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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

 

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA

 

TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

Juni 2006
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Angriffsziel "Jüdische Lobby"
Ku Klux Klan und Skinheads
Satmar Chassiden: Trauer und Tumult
Burt Neubornes Rechnung
100 Jahre American Jewish Committee
Solidarität mit israelischen Arabern
Homosexuelle Konservative Juden?
Amerikanische Medien in Reue
Und immer noch tobt der Karikaturenstreit

 

 

In den Vereinigten Staaten wird der Begriff "Jüdische Lobby" oft gebraucht und weckt keine negativen Konnotationen. Diese "Lobby", der unter anderem das American Israel Action Committee (AIPAC) ebenso angehören wie einige fundamental-christliche Organisationen (die sich vehement für Israel einsetzen), ist in Washington aktiv, und arbeitet Seite an Seite mit anderen politischen "action committees" zusammen. So weit so gut. Jetzt hat ein kontroverser Artikel von zwei angesehenen Professoren versucht, die "Jüdische Lobby" zu diskreditieren. Doch Wenige hörten richtig zu.

John Mearsheimer von der Universität Chicago und Stephen Walt von der Harvard Universität schrieben in einem langen Artikel mit dem Titel "The Israel Lobby" (Die Israelische Lobby), der am 23. März im London Review of Books erschien, dass Amerika und die U.S. Außenpolitik im festen Würgegriff der "Israel Lobby" stehen, dass diese "Lobby" Amerika dazu gebracht habe, den Irak anzugreifen, und das die enge Zusammenarbeit zwischen Israel und den USA den Krieg gegen den Terror unterminieren, ja den Hass der arabischen Welt auf Amerika erst angefacht habe.

Die amerikanischen Medien schenkten dem Artikel keine große Beachtung, und auch die jüdischen Zeitungen und Organisationen hielten sich mit ihrer Kritik weitgehend zurück: Man warte ab, bis die U.S. Medien das Thema ansprechen, um dann zu kommentieren, war die Begründung.

Doch die Medien nahmen sich dem Thema nur halbherzig an, und die wenigen, die sich dann doch zu einem Kommentar aufrafften, kritisierten die Polemik des Artikels auf das Heftigste. "Er rieche nach Antisemitismus", so der Kolumnist Christopher Hitchens. Tony Rudd, Direktor an der New York University, benannte den in seinen Augen wahren Grund des Schweigens der Medien in einem Kommentar in der New York Times: Angst. "Die Angst, [dass eine Auseinandersetzung mit den Thesen der Autoren] ausgelegt werden könne als Legitimierung einer ‚jüdischen Konspiration'; Angst, als anti-israelisch eingestuft zu werden und Angst, des Antisemitismus beschuldigt zu werden."

Die Organisation "Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America" (CAMERA) nannte den Artikel in einem langen Gegenbericht "äußerst peinlich" für die Harvard Universität und die Universität Chicago. Beide Universitäten sollten Abstand nehmen von diesem "minderwertigen, voreingenommenen und drittklassigen" Artikel. "Ein Student, der solch eine Arbeit produziert hätte, würde von der Uni fliegen." Und Malcolm Hoenlein, Executive Vice Chairman der "Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations" sagte gegenüber dem Forward: "Wir wollen nicht so reagieren, wie von den Autoren erwartet wird, also keinen Wortgefecht zwischen ihnen und den jüdischen Organisationen anfachen, und wir wollen nicht beschuldigt werden, die Autoren zum Schweigen bringen zu wollen. Es ist besser, wenn andere den Artikel kommentieren."

Die Jewish Week fürchtet, dass der Artikel den Gegnern des Irakkrieges Munition gebe, eine "jüdische Konspiration im Irakkrieg" zu sehen, um dann die Juden für den Krieg verantwortlich zu machen. Die Anti-Defamation League (ADL) will abwarten, wie weit der Artikel Wellen schlägt, bevor sie eine Presseerklärung abgibt. Und Jennifer Laszlo Mizrahi, Präsidentin des Israel Project, einer uneigennützigen Organisation in Washington, meinte in der Jewish Week, dass der Artikel von denen aufgegriffen wurde, "die eh schon gegen Israel eingestellt sind. Alle anderen Medien wüßten, wie tief die Solidarität mit Israel bei den Amerikanern verwurzelt ist."

