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USA Notizen

 

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Artikel auf Deutsch

 

Unmenschliche Forschung

Der Aufbau: “Unser Aller Tagebuch”

350 Jahre Amerikanisches Judentum

Israelische Soldaten im Kreuzfeuer

Weimar am Pazifik: Juden in Los Angeles

Das Deutschlandbild in den USA

New York—Das Herz der Welt

Judentum ist mehr als Bagel und Lachs

Sprache als Brücke

Paul Celan Rezensionen

Portrait: Ellen Auerbach

“Der Entschluß zum Attentat war sehr schwer”

Der Fall Wallenberg ist lösbar

In Gedenken an Hans Litten

Die “Kosher Nostra” — Moses der Unterwelt

Berlin: Speers braun ummiefte Protzbauten

Home Page > Artikel in Deutsch > Notizen aus den USA

 

TribueneDiese Kolumne erscheint regelmäßig in der Tribüne — Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, die dreimonatlich in Frankfurt erscheint. Meine Kolumne beleuchtet das amerikanische Judentum, sowie deutsch-amerikanische und amerikanisch-israelische Beziehungen. Einzelne Tribüne Ausgaben/Abonnement kann man beim Verlag hier bestellen.

 

rz 2006
Notizen aus den USA

Von Tekla Szymanski

Angela Merkel in Washington
Jack Abramoff Skandal
Immer wieder AIPAC
World Jewish Congress reformiert
Amerikanische Juden ausgefragt
Solidarität mit Darfur
Zionisten? Wir?
John Demjaniuk ausgebürgert
Streit ums Holocaust Museum
Spielbergs Film "Munich" kritisiert
Das Ende eines New Yorker Delis



Angela Merkel und George Bush in WashingtonAngela Merkels Besuch in Washington verlief reibungslos. Washington möchte die Beziehungen zwischen den beiden Staaten wieder verbessern, und Präsident Bush baut wieder auf Deutschlands Mithilfe im Irak. Auch hofft man, Deutschland werde eine Vermittlerrolle zwischen den USA und Russland übernehmen, um eine gemeinsame Politik gegen den atomaren Aufbau des Iran zu formulieren.

"Merkel repräsentiert den Neuanfang der Beziehungen zwischen den USA und Deutschland - und das ist gut für die Juden und für Israel", schreibt Robert B. Goldmann in der Jewish Week. Die atomare Bedrohung, die vom Iran ausgeht, war Hauptthema der Gespräche in Washington, und die Kooperation zwischen Deutschland und den USA nimmt nach der Abkühlung der Beziehungen jetzt wieder zu. In diesem Sinne war Merkels Besuch "ein Erfolg", so Goldman.

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Der Korruptionsskandal um den republikanischen Lobbyisten Jack Abramoff in Washington, in den mehrere U.S. Politiker sowie auch Mitglieder der Bush-Regierung verwickelt sind, wurde in den jüdischen Medien mit besonderem Interesse verfolgt. Nicht nur, weil Abramoff ein orthodoxer Jude ist, sondern ganz besonders, da die Ausmaße des Spendenskandals durchaus Auswirkungen auf jüdische Organisationen haben könnten (die jeden Spender jetzt noch mehr unter die Lupe nehmen werden). Eine Debatte ist jetzt entfacht, ob jüdische Organisationen verpflichtet sind, dubiose Spenden und Spender abzuweisen, obwohl sie den Organisationen helfen, eine gute Sache zu vertreten.

Mehrere orthodoxe Juden haben sich besondern scharf gegen Abramoff ausgesprochen und ihn des "Chilul Hashem", der Gotteslästerung, beschuldigt. Rabbiner Eliyahu Stern von Manhattans Park East Synagoge nannte Abramoff einen Juden, der versagt habe. Dennoch, "Die Taten des Super Lobbyisten, jüdischen Wohltäters und Betreibers eines koscheren Restaurants [das inzwischen geschlossen wurde], werden minimale Auswirkungen auf die jüdischen Fürsprecher in Washington haben", schreibt die Jewish Week. Denn Abramoff habe sich nie mit einer größeren jüdischen Organisation oder mit bestimmten jüdischen Politikern identifiziert.

