründeten ausserdem 1966 die "Warsaw Ghetto Resistance Organization".

Darüber hinaus initiierte Meed das "Benjamin and Vladka Meed Registry of Jewish Holocaust Survivors", eine Datenbank, in der mehr als 185.000 Holocaustüberlebende erfasst wurden, über die sich Hunderte von Überlebenden wieder finden konnten und viele Familien zusammengeführt wurden.

"Die Krone ist uns aus den Händen gefallen", so Mitglieder des American Gathering. "Wir trauern um einen Menschen, der uns eine Stimme moralischer Autorität gab."

 

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