Nur der Forward beklagte in einem Kommentar die gehobene Position der Autoren — beide renommierte Professoren für Außenpolitik an Elite Universitäten. "Beide können nicht als verrückte Außenseiter angesehen werden. Ganz im Gegenteil. Was aber könnte zwei der besten und kompetentesten Experten der Außenpolitik dazu gebracht haben, so einen peinlichen Bericht zu verfassen? […] Wir leben in schlimmen Zeiten: Irakkrieg, Staatsverschuldung und die Gletscher schmelzen auch noch. Jemand muß der Schuldige sein. […] Sie finden ihn, wie andere vor ihnen auch, in den Juden."

Mehr dazu:

"The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy", John J. Mearsheimer and Stephen M. Walt, Harvard University.

CAMERA study "Decrying "Israel Lobby"

The American Thinker: "Stephen Walt's War With Israel", March 20, 2006

"The Basis of the U.S.-Israel Alliance", Jerusalem Center for Public Affairs, March 24, 2006

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CNN berichtete, dass der Ku Klux Klan (KKK) und andere Extremisten in den USA in den letzten fünf Jahren um 33%, von 600 auf 800 Gruppierungen, angewachsen sind. Dabei sind die Mitglieder des KKK jünger und arbeiten jetzt verstärkt mit anderen Gruppieren, wie Skinheads und Neonazis, zusammen. Der KKK kämpfe weniger gegen Afroamerikaner, wie in der Vergangenheit, sondern sei, so CNN, "nazifiziert, dass heißt, Juden sind jetzt der Hauptfeind". Außerdem glorifizierten Anhänger des KKK immer mehr Hitler, seien aber noch nicht militant und in jedem U.S. Staat anzufinden.

Einem Bericht der ADL zu Folge, sind kriminelle Taten gegen Juden, Afroamerikaner, Homosexuelle, Lateinamerikaner und Immigranten von Seiten rassistischer Skinheads in der letzten Zeit in allen U.S. Staaten sehr angestiegen. Die ADL identifizierte 110 Skinheads Gruppen, die meisten von ihnen existieren erst seit weniger als fünf Jahren. Skinheads waren in den letzten Jahren für 83 kriminelle Taten verantwortlich, sowie 17 Morde, Totschläge oder versuchte Morde.

Im März ist ein Holocaust Archiv des "Holocaust History Project" in Houston, Texas, einem Brandanschlag zum Opfer gefallen, die Polizei wisse aber noch nicht, ob es sich um ein sogenanntes "hate crime" handele. Der Schaden betrug $350.000 und 2.000 Bücher über den Holocaust wurden bei dem Brand zerstört.

Mehr dazu:

ADL Studie "Racist Skinheads Project"

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Der Tod des Grossen Rebbes (Grand Rabbi) der größten und am schnellsten wachsenden antizionistischen, ultra-orthodoxen Sekte — der Satmar Chassiden (deren Vorfahren aus Osteuropa kamen) — hat die 65.000-75.000 große Gemeinde in Williamsburg, Brooklyn, dem Hauptsitz der Satmar, zerspalten. Rebbe Moses Teitelbaum ist am 24. April im Alter von 91 Jahren verstorben, ohne einen Nachfolger unter seinen Söhnen bestimmt zu haben. Zwei seiner Söhne, Aaron, 57, und Zalmen, 54, streiten jetzt um die Nachfolge und die Verwaltung des $500 Millionen Vermögens der Satmar und drohen bis vor das Oberste Gericht zu gehen. Das letzte Wort in diesem wortstarken Drama ist wohl noch lange nicht gesprochen worden.

Dass die sonst so zurückgezogen lebende und eher abseits stehende Sekte jetzt, wider Willen, in die Schlagzeilen geraten ist, hat die Jewish Week veranlaßt, zur Solidarität mit den Ultraorthodoxen aufzurufen und um Verständnis für ihre Lebensweise. In einem Kommentar heißt es: "Wir besuchen zu Tausenden die leeren Shtetl in Polen, aber wir waren noch nicht bei den Satmars in Brooklyn. Es gibt kaum eine Gemeinde, die die Nächstenliebe und die soziale Hilfe für die Mitmenschen so selbstlos betreibt. […] Wir akzeptieren schon lange in unserer Mitte Juden, die sich um das Judentum wenig scheren. Sonderbar, dass uns dann die Satmar gleichgültig sind, wo doch Anti-Zionismus und Post-Zionismus auch bei uns verbreitet sind. […] Wenn jüdische Einigkeit noch eine Bedeutung hat, dann die, dass wir uns gegenseitig kennen- und verstehen lernen müssen."