Doch die jüdischen Gemeinschaft ist besorgt: Einige Kolumnisten, unter anderem von der New York Times, weisen gerne darauf hin, dass Abramoff ein orthodoxer Jude sei. Das sollte aber noch kein Anlass zur Sorge sein - denn hier werden die Missetaten eines Einzelnen nicht auf das Kollektiv übertragen.

Der Skandal ist aber noch lange nicht überstanden. Eine Konsequenz der Abramoff-Affäre ist es, dass Reisekosten von Politikern und Repräsentanten nicht mehr ohne weiteres von Interessenten und Spendern übernommen werden dürfen oder stark eingeschränkt werden müssen. Das würde ganz besonders die kleineren, uneigennützigen jüdischen Organisationen treffen: Die Reiskosten von vielen ihrer Repräsentanten nach Israel werden in der Regel durch Spenden amerikanisch-jüdischer und israelischer Gruppen finanziert - wie AIPAC und das American Jewish Committee.

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In der so genannten Spionageaffäre um das American Israel Political Action Committee (AIPAC), das im August 2004 aufflog, ist jetzt ein Pentagon Mitarbeiter, Larry Franklin, zu einer 12 ½-jährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er den AIPAC Mitarbeitern Steven J. Rosen und Keith Weissman ab April 1999 Geheimdokumente über den Iran übergeben hatte, die Rosen und Weissman dann an israelische Journalisten und Mitarbeiter der israelischen Botschaft weitergeleitet hatten. Die hohe Freiheitsstrafe Franklins könnte ein Anzeichen sein, was auf die beiden anderen Angeklagten zukommen könnte, die mit bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug rechnen können, wenn ihr Prozess im April beginnt.

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Der World Jewish Congress (WJC), dessen Mitarbeiter 2004 beschuldigt wurden sie hätten keine adäquate Kontrolle mehr über die Finanzen des Kongresses und müssten sich einer unabhängigen Rechnungsprüfung unterwerfen, hat Anfang Januar mit internen Finanzreformen begonnen. Ein Prüfungskomitee wurde ins Leben gerufen, sowie ein "Policy Council", dem 20 Mitglieder, unter Leitung des WJC Aufsichtsratmitgliedes Israel Singer, angehören. Weitere Mitglieder des "Policy Councils" sind Stuart Eizenstat, Shimon Peres, der Nahost Experte und Diplomat Martin Indyk, der ehemalige ungarische Premierminister Miklos Nemeth, der ehemalige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky sowie Joschka Fischer. Der "Policy Council" wird jährlich zusammentreffen und den WJC über Themen beraten, die Einfluss auf die jüdische Gemeinschaft in Amerika haben könnten.

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Neue Umfragen des Israel Projects, einer uneigennützigen Organisation in Washington, haben ergeben, dass amerikanische Juden Israel zwar nahe stehen (82% der Befragten), es aber vorziehen, Israels Politik nicht öffentlich zu preisen oder zu verteidigen. Von den 800 befragten gaben 82% an, sie unterstützen zwar Israel - einige der Befragten sogar "sehr stark" - jeder fünfte gab jedoch an, er befürworte Israels Handlungen im Palästinenserkonflikt nicht. Ganze 61% der Befragten gaben zu, Israels Politik im Gespräch mit Nicht-Juden fast nie zu verteidigen. Die Umfrage zeige, wie schwer es für amerikanische Juden sei für Israels Politik in den USA zu werben. Im Gegensatz zu älteren Juden, die ihr Wissen über Israel im Elternhaus, in den Gemeinden oder bei Israelbesuchen erworben haben, erhalten jüngere Juden Informationen über den Nahostkonflikt oft nur noch über die Medien und das Internet. Viele Juden lernen über Israel erst in der Schule, in Colleges oder an Universitäten, wo sie ein eher verschleiertes, einseitiges, und oft auch negatives Bild erwerben.