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Von 1996 bis 1998 hatte der Rechtsanwalt Burt Neuborne Holocaustüberlebende gegen die Schweizer Banken vertreten und einen $1.25 Milliarden Entschädigungsfond ausgehandelt. Neuborne wollte für seine Arbeit nicht bezahlt werden, und wurde dafür von seinen Klienten sehr geschätzt. Nach 1999 setzte sich Neuborne weiter für seine Klienten und eine Verteilung der Entschädigungsgelder ein — diesmal wollte er aber für seine Arbeit bezahlt werden, und zwar satte $4.1 Millionen. Vertreter von 18 Organisationen von Holocaustüberlebenden oder deren Angehörigen gingen auf die Barrikaden.

Nach Meinung von NAHOS, der "National Association of Jewish Holocaust Survivors", verdiene Neuborne diesen hohen Lohn nicht; auch habe er seine Klienten nicht richtig repräsentiert. In den letzten fünf Jahren haben Holocaustüberlebenden in den USA insgesamt rund $3 Millionen aus dem Schweizer Bankenfonds erhalten. "Der Rechtsanwalt, der unsere Interessen vertreten sollte, fordert jetzt mehr als $4 Millionen für sich selbst", beklagt NAHOS Direktor Leo Rechter. "Der Lohn wird aus dem Fonds der Holocaustüberlebenden kommen müssen. Hier ist ein Rechtsanwalt, der nicht unter den Nazis gelitten hat, der ohne Hindernisse studieren konnte, der einen guten Job gefunden hat und gut verdient, der schon rund $4.4 Millionen Lohn erhalten hat als er [im Jahre 1999] Überlebende gegen die deutsche Industrie vertreten hatte, und der sich trotzdem nicht schämt, noch mehr zu fordern." Und Roman Kent, Vorsitzender des "American Gathering" meint: "Erst kamen die Deutschen und nahmen uns alles, dann die Schweizer [Banken] — und jetzt die Rechtsanwälte."

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Das American Jewish Committee (AJC) feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Die Festigkeiten hatten ihren Höhepunkt am 4. Mai mit einer Galafeier in Washington, bei der unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (als erste Bundeskanzlerin sprach sie vor dem AJC), Präsident George W. Bush sowie U.N. Sekretär Kofi Annan eingeladen waren. Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer wurde für seine diplomatische Führungsrolle in den Beziehungen mit Israel ausgezeichnet.

Das AJC wurde 1906 von amerikanischen Juden deutscher Herkunft gegründet als Antwort auf die Pogromwelle in Kishinev, Rußland. Es beschäftigt sich vorwiegend mit den deutsch-jüdisch-amerikanischen Beziehungen und anderen aussenpolitischen Aktivitäten (u.a. im Nahen Osten, Asien-Pazifik, Lateinamerika und Afrika), und bezeichnet sich gerne als das "jüdische Ministerium für innere und äußere Angelegenheiten." Das AJC unterhält seit 1998 als einzige amerikanisch-jüdische Organisation eine Zweigstelle in Berlin, und es war die erste jüdische Organisation, die Deutschland zur Wiedervereinigung gratulierte und unterstützte. Das AJC ist religiös pluralistisch und steht nicht der einen oder anderen Bewegung nahe.

Angela Merkel drückte in ihrer, mit viel Beifall aufgenommenen Ansprache, Dankbarkeit aus, dass sich das AJC als Deutschlands wichtiger Partner im Dialog mit dem amerikanischen Judentum und in den transatlantischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA einsetzt. Diese Zusammenarbeit werde auch weiter verstärkt werden. "Das American Jewish Committee [wird] auch weiterhin Brücken bauen, Impulse geben und durch das Zeugnis seiner Mitglieder und aller, die sich seinen Zielen verbunden fühlen, in die Welt hinein wirken."