Auch das American Jewish Committee (AJC) veröffentlichte eine neue Umfrage, den "2005 Annual Survey of American Jewish Opinion". Von den Befragten gaben 55% an, dass jüdisch sein für sie sehr wichtig sei. "Weniger wichtig" (somewhat important) seien dagegen der Synagogenbesuch (34%), jüdische Studien (41%), Israelbesuche (38%) und Mitgliedschaft in jüdischen Organisationen (42%). Im Gegensatz dazu gaben 49% der Befragten an, dass es für sie "sehr wichtig" sei, die jüdischen Feiertage zu feiern sowie an den Holocaust zu erinnern (58%).

Von den Befragten gehören 57% einer Synagoge an, 32% sind Konservativ, 29% Reform, 10% sind Orthodox - und 26% gaben an, sie seien "nur jüdisch". Außerdem, so die Umfrage, wären 70% der amerikanischen Juden gegen den Krieg im Irak und 60% verurteilen Bushs "Krieg gegen den Terror". 2002 standen noch 60% der amerikanischen Juden hinter Bush im Kampf gegen den Terror und forderten den Sturz Saddam Husseins - heute befürworten nur noch 28% der amerikanischen Juden den Krieg im Irak.

Und noch eine Umfrage gab es: "Zogby Culture Polls" hat herausgefunden, dass Juden, im Vergleich zu Mitgliedern anderer ethnischer Minderheiten, kulturell interessierter sind, mehr lesen und öfter ein Theater besuchen - aber weniger als andere Minderheiten, Autos oder größere Haushaltsgeräte kaufen. Sie sind weitaus reicher als andere Minderheiten, wählen aber immer noch wie ärmere Afroamerikaner und Lateinamerikaner, d.h. zu zwei drittel demokratisch.

Die Studie wurde von Zogby International in Zusammenarbeit mit New Jersey Jewish News durchgeführt, und als die "erste bahnbrechende ethnische Kulturstudie" bezeichnet. Sechs von zehn Juden haben einen Universitätsabschluss - das ist mehr als in jeder anderen ethnischen Gruppe. Ganze 90% gaben an, dass ihre ethnische Zugehörigkeit für sie wichtig sei - was aber immer noch hinter den Befragten italienischer und asiatischer Abstammung liege - und 60% der Juden gaben an, schon einmal ethnischer Diskriminierung ausgesetzt geworden zu sein. Die Hälfte der Juden fühlen sich dem Staate Israel nahe - und nicht, wie andere ethnische Minderheitern, dem Ursprungsland der Eltern oder der angloamerikanischen Mehrheit.
Ausserdem sind Juden immer noch liberaler als andere ethnische Gruppierungen (49%). Dennoch, 19% sind konservativer als noch vor einigen Jahren.

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Jüdische Organisationen haben dazu aufgerufen, sich verstärkt für ein Ende der humanitären Katastrophe in Darfur einzusetzen. Vertreter verschiedener jüdischer Gemeinden und Organisationen werden am 30. April zu einer Kundgebung in Washington zusammenkommen unter der Schirmherrschaft von der "Save Darfur Coalition", einer Gruppierung von 150 religiösen und humanitären Organisationen. "Darfur hat eine Wunde freigelegt", meint Steve Gutow, Executive Director des "Jewish Council for Public Affairs". "Es beweist, dass wir es ernst meinen mit ‚Nie wieder Genozid!'".

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Die Zahl der registrierten Wähler in den USA für die Wahl des World Zionist Congress (WZC) hat abgenommen. Es scheint, dass sich amerikanische Juden immer weniger mit dem Zionismus identifizieren: Es ist nicht mehr so richtig "ihre Sache".

Amerikanische Juden können sich bis zum 15. Februar in das Wählerverzeichnis des WZC eintragen lassen - aber nur weniger als 70.000 Wähler (im Gegensatz zu 120.000 Wählern noch vor drei Jahren und 150.000 Wählern im Jahre 1998) machten bisher von ihrem Recht Gebrauch. Die amerikanischen jüdischen Wähler werden 30% der 700 Delegierten des WZC wählen.

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John Demjaniuk soll in die Ukraine abgeschoben werden. Der 85-jährige Ukrainer war Wächter in mehreren Konzentrationslagern und wurde 1993 als der berüchtigte "Iwan der Schreckliche" aus Treblinka in Israel angeklagt, dann aber wegen mangelnder Beweise wieder freigelassen. Er kehrte in die USA zurück und wurde jetzt von einem U.S. Einwanderungsgericht schuldig gesprochen, er habe seine Mittäterschaft bei den Nazis auf seinen Einwanderungspapieren in die USA im Jahre 1952 verschwiegen.

Der Rechtstreites um Demjaniuk dauert seit 30 Jahren an: 1977 wurde Demjaniuk zum ersten Mal in den USA wegen seiner Mittäterschaft in den Konzentrationslagern Sobibor, Majdanek und Flossenburg angeklagt. Im Jahre 2002, nachdem Demjaniuk wieder aus Israel in die USA zurückgekehrt war, wurde ihm die amerikanische Staatsbürgerschaft entzogen. Die Akte Demjaniuk ist aber damit noch lange nicht geschlossen: Der Mann ist in die Berufung gegangen.

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Ein Streit ist entbrannt, in wieweit das Holocaust Museum in Washington seine Besucher auch über aktuelle Ereignisse, wie den modernen Antisemitismus, aufzuklären habe. Die Gruppe "Amcha: The Coalition for Jewish Concerns" fordert, das Museum solle auch über den wachsenden Antisemitismus in der modernen arabischen und islamischen Welt informieren (genauso wie es das Museum schon lange mit dem moderne Antisemitismus in Europa und in den USA handhabt).

Außerdem sollte in der ständigen Holocaustausstellung des Museums auch die arabische Unterstützung für Hitler angesprochen werden, und das Museum sollte darüber hinaus eine Konferenz über den heutigen arabischen Antisemitismus einberufen. Erst unter Druck der Gruppe hatte das Holocaust Museum unlängst die verbalen Angriffe des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad gegen Israel öffentlich verurteilt. Sprecher des Museums gaben jedoch an, dass der Protest gegen die Rede des iranischen Präsidenten schon lange geplant war und nicht von Amchas Aufruf beeinflusst wurde.

Bis vor kurzem hatte das Museum jegliche politische Kommentare abgelehnt (und es lehnt eine Politisierung des Holocausts immer noch ab). "Die arabische Unterstützung für Hitler war ein kleiner Teil der Geschichte und hatte auf den Holocaust an sich keinen Einfluss", sagt Michael Berenbaum, Holocaustgelehrter und ehemaliges Mitglied des Museumsvorstandes. "Das Museum ist eine Ausstellung, keine Enzyklopädie", so Berenbaum, und es wurde aufgebaut, um Genozid und Massenmord zu dokumentieren. Dabei soll es bleiben, so die Kuratoren.

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Wie zu erwarten war, ist Steven Spielbergs neuer Film "Munich", über die Reaktion Israels nach dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972, auf heftige Kritik gestoßen, und zwar unter anderem von der Zionist Organization of America, dem American Jewish Committee und dem "Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America (Camera)". Der Film setze die palästinensischen Täter mit den israelischen Attentätern moralisch gleich, so die Kritiker, und porträtiere die Palästinenser als normale, gute Menschen, die nur mal eben ihre politische Ideologie vertreten wollten. Spielberg wird von seinen Kritikern vorgeworfen, er habe mit seinem Film eine politische Erklärung abgegeben, was der Regisseur in einem Interview mit Time Magazine nicht bestritt, als er sagte, sein Film wäre als ein "Friedensgebet" gedacht.