Ausserdem sprach Merkel die Gefahr für Israel, und für die Welt, an, die von einem nuklearen Iran ausgehe, ein Thema, das auch ihr Treffen mit Präsident Bush am Tage zuvor im Weißen Haus bestimmte.

Bei den Festivitäten kam es aber auch zu einem Eklat, der das Unverständnis vieler Israelis gegenüber den amerikanischen Juden und der Diaspora zu Tage brachte. Der israelische Schriftsteller A.B. Yehoshua erklärte während eines Symposiums, dass nur der Staat Israel, und nicht das Judentum oder die Diaspora, das Überleben des jüdischen Volkes sichern könne. Nur in Israel könne man als ganzer Jude leben; Juden in der Diaspora könnten diese Identität nicht nachvollziehen, eine Behauptung, die viele empörte Zuhörer von sich wiesen.

Zum 100. Jubiläum hat das AJC eine Internetseite eingerichtet, http://www.ajcarchives.org/main.php, mit archivierten Audios, Videos und Texten (inklusive der vollständigen Jahresbücher des AJC von 1899 bis 2005), von den Anfängen des AJC bis zur Gegenwart.

Das Jubiläum wird unter dem Motto "Die Aussichten für das Judentum im 21. Jahrhundert" gefeiert, und dazu hat das AJC jetzt eine neue Studie über die religiösen und sozialen Neigungen der 1.5 Millionen 18 bis 39-jährigen amerikanischen Juden herausgegeben (die 29% der amerikanischen jüdischen Bevölkerung ausmachen). Die Daten geben einen Eindruck wie die amerikanische jüdische Gemeinde in der Zukunft aussehen könnte. Demnach nimmt die Zahl der orthodoxen Juden stetig zu, liegt aber mit 11% jetzt immer noch weit hinten. Ganze 56% der jungen amerikanischen Juden sind unverheiratet oder verheiratet ohne Kinder, nur 13% sind verheiratet und haben Kinder, 20% sind mit Nicht-Juden verheiratet und rund 50% der Jüdinnen gebären im Vergleich zu der Gesamtbevölkerung ihr erstes Kind relativ spät, mit zwischen 35-39 Jahren.

Die Zahl der orthodoxen Juden zwischen 18 und 29 Jahren ist mit 16% doppelt so hoch wie die Zahl der orthodoxen Juden zwischen 30-39 Jahren. "Das heißt, dass in der Zukunft viel mehr orthodoxe Juden den jüdischen Gemeinden angehören werden und die jüdische Gemeinschaft politisch konservativer werden könnte", so das AJC Vorstandsmitglied Alfred Moses.

Dabei wird der Holocaust weiterhin eine große Rolle in der amerikanisch-jüdischen Identitätsfindung spielen. Gleichzeitig werden sich aber immer mehr amerikanische Juden Israel entfremden, und der Zionismus wird eine immer kleinere Rolle für sie spielen. Bei der diesjährigen Wahl zum World Zionist Congress (WZC) haben nur 76.000 amerikanische Juden ihre Stimme abgegeben — ein historisches Tief. Die meisten wußten nicht, dass die Wahl überhaupt stattfand. Die amerikanisch-jüdische Delegation (30% der 700 Delegierten des WZC), die die USA in Jerusalem repräsentieren wird, ist jetzt zu 45% liberal (Reform), 30% konservativ und 25% orthodox.

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Eine breite Koalition amerikanisch-jüdischer Organisationen hat eine Initiative ins Leben gerufen, um die sozioökonomische Stellung der israelischen Araber, die 20% der israelischen Bevölkerung ausmachen, zu fördern und ihre Gesundheitsversorgung, ihren Lebensstandard, die Arbeitslosenrate und das Schulwesen denen der jüdischen Bevölkerung anzugleichen.

Die apolitische "New Interagency Task Force on Israeli Arab Issues" setzt sich aus sieben politischen sowie wohltätigen Gruppen zusammen: die ADL, die "Conference of Major American Jewish Organizations" (die 52 jüdische Organisationen repräsentiert), der New Israel Fund, die UJA-Federation (New York), das American Jewish Joint Distribution Committee, Bronfman Philanthropies und der Fromm Fund.

Eine siebenköpfige Delegation der Initiative wird im Juni nach Israel fliegen.

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Eigentlich wollte ein Komitee des Konservativen Judentums, das "Committee on Jewish Law and Standards", schon im März entscheiden, ob bald auch Homosexuelle als konservative Rabbiner fungieren dürfen und ob die "Conservative Movement" gleichgeschlechtliche Ehen tolerieren sollte; jetzt soll diese Entscheidung jedoch wieder bis Dezember vertagt werden.

Was in der Reformbewegung schon lange üblich ist, entzweit immer noch die moderate Konservative Bewegung. Schon 1992 hatte das Komitee diese Frage erörtert und mit 19 zu drei Gegenstimmen und einer Enthaltung dann doch abgelehnt.

Die Entscheidung des Komitees wird nur eine Empfehlung an die Rabbiner in den diversen Gemeinden sein, wird aber Auswirkung auf die zukünftige Richtung der Bewegung haben, deren Mitglieder nur noch rund 33% der rund 5-6 Millionen Juden in den USA ausmachen.

Der Vorsitzende des Jewish Theological Seminary — das den Ton in der konservativen Bewegung angibt — ist Rabbiner Ismar Schorsch; er ist vehement gegen eine Änderung der Grundsätze und gegen eine Liberalisierung der Bewegung. Schorsch wird jedoch im Juni in den Ruhestand treten — sein Nachfolgers könnte auf die Entscheidung der 25 Mitglieder des Komitees im Dezember daher großen Einfluß haben.

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Vertreter der Newspaper Association of America (N.A.A.) haben in einer Petition erklärt, dass die Vorläuferin der Assoziation, die Newspaper Publishers Association (A.N.P.A.), es während der Nazizeit (auch aus antisemitischen Gründen) versäumt habe, jüdischen Journalisten die Flucht in die USA zu ermöglichen und das Leben zu retten. Auch ging die A.N.P.A. nicht auf die Bitte eines deutschen, nicht-jüdischen Journalisten, Prof. Carl J. Friedrich, ein, der 1939, nach seiner Einwanderung in die USA, in einem 10-minütigen Vortrag vor den Mitgliedern der A.N.P.A. das schwere Los seiner jüdischen Kollegen in Deutschland ansprechen wollte.

Seine Bitte wurde damals abgeschlagen.

Achtzig prominente Journalisten haben Mitte Februar die Erklärung unterschrieben. Und an mehreren prominenten Universitäten mit Fakultäten für Journalistik wird jetzt untersucht, wie diese sich während des Zweiten Weltkrieges gegenüber den aus Deutschland geflohenen, oder noch in Deutschland festsitzenden, Journalisten verhalten haben.

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Die Debatte um die Karikaturen — die zuerst in einer dänischen Zeitung veröffentlicht wurden und in der arabischen Welt Empörung, Wut und Aufruhr auslösten — hatte auch die jüdische Gemeinde in den USA erfaßt. Mitglieder Jüdischer Organisationen diskutierten heftig, ob und wie amerikanische Juden auf den Streit reagieren sollten, ohne noch mehr zu der Kontroverse beizutragen, sich aber gleichzeitig hinter die religiöse Meinungsfreiheit zu stellen. Denn gerade Juden haben ihre eigenen Erfahrungen mit rassistischen und hetzerischen Karikaturen.

Das American Jewish Committee (AJC) sandte eine Delegation nach Dänemark, um den Dänen seine Solidarität auszusprechen, erklärte aber auch, dass es diese Karikaturen nicht veröffentlicht hätte. Wiederum andere jüdische Organisationen, wie zum Beispiel der American Jewish Congress, kritisierten die Entscheidung des AJC aufs Schärfste. Und erst als antisemitische Hetzreden aus dem Iran zu hören waren, traten die meisten jüdischen Organisationen, unter anderem die Anti-Defamation League, an die Öffentlichkeit und gaben Erklärungen ab.

Die ADL sammelte 10.000 Unterschriften in einem offenen Brief an die islamische Welt, sich endlich gegen jegliche Form von religiöser und rassistischer Hetze und Antisemitismus — auch gegen Juden! — auszusprechen. Und der Forward resümierte in einem trockenen Kommentar: "Irgendwie müssen wir den Dialog zwischen dem Westen und der islamischen Welt wieder herstellen. Die Spannungen sind so gewaltig, dass dagegen die Schwierigkeiten, mit denen Israel konfrontiert ist, fast verblassen."



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