Der Film sei einseitig, und zeige nur die dunkle Seite der rachsüchtigen Israelis. Doch einige jüdische Medien meinen, der Film gebe das moralische Dilemma der Israelis authentisch wieder: Das Hadern mit der unerlässlichen Bestrafung - der Liquidierung der Attentäter und ihrer Mithelfer. Dieses Hadern beschäftige bis heute die israelischen Soldaten und Kommandanten und wird in Israel immer wieder heftig debattiert. "Auge um Auge, Zahn um Zahn" bringt mit sich eine Verrohung, vor der auch die israelische Gesellschaft nicht immun sein kann und will.

Dieses Hadern und Hinterfragen der Beweggründe der Protagonisten ist aber gerade das Menschliche an dem Film. "Freunde Israels sollten stolz sein, diese moralische Sensibilität der Israelis jetzt auf der Leinwand zu sehen", schreibt J.J. Goldberg im Forward. Auch die "Anti-Defamation League" hat den Film gepriesen und eine "Rechtfertigung für den Gegenterror" genannt. Die Jewish Week beschuldigte die jüdischen Kritiker des Films gar der "Manie mit Munich". Warum werde, so die Zeitung, von Spielberg immer verlangt, "ein Sprecher der amerikanischen Juden zu sein"? Ist denn "Munich" wirklich Spielbergs Anti-"Schindlers Liste"?

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Wenn es ein Symbol für das jüdische New York gibt, dann sind es die vielen koscheren Delis (Imbissrestaurants) in der Stadt. Und wenn ein Deli nach dem anderen zumacht, dann sei das immer wieder ein Beweis dafür, dass das alte New York mit seiner legendären Lower East Side, wo die jüdischen Einwanderer aus dem Stetl zuflucht fanden, verloren gehe. Ende der 30er Jahre gab es noch über 40 solcher Delis in New York - heute ist nur noch eine handvoll geblieben.

Das Schließen des berühmten "Second Avenue Deli" Anfang Januar wegen steigender Mietkosten wurde in New York wie ein Todesfall in der Familie betrauert, obwohl der Deli eigentlich kein altes originales jiddisches Unternehmen war, sondern erst 1950 ins Leben gerufen wurde als Antwort auf die nostalgische Suche nach dem alten jiddischen New York (und es dann auch tatsächlich schaffte, eine wunderbare, originale, koschere "Matzohball Soup" aufzutischen). Der Deli stand in der Lower East Side, an der 2nd Avenue, die in den 20er Jahren der "Jiddische Broadway" genannt wurde, wegen der vielen jiddischen Theater und Schaubühnen, die sich dort niedergelassen hatten. Der "Second Avenue Deli" war eine Institution: Holocaustüberlebende fanden dort Arbeit - und jeder, ob er zahlen konnte oder nicht, wurde bedient. Und es war eines der wenigen "liberalen" Restaurants, die zwar koscher, am Schabbat aber nicht geschlossen waren. Heutzutage ist ein Deli in New York entweder koscher - oder er öffnet seine Türen am Schabbat.

Der Untergang des "Second Avenue Deli" ist "ein Drama, das alle klassischen Elemente einer modernen jüdischen Kulturkrise vorzeigt", schreibt der Forward in einem ironischen Kommentar. "Es spiegelt den Überlebenskampf um die historische Erinnerung wieder. Die Suche nach der Kontinuität der Generationen. Der endlose Kampf um die Kontrolle in unserer Stadt. Und natürlich das Ende der Suche nach - und des Auffindens von - einem außergewöhnlich guten Pastrami Sandwich."